Ralph Baer

Ralph Baer

Ralph H. Baer (* 8. März 1922 in Rodalben) ist ein deutsch-US-amerikanischer Spieleentwickler. Er entwickelte 1969 in Eigenregie die erste für den Heimbedarf gedachte Spielkonsole: die Odyssey.

Ralph Baer erhält von US-Präsident Bush die National Medal of Technology

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ralph Baer hat sich zum Teil selber ausgebildet, da er im Alter von 14 Jahren seine Schule verlassen musste, da er jüdisch war. Zwei Jahre später zog er mit seiner Familie nach Amerika, wo er per Fernkurs vom National Radio Institute in der Radio- und Fernsehwartung ausgebildet wurde. Nachdem er der Armee beigetreten war und so am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte, wurde er in England, wo er stationiert war, in der Algebra ausgebildet. Ein Jahr, nachdem er schließlich aus dem Krieg zurückgekehrt war, schrieb er sich am American Television Institute of Technology (Chicago) ein. Somit setzte er seine Allgemeinausbildung fort. Schließlich erhielt er seinen Bachelor-Grad in Fernsehtechnik. Ab 1951 arbeitete er bei Loral, wo er unter anderem neue Fernseh-Empfangsgeräte entwickelte. Seit 1955 war er schließlich beim Militärzulieferer Sanders angestellt. Dort arbeitete er insgesamt 30 Jahre lang, wobei er sich die ersten 15 Jahre um Militärprojekte kümmerte. Dabei beschäftigte er sich auch mit Transistoren und Mikroprozessoren.

Im August 1966 kam Baer erstmals auf die Idee einer Heimspielekonsole, als er über den Gebrauch von Fernsehgeräten nachdachte. Da er Leiter einer Abteilung bei Sanders war, konnte er seine Idee verwirklichen. Er plante, ein solches Gerät zu entwickeln und für 19,95 USD zu vermarkten. Bei der Entwicklung arbeitete er zusammen mit Bill Harrison. Sie entwickelten einen Mechanismus, der das Bild steuern konnte, das der Fernseher anzeigte. Ihre ersten Erfindungen aber dienten aber noch nicht der Unterhaltung; das erste Spielzeug, das sie entwarfen, war ein Hebel. Wurde dieser gedrückt, wurde eine auf dem Fernseher angezeigte rote Box in eine blaue umgefärbt. Als Baer diese Erfindung dem Firmenvorstand vorstellte, meinte dieser, Baer verschwende nur die Zeit der Firma.

Seit 1967 arbeitete außerdem Bill Rusch mit Baer und Harrison zusammen. Dadurch wurde am Projekt weitergearbeitet und es entwickelte sich weiter, und sie stellten ein Zweispieler-Spiel fertig, in dem ein Spieler einen anderen in einem Labyrinth jagte. Mai oder Juni 1967 entwarfen die Drei schließlich ein System, das sich bewegende Punkte auf dem Bildschirm einblendete, und die Aufgabe des Spielers war es, einen weiteren Punkt zu steuern, der den anderen fangen sollte. Dies entwickelte sich weiter, sodass am Ende eine Ping-Pong-Simulation entstand. Baer wollte sein System vermarkten, Sanders war als Firma dazu aber nicht geeignet, weil die Mitarbeiterzahl der Firma sank und sie als Militärzulieferer nicht im Spielzeugmarkt operieren konnte. Nachdem sich ein Kabel-Produzent als Vermarkter anbot, zeigte General Electric Interesse, später auch Zenith Electronics Corporation und Sylvania. Schließlich interessierte sich auch RCA für das Produkt, es kam so weit, dass schon Verträge verfasst wurden, diese wurden aber nie unterschrieben. 1971 wurde ein ehemaliger Mitarbeiter von RCA, der das Projekt gesehen hatte, von Magnavox angestellt, wo er von dem Spielsystem erzählte. Die Firma zeigte Interesse und kam, nachdem sie das System begutachtet hatte, zum Urteil, es sei eine gute Investition. Nachdem das System etwas überarbeitet wurde, wurden entsprechende Verträge Ende des Jahres unterschrieben, sodass ab 1972 Magnavox Odyssey produziert wurde. Das Gerät kam für 100 USD auf den Markt.

In der Folgezeit fiel Baer in Depressionen, weil die Militärfirma finanzielle Probleme hatte und er am Wert seiner Spielekonsole zweifelte. Er kam zur Meinung, der Sanders-Vorstand hatte recht gehabt, als er urteilte, Baers Projekt sei Zeitverschwendung gewesen.

Im Januar 2006 wurde Baer von US-Präsident Bush für seine Leistung im Bereich der Videospiele mit dem Orden „National Medal of Technology“ geehrt, die als höchste US-Auszeichnung im Bereich Wissenschaft und Technik gilt.

Steve L. Kent nennt Baer zusammen mit Steve Russel, dem Erfinder von Spacewar!, die vergessenen Väter der Videospiele.

Die Erfindung

  • Der rechteckige Holzklotz arbeitete im Inneren noch nicht mit Computertechnik, sondern mit Transistoren und Schaltern, wobei man für das Benutzen von Spielen eine dazu passende, mit einem Spielfeld bedruckte, Plastikscheibe auf den TV-Bildschirm befestigen musste, da die Konsole selbst nur einfachste Grafikelemente darstellen konnte. Mit zwei Drehreglern an beiden Seiten, einer für die Vertikal-, der andere für die Horizontalachse gedacht, bediente man seine Spielfigur oder ein Raumschiff usw. Das Ganze war noch eher wie ein Brettspiel für mehrere Personen mit Konsolenhilfe aufgebaut; die meisten Spielvarianten erforderten weitere mitgelieferte nicht-elektronische Hilfsmittel wie Ereigniskarten usw. Dieses Gerät stellte Baer im selben Jahr noch dem damaligen Elektroriesen Magnavox vor, der schließlich 1972 die Konsole als Magnavox Odyssey in den USA in den Handel brachte. Und dieses mit respektablem Erfolg. Rund 100.000 Stück verkaufte man. Damit war dem Nachfolgegerät Odyssey 2 - und insgesamt den Spielkonsolen - auf dem Markt der Weg bereitet.
  • Eine weitere Entwicklung Baers ist Senso (englisch: Simon), ein bekanntes elektronisches Musikspielzeug, welches das Gedächtnis auf die Probe stellt.
Senso

Siehe auch: Geschichte der Videospiele, William Higinbotham

Literatur

  • Steven L. Kent: The Ultimate History of Video Games. From Pong to Pokémon and Beyond – The Story Behind the Craze That Touched Our Lives and Changed the World. Prima & Three Rivers, Roseville, New York 2001, ISBN 0761536434.

Weblinks


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