Tibet-Mastiff


Tibet-Mastiff
Tibetdogge
FCI - Standard Nr. 230
Herkunft Tibet, China
Patronat F.C.I.
Klassifikation FCI
  • Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer - Molosser und Schweizer Sennenhunde
  • Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde
Rassenamen laut FCI Do-Khyi (Tibet-Dogge)
Andere Namen Tibet-Mastiff
Widerristhöhe Mindestgröße Rüde 66cm; Hündin 61cm
Gewicht ~ 65kg
Liste der Hunderassen

Die Tibetdogge ist eine von der FCI (Nr. 230, Gr. 2, Sek. 2.2) anerkannte Hunderasse aus Tibet. Das Zuchtbuch führt die FCI.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geschichtliches

Der in Tibet Do Khyi (übersetzt: angebundener Hund) genannte Hirtenhundetypus stammt aus den Hochebenen des Himalaya und Transhimalaya und wird gerne als eine der ältesten Hunderassen des Ostens bezeichnet. In nähere Mitochondrien-DNA-Untersuchungen waren auch vier Tibetdoggen der Ursprungsregion mit einbezogen.[1]. Die untersuchten Tibetdoggen befinden sich auf dem Haplotype 44 und 45 der ältesten Klade A, sie sind von späteren Einflüssen auf die Mitochondrien-DNA ziemlich unbeeinflusst geblieben. Mit ihnen finden sich auch einige unbenannte Staßenhunde aus den Regionen Sichuan (ehemaliges historisches Tibet,Kunlun Shan Hochebene, Ost-Quamdo= Amdo, Nordindien), Guangxi (unterhalb Himalaya und innere Mongolei) auf dem Haplotype 44 und 45. Der Einfluss der Straßenhunde auf die Tibetdogge oder der Tibetdogge auf die Straßenhunde wird damit deutlich sichtbar. Weil die tibetische Kultur - aufgrund der geographischen Lage - zumindest bis 1959 von westlichen wie asiatischen Einflüssen gleichermaßen weitgehend abgeschottet war, ist nun zu sehen, dass sich diese Rasse (wie einige andere in der Abgeschiedenheit Tibets überlebende alte Haustierrassen auch) in den vergangenen Jahrhunderten ohne genetische Beeinflussung von außen relativ unverändert erhalten hat. Jedoch spielt der Haplotype 44 und 45 eine, wenn auch weitaus geringere Rolle als früher angenommen bei der Entwicklung anderer Haplotypes. Das heißt die Strassenhunde Tibets und die Tibetdogge spielten eine Rolle bei der Entwicklung weiterer Hundetypen, sie sind jedoch nicht als tatsächlich beteiligter Vorfahr der heutigen, westlichen Molosser zu identifizieren.

Der Haplotype 45 weist in seiner Mitochondrien-DNA direkt auf die Entwicklung aus den ermittelten, beteiligten Wolfsunterarten hin (Haplotype 35). Über einen nicht bekannten Zwischentyp führt dieser ebenso direkt zu Haplotype 44. Auch die Nähe zum ursprünglichen Domestikator, den in der Studie benannten Mongolischen Wolf Canis lupus chancho, heute auch Chinesischer Wolf genannt ist mit diesen Ergebnissen erwiesen.

Tibetdogge

Anders als in vielen anderen Hirtenkulturen genießt der Hund in Tibet große Wertschätzung und wurde auch bei der Darstellung des „Rad des Lebens“ auf etlichen antiken Thankas und Malereien dargestellt. Dank dessen ist der unveränderte Typus des Hundes über einen langen Zeitraum zurück nachzuweisen. In Europa nahm man erstmals durch die Überlieferungen Marco Polos, der um 1271 Asien bereiste und über die Kultur und die Menschen des Tibetischen Hochlandes berichtete, von dieser Hunderasse Kenntnis.

Die These, die Tibetdogge sei der Urahn aller doggenartigen Hunde, wurde bereits vor längerer Zeit (1875 - 1935) aufgeworfen und wird seither unter Kynologen kontrovers diskutiert. Nun ergeben sich die ersten Einblicke, welche von den Kynologen erst wieder diskutiert und eingeordnet werden müssen. Es ist nun ersichtlich, dass sich die Doggenartigen und die Tibetdogge auf unterschiedlichen Wegen und in unterschiedlichen Zeiträumen entwickelt haben. In seinem Haplotype allerdings hat sich die Tibetdogge bis heute in unsere Zeit relativ unbeeinflusst und unverändert als „alter Hundetyp der Domestikation“ erhalten.

Beschreibung

Dieser bis 75 cm große und um 60 kg schwere (Rüden), sehr kräftige, im Alter massive Hund strahlt Würde aus. Er ist in den Farben einfarbig schwarz, einfarbig rot, einfarbig blau, schwarzmarken oder als blau- und tanfarbener anzutreffen. Ein kleinerer weißer Stern auf der Brust ist erlaubt, sowie kleine weiße Abzeichen an den Zehen. Das Haar ist von großer Dichte mit sehr starker Unterwolle im Winter meist in einer Art von Langstockhaar. Das Deckhaar ist fest und zusammen mit der dichten Unterwolle extrem witterungsunempfindlich. Das Haar auf den Kopf über den Nacken bildet besonders beim Rüden eine mächtige Halskrause. Tibetdoggen haben ein fast völlig geruchloses Fell, selbst an regnerischen Tagen.

Charakteristisch für diese Hunderasse ist das starke Abhaaren in den Frühlingsmonaten, womit sie sich an die starken saisonalen Temperaturschwankungen ihrer Heimat anpassen kann. Dabei wird die Unterwolle, Teile des Deckhaars, sowie die oberste Hautschicht (Schuppenbildung) abgestoßen. Der Hund erhält nach Abwurf der Unterwolle ein verändertes, deutlich schlankeres Aussehen; es erübrigt sich fast anzumerken, dass er aufgrund dessen für Hundehaar-Allergiker denkbar ungeeignet ist.

Der Hund zeigt einen nahezu quadratischen Aufbau mit guten, funktionalen Winkelungen der Vor- und Hinterhand und kräftiger Hals- und Nackenpartie. Die kräftig befederte Rute trägt er gerollt über dem Rücken. Der Kopf ist beim ausgewachsenen Hund schwer und breit, steht dennoch aber in einem harmonischen Verhältnis zum Körper, die Ohren sind eher klein bis mittelgroß und werden seitlich hängend am Kopf, bei Aufmerksamkeit auch nach vorne gerichtet getragen. Das Gebiss ist kräftig und zeigt im Normalfall ein Scherengebiss, Zangengebiss ist ebenfalls erlaubt. Die Lefzen zeigen trotz kräftiger Ausbildung einen guten Schluss.

Der Ausdruck des Hundes ist ernst und würdevoll bis mürrisch, keinesfalls aber unfreundlich.

Wesen

Der Do Khyi ist ein sehr zuverlässiger Hund, der seinen Menschen gegenüber stets loyal und treu ist. Allerdings bereitet es oft Probleme, ihm etwas beizubringen, da es ihm an Unterordnungsbereitschaft mangelt. Er lernt schnell durch seine Intelligenz, jedoch ist er schnell gelangweilt und er hinterfragt den Nutzen von Unterordnungsübungen. Dabei sollte man bedenken, dass Lerneifer kein Teil seines ursprünglichen Anforderungsprofil war und er stattdessen andere Eigenschaften besitzt, die ihn als hervorragenden Wachhund konstituieren.

Die Tibetdogge oder Do Khyi hat ein sehr ausgeprägtes Territorialverhalten und sie verhält sich auf dem eigenen Terrain sehr selbstsicher. Man braucht Wachhundeigenschaften bei dieser Rasse nicht zu fördern, denn sie sind ihr angeboren und tief in ihrem Wesen verwurzelt. Er ist Fremden gegenüber zurückhaltend und abwägend und als Bewacher von Haus und Hof in seiner angestammten Aufgabe. In den Heimatregionen, wo Zäune und Mauern als Grundstücksbegrenzungen praktisch unbekannt sind, verteidigt er bis heute unbestechlich und zuverlässig das Grundstück seiner Besitzer bis zu dessen Grenzen, die durch Steine gekennzeichnet sind. Wer als Tourist in den Himalayaregionen auf diesen Hund trifft, tut sicher gut daran, seinen Arbeitsbereich zu meiden. Ein Do Khyi sollte ein abwechslungsreiches Umfeld vorfinden, in dem er seiner angestammten Aufgabe nachgehen kann. Wohnungshaltung ist deshalb nicht ratsam. Es empfiehlt sich für die Haltung ein gut umzäuntes Grundstück mit genereller Anbindung an seine Familiengruppe. Zwingerhaltung ist ausgeschlossen und bringt eine verschlossene, nicht mehr zugängliche Hundepersönlichkeit hervor.

Die Tibetdogge meldet alles ihr Ungewohnte und sollte deshalb im frühen Alter an alle Begebenheiten in ihrer Umgebung gewöhnt werden. Es kann passieren, dass sie, einmal misstrauisch geworden, die ganze Nacht durchbellt. Es ist also nicht zu empfehlen, den Hund im Garten mit Nachbarn anbei allein zu lassen.

Des Weiteren verhalten sich Tibetdoggen im Haus recht ruhig, wohingegen sie draußen lebhaft und verspielt sein können. Tibetdoggen haben einen überlegt kräftesparenden Bewegungstrieb, das heisst sie sind keine Hunde, die neben den täglichen ausgedehnten Spaziergängen und der Bewegung im Garten noch zwingend bestimmte sportliche Betätigung benötigen. Allerdings schätzt es der Hund sehr, wenn er die Möglichkeit erhält ständig Umwelterfahrungen mit anderen Hunden und allem was sich in seinem Umfeld befindet zu sammeln. Besonders geeignet ist er für längere Wanderungen, welche nicht unbedingt an Kilometerzahlen sondern am gemeinsamen Erleben unterwegs orientiert sind.

Soziale Aspekte

Die Tibetdogge ist für ein Familienleben prinzipiell geeignet, allerdings nur, wenn sie schon in jungen Jahren in dieser familiären Umgebung aufwächst, andererseits handelt es sich bei dieser Rasse auch nicht automatisch um einen Einmann-Hund.

Wenn im Haushalt bereits Heimtiere vorhanden sind (auch Kleinvieh), wird die Tibetdogge, wenn sie einmal gut sozialisiert wurde, diese als eigene betrachten und sie auch entsprechend beschützen. Kinder werden sehr tolerant und geduldig behandelt; allerdings sollte man sie nie unbeaufsichtigt mit Spielkameraden der Kinder lassen, denn, falls es etwas ruppiger zugeht, ergreift der Hund für sein „Rudel“ Partei. Anderen Hunden, vor allem Rüden, gegenüber verhält sich die Tibetdogge dominant; sie ist zwar kein streitlustiger Hund, allerdings ein sehr wehrhafter und geht potenziellen Angreifern nicht aus dem Weg.

Verwendung

In seiner Heimat, den unterschiedlichen Himalayaregionen von oft über 4000m, ist der Do Khyi nach wie vor ein unverzichtbarer und allgegenwärtiger Bestandteil der dortigen Hof- und Familiengemeinschaften.

Aufgrund von zunehmendem Himalayatourismus ist die Vermischung mit anderen, von Reisenden mitgebrachten Hunden trotz aller Abgeschiedenheit der Heimatregion der Tibetdogge nicht mehr auszuschließen und somit die Reinheit der Rasse in Zukunft gefährdet. Auch weil seit kurzem die Tibetdogge von reichen Chinesen als ein Statussymbol geschätzt wird und sehr hohe Preise für diese Hunde gezahlt werden, ist die Zukunft der Hunde tendenziell in Gefahr, weil davon auszugehen ist, dass etliche Hundezüchter viel stärker an dem möglichen Erlös, als an einer reinen und nachhaltigen Zucht interessiert sind.

Jenseits Asiens wird der Do Khyi seit 1976 (USA) und 1979 (Europa) aus einigen wenigen importierten Hunden aus den Nachbarregionen um Tibet (Nepal, Bhutan, Nordindien) gezüchtet. Hier bei den Liebhabern dieser Rasse hat sich der Do Khyi als eine loyale, selbständig handelnde, umgängliche Hundepersönlichkeit herausgestellt, welche ihrer Aufgabe als unbestechlicher Wächter sehr gut gerecht wird. Wie alle Wachhunde ist er willensstark, selbständig bis stur und kann bei mangelnder Eingewöhnung in sein Umfeld auch sehr massiv, drohend und selbständig entscheidend mit Abwehr auftreten, so dass eine konsequente Erziehung in einer, mit Hirtenhunden erfahrenen Hundeschule empfohlen wird.

Einzelnachweise

  1. Peter Savolainen, et.al.Science 298, 1610 (2002) DOI: 10.1126/science.1073906, "Genetic Evidence for an East Asian Origin of Domestic Dogs"

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