Niederdeutsche Sprache


Niederdeutsche Sprache
Niederdeutsch

Gesprochen in

Deutschland, Niederlande, Dänemark[1], Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Kanada, USA, Mexiko, Belize, Brasilien, Bolivien und Paraguay
Sprecher ca. 8 Millionen relativ gut; nach abweichenden Angaben: verstanden von über 12 bis über 30 Millionen, 1–4 Millionen Muttersprachler
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von DeutschlandDeutschland Deutschland[2]
Anerkannte Minderheitensprache in: DeutschlandDeutschland Deutschland

NiederlandeNiederlande Niederlande

Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

nds

ISO 639-3:

nds

Niederdeutsche Dialekte in Deutschland seit 1945 (Auszug aus: Deutsche Dialekte)

Als Niederdeutsch oder Plattdeutsch wird die im Norden Deutschlands sowie im Osten der Niederlande verbreitete westgermanische Sprache genannt, welche sich aus dem Altsächsischen entwickelt hat.

Seine Dialekte gehören zusammen mit den hochdeutschen und niederländischen Dialekten zum Dialektkontinuum der kontinental-westgermanischen Sprachen. Die niederdeutschen Dialekte weisen noch heute Ähnlichkeiten mit dem Englischen und dem Friesischen auf, die auf eine gemeinsame Herkunft dieser Sprachen hinweisen.

Inhaltsverzeichnis

Name und Status

Schreibungen und Aussprachen

Die übliche moderne Eigenbezeichnung ist Plattdütsch, also "Plattdeutsch". Das Wort hat je nach Dialekt unterschiedliche Aussprachen. Da es kein einheitliches Schriftsystem mehr gibt, werden sie auch noch nach unterschiedlichen Regeln niedergeschrieben. Die Form Plattdüütsch[3] nach Saß, der eine Rechtschreibung mit Blick auf Konventionen und Dialekte Niedersachsens und Schleswig-Holsteins formulierte, ist heute am weitesten verbreitet, weil diese Gebiete die größte Einwohner- und damit Sprecherzahl aufweisen. Im Ostniederdeutschen, das – möglicherweise durch die fehlende geographische Nähe zum Niederländischen – kaum Vokalverdopplung in der Schrift zeigt, ist die Schreibung Plattdütsch mit derselben Aussprache in Gebrauch.[4] Dies trägt auch der Synkope der ursprünglich zweisilbigen mittelniederdeutschen Schreibung düdesch Rechnung.

In Gebieten mit ursprünglich friesischer Bevölkerung ist Plattdütsk üblich.[5] Da im Mittelniederdeutschen, wo noch c für den k-Laut stand, sc das Graphem des deutschen sch-Lautes [ʃ] war[6], wird bis heute in einigen Gebieten sk für sch geschrieben. Daher kann die Aussprache von Plattdütsk variieren von Plattdütsch ['plʌt dy:tʃ] über Plattdütschk ['plʌt dy:tʃk] bis zur getrennten Aussprache von s und k als ['plʌt dy:tsk].

Die dem Preußischen entsprungenen mennonitischen bzw. osteuropäischen und panamerikanischen Dialekte bezeichnen sich als Plautdietsch.[7] Dieser Name geht auf ein System von Vokalbrechungen zurück (z. B.: kurzes A wird Au), das sich ähnlich auch im Westfälischen finden lässt. Daneben wird auch Nedderdütsch, -düütsch, -dütsk, -düütsk verwendet, sowie in Holland Nedersaksisch. Anders als die im englischen Sprachraum als Synonym für Low German anzutreffende Bezeichnung Low Saxon bezieht sich der deutsche Ausdruck Niedersächsisch nur auf die westlichen niederdeutschen Mundarten, die direkt auf das Altsächsische zurückgeführt werden und dem Ostniederdeutschen gegenüber gestellt werden, das auch durch das Niederfränkische in der Zeit der Deutschen Ostsiedlung beeinflusst wurde.

Geschichte der Bezeichnung

Aus der altniederdeutschen Zeit ist kein einheimischer Name für die altniederdeutsche Sprache belegt. In lateinischen Texten findet man den Ausdruck lingua Saxonica („sächsische Sprache“).[8]

In der mittelniederdeutschen Zeit wurde das Niederdeutsche von seinen Sprechern oft düdesch oder to düde genannt, besonders als Abgrenzung gegenüber fremden Sprachen und gegenüber dem Lateinischen. So gab es in manchen norddeutschen Städten im 15. Jahrhundert die düdeschen schrifscholen im Gegensatz zu den gelehrten Lateinschulen.[8]

Wenn man die eigene Sprache gegenüber dem Hochdeutschen oder dem Niederländischen abgrenzen wollte, konnte man Begriffe wie unse düdesch, sassesch düdesch oder moderlike sprake verwenden. Im 15. und 16. Jahrhundert waren Begriffe mit sassesch am gebräuchlichsten: sassesch oder sassesche sprake, später auch mit Vorsilbe: nedder-sassesch. Seit dem 16. Jahrhundert findet man auch die Begriffe nedderdüdesch und nedderlendesch.[8]

Im 17. Jahrhundert kommt der Begriff Plattdeutsch auf, der sassesch usw. verdrängt und zum allgemeinen Namen für das Niederdeutsche wird. Dieser neue Name für das Niederdeutsche kommt aus dem Niederländischen. Der früheste Beleg befindet sich in einem Neuen Testament, das 1524 in Delft gedruckt wurde. In Titel und Vorwort heißt es, das Buch sei in goede platten duytsche verfasst, also in guter klarer Volkssprache (im Gegensatz zur weniger gut verständlichen Gelehrtensprache). Das niederländische Adjektiv plat „flach, eben“ bedeutet dabei nicht „unberührt von der hochdeutschen Lautverschiebung“ oder „vom flachen Lande“, sondern „klar, deutlich, jedermann verständlich“[8] im Sinn von „unverstellt, unbehindert“.[9]

Die Bezeichnung der eigenen örtlichen Varietät als Platt ist nicht nur im Niederdeutschen verbreitet, sondern auch im Westmitteldeutschen.[10]

Das Niederländische wurde teils noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Niederdeutsche Sprache“ (Nederduitsche Taal) bezeichnet, die niederländische reformierte Kirche hieß bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch offiziell „Niederdeutsche reformierte Kirche“ (Nederduitsch Hervormde/Gereformeerde Kerk). Eine bedeutende Strömung der protestantischen Kirche in Südafrika heißt bis auf den heutigen Tag offiziell Nederduitsch Hervormde Kerk (siehe auch Niederländisch (Name)).

Ein deutsches Synonym ist der Begriff Plattdeutsch. Der Unterschied zwischen den beiden Begriffen besteht darin, dass Niederdeutsch eher der Fachausdruck ist, während Plattdeutsch der volkstümlichere Begriff ist.[11]

Stellung des Niederdeutschen

Der Status des Niederdeutschen gilt in der Sprachwissenschaft als umstritten; für eine Kategorisierung als bloße „Dialekte“ spricht die funktionale Beschränktheit, die Goossens, Sanders und Stellmacher anführen,[12] während das formale Inventar wie auch die Selbsteinschätzung der Mehrheit der Sprecher als Argumente für eine Kategorisierung als eigenständige Sprache dienen.[13] Zudem ist das Niederdeutsche selbst heterogen und teilt sich in viele Dialekte auf. Nicht zuletzt deshalb wurde das Idiom nie kodifiziert, obwohl darin Literatur entstanden ist und weiterhin entsteht (z. B. Fritz Reuter, Klaus Groth und andere). Selbst Thomas Mann verwendet in den Buddenbrooks an charakteristischen Stellen das Niederdeutsch seiner Heimatstadt Lübeck, und zwar nicht nur für die sogenannten kleinen Leute. (In diesem Zusammenhang ist interessant, dass das lübische Niederdeutsch im Mittelalter die lingua franca der Hanse war, siehe unten). An diesem Werk (und ebenfalls an Uwe Johnsons Romantetralogie Jahrestage) kann man die historische Abgrenzung dieser Sprachen bis in die unmittelbare Gegenwart besonders gut veranschaulichen.

Nach der linguistischen Theorie nach Heinz Kloss handelt es sich beim Plattdeutschen um eine pseudodialektisierte Abstandssprache, also um eine vollwertige Sprache, welche im sozialen Kontext wie ein Dialekt behandelt wird.

Das Niederdeutsche ist im Rahmen der Sprachencharta des Europarats in den Niederlanden (Nedersaksisch) und in Deutschland offiziell anerkannt und geschützt. In Deutschland sind die diesbezüglichen Regelungen 1999 in Kraft getreten. In einigen bundesdeutschen Ländern gibt es gesetzliche Regelungen gegen die Diskriminierung des Niederdeutschen. So sind in Schleswig-Holstein die Behörden verpflichtet, Anfragen und Anträge auf Plattdeutsch zu bearbeiten, und berechtigt, auch auf Plattdeutsch zu beantworten. Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass auch Patentanmeldungen beim Bundespatentamt in München auf Plattdeutsch eingereicht werden können, diese werden allerdings als „nicht in deutscher Sprache abgefasst“ angesehen, bedürfen also einer Übersetzung. Im Gegensatz zu der Rechtsauffassung des BGH in diesem Urteil, gehen andere Juristen und Gerichte aber davon aus, dass der Begriff Deutsche Sprache sowohl die hochdeutsche als auch die niederdeutsche Sprache einschließt[14]; nach dieser Rechtsauffassung ist Niederdeutsch in Deutschland neben Hochdeutsch Amtssprache. In Schleswig-Holstein wird diese Rechtsauffassung vertreten.[15]

In der Wissenschaft hat sich eine niederdeutsche Philologie bereits in den Anfängen von der übrigen deutschen Philologie verselbständigt. Die Mehrzahl der Sprecher des Niederdeutschen war immer von der Eigensprachlichkeit des Niederdeutschen überzeugt. Das Niederdeutsche hat einen eigenständigen Wortschatz und eine Grammatik, die von der hochdeutschen erheblich abweicht. Teile des Wortschatzes stimmen nicht mit dem Hochdeutschen, dafür aber mit dem Niederländischen überein.

Anzahl der Sprecher

Die Anzahl der aktiven Sprecher des Niederdeutschen wird für Deutschland oft mit rund sechs Millionen beziffert[16], davon etwa vier Millionen, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.[17] Nach dieser Quelle beherrschen sogar rund 30 Millionen Deutsche (37 % aller Bundesbürger) Niederdeutsch sehr gut, gut oder mäßig. Hinzu kommen die rund 200.000 Sprecher des Plautdietschen, die überwiegend außerhalb der Erhebungsgebiete wohnen und somit von den Erhebungen nicht erfasst wurden. Die Anzahl der passiven Sprecher, also derjenigen Menschen, die Niederdeutsch verstehen, wird vielfach mit zehn Millionen und mehr für Deutschland angegeben; könnte allerdings wesentlich höher liegen (s. o.). In den Niederlanden sprechen nach einer Erhebung aus dem Jahre 2003 rund 1,5 Millionen die dortigen Dialekte der Sprache.[18] In Dänemark spricht nur noch ein Bruchteil der deutschen Minderheit (ca. 20.000) das Nordschleswigsch (auch: Nordschleswiger Platt) – ein Dialekt des Schleswigschen. Insgesamt dürfte die Anzahl in Niederdeutsch-Sprecher in Europa, die die Sprache relativ gut beherrschen, höchstens acht Millionen betragen; aus den Staaten außerhalb Europas, in denen Niederdeutsch (oft in der Varietät Plautdietsch) gesprochen wird, liegen zumeist keine genauen Zahlenangaben vor. Die Anzahl der niederdeutschen Muttersprachler wird auf etwa eine Million bis vier Millionen geschätzt.

Sprachgeschichte

Deutsch-niederdeutsches Ortsschild in Emlichheim (niederdeutsch Emmelkamp)
Ein niederdeutscher Text (Tafel an der Teufelsplastik in Gettorf (Schleswig-Holstein) - mit der Legende zum Teufelsstein in Königsförde)

Durch die Völkerwanderung breiteten sich die Sachsen – und damit auch ihre Sprache – nach Süden, Südwesten und nach England aus. Die auf dem Kontinent verbliebenen Sachsen wurden von Beda Venerabilis als „Altsachsen“ bezeichnet – daher der Name „Altsächsisch“ für die älteste Stufe der niederdeutschen Sprache. Die altsächsische Sprache breitete sich über ein Gebiet aus, das die heutigen Regionen Holstein (ohne Ostholstein), Stormarn, Niedersachsen, Börde, Harz, Westfalen und die östlichen Niederlande umfasste. Im Wendland (Wenden wurden die Slawen von den Sachsen genannt) gab es noch jahrhundertelang ein slawisch-sächsisches Mischgebiet.

Die angelsächsischen Dialekte und das Altenglische weisen starke Übereinstimmungen mit dem Niederdeutschen (Altsächsischen) auf, da die germanische Bevölkerung Großbritanniens ursprünglich im heutigen Norddeutschland beheimatet war. Aufgrund des starken Einflusses der von den dänischen und norwegischen Wikingern eingebrachten altnordischen Sprachelemente sowie der späteren französischen (normannischen) Sprachüberlagerung und der Erosion der englischen Grammatik während des Mittelalters haben sich diese Gemeinsamkeiten stark verringert, auch wenn die Verwandtschaft noch deutlich sichtbar ist. So hat das Englische seinen westgermanischen Grundcharakter nie verloren.

Mit Beginn der Ostsiedlung (Ostkolonisation) breitete sich die altniederdeutsche, seit etwa 1225 mittelniederdeutsche Sprache, weiter nach Osten aus. Neue große Sprachlandschaften entstanden: Mecklenburgisch, Pommersch, Südmärkisch (Brandenburgisch), Niederpreußisch (nicht zu verwechseln mit der baltischen altpreußischen Sprache) und das Niederdeutsche in den Städten und auf den Gutshöfen im Baltikum und in Skandinavien. Außerdem verzeichnete das Mittelniederdeutsche Gebietsgewinne in Schleswig, wo es das Dänische und Nordfriesische nach Norden drängte, und in Ostfriesland, wo es das Ostfriesische verdrängte. All diese neuen Sprachgebiete des Niederdeutschen sind sogenannte Kolonisationsschreibsprachen oder Kolonisationsmundarten, die einige Besonderheiten in der Grammatik und im Wortschatz aufweisen. So lautet der Einheitsplural der Verben noch heute in den Dialekten des Altlandes (bereits in altsächsischer Zeit niederdeutschen Sprachgebiets) lautgesetzmäßig -(e)t, also anstelle des hochdeutschen wir mach-en, ihr mach-t, sie mach-en im Westniederdeutschen: wi maak-t, ji maak-t, se maak-t. Im Ostniederdeutschen, im Schleswiger Platt und im Ostfriesischen Platt lautet er hingegen -en, also wi mak-en, ji mak-en, se mak-en.

Der fortschreitende Niedergang des Niederdeutschen vollzog sich in zwei Phasen. Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert musste das Niederdeutsche zunächst den Schriftsprachenstatus an das Hochdeutsche abtreten. Nach den Kanzleien der Fürsten und Städte ging auch das gebildete Bürgertum im schriftlichen Sprachgebrauch zum Hochdeutschen über. Zwar bediente sich der größte Teil der norddeutschen Bevölkerung im mündlichen Umgang weiterhin des Niederdeutschen, doch sein Funktions- und Prestigeverlust wirkte sich so nachhaltig aus, dass im Laufe der Zeit eine gesellschaftliche Schicht nach der anderen das Hochdeutsche annahm. Schließlich war die alte Sprache der Region im Wesentlichen nur noch in der Form der Alltagsmundart „kleiner Leute“, und hier insbesondere der Landbevölkerung, lebendig.

Im Zuge der Entwicklung zur modernen Gesellschaft wurden dann die Entfaltungs- und Überlebenschancen des Niederdeutschen immer stärker beschnitten. Die sozialen Prozesse des 19. und 20. Jahrhunderts bedrohten seine Existenz selbst als randständige Volkssprache. Industrialisierung und Urbanisierung schränkten die Möglichkeit zum Gebrauch des nunmehr mundartlichen Niederdeutschen nicht nur immer weiter ein, sondern führten letzten Endes häufig auch zur Auszehrung und Auflösung der örtlichen Sprachgemeinschaft, in der die regionale Volkssprache ihren eigentlichen Lebensraum besaß. Die Bürokratisierung des gesellschaftlichen Lebens, die allgemeine Pflicht zum Besuch der in der Fremdsprache Hochdeutsch gehaltenen Schulen und nicht zuletzt seit Mitte des 20. Jahrhunderts der Einfluss der ausschließlich hochdeutschen Massenmedien förderten und festigten endgültig den Übergang der Bevölkerungsmehrheit zum Hochdeutschen als Gemeinschaftssprache.

In einem langen Prozess wurde das Niederdeutsche aus Kirche, Schule, Politik, Literatur und Wissenschaft verdrängt, ab dem 20. Jahrhundert auch aus den meisten Familien. Aber auch massive Zuwanderungen von Menschen aus anderen Dialekträumen nach dem Zweiten Weltkrieg haben zur Erosion der Sprache in den vergangenen 50 Jahren beigetragen. Regionale Wiederbelebungsversuche können diesen von den Massenmedien zusätzlich beschleunigten Vorgang nicht aufhalten.

Titelblatt von Der Keyserliken Stadt Lübeck Christlike Ordeninge – die Kirchenordnung von Lübeck 1531

Das Niederdeutsche war einst eine bedeutende Schriftsprache. So wurde sie neben Latein auch in Urkunden und Gesetzestexten verwendet. Eine große Bedeutung nehmen auch theologische Schriften ein, so gibt es Ende des 15. Jahrhunderts bereits mehrere Bibelübersetzungen (Kölner Bibel, Lübecker Bibel). Die Bedeutung des Niederdeutschen als Schriftsprache nimmt jedoch im 16. Jahrhundert ab. In der Reformationszeit steigt die Zahl der niederdeutschen Drucke anfangs an: So ist etwa die von Johannes Bugenhagen verfasste Lübecker Kirchenordnung auf Niederdeutsch geschrieben. Von Bugenhagen stammt auch eine niederdeutsche Fassung der Luther-Bibel.[19] Daran wird zweierlei sichtbar: Einerseits die große Bedeutung des Niederdeutschen als Verkehrssprache für den gesamten norddeutschen Raum, so dass eine eigene Bibelübersetzung dafür notwendig erachtet wurde, andererseits zugleich die im Wesentlichen bereits erfolgte Unterordnung des Niederdeutschen unter das Hochdeutsche. Denn das große Vorbild, die luthersche Bibelübersetzung, setzte sich selbst in Norddeutschland gegen die „bugenhagensche Konkurrenz“ durch.

Die von Lübeck dominierte Hanse hatte damals ihre Blütezeit schon überschritten. Das Lübecker Niederdeutsch war ihre Verkehrssprache und lange Zeit die lingua franca des Nord- und Ostseeraumes. Unter Sprachforschern bezeichnet man diese sprachgeschichtliche Entwicklungsperiode als Mittelniederdeutsch (ungefähr 1200–1600). Unter „Mittelniederdeutsch“ versteht man also nicht nur die Schriftsprache, sondern auch die vielfältigen Dialekte der damaligen Zeit (die sich heute jedoch nur schwer rekonstruieren lassen). In der mittelniederdeutschen Schriftsprache hingegen liegen zahllose, bis in die Neuzeit hinein verfasste schriftliche Dokumente, Bücher und Urkunden vor. Sprachzentrum der damaligen Zeit war die Hansemetropole Lübeck; nach dem Zusammenbruch des Städtebundes wurde das Niederdeutsche auf regionaler Ebene lange weiterverwendet, vorwiegend mündlich.

Als Schriftsprache wurde es aber in ganz Norddeutschland immer mehr vom Hochdeutschen verdrängt und sank auf Dialektniveau.

Grenzen des Niederdeutschen

Historisches Sprachgebiet

Die nieder- und hochdeutschen Dialekte in ihrer historischen Verbreitung und die verschiedenen Einteilungsmöglichkeiten in die drei Hauptgruppen (Animation; für Einzelausschnitte einfach anklicken und „Esc“ drücken)

Das historische Sprachgebiet des Niederdeutschen erstreckte sich von der Nordseeküste bis nach Estland und umfasste nach der inzwischen überholten „Stammbaum-Theorie“ auch das Niederländische.

Aufgrund der Vertreibung der deutschen Bevölkerung im und nach dem Zweiten Weltkrieg ist die niederdeutsche Sprache in den heute zu Polen und Russland gehörigen Gebieten nun weitgehend ausgestorben und auch das Niederländische inklusive des mit ihm eng verwandten Niederrheinischen wird ihm nicht mehr zugeordnet.

Das auf friesisch-niederdeutsche Varietäten zurückgehende Plautdietsch der Russlandmennoniten hat sich hingegen von der Ukraine her in verschiedene Gegenden der Welt verbreitet und wird heute beispielsweise in den USA, in Mexiko, in Brasilien oder in Kasachstan gesprochen.

Heutiges Sprachgebiet und dessen allgemeine Abgrenzung

Niederdeutsch im heutigen Sinne umfasst die norddeutschen Dialekte Niedersächsisch (Westniederdeutsch) und Ostniederdeutsch. Als Südgrenze zählt entweder die Benrather Linie (maken/machen-Isoglosse) oder die ein wenig nördlicher gelegene Uerdinger Linie (ik/ich-Isoglosse). Die letzte umfassende Erhebung von 1984 zum Sprachstand des Niederdeutschen wies für die damalige Bundesrepublik Deutschland rund 8 Millionen Sprecher der Regionalsprache aus. Für das Jahr 2006 ist von maximal fünf bis acht Millionen Sprechern auszugehen.

Die Varietäten im Nordosten der Niederlande gehören historisch gesehen zum Niederdeutschen. Es gibt jedoch Linguisten, die sie aufgrund des heutigen Dialektstands als niederländische Varietäten betrachten, nicht als niederdeutsche, da das Niederländische als Dachsprache einen erheblichen Einfluss auf die Varietäten in den Niederlanden ausübt, genauso wie umgekehrt das Hochdeutsche auf die niederdeutschen Varietäten in Deutschland.[20]

Zuordnung des Niederländischen

Die niederländische Sprache wird heute nicht mehr zum Niederdeutschen gerechnet. Zwar wurde auch im Niederländischen – wie im Niederdeutschen – die zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt, aber es handelt sich um zwei verschiedene westgermanische Sprachen. Während das Niederdeutsche auf das Altsächsische zurückgeht, leitet sich das Niederländische vom Altfränkischen ab. Auf diese unterschiedliche Herkunft gehen eine Reihe phonetischer, lexikalischer und grammatischer Unterschiede zurück, darunter etwa im Niederländischen die Bildung des Partizips Perfekt mit ge- oder die Konjugationsendungen.

Im Mittelalter nannten sich alle festlandgermanischen Sprachen ohne jegliche politische Bedeutung einfach nur „deutsch“. Dieses Wort „deutsch“ stand schlicht für „allgemeinverständlich“, „volkssprachlich“ und im weitesten Sinne auch für „germanisch“. Für den kontinentalgermanischen Raum hieß das, dass alle in seinem Raum gesprochenen Sprachen und Dialekte „deutsch“ und in einem engem Dialektkontinuum miteinander verbunden waren. Zu diesem gehörte einst sogar das Altenglische, das mit dem Altniederdeutschen in enger Verbindung stand.

Im Hochmittelalter bildeten sich im Raum der als „niederen Lande“ bezeichneten Gebiete des heutigen Belgiens, der Niederlande und Norddeutschlands zwei bedeutende Schrift- und Urkundensprachen heraus. Im Gebiet Belgiens und der Niederlande waren dies das Mittelniederländische, das unter den Bezeichnungen Diets und Duuts weit in das Gebiet der Westfriesen ausstrahlte. Die andere Sprache war das Mittelniederdeutsche, das seinerseits weit nach Skandinavien ausstrahlte und auch in den östlichen Niederlanden, in den Provinzen Groningen, Drenthe, Overijssel und Gelderland verwendet wurde. Diese Gebiete unterstanden dem Niederstift Münster und so wurde folgedessen dort auch das Mittelniederdeutsche verwendet. Aber dieses Mittelniederdeutsch war bereits stark vom Mittelniederländischen beeinflusst, dass seinerseits in das gesamte Niederstift Münster und den angrenzenden Gebieten ausstrahlte. Der Einfluss des Mittelniederländischen im westfälischen Raum endete erst an den westlichen Grenzen des Bistums Paderborn.

In den Gebieten Kleve, Jülich (Niederrhein) und des Bergischen Landes fand das Mittelniederdeutsche als Schriftsprache keinen Eingang. Dort wurde ein von diesem beeinflußtes Mittelniederländisch verwendet. Ebenfalls unter starkem Einfluss des Mittelniederländischen stand zu jener Zeit das Altfriesische im heutigen Westfriesland, das nun völlig von diesem überlagert wurde.

Mit dem Westfälischen Frieden wurden die Niederlande politisch vom Heiligen Römischen Reich unabhängig, mit dem sie über Jahrhunderte hindurch immer nur lose verbunden waren. Während das Mittelniederdeutsche nun gegenüber dem von Martin Luther geschaffenen Hochdeutschen auf dem Rückzug war, nach dem letzten Hansetag im Jahr 1664 verfiel diese Sprache in den Dialektstand und wurde langsam schriftlos, da immer mehr norddeutsche Territorien das Lutherdeutsch als Kanzleisprache übernahmen. Das Niederländische konnte sich aufgrund seiner Unabhängigkeit in den Niederlanden zur modernen Schrift- und Kultursprache weiterentwickeln.

Im Bereich des heutigen Belgien sank das Niederländische jedoch auf die Stufe einer nur noch mündlich gebrauchten Sprache herab und war nun schriftlos. In diesem Gebiet herrschte nun, als sogenanntes „Burgundisches Erbe“, die Französische Sprache als Literatur-, Kultur- und Schriftsprache vor. Und im 18. Jahrhundert schien es, als wolle das Niederländische nunmehr in zwei oder drei separate Sprachen zerfallen. Während in den Niederlanden das Neuniederländische, das nun sehr vom Sprachgebrauch der holländischen Provinzen geprägt war, entstand in den Spanischen Niederlande nun der Versuch, aus den dort vorherrschenden Dialekten ein standardisiertes „Südniederländisch“ zu entwickeln. Man begann auf der Basis des Westflämischen und des Brabantischen verschiedene Schriftsysteme zu entwickeln. Einer der bekannteren Vertreter dieser Standardisierungsversuche war Jan Des Roches, der 1761 aus verschiedenen westflämischen Dialekten eine Schriftsprache entwickelt hatte. Diese konnte sich aber allgemein nicht durchsetzen. So blieb diese Schriftsprache nur bei den Flamen im Gebrauch und wurde in den sogenannten „3 Flandern“ (West-, Ost- und Französisch-Flandern) verwendet. Da in Französisch-Flandern im Gegensatz zu West- und Ostflandern die moderne niederländische Schriftsprache nie Eingang gefunden hat, schreiben die Westhoek-Flamen als einzige des niederländischen Sprachgebietes in einem Stil, der sich aus dem von de Roches entwickelten „Südniederländischen“ ableiten lässt.

Ab 1803 begann man schließlich mit dem Versuch, die moderne niederländische Schriftsprache für die niederländischsprachige Bevölkerung Belgiens zu übernehmen und durch regionale „südniederländische“ Wörter und Redewendungen anzureichern. So wurde durch den Arzt van Daele begonnen, für dieses Vorhaben ein „Großes Wörterbuch des Südniederländischen“ aufzustellen. Dieses Wörterbuch folgte der damals amtlichen Grammatik und Rechtschreibung der Niederlande. In der Zeit zwischen 1815 und 1830 war Belgien im kurzlebigen Vereinigten Königreich der Niederlande mit dem nördlichen Sprachgebiet vereinigt. Doch bereits 1830 erklärte Belgien seine Unabhängigkeit und diese wurde 1839 von den Niederlanden anerkannt. Infolge des belgischen Sprachenstreits wurde 1878 die moderene niederländische Schriftsprache in Belgien als nationale Schriftsprache der Flamen anerkannt.

Das Niederländische begann nun, alle Dialekte in seinem Geltungsbereich zu beeinflussen und zu überlagern. Diese Überlagerung erfolgte jedoch nur in unterschiedlichen Graden. Aber heute gelten die niederländischen Dialekte in West- und Ostflandern noch am reinsten und diese weichen stärker von der Hochsprache ab als beispielsweise die niedersächsischen Dialekte der Ostniederlande.

Im Zuge der entstehenden Germanistik begannen Deutsche wie Niederländer sich intensiv mit der Geschichte ihrer Sprachen und Dialekte zu beschäftigen. So wurden ihnen auch alte sprachliche Gemeinsamkeiten bewusst. So begannen im 19. Jahrhundert niederländische Gelehrte ihre Sprache und die in ihnen enthaltenen Dialekte als Nederduitsch (eigentlich „Niederdeutsch“) zu bezeichnen und sie dehnten schließlich diesen Begriff auf die verwandten Dialekte Norddeutschlands aus, die von den dortigen Gelehrten als „Niedersächsisch“ bezeichnet wurden. Aber man war sich auch der zahlreichen Unterschiede zwischen Niederländisch und Plattdeutsch bewusst. So wurde um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert von der niederländischen Sprachwissenschaft schließlich der Begriff „Niederdeutsch“ für ihre Sprache und deren Dialekte fallengelassen und man sprach dort nun bewusst von Niederländisch und niederländischen Dialekten. Der Begriff „Niederdeutsch“ wurde nun von der deutschen Sprachwissenschaft übernommen und auf das Plattdeutsche übertragen. Aber bis in die 1960er Jahren war es durchaus noch üblich, den Begriff „Niederdeutsch“ auch auf das benachbarte Niederländisch zu übertragen, indem man dieses nun offiziell als niederdeutsches Sprachgebiet in den Niederlanden und Belgien bezeichnete.

Die moderne Sprachwissenschaft lehnt diese Zuordnung des Niederländischen zum Deutschen bzw. zum Niederdeutschen ab. Beide Sprachformen sind aufgrund der nahen Verwandtschaft Schwestersprachen, aber sie sind nicht miteinander identisch. Die historische Stammbaum-Theorie, in der das Niederländische noch als Teil der deutschen Sprache aufgeführt wird, ist heute nur noch in der nichtwissenschaftlichen Sekundär-Literatur anzutreffen.

Zuordnung des Niederrheinischen

Die traditionelle Zuordnung des Niederrheinischen zum Niederdeutschen wird in der heutigen Germanistik als sehr problematisch angesehen. Denn das Niederrheinische entstammt nicht wie niederdeutschen Dialekte dem Altsächsischen, sondern es gehört zum Niederfränkischen. Demnach sind die am Niederrhein vorherrschenden Dialekte sprachtypologisch auch enger mit den angrenzenden niederländischen als mit den benachbarten deutschen verwandt. Diese traditionelle Zuordnung des Niederfränkischen bzw. des Niederrheinischen zum Niederdeutschen wurde durch die Tatsache erklärt, dass auch diese Sprachvariante die zweite Lautverschiebung (größtenteils) nicht vollzogen hatte.

Nur in den südöstlichen Dialekten des Niederfränkischen, diese werden heute in der Germanistik als Südniederfränkisch bezeichnet, wurde diese Lautverschiebung teilweise durchgeführt und rückt diesen Dialektbereich in die Nähe des Ripuarischen und damit zum Mitteldeutschen. Dieses lässt sich mit der sogenannten Kölner Expansion des 15. Jahrhunderts erklären und diese strahlte weit bis in den niederländischen Sprachraum aus. So entstand als Folge dieser Expansion zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert die ik/ich-Linie als neue Ausgleichsgrenze zwischen dem Mitteldeutschen (Ripuarischen) und dem eigentlichen Niederdeutschen. Dadurch ist es erklärbar, das vom Dialektstand her einige der in Nordwestdeutschland gesprochenen niederfränkischen Varietäten auch den benachbarten mittelfränkischen Mundarten ähneln. Daher wäre eine Zuordnung des Niederfränkischen zum Niederdeutschen aufgrund dieser Sprachmerkmalen nicht gerechtfertigt. Historisch gesehen gilt auch die Ansicht als überholt, es habe ein (Ur-)Deutsch gegeben, das sich in Niederdeutsch und Hochdeutsch aufgespalten habe. (Siehe hierzu auch Westgermanische Sprachen.) Erst nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Dialekte auf beiden Seiten der Grenze den jeweiligen Standardsprachen Niederländisch und Deutsch angenähert, so dass man heute von deutschen Mundarten am Niederrhein sprechen kann. Zuvor wurden diese Varietäten auch als „niederländisches Sprachgebiet am Niederrhein“ bezeichnet. Dem kam entgegen, dass die Niederländische Sprache bis ins 19. Jahrhundert in der Region verwendet wurde.

Eine Möglichkeit besteht für den Sprachforscher darin, das Niederrheinische in der Literatur über niederdeutsche Mundarten nicht zu beschreiben. Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Niederrheinische als eigenständige Einheit, d. h. als Teil des Rheinmaasländischen, irgendwie mit dem Niederdeutschen zu verknüpfen. Ein direktes Einordnen ins Westniederdeutsche verbietet sich demnach aus sprachhistorischen und sprachtypologischen Gründen[21] und die traditionelle Zuordnung des Niederrheinischen in das Niederdeutsche findet sich heute nur noch in der sekundär-wissenschaftlichen Literatur wieder.

Die niederfränkischen Dialekte sind in allen Sprachgebieten auf dem Rückzug, da sie durch die beiden Hochsprachen Niederländisch und Deutsch überlagert werden. In den Städten sind die Dialekte fast verschwunden. Allein in ländlichen Gegenden werden sie tagtäglich noch von der Bevölkerung gesprochen.

Gliederung des Niederdeutschen

Dialekte in Deutschland

Die niederdeutschen Dialekte werden in der Regel so gegliedert:[22]

Die dialektale Einteilung der niederdeutschen Mundarten[23]

Diese Einteilung basiert allerdings in erster Linie auf geographischen (westliche und östliche Hälfte) und historischen (primäres und sekundäres Siedlungsgebiet) Kriterien, aber fast gar nicht auf sprachlichen (Ausnahme: Pluralendung des Verbs im Präsens). In linguistischer, also in lautlicher und grammatischer Hinsicht, gehören das westniederdeutsche Nordniedersächsische und das ostniederdeutsche Mecklenburgisch-Vorpommersche enger zusammen. Neben der Ost-West-Gliederung gibt es deshalb auch eine Nord-Süd-Gliederung, die Nordniedersächsisch und Mecklenburgisch-Vorpommersch zu Nordniederdeutsch, Westfälisch, Ostfälisch und Märkisch zu Südniederdeutsch zusammenfasst, da z. B. das westniederdeutsche Westfälische und das ebenfalls westniederdeutsche Nordniederdeutsche wenig gemeinsam haben.[24]

In den größeren Städten in Norddeutschland gibt es neben den älteren niederdeutschen Stadtdialekten auch hochdeutsche Stadtdialekte, wie das hamburgische Hochdeutsch oder das Ruhrdeutsch, die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert in der städtischen Oberschicht entwickelt und durchgesetzt haben und nicht zum Niederdeutschen zählen. Sie haben allenfalls ein niederdeutsches Substrat aufzuweisen, in der Form einiger Merkmale in Sprachlehre, Wortschatz, Satzbau oder Lautung.

Dialekte in den Niederlanden

Der niederfränkische Sprachzweig gilt heute bei den meisten Forschern als selbständig und wird wegen der eigenständigen niederländischen Sprachtradition in der Regel nicht mehr dem Niederdeutschen zugerechnet. Die niedersächsischen Idiome auf niederländischem Territorium werden angesichts ihrer Nähe zu den norddeutschen Dialekten (Plattdeutsch) gelegentlich zu den niederdeutschen, in der Regel jedoch zu den niederländischen Mundarten gerechnet (siehe Niederländische Dialekte). Die niedersächsischen Dialekte in den Niederlanden gliedern sich folgendermaßen:

  • Westerkwartiers
    • Kollumerpompsters
    • Kollumerlands
    • Middaglands
    • Midden-Westerkwartiers
    • Zuid-Westerkwartiers
  • Gronings und Noord-Drents
    • Hogelandsters
    • Stadsgronings
    • Westerwolds
    • Veenkoloniaals
    • Oldambtsters
  • Stellingwerfs
  • Midden-Drents
  • Zuid-Drents
  • Twents
  • Twents-Graafschaps
  • Gelders-Overijssels
  • Veluws
    • Oost-Veluws
    • West-Veluws

Weitere Länder

Im Ausland gibt es folgende niederdeutsche Dialekte:

Mischsprachen aus Hochdeutsch und Plattdeutsch

Teilweise auch mit Sprachelementen weiterer Sprachen:

  • das Kollumerpompsters mit starkem Einfluss durch die westfriesische Sprache wird allgemein als niedersächsischer Dialekt eingestuft

Aus dem Plattdeutschen hervorgegangen sind u. a.

Historische Phonologie

Die Zweite Lautverschiebung

Im Deutschen kam es noch vor dem Mittelalter zur zweiten oder hochdeutschen Lautverschiebung. Da diese in allen anderen germanischen Sprachen nicht stattfand, ähneln viele Wörter der niederdeutschen Sprache den entsprechenden englischen, dänischen, schwedischen, norwegischen, isländischen und niederländischen Wörtern, z. B.:

Niederdeutsch Englisch Niederländisch Dänisch Schwedisch Norwegisch Deutsch
Water water water vand vatten vann Wasser
Vader/Vadder father vader far far far Vater
Pann/Panne pan pan pande panna panne Pfanne
Salt salt zout salt salt salt Salz
Melk milk melk mælk mjölk mjølk Milch
Kopp cup kop kop kopp kopp Kopf (Tasse)

In einigen westniederdeutschen Dialekten wird das g gleich wie im Niederländischen (nicht Flämischen) als stimmloses ch [x] gesprochen (für das stimmhafte ch [ɣ] wird ǧ geschrieben), im Westfälischen als stimmhaftes ch.

Niederdeutsche Konsonanten ↔ hochdeutsche Konsonanten

k → ch :

  • nd. (und nied.) ikich und kaken ↔ hdt. kochen
  • nd. (und nied.) maken und engl.: to make ↔ hdt. machen

d → t :

  • nd. (und nied.) dag und engl. day ↔ hdt. Tag

jedoch d → d : (wenn im Engl. th)

  • nd. dat, Doorn – nied. dat, doorn und engl. that, thorn ↔ hdt. das, Dorn

t → s :

  • nd. (und nied.) dat, wat, eten und engl. that, what, eat ↔ hdt. das, was, essen

t → z :

  • nd. Tied, Timmermann und nied. tijd, timmerman ↔ hdt. Zeit, Zimmermann

t → tz :

  • nd. sitten – nied. zitten und engl. sit ↔ hdt. sitzen

p → f :

  • nd. slapen oder slopen – nied. slapen und engl. sleep ↔ hdt. schlafen
  • nd. Schipp – nied. schip und engl. ship ↔ hdt. Schiff

p → pf :

  • nd. Peper – nied. peper und engl. pepper ↔ hdt. Pfeffer

v, w, f → b :

  • nd. wief, wiewer – nied. wijf und engl. wife ↔ hdt. Weib, Weiber
  • nd. leev, leewer nied. lief ↔ hdt. lieb, lieber

Weitere Unterschiede zum Hochdeutschen

Es gibt weitere Unterschiede zwischen dem Hoch- und dem Niederdeutschen, die nicht aus der 2. Lautverschiebung resultieren. Diese treten nicht in allen plattdeutschen Dialekten auf. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass im Westniederdeutschen die Aussprache mit S, im Osten aber die Aussprache mit SCH vorherrscht. Die Schreibweise ist im Niederdeutschen allerdings beiderseits der Elbe, anders als im Hochdeutschen bei jedem Wort, vornehmlich die mit bloßem S.

s → sch:

sm → schm:

  • nd. smeeren, Smeer und schwed smörjaschmieren, Schmiere

sl → schl:

  • nd. slapen und engl. sleepschlafen

sw → schw:

  • nd. SwienSchwein

st → scht:

  • nd. steen und engl. stone ↔ schtein („Stein“ geschrieben)

sp → schp:

  • nd. spitz ↔ schpitz („spitz“ geschrieben)

Rechtschreibung

Das Niederdeutsche hat keine einheitliche oder verbindliche Rechtschreibung. Sprachwissenschaftler benutzen in der Regel eine phonetische Transkription, also eine Schreibung, die die Laute so genau wie möglich wiedergibt. Allerdings sind solche Texte für ein breites Publikum schwer zu lesen.

Die am häufigsten gebrauchte Rechtschreibung für niederdeutsche Texte ist die Rechtschreibregelung von Johannes Saß („Kleines plattdeutsches Wörterbuch. Nebst Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung“, Hamburg 1972). Sie lehnt sich an die hochdeutsche Rechtschreibung an und macht die Abweichungen besonders kenntlich. Allerdings ist diese Rechtschreibung weder verbindlich noch geographisch umfassend. Sie gilt primär für die nordniedersächsischen Dialekte, deren größerer Sprecherzahl im Vergleich zu anderen Dialekten auch das Vorherrschen "des Saß" zu verdanken ist. Für das Westfälische mit seinen vielen Diphthongen ist sie weniger gut geeignet.[25]

Für die ostniederdeutschen Dialekte gibt es kein schriftliches Regelwerk, welches übliche Standards zusammenfasst. Jedoch gibt es eine erkennbare Konvention, welche im 19. Jahrhundert auftrat. Sie unterscheidet sich von den Regeln Saß' vor allem durch fehlende Vokalverdopplung und einige Sonderzeichen, welche für Laute stehen, die im niedersächsischen Raum nicht auftreten.

Grammatik

Niederdeutsch ist keine standardisierte Sprache, sondern eine Regionalsprache mit zum Teil sehr unterschiedlichen Dialekten. Eine umfassende grammatische Beschreibung des Niederdeutschen ist daher schwierig. Die folgende Darstellung basiert teilweise auf einer Kurzgrammatik von Wolfgang Lindow[26] und orientiert sich vermutlich weitgehend an den Verhältnissen im Nordniedersächsischen. Zu beachten ist, dass, wie man auch heute noch bei norddeutschen Sprechern des Hochdeutschen hört, das G im Auslaut, also am Ende des Wortes und am Silbenende vor Konsonanten, als CH gesprochen wird.

Genera

Substantive haben (wie im Hochdeutschen) drei Geschlechter: maskulin (m.), feminin (f.) und neutrum (n.):

  • de Mann („der Mann“), Akkusativ: den Mann
  • de Fru („die Frau“), Akkusativ: de Fru
  • dat Kind („das Kind“), Akkusativ: dat Kind

Das Geschlecht der Substantive ist bei manchen Wörtern nicht eindeutig festgelegt, und es stimmt auch nicht unbedingt mit dem Geschlecht des entsprechenden hochdeutschen Wortes überein:

  • de/dat Band (Bindfaden): m. oder n.
  • de Disstel (Distel): m. oder f.
  • de/dat Schiet (Dreck, Schmutz): m., f. oder n.
  • dat Liw (Körper (Leib)): n.
  • dat Bein (das (Ge-)Bein; eng. bone): n.
  • de Bein (das Bein; eng. leg): m.


In der Flexion ist im Vergleich zum Hochdeutschen häufig eine Vereinfachung des Formeninventars festzustellen. Jedoch finden sich vom Mittelalter bis zur Moderne Beispiele für das Vorhandensein aller Fälle mit ähnlicher Verwendung von Präpositionen und Artikeln, wie in der deutschen Grammatik.[27][28]

Dativ, Akkusativ, bzw. Objektiv

Man spricht beim Niederdeutschen oft von einem Subjektfall (den Nominativ) und einem Objektfall (den Akkusativ). Der Dativ scheint mit dem Akkusativ zusammenzufallen und der Genitiv wird durch eine präpositionale Verbindung umschrieben (Beispiel: min Vadder sin Hus – ‘meines Vaters Haus’). Ein tatsächliches Fehlen des Dativs in der plattdeutschen Sprache kann aber bis heute nicht behauptet werden, da der Dativ Artikel 'n in Kontraktionen in fast allen Dialekten vorherrscht.(s.u.)

Dabei tritt heute als ausgeschriebener Artikel für Dativ und Akkusativ nur den für männliche (und sächliche, s.u.) Substantive auf, der weibliche und sächliche bleiben unverändert. Im Gegensatz zum Deutschen wird der ursprüngliche mittelniederdeutsche Dativartikel den in vielen Dialekten kurz gesprochen und findet sich daher auch als dän oder denn geschrieben.[29] Deutliche Kennzeichnung erfährt der Dativ aber in Kontraktionen mit Präpositionen, wo noch das Dativ-M des ehemaligen Artikels deme auftritt, bzw. bei sächlichen Substantiven der alte Dativ-Artikel den. Tatsächlich entstand der Dativartikel "den" über ein Lautgesetz des Mittelniederdeutschen. Dort trat mit der Zeit die Akopierung ein und die Es am Ende von Wörtern wurden nicht mehr mitgesprochen. Wörter, welche ein -me am Ende geführt hatten, wurden ohne E dann häufig mit -n statt mit -m gesprochen.[30]
Eine Trennung von Dativ und Akkusativ kann, über die Artikel hinaus, dann auch in der Aussprache festgestellt werden. Wie im Deutschen und Niederländischen werden D, B und W am Wortende als T, P und F gesprochen. Als Überbleibsel eines ursprünglichen Dativ-E zeigt sich dann eine fehlende Auslautverhärtung, welche durch einen Apostroph deutlich gemacht wird.[31]

Plattdeutsch Deutsch Anmerkung
dat Liw der Körper sprich Lief
in'n Liw' im Körper sprich Liew
Ik ga tau'n/taum Pird'. Ich gehe zum Pferde. siehe unten
Ik ga tau dat Pird. Ich gehe zu dem Pferd. Hier geschieht eine Auslautverhärtung, da es sich tatsächlich um den Akkusativ handelt, der steht, wo ein vergessener Dativ stehen sollte.
Ik ga tau einen Pird'. Ich gehe zu einem Pferde.
Ik köp ein Pird. Ich kaufe ein Pferd.
Ik ga tau(r) Fru. Ich gehe zur Frau. siehe unten
Ik ga tau de Fru. Ich gehe zu der Frau.
de Wulf - de Wülw' der Wolf - die Wölfe Singular, Plural
de Wülwen/Wülben - de Wülw' den Wölfen - die Wölfe Dativ, Akkusativ


Dabei ist unklar ob Kontraktionen mit -r und -m dem Altsächsischen und Mittelniederdeutschen entspringen, oder hochdeutschen Einflusses sind. Bereits das Altsächsische zeigte eine Vermischung von Akkusativ- und Dativformen, ohne dabei aber einen Einheitsfall aufzubauen. Im Mittelniederdeutschen setzte sich dieser Trend fort. Zudem ist eine Mischung und Verwechslung von N und M zu beobachten, wobei das Schrifttum mit fortschreitender Standardisierung auch vom regional Gesprochenen abwich und schriftlich grammatische Unterscheidungen gemacht wurden, die beim Sprechen nicht hörbar, aber bewusst waren. Weiterhin spricht für einen hochdeutschen Ursprung das Fehlen eines weiblichen Artikels "der", wobei Ritter in seiner 1832 niedergeschriebenen Grammatik noch als weibliches Akkusativpronomen "de(re)" verzeichnet. Ungeachtet dessen, welchen Ursprungs diese Formen sind, treten sie allerdings seit mindestens dem 14. Jahrhundert durchgehend in niederdeutschen Texten auf. Wenn diese Kontraktionen als fremd empfunden werden, werden sie durch die Verkürzung des Artikels (Ik ga tau'n Mann/tau Fru.), bzw. durch die Langform ersetzt.
Das in neuerer Zeit stumme Dativ-E jedoch ist zweifelsfrei niederdeutschen Ursprungs.[32] Ebenso, dass in Kontraktionen ein 'n als Dativindikator für de und dat steht.

Außerdem wird der Akkusativ bei der Verkürzung des Objektpronomens em, ursprünglich Dativpronomen, zu 'n, ursprünglich von en, deutlich.

  • Slaten hew ik em nich. - Geschlossen habe ich ihn nicht.
  • Ik will'n sluten. - Ich will ihn schließen

Genitiv

Der Genitiv wird wie im Deutschen und Altenglischen mit angehängtem -(e)s und dem Artikel "des" gebildet. Mit dem Rückgang des Niederdeutschen nach dem Zusammenbruch der Hanse ist er nahezu ausgestorben. Nur in bestimmten Konstruktionen, vor allem in Tageszeitangaben, findet er sich noch. Bei "hochsprachlicher" Literatur wie etwa bei Fritz Reuter findet er jedoch durchgängig Verwendung.

  • Tügs maken - des Zeuges machen, als Beschreibung für Dummheiten; von Tüg, Zeug
  • eines Dages - eines Tages
  • 's Morr'ns - des Morgens
  • 's Nachts - des Nachts

Das Verkürzen des des ist dabei absolut üblich.

Heute wird der Genitiv zumeist durch eine Dativkonstruktion und das Possessivpronomen bzw. durch "von" wie im Englischen und Französischen ersetzt.

  • Den Fischer sine Fru.
  • De Fru vun den Fischer.

In älterer Zeit fanden sich noch Doppelformen aus Konstruktion und Genitiv à la Des Fischer sin Fru.[33]

Ungenaue Mengenangaben

Eine dem Niederdeutschen eigene Bildung ist die ungenaue Mengenangabe, die mit dem unbestimmten Artikel Singular und einer Form der Nachsilbe -ere/-erne gebildet wird, wobei das darauffolgende Zahlwort durch den Artikel zum Substantiv wird.

  • ein Jårer' Söss - an die sechs Jahre (dat Jår, das Jahr)
  • 'n Mannere Fif - um die fünf Männer (de Mann)
  • 'n Litere Tein - ca. zehn Liter
  • ein Dalerne Acht - etwa acht Taler (de Daler)

Plural

Den Plural bilden die Substantive auf unterschiedliche Weise:

Muster Singular Plural Deutsch
Umlautung des Stammvokals dat Hus de Hüs das Haus, die Häuser
Verlängerung des Stammvokals* de Dagg de Dag(/e/n) der Tag, die Tage
Endung -(e)n de Disch de Dischen der Tisch, die Tische
Endung -er dat Kleed de Kleeder das Kleid, die KLeider
Endung -er mit Umlaut dat Book de Bööker das Buch, die Bücher
Endung -s de Arm de Arms der Arm, die Arme
Endung -e dat Sark de Sarke der Sarg, die Särge
unregelmäßig de Mann de Mannslüd (traditionell auch de Manns) die Männer

(*)Überrest früherer Mehrsilbigkeit

Pronomen

Auch bei den Pronomen gibt es in der Regel nur einen Subjektfall (den Nominativ) und einen Objektfall (den Akkusativ).

  • Die Personalpronomen („ich, du, er, sie, es“ etc.) ähneln zum Teil dem Hochdeutschen, allerdings hat die dritte Person Singular maskulin eine andere Wurzel (he statt er). Die in Teilen Südwestfalens gebräuchlichen Pronomen (j)it bzw. ink (2. Pers. Pl. Nom. bzw. Akk.)[34] leiten sich aus den altsächsischen Dualformen "git" (ihr beide) und "ink" (euch beiden) ab.[35]
Numerus Person Genus Nominativ Akkusativ Akkusativ (Ostfriesland) Akkusativ (Ostfalen)
Singular 1.   ik mi mi mik
2.   du di di dik
3. Maskulinum he(i) em/sik hum ö(h)ne
Femininum se(i) ehr/sik höhr/höör se(i)
Neutrum dat/et dat/sik et
Plural 1.   wi u(n)s uns üsch
2.   ji, (j)it (südwestf.)[36] ju, juch,[37][38] jug,[39][40] ji, ink (südwestf.)[41] jo jehre
3.   se jem/jüm/ehr/se(i) höhr sik
  • Die Possessivpronomen („mein, dein, sein, ihr“ etc.) unterscheiden Singular und Plural, abhängig davon, ob das Besessene in der Einzahl oder Mehrzahl vorhanden ist. Dies ist auch im Hochdeutschen so („mein, meine“). Bei den Akkusativformen mit einfachem Besitz stehen die Formen mit der Endung -en für das männliche Geschlecht, die Formen ohne -en für das weibliche bzw. das sächliche Geschlecht.
Numerus Person Genus Nominativ (Besitz einfach) Akkusativ (Besitz einfach) Nominativ (Besitz mehrfach) Akkusativ (Besitz mehrfach)
Singular 1.   mien mien(en) mien mien
2.   dien dien(en) dien dien
3. Maskulinum sien sien(en) sien sien
Femininum ehr ehr(en) ehr ehr
Plural 1.   u(n)s u(n)s(en) u(n)s u(n)s
2.   ju(un), jug(e/n)[39] ju(un), jug(e/n) juun juun
3.   (jem-)ehr (jem-)ehr(en) (jem-)ehr (jem-)ehr
  • Bei den Demonstrativpronomen („dieser, diese, dieses“ etc.) unterscheiden sich maskuline und feminine Formen im Nominativ Singular kaum. Der Plural ist für alle Geschlechter gleich.
Numerus Genus Nominativ Akkusativ
Singular Maskulinum de/disse den/dissen
Femininum de/(düsse) de/(düssen)
Neutrum dat/dit dat/dit
Plural   de/disse (düsse) de/disse (düsse)

Adjektiv

Adjektive, Artikel und Pronomina die sich auf ein Substantiv beziehen, richten sich in ihrer Form nach dem Geschlecht des Substantivs. Dies bezeichnet man auch als Kongruenz.
Die Flexion der Adjektive ist im niederdeutschen Sprachgebiet nicht einheitlich. Es treten unterschiedliche Formen auf, die auch nicht eindeutig regional gegliedert werden können. Bei allen drei Geschlechtern kann das Adjektiv ohne Endung gebraucht werden (de lütt Mann, de lütt Fru, dat lütt Kind). Den Gebrauch mit Endungen kann man den folgenden Beispielen entnehmen:

Genus Nominativ Objektiv
Männlich bestimmt de starke Mann den starken Mann
unbestimmt en starken Mann enen starken Mann
Weiblich bestimmt de smucke Deern de smucke Deern
unbestimmt en(e) smucke Deern en(e) smucke Deern
Sächlich bestimmt dat wide Land dat wide Land
unbestimmt en wid(es)/wid(et) Land en wid(es)/wid(et) Land

Die Steigerung der Adjektive erfolgt durch die Endungen -er und -st(e). Der Superlativ mit „am“ („am besten“) wurde früher ausgedrückt mit up’t („up’t best“), heute vielfach auch mit an’n.

Zahlwort

  • 1: een / ein
  • 2: twee / twei
  • 3: dree / drei
  • 4: veer
  • 5: fief
  • 6: söss / sess / soss
  • 7: söben / söven
  • 8: acht
  • 9: negen
  • 10: teihn
  • 11: ölben / ölven / olben
  • 12: twölf / twolf / twalm
  • 13: dörteihn / darteihn
  • 14: veerteihn
  • 15: föffteihn / foffteihn
  • 16: sössteihn / sossteihn / sessteihn
  • 17: söbenteihn
  • 18: achteihn
  • 19: negenteihn / nee'ntein
  • 20: twintig / twinnich
  • 30: dörtig / dartig
  • 40: veertig
  • 50: föfftig / fieftig
  • 60: sösstig / sosstig / sesstig
  • 70: söbentig / söventig
  • 80: achtig / tachentig
  • 90: negentig
  • 100: hunnert / hünnert
  • 1000: dusend
  • 1.: de eerst(e)
  • 2.: de tweet(e)
  • 3.: de drütt(e), de darde
  • 4.: de veert(e)
  • 5.: de föfft(e), de fiefte

Verb

Konjugation
Das plattdeutsche Verb kennt die zwei Tempora des Präsens und des Präteritums,
sowie die Modi des Indikativs und des Imperativs.

Abgesehen vom Mękelborgschen haben alle plattdeutschen Dialekte eine Einheitsendung für die Plural-Personen. Diese lautet westlich der Elbe -t und östlich der Elbe -(e)n.

Es existiert nur ein Partizip, das Partizip Perfekt. Dieses entspricht dem deutschen Partizip II.

Für das Partizip I verwendet man eine Verlaufsform, wie sie auch im Niederländischen und umgangssprachlich im Deutschen vorkommt ("Rheinische Verlaufsform").

Plattdeutsch: Ik bün an't maken.
Niederländisch: Ik ben aan het maken.
Umgangssprachliches Deutsch: Ich bin am machen.
Standardhochdeutsch: Ich mache.
Deutsch mit Partizip I: Ich bin machend.
Englisch: I'm making.

Vergangenheit
Das Perfekt und Plusquamperfekt wird – ähnlich wie im Deutschen – mit dem Hilfsverb hebben gebildet.

Futur
Das Futur wird zum Teil – anders als im Deutschen und ähnlich wie im Schwedischen und Englischen – mit dem Hilfsverb sölen/schölen/zullen/sallen/schælen... (verwandt, aber nicht bedeutungsidentisch mit dem Deutschen „sollen“) gebildet.

Ik schall na School gahn kann sowohl „Ich werde zur Schule gehen“ als auch „Ich soll zur Schule gehen“ bedeuten. Tatsächlich bevorzugt das Niederdeutsche aber – wie auch das gesprochene Hochdeutsche, reines Präsens zur Bezeichnung des Futurs („Ik gah mörgen na School to.“)

Zum Teil wird das Futur wie im Hochdeutschen mit dem Verb waarn (= „werden“) gebildet: Ik waar morgen to School gahn („Ich werde morgen zur Schule gehen“). Beide Möglichkeiten sind gleichwertig verwendbar.
In historischen Texten, wie etwa der niederdeutschen Übersetzung des Narrenschiffs, findet sich auch, wie im Englischen und Norwegischen, das Futur mit vil.

Vorsilbe ge-

Das Präfix ge- für die Charakterisierung des Partizips Perfekt und davon abgeleiteter Substantive ist – ähnlich wie in der hochdeutschen Sprachentwicklung – zunächst in die Schriftsprache (mittelniederdeutsch) integriert worden, im nordniedersächsischen und ostniederdeutschen Raum (Nordniedersächsisch und Mecklenburgisch-Vorpommersch) jedoch nicht vollständig. Dort ist dieses Sprachmerkmal in der gesprochenen und später auch der geschriebenen Sprache nicht mehr aufzufinden. Dementsprechend findet man dieses Präfix im Niederländischen und Preußischen sowie (reduziert auf e-) im Ostfälischen, aber nicht im Ostfriesischen, Nordniedersächsischen und Mecklenburgischen.

  • nnds. kööpt, ostf. ekofft (vgl. dän. købt, ndl. gekocht, dt. gekauft)
  • nnds. slapen, ostf. eslapen (vgl. engl. slept, ndl. geslapen, dt. geschlafen)

Die Ursache dieses Unterschiedes ist nicht eindeutig geklärt. Es ist unsicher, wie das Partizip in der altsächsischen Sprache gebildet wurde. So weist der Heliand im Vaterunser die Zeile auf: geuuîhid sî thîn namo uuordo gehuuilico, auf Niederdeutsch heißt es: hilligt warrn schall dien Naam. Vergleiche mit der nahe verwandten angelsächsischen Sprache legen ebenfalls nahe, dass das Partizip möglicherweise mit Präfix gebildet wurde. Alte schriftliche Quellen aus der karolingischen Zeit zeigen beide Formen, da sie jedoch von fränkischen Mönchen geschrieben wurden, sind sie diesbezüglich nicht besonders zuverlässig. Mittelniederdeutsche Quellen aus dem 14. und 15. Jahrhundert zeigen beide Formen.

Die regionale Verbreitung liefert eher Hinweise zur Genese dieses Phänomens: Die grammatische Form des Partizips ohne Präfix ist typisch für das Emsland (Binnenland!) und die Küstenregionen von Ostfriesland über den Raum Hamburg/Bremen bis Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Vorpommern. Dagegen wird im ostfälischen Raum sowie in den im Hoch- und Spätmittelalter kolonisierten Gebieten im östlichen Westpreußen wie in Ostpreußen das Partizip mit dem Präfix e- bzw. ge- gebildet. Dieser Umstand lässt einen Einfluss über die Seefahrt und die intensiven Beziehungen zu England und Skandinavien zur Hansezeit und später vermuten.

Gleichzeitig waren die Gebiete, in denen das Partizip nach skandinavischem Muster gebildet wird, in der Neuzeit teilweise über längere Zeit skandinavisch verwaltet. So führte der Dreißigjährige Krieg zu einer schwedischen Besetzung im Gebiet zwischen Hamburg und Bremen (z. B. Stade) und in Pommern. Schleswig und Holstein hatten den dänischen König als Landesherren und eine teilweise dänisch geprägte Verwaltung. Dies könnte ohnehin in der Sprache vorhandene Tendenzen zum präfixlosen Partizip verstärkt haben.

Generell ist zu beobachten, dass es im nördlichen Sprachraum eine über das Partizip hinausgehende Abneigung gegen das Präfix ge- gibt. So wird bereits in älteren Quellen ein Geschlechterbuch Slechtbook genannt. Mit dem hochdeutschen Verb „gehören“ korrespondiert das niederdeutsche hören / heurn und – präziser – tohören / toheurn. He heurt de vun de Geest to = „Er gehört zu denen von der Geest“.

Syntax

Der Satzbau des Niederdeutschen ist großteils gleich mit dem des Bundesdeutschen, auch, weil dieser die ursprüngliche Syntax mehr und mehr verdrängt(e). Doch kann man auch heute nicht von einer Identität sprechen.

Zum Beispiel sind Sätze wie: Ik mag dat nich, gan rut bi Ręgen (hochdt. wörtlich: „Ich mag es nicht, gehen hinaus bei Regen“ – ) normal, da die Wörter z. T. andere Fälle und Formen regieren als die Deutschen. In diesem Fall etwa das Wort mægen, welches einen Infinitiv ohne to (zu) erfordert.[42]

Semantik: Einfluss auf das Hochdeutsche

Das Niederdeutsche nimmt gegenüber dem Hochdeutschen die Stellung einer Substratsprache ein. In Norddeutschland sind unzählige niederdeutsche Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden, manche werden sogar in der hochdeutschen Standardsprache verwendet.

  • aus der Fachsprache der Seefahrt stammen unter anderem:
    • Achterdeck (von achter, niederdeutsch für hinter)
    • Bug
    • Heck
    • Kiel
    • Lotse
    • Planke
    • Rah(e)
    • Reling
    • Steven
    • ein-, ausscheren (ursprünglich von Schiffen gesagt) bzw. einscheren (von einem Tau gesagt)
    • schlingern
    • wriggen (mittels eines Ruders kreisende Bewegungen zum Vorwärtsbewegen des Bootes vollführen)
  • in die deutsche Standardsprache eingegangen sind unter anderem:
    • Bernstein
    • Fliese (Kachel)
    • Laken (Leintuch)
    • Lappen (Lumpen)
    • Mettwurst (niederdeutsch Mett = Fleisch, speziell gehacktes Schweinefleisch)
    • Möwe
    • Spuk (Geistererscheinung)
    • Ufer (anstelle von hochdeutsch Gestade)
    • Hafen (anstelle von hochdeutsch Lände)
    • Ware (anstelle von hochdeutsch Kaufmannsgut)
    • knabbern
    • kneifen (jüngere verhochdeutschte Form des niederdeutschen kniepen)
    • schmuggeln
    • verrotten (verfaulen)
    • wringen (ringen)
    • binnen (innerhalb; vgl. binnen ... Minuten; Binnenschifffahrt)
    • echt (ursprünglich niederdeutsch für 'gesetzmäßig')
    • sacht (sanft)
  • beschränkt auf die norddeutsche Umgangssprache sind unter anderem:
    • Dustern (Dunkelheit)
    • Puschen (Hausschuhe)
    • Schmacht (Entzugserscheinungen bei Rauchern, von smacht, niederdeutsch für Hunger)
    • schnacken (reden, bereden)
    • dröge (trocken)
    • Trecker (Traktor)
    • luschern (schauen, gucken)
    • sutsche (sachte, locker, entspannt)
  • in die allgemeine Umgangssprache eingegangen sind unter anderem:
    • hapern (fehlen, nicht vorangehen)
    • schlabbern (geräuschvoll auflecken; [sich] schlenkernd bewegen)
    • pinkeln, pissen (urinieren)
    • schrubben (fegen, kräftig reibend reinigen)
    • klamm (klamme Finger, nasskalt)

Pragmatik: Aspekte der Verwendung

Einstellungen zum Niederdeutschen

Das Niederdeutsche hat den Ruf, eine gemütlich-heimelige Sprache zu sein. Dieter Stellmacher verweist auf das Beispiel eines Bremer Bundestagsabgeordneten, der zwar nicht fließend Niederdeutsch spricht, aber in Reden und Gesprächen gern niederdeutsche Sätze und Redewendungen einfließen lässt. Damit wolle der Abgeordnete (nach eigener Aussage) eine bessere Stimmung und eine nähere Verbindung zu seinen Zuhörern und Gesprächspartnern herstellen.

Vereinzelt ist auch in den Landtagen der norddeutschen Bundesländer niederdeutsch gesprochen worden, besonders bei Themen, die die niederdeutsche Sprache betreffen. Dies führte dann zu einer heiteren und versöhnlichen Stimmung unter den Parlamentariern. Allerdings zeigt dies auch, dass das Niederdeutsche gerne für weniger wichtige Themen verwendet wird.

Auch in der niederdeutschen Literatur und Theaterkunst[43] erwartet das Publikum eher heitere und leichte Themen, obwohl es auch „ernste“ Literatur und Problemstücke auf Niederdeutsch gibt. Wo die niederdeutsche Literatur und Dramatik nicht nur oberflächlich unterhaltend ist, sondern „seriöser“ sein möchte, wird sie eher unwillig zur Kenntnis genommen. Dies kann damit begründet werden, dass das Niederdeutsche lange Zeit auf private Themen, auf nicht-öffentliche Bereiche und auf die Lebenswelt der „kleinen Leute“ eingeschränkt war.[44]

Verwendung in der EDV

Einige Software wurde nach der Jahrtausendwende ins Plattdeutsche übersetzt. Jedoch beschränken sich die Übersetzungen dabei auf das Nordniedersächsische. Die Desktop-Oberfläche KDE für Unixsysteme, für das Betriebssystem Linux und Derivate gibt es seit einiger Zeit auch mit Sprachpaketen in niederdeutscher Sprache. Die Übersetzungen der Desktop-Oberfläche Gnome für Linux in die niederdeutsche Sprache haben im August 2009 begonnen. Damit einher gehen aktuelle Übersetzungen systemeigener Dialoge der Betriebssysteme Ubuntu und Fedora. Besonders Ubuntu Linux mit dem GNOME Desktop ist bereits gut in Plattdeutsch unterstützt.[45][46] Auch ein Brennprogramm, und zwar »Brann-Stuuv 7«, ist in niederdeutscher Sprache erhältlich.[47]

Bedeutende niederdeutsche Dichter, Schriftsteller und Liedtexter

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Cordes, Dieter Möhn (Hrsg.): Handbuch zur niederdeutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. = NSL. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-503-01645-7.
  • William Foerste: Geschichte der niederdeutschen Mundarten. In: Wolfgang Stammler (Hrsg.): Deutsche Philologie im Aufriss. 1. Band. 2. überarbeitete Auflage. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1957, Sp. 1730–1898.
  • Hans Joachim Gernentz: Niederdeutsch – gestern und heute. Beiträge zur Sprachsituation in den Nordbezirken der Deutschen Demokratischen Republik in Geschichte und Gegenwart. 2. völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Hinstorff, Rostock 1980 (Hinstorff-Bökerie. Niederdeutsche Literatur 11, ZDB-ID 1166820-9).
  • Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch. Band 1: Sprache. 2. verbesserte und um einen bibliographischen Nachtrag erweiterte Auflage. Wachholtz Verlag, Neumünster 1983, ISBN 3-529-04510-1.
  • Wolfgang Lindow u. a.: Niederdeutsche Grammatik. Verlag Schuster, Leer 1998, ISBN 3-7963-0332-3 (Schriften des Instituts für Niederdeutsche Sprache. Reihe Dokumentation 20).
  • Hubertus Menke: Een' Spraak is man bloots een Dialekt, de sik to Wehr setten kann. Nachlese zur Diskussion um die Europäische Sprachenschutzcharta. In: Ursula Föllner (Hrsg.): Niederdeutsch. Sprache und Literatur der Region. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-631-37194-2, S. 9–33 (Literatur – Sprache – Region 5).
  • Hubertus Menke: Niederdeutsch: Eigenständige Sprache oder Varietät einer Sprache? In: Nina Hartel, Barbara Meurer, Eva Schmitsdorf (Hrsg.): Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Jochen Splett zum 60. Geburtstag. Waxmann, Münster u. a. 1998, ISBN 3-89325-632-6, S. 171–184.
  • Willy Sanders: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch. Sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-01213-6 (Sammlung Vandenhoeck).
  • Johannes Sass: Der neue Sass – Plattdeutsches Wörterbuch – Plattdeutsch – Hochdeutsch, Hochdeutsch – Plattdeutsch. 6. Auflage. Wachholtz Verlag, Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-03000-0.
  • Claus Schuppenhauer: Plattdeutsche Klassiker 1850–1950. Wege zur niederdeutschen Literatur. Verlag Schuster, Leer 1982, ISBN 3-7963-0209-2 (Schriften des Instituts für Niederdeutsche Sprache. Reihe Dokumentation 7).
  • Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. 2. überarbeitete Auflage. Weidler, Berlin 2000, ISBN 3-89693-326-4 (Germanistische Lehrbuchsammlung 26).
  • Heinrich Thies: Plattdeutsche Grammatik. Formen und Funktionen. A – Z. 2. verbesserte Auflage. Wachholtz Verlag, Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-03200-4 (Kiek mal rin – zum Nachschlagen).

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Plattdeutsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: niederdeutsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege und Anmerkungen

  1. In Nordschleswig das Nordschleswiger Platt
  2. Unterschiedliche Rechtsauffassungen, ob Niederdeutsch in Deutschland insgesamt Amtssprache ist - siehe dazu: Amtssprache (Deutschland); zumindest aber in Schleswig-Holstein
  3. Kloock, Viechelmann: Uns plattdüütsch Spraakbook op hoochdüütsch un nedderdüütsch. Verlag Buske. Hamburg 1996
  4. Plattdütsch Leiderbauk för Schaul un Hus. Rutgeb'n von'n Plattdütschen Lands-Verband Meckelborg. H. Burmeister. Rostock
  5. Elke Brückmann: Ostfriesisches Wörterbuch Plattdeutsch/Hochdeutsch. Ostfreesk Woordenbook Plattdütsk/Hoogdütsk. Leer 1992
  6. vgl. die Briefe von Hildebrand Veckinchusen
  7. Isaias McCaffery: Wi leahre Plautdietsch: A Beginner's Guide to Mennonite Low German. Mennonite Heritage Museum, Goessel. 2008
  8. a b c d Willy Sanders: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch: sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-01213-6, S. 24–27.
  9. „Zonder voorbehoud, beperking of uitzondering.“ In: Woordenboek der Nederlandsche Taal s. v. plat III B II 3
  10. Siehe Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)
  11. Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. 2. Auflage. Weidler, Berlin 2000, ISBN 3-89693-326-4, S. 11.
  12. Jan Goossens: Niederdeutsche Sprache : Versuch einer Definition. In: Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch : Sprache und Literatur. Karl Wachholtz, 2. Aufl. Neumünster 1983, S. 27; Willy Sanders: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch: sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-01213-6, S. 32 f.; Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. 2. Auflage. Weidler, Berlin 2000, ISBN 3-89693-326-4, S. 92.
  13. Hubertus Menke: Een’ Spraak is man bloots een Dialekt, de sik to Wehr setten kann. Nachlese zur Diskussion um die Europäische Sprachenschutzcharta. In: Ursula Föllner (Hrsg.): Niederdeutsch. Sprache und Literatur der Region. Frankfurt a. M. [u. a.] 2001, S. 27 f.; Hubertus Menke: Niederdeutsch: Eigenständige Sprache oder Varietät einer Sprache? In: Nina Hartel, Barbara Meurer, Eva Schmitsdorf (Hrsg.): Lingua Germanica. Studien zur deutschen Philologie. Jochen Splett zum 60. Geburtstag. Berlin [u. a.] 1998, S. 183.
  14. Siehe unter Amtssprache
  15. http://www.schleswig-holstein.de/cae/servlet/contentblob/633574/publicationFile/SprachenchartaberichtDownload.pdf Seite 61
  16. Z. B. 5,5 Millionen nach http://www.staff.uni-oldenburg.de/gabriele.diekmann-droege/9361.html
  17. 27 % der Bevölkerung Schleswig-Holsteins, 23 % der Mecklenburg-Vorpommerns, 14 % der Niedersachsens, zehn Prozent der Nordrhein-Westfalens und je fünf Prozent der Brandenburgs und Sachsen-Anhalts, zusammen etwa vier Millionen – noch nicht inbegriffen sind Hamburg und Bremen sowie die rund 200.000 Sprecher des Plautdietschen, die überwiegend außerhalb der Erhebungsgebiete wohnen; Zahlen gemäß Vorlesung „Niederdeutsch in Geschichte und Gegenwart“ – Niederdeutsch heute: Eine Bestandsaufnahme (unter Berufung auf Frerk Möller: Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven. Leer 2008, S. 22 f.)
  18. Henk Bloemhoff: Taaltelling Nedersaksisch. Een enqu te naar het gebruik en de beheersing van het Nedersaksisch in Nederland. Groningen: Nedersaksisch Instituut van de Rijksuniversiteit te Groningen. 2005
  19. Johannes Bugenhagen: Biblia: dat ys de gantze Hillige Schrifft, Düdesch: Vpt nye thogerichtet, vnde mit vlite corrigert. Hans Lufft, Wittenberg 1541.
  20. Jan Goossens: Niederdeutsche Sprache: Versuch einer Definition. In: Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch: Sprache und Literatur. Karl Wachholtz, Neumünster 1973, S. 9–27, 20f.
  21. Willy Sanders: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch: sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-01213-6, S. 74–75.
  22. Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. 2. Auflage. Weidler, Berlin 2000, ISBN 3-89693-326-4, S. 108.
  23. das Schleswigsch wird allerdings entgegen der Zeichnung auch im Sprachgebiet der Nordfriesischen Sprache und mit dem Nordschleswiger Platt in Nordschleswig (Dänemark) gesprochen und reicht zudem bis nach Kiel
  24. Vgl. etwa grundsätzlich Ingrid Schröder: Niederdeutsch in der Gegenwart. Sprachgebiet – Grammatisches – Binnendifferenzierung, in: Niederdeutsche Sprache und Literatur der Gegenwart, hg. von Dieter Stellmacher, Hildesheim–Zürich–New York 2004 (Germanistische Linguistik 175–176), S. 35–97 sowie Peter Wiesinger: Die Einteilung der deutschen Dialekte, in: Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung, hg. von Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand, 2. Hbd. Berlin–New York 1983, S. 807–900 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 1.2), bes. S. 828 f.; ferner ganz allgemein Wolfgang Lindow u. a.: Niederdeutsche Grammatik, Leer 1998 (Schriften des Instituts für Niederdeutsche Sprache. Reihe Dokumentation Nr. 20), S. 18. Konkrete Darstellungen des Lautsystems, die auf eine Nord-Süd-Gliederung hinauslaufen, etwa Baldur Panzer, Wolf Thümmel: Die Einteilung der niederdeutschen Mundarten auf Grund der strukturellen Entwicklung des Vokalismus, München 1971 (Linguistische Reihe 7), zusammenfassend S. 165 ff. sowie Peter Wiesinger: Phonologische Vokalsysteme deutscher Dialekte. Ein synchronischer und diachronischer Überblick, in: Dialektologie (wie oben), S. 1042–1076, bes. S. 1062 ff. Fürs Mittelniederdeutsche vgl. sodann Agathe Lasch: Mittelniederdeutsche Grammatik, Halle a. S. 1914 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte IX), 2., unveränderte Au. Tübingen 1974, S. 12 ff., wo ebenfalls die Nord-Süd-Gliederung in den Vordergrund tritt.
  25. Willy Sanders: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch: sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-01213-6, S. 185–187.
  26. Wolfgang Lindow: Plattdeutsches Wörterbuch. Schuster, Leer 1984, ISBN 3-7963-0215-7, S. 253–257.
  27. "Demeudige Bidde Des Garlefeschen Beers An den Försten van Brönsewiek un Lüneborg - Uth dem Latienschen Taur Lust in de platdüsche sprake versettet". Gardelegen. 1651
  28. Ernst Moritz Arndt: "Dom büst du då" in: Mährchen und Jugenderinnerungen. Zweiter Theil. Verlag G. Reimer, Berlin 1843
  29. Manfred Brümmer: De Mallbüdel. Tennemann. 2009
  30. Lasch, Agathe: Mittelniederdeutsche Grammatik.
  31. J. Ritter: Grammatik der mecklenburgisch-plattdeutschen Mundart. Stillersche Hofbuchhandlung. 1832
  32. Agathe Lasch: Mittelniederdeutsche Grammatik. Verlag Max Niemeyer. Halle an der Saale. 1914
  33. Lasch, Agathe: Mittelniederdeutsche Grammatik. §401
  34. vergl. Kartenmaterial auf [1]
  35. Friedrich Holthausen: Altsächsisches Wörterbuch. Niederdeutsche Studien Band 1. 1967 [2]
  36. vergl. Kartenmaterial auf [3]
  37. Bei Ulrich Jahn: Dei Fischer un syne Fruu, Volksmärchen aus Pommern und Rügen l, Norden und Leipzig 1891
  38. Bei Wolfgang Rieck: Stephan Jantzen, 17. Dezember 1873, „Jungs hollt juch fast“
  39. a b bei Fritz Reuter, Beispiele: Ut de Franzosentid, Eine alte Kinderfrau, Ik weit einen Eikbom
  40. vergleiche auch Google-Suche ju, Google-Suche juch, Google-Suche jug
  41. vergl. Kartenmaterial auf [4]
  42. Wiggers: Grammatik der plattdeutschen Sprache, § 52,2
  43. Siehe etwa Ohnsorg-Theater, Hamburg, Niederdeutsches Theater Braunschweig
  44. Dieter Stellmacher: Niederdeutsch: Formen und Forschungen. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1981, ISBN 3-484-10415-5, S. 22–25, 132–133.
  45. http://nds.sourceforge.net
  46. http://www.pro-linux.de/news/1/16483/linux-op-platt-wiederbelebt.html
  47. http://www.computerbild.de/artikel/cb-Aktuell-Software-Kurios-Ashampoo-veroeffentlicht-CD-Brennprogramm-auf-Plattdeutsch-1534851.html

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