Pueblo-Kultur


Pueblo-Kultur
Lage der Pueblos und benachbarter Indianerreservate in New Mexico.

Als Pueblo-Kultur oder Pueblo-Indianer werden diejenigen der indianischen Völker Nordamerikas bezeichnet, die in Pueblos leben.

Zur Pueblo-Kultur gehören die Hopi, Keres, Acoma, Tano, Zuñi und ihre Vorgänger, die Anasazi.

Einige Zentren der Pueblo-Kultur sind Mesa Verde in Colorado, Chaco Canyon in New Mexico und Canyon de Chelly in Arizona.

Inhaltsverzeichnis

Sprache und Wohngebiet

Adobe-Häuser der Acoma
Taos-Pueblo

Die Pueblo-Indianer leben im nördlichen Mexiko und in den heutigen Staaten Arizona und New Mexico, auf dem Colorado-Plateau und am Rio Grande und seinen Nebenflüssen. In etwa 90 Dörfern gab es mehr als 40.000 Menschen. Heute werden nur noch 30 Siedlungen bewohnt.

Die Pueblo-Indianer gehören mehreren verschiedenen Sprachgruppen an, die sich wiederum in mehrere Hauptsprachen unterteilen. Die größte Sprachgruppe ist hierbei das Tano, das zur Kiowa-Tano-Sprachfamilie gehört. Das Tano besteht aus drei Hauptsprachen, nämlich Tiwa, Tewa und Towa. Tiwa wird von den Bewohnern von Taos Pueblo, Picuris, Sandia und Isleta gesprochen. Tewa ist die Sprache in den Pueblos Nambe, Pojoaque, San Ildefonso, San Juan, Santa Clara und Tesuque. Jemez ist der einzige Pueblo, in dem heute noch Towa zu hören ist. Eine weitere Sprachgruppe bildet das Keres, dessen Sprecher man verstreut unter den Tano-Sprechern am Rio Grande und seinen Nebenflüssen in den Pueblos von Cochiti, Santo Domingo, San Felipe, Santa Ana und Zia sowie weiter westwärts in Laguna und Acoma findet. Noch weiter westlich liegt der Zuni-Pueblo, wo Zuñi gesprochen wird. Im nördlichen Arizona, auf drei Mesas des Colorado-Plateaus, leben die Hopi, die sprachlich zum Shoshone-Zweig der uto-aztekischen Sprachfamilie gehören. Die Keres-Sprachgruppe sowie die Zuñi-Sprache gelten heute als Isolierte Sprachen.

Die Pueblo-Indianer lassen sich nach Lage ihrer Dörfer in zwei Gruppen unterteilen. Die Östlichen Pueblo (Tano- und Keres-Sprecher) leben am Rio Grande und seinen Nebenflüssen und haben damit eine permanente Wasserquelle, die ihnen den Bewässerungsfeldbau erlaubt. Die Westlichen Pueblo (Hopi, Zuñi, Acoma und Laguna) sind mangels stetiger Wasserversorgung auf Trockenfeldbau angewiesen.

Geschichte

Als Vorgänger der Pueblo-Kultur gelten die Basketmaker. Ursprünglich Jäger und Sammler wandelte sich etwa ab 750 ihre Lebensweise mit beginnendem Ackerbau. Eine feste und sichere Nahrungsquelle ermöglichte das dauerhafte Verweilen an einem Ort. Die ersten festen Häuser wurden gebaut, so genannte Pithouses. Diese waren halb unterirdisch angelegt und hatten etwa die Form eines Pyramidenstumpfes.

Teil eines Hopi-Pueblo in Arizona

Mit dem sesshaften Leben entwickelten sich auch handwerkliche Fähigkeiten weiter, wie Töpferei, das Fertigen besserer Werkzeuge und Jagdwaffen und Schmuckherstellung. Auch die Bauweise änderte sich, Häuser wurden ebenerdig mit senkrechten Wänden gebaut. Zunächst mit Baumstämmen, die mit Lehm verputzt wurden, später aus Stein. Mit dem Wachsen der Bevölkerungszahl wurden weitere Räume an die vorhandenen angebaut und nach und nach entstanden größere Siedlungen. Unklar ist, wie es zu dem Wandel im Baustil kam. Eine Möglichkeit könnte aber das eben genannte Wachstum in der Zahl der Bewohner gewesen sein. Das Bauen in dieser Form ließ im Gegensatz zum Neubau einzelner Häuser eine einfachere Erweiterung zu.

Als erster Europäer durchquerte Álvar Núñez Cabeza de Vaca mit seinen Begleitern die Gegend im Jahre 1535. Seine Berichte lösten später den Coronado-Feldzug aus.

Lebensweise

Schon zu Zeiten der Anasazi war die Pueblo-Kultur eine sehr komplex strukturierte Gemeinschaft. Wahrscheinlich gab es sogar schon bestimmte Aufgabenverteilungen und Spezialisierungen. Mit Sicherheit lässt sich das allerdings nicht sagen, da es keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Als einzige Hinweise auf das damalige Leben dienen archäologische Funde wie Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände, Malereien und Ritzzeichnungen an Felsen aber auch Legenden der Nachfahren der Anasazi.

Lebensgrundlage in dieser Zeit war vorwiegend der Anbau von Mais und Bohnen und zusätzlich das Sammeln von Wildpflanzen und -früchten sowie die Jagd auf Dickhornschafe, Kaninchen und anderes Kleinwild. Tierhaltung beschränkte sich damals auf Truthähne sowie Hunde, die Zucht von Schafen und Ziegen wurde erst später um das 16. bis 17. Jahrhundert von den Spaniern übernommen.

Handwerk

Das Handwerk erlebte unter der Pueblo-Kultur eine besondere Phase der Weiterentwicklung. Insgesamt nutzten die Menschen alle natürlichen Materialien wie Stein, Holz und Knochen zur Herstellung der verschiedensten Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände: Knochenahlen, Steinäxte und -messer, Feuerbohrer, Grabstöcke, etc.

Aus der früheren Kultur war das Korbflechten schon bekannt. Mit der Zeit erlangten die Menschen aber auch zunehmendes Geschick für Töpferei. Grundlage für dieses Handwerk war möglicherweise das Wissen um den Einsatz von Lehm, Erde oder Ton als festwerdendes Bindemittel beim Hausbau. Von da war es sicher nur ein kleiner Schritt, dasselbe Material zum Formen von Schalen und anderen Gefäßen zu verwenden. Sowohl einfache Gebrauchsgegenstände wie Wasserkrüge als auch Schalen für zeremonielle Handlungen wurden kunstvoll verziert. Ritzmuster, überwiegend aber Bemalung mit Naturfarben mit den unterschiedlichsten Motiven fanden sich: Darstellung von Tieren, gerade Linien und Zickzacklinien, spiralförmige Ornamente.

Ein weiterer Teil war die Schmuckfertigung. Über Tauschhandel gelangten beispielsweise Muscheln und Türkis weit ins Landesinnere. Daraus wurden Schmuckstücke wie Anhänger oder Amulette hergestellt. Verwendung fanden diese innerhalb der Gemeinschaft einfach als Schmuck, vielleicht auch als Statussymbol oder sie dienten wieder als Tauschobjekt.

Noch heute gehören die Fertigung von Schmuckstücken mit Türkissteinen sowie das Töpferhandwerk zur Tradition der Diné und der Zuni. Zum Teil gibt es auch schon fabrikgefertigte Keramiken, die in Form und Bemalung den in Handarbeit hergestellten sehr ähneln. Handgefertigte Töpferwaren sind jedoch stets an der eingeritzten Signatur des Handwerkers auf der Unterseite des Bodens erkennbar.

Handel

Ein ausgedehntes Netz von Handelswegen verband die einzelnen Siedlungen. Beweis dafür sind zum Beispiel Muscheln von der Pazifikküste, die im Mesa-Verde-Nationalpark gefunden wurden. Umgekehrt fanden sich auch Töpferwaren mit dem typischen Muster der Bewohner von Mesa Verde weiter im Süden, so zum Beispiel im Chaco Canyon. Entweder geschah dies einfach durch Weitergabe von einer Siedlung zur nächsten, möglich wäre aber auch, dass es Händler gab, die von Dorf zu Dorf zogen und darüber den Kontakt zu anderen Kulturen herstellten.

Heute haben einige Stämme ein ausgedehntes Geschäft mit dem Tourismus etabliert. So zum Beispiel die Zuni (Ashawi), die in ihrem Reservat Hotels unterhalten. Auch der Bereich der Informationstechnologie ist bei den Zuni ein Wachstumszweig (ausgerichtet für Dienstleistungen innerhalb ihrer eigenen Stammesorganisation).

Literatur

  • William C. Sturtevant (Hrsg.): Handbook of North American Indians, Smithsonian Institution Press, Washington D.C.
  • Tom Bathi: Southwestern Indian Tribes, KC Publications, Las Vegas 1995
  • National Park Service: Mesa Verde, Official Map and Guide

Einzelnachweise


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