Produkt (Wirtschaft)

Produkt (Wirtschaft)

Für ein Produkt in der Wirtschaft gibt es unterschiedliche Definitionen.

Inhaltsverzeichnis

Transformationsorientierte Definition

Ein Produkt ist laut Produktionstheorie Ergebnis (engl.: Output) eines vom Menschen bewirkten Transformationsprozesses, in dem Produktionsfaktoren (engl.: Input; namentlich: Güter, Dienstleistungen, Energie) unter Berücksichtigung von Wissen und unter Beachtung soziokultureller Nebenbedingungen in einen Output (Güter, Dienstleistungen, Energie, Abfall) umgewandelt werden. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung findet man Produkte häufig in Form von Informationen (Verwaltungsakt, Bescheid usw.).

Wertschöpfungsorientierte Definition

Ein Produkt ist ein Wirtschaftsgut, das in einem Wertschöpfungsprozess geschaffen wird. Wirtschaftsgüter, die in einen Produktionsprozess eingehen, werden in dieser Sichtweise als Produktionsfaktoren oder Vorleistungen bezeichnet, sind also selbst kein Produkt.

Angebotsorientierte Definition

Aus der Perspektive des Nachfragers stellt ein Produkt ein Mittel zur Bedürfnisbefriedigung und somit auch zur Nutzengewinnung dar. In Anlehnung an Kotler (1972) unterscheidet man hierauf aufbauend drei unterschiedliche Produktbegriffe:

  • substanzieller Produktbegriff: das Kernprodukt als ein Bündel physisch-technischer Eigenschaften mit dem Ziel der Befriedigung funktionaler Kundenbedürfnisse durch die physischen Merkmale des Produkts.
  • erweiterter Produktbegriff: das Produkt wird als ein Leistungspaket gesehen, bestehend aus physischen Produkten und/oder immateriellen Dienstleistungen, mithilfe derer die umfassende Befriedigung funktionaler Kundenbedürfnisse erreicht werden soll.
  • generischer Produktbegriff: dieser Begriff umfasst alle materiellen und immateriellen Facetten, aus welchen Kundennutzen resultieren kann; hierbei werden neben dem funktionalen Nutzen auch andere Nutzenkategorien berücksichtigt (z.B. emotionaler oder sozialer Nutzen).

Christian Homburg und Harley Krohmer definieren ein Produkt als ein Bündel von Eigenschaften, welches auf die Schaffung von Kundennutzen abzielt.

Umgangssprachliche Definition und Verwendung in der Volkswirtschaftslehre

Umgangssprachlich wird Produkt gemeinhin synonym zu Erzeugnis, Stückgut verwendet. Diese Sichtweise spiegelt sich auch in der klassischen Formulierung von Sektoren in der Volkswirtschaftslehre: Hier ist ein wichtiger Zweig des sekundären Sektors (= Industrie) das sog. produzierende Gewerbe.

Abgrenzungen

Erzeugnis

Gebräuchlich für ein physisches Produkt ist auch das Wort Erzeugnis oder Enderzeugnis: "Erzeugnisse sind in sich geschlossene, aus einer Anzahl von Gruppen und/oder Teilen bestehende funktionsfähige Gegenstände (z. B. Maschinen, Geräte) als Fertigungs-Endergebnisse" (DIN 6789). Man spricht auch von Erzeugnisstruktur, Erzeugnisgliederung, Produktionsplanung für Enderzeugnisse usw. Noch nicht funktionsfähige Produkte im Produktionsprozess werden als Gegensatz zum Enderzeugnis Zwischenerzeugnisse genannt (in der Fertigungstechnik und in der Hüttentechnik auch: Halbzeug oder Halbfabrikat = zwischen Rohstoff und Fertigerzeugnis stehendes Produkt, das noch weitere Fertigungsstufen zu durchlaufen hat).

Nischenprodukt

Ein Produkt, das nur einen kleinen Teil des Bedarfes im Gesamtmarkt abdeckt, bezeichnet man als Nischenprodukt.

Produktkomponenten

Ein Produkt setzt sich aus mehreren aufeinander aufbauenden Komponenten zusammen, welche allesamt nutzenstiftend sind:

  • Produktkern: bestehend aus den Kerneigenschaften, welche maßgeblich die Funktionalität des Produktes bestimmen.
  • Zusatzeigenschaften: Eigenschaften, die Nutzen generieren, der nicht in der Kern(gebrauchs)funktion des Produktes begründet liegt.
  • Verpackung/Gestaltung des berührbaren Umfeldes: Schutz des Produktes, leichte Handhabbarkeit, Sicherstellung des Produkttransports, Kaufbeeinflussung, etc.
  • Basisdienstleistungen: solche Dienstleistungen, welche der Kunde beim Kauf des Produktes vom Anbieter erwartet (z.B. Angebot von Beratungsleistungen).
  • Zusatzdienstleistungen: auch als "Value Added Services" bezeichnet, sind dies Dienstleistungen, die dem Kunden einen zusätzlichen Nutzen bringen, jedoch für ihn keine Kaufvoraussetzung darstellen (z. B. die Reinigung eines Autos anlässlich einer Inspektion).

Produkttypen

Produkte lassen sich allgemein typologisieren, beispielsweise nach Kriterien wie Materialität der Leistung, Träger des Bedarfs oder Nutzungsdauer (nach Knoblich 1995):

  • Sachgüter
    • Konsumgüter
      • Verbrauchsgüter
      • Gebrauchsgüter
    • Industriegüter
      • Produkte im Produktgeschäft
      • Produkte im Anlagengeschäft
      • Produkte im Systemgeschäft
      • Produkte im Zuliefergeschäft
    • Konsumtive Dienstleistungen
      • kontinuierlich erstellte Dienstleistungen im Rahmen einer Mitgliedschaft
      • kontinuierlich erstellte Dienstleistungen ohne formale Beziehung
      • gelegentlich erstellte Dienstleistungen im Rahmen einer Mitgliedschaft
      • gelegentlich erstellte Dienstleistungen ohne formale Beziehung
    • Investive Dienstleistungen
      • industrielle Dienstleistungen
      • rein investive Dienstleistungen

Quellen

  • Kotler, Phillip; Keller, Kevin L.; Bliemel, Friedhelm (2007) Marketing Management - Strategien für wertschaffendes Handeln. 12. Auflage, Person Education Deutschland GmbH, München ISBN 978-3-8273-7229-1 S.12 Kapitel 1.2.2 Ware und andere Austauschobjekte
  • Homburg, Christian; Krohmer, Harley: Marketingmanagement Strategie – Instrumente – Umsetzung – Unternehmensführung. 3. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-1656-3, S. 536 Kapitel 11.1 Konzeptionelle Grundlagen der Produktpolitik

Siehe auch

Weblinks


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