Wilhelm Schneider (Chemiker)


Wilhelm Schneider (Chemiker)

Wilhelm Schneider (* 31. Dezember 1900 in Naila; † 2. August 1980 in Freiburg im Üechtland) war ein deutscher Chemiker und Mitentwickler des Agfa-Color-Verfahrens.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn eines Kaufmanns wuchs in München auf, wo er das Realgymnasium besuchte und nach dem Abitur von 1921 bis 1924 an der Technischen Universität München Chemie studierte. Nach Abschluss als Diplomingenieur wurde er 1925 bei August Albert (1882-1951) in Chemie promoviert. Schneider war nach seiner Promotion noch ein Jahr als wissenschaftlicher Assistent am Labor für angewandte Chemie der TH München angestellt.

1929 trat Schneider in die Technisch Wissenschaftliche Abteilung der Agfa Filmfabrik Wolfen ein, deren Leiter Gustav Wilmanns war. Dort beschäftigte er sich zunächst mit der Weiterentwicklung von Schwarzweißfilmen, insbesondere mit Lichthofschutzfarbstoffen. Durch seine Entdeckung Anfang 1932, dass Farbstoffe unauswaschbar in Gelatineschichten eingebracht werden können, wenn sie chemische Gruppen hatten, die aus der Baumwollfärberei bekannt waren, wurde die Grundlage für die Entwicklung von Farbfilmen gelegt.

Ein erstes Patent wurde am 25. Februar 1932 erteilt. Das entscheidende Patent, mit dem "substantive" Farbkuppler geschützt wurden, ist seit 11. April 1935 registriert. Dieses Verfahren, das in der Folgezeit weiter verbessert wurde, erhielt auf der Weltausstellung in Paris 1937 den Grand Prix. Wilmanns und Schneider wurden gleichzeitig mit der Goldmedaille der Weltausstellung ausgezeichnet. Nach der Pensionierung von Wilmanns im Jahr 1940 wurde Schneider zu dessen Nachfolger und leitete das Projekt der Farbfilmentwicklung, zu der neben der Fotografie auch der Farb-Spielfilm gehörte. Bereits 1941 wurde der Film "Frauen sind doch bessere Diplomaten" mit Agfacolor-Filmmaterial hergestellt. Als Premiere des deutschen Farbfilmes, zu dem Schneider mit seinem Team die wesentliche technische Grundlage gelegt hatte, wird vielfach auch die Aufführung des Streifen "Die goldene Stadt" am 3. Oktober 1942 im Rahmen der Tagung „Farbe und Film“ angesehen.

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ fiel Wolfen in den sowjetischen Hoheitsbereich. Schneider setzte sich zunächst nach Coburg ab und arbeitete vorübergehend auch in München. Eine Rückkehr nach Wolfen, wie von ihm angestrebt, wurde jedoch nicht genehmigt, da sein Haus in Dessau enteignet worden war und dessen Rückgabe von der sowjetischen Verwaltung verweigert wurde. 1946 siedelte Schneider dann nach Freiburg in der Schweiz über, wo er Technischer Direktor in der Filmfabrik Tellko wurde. Schneider war von 1929 bis 1965 mit Ingeborg Melchior verheiratet und hatte zwei Töchter.

Ehrungen

  • 1935: Goldmedaille der Weltausstellung gemeinsam mit Gustav Wilmanns
  • 1941: Überreichung der Leica Kamera Nr. 350.000 [1]
  • 1942: Bronzetafel der Ufa in Potsdam-Babelsberg zur Entwicklung des Farbkinofilmes
  • 1946: Überreichung der Leica Kamera 400.000 [1]
  • 1952: Goldmedaille der Photographischen Gesellschaft Wien

Schriften

  • Schneider, Wilhelm (1925): Über Oxazole und deren Mercurierungsprodukte. Inauguraldissertation zur Erlangung der Doktorwürde. Techn. Hochsch. München.

Einzelnachweise

  1. a b Leica-Camera Lists - List of special gifts S.15 (Liste von Leica-Kameras und Linsen, Abgerufen am 25. April 2011)

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wilhelm Schneider — ist der Name folgender Personen: Wilhelm Schneider (Komponist) (1781–1811), deutscher Komponist und Organist Wilhelm Schneider (Maler) (1821–1900), deutscher Maler und Grafiker Wilhelm Schneider (Bischof) (1847–1909), deutscher Bischof Wilhelm… …   Deutsch Wikipedia

  • Schneider (Familienname) — Relative Häufigkeit des Familiennamens Schneider in Deutschland (Stand: Mai 2010) Schneider ist ein häufiger deutscher Familienname, er entstand nicht nur aus der Berufsbezeichnung des Schneiders, denn das Schneiden ist auch eine Tätigkeit bei… …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (Köln) — Friedrich Wilhelm Gymnasium Köln Schulform Gymnasium Gründung 1825 Ort Köln Land Nordrhein Westfalen Staat Deutschland Koordinaten …   Deutsch Wikipedia

  • Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover — Vorlage:Infobox Hochschule/Träger fehlt Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover Motto Mit Wissen Zukunft gestalten …   Deutsch Wikipedia

  • Förderpreis für deutsche Wissenschaftler im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft — Der Gottfried Wilhelm Leibniz Preis, eigentlich Förderpreis für deutsche Wissenschaftler im Gottfried Wilhelm Leibniz Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, kurz Leibniz Preis, ist benannt nach dem Wissenschaftler Gottfried Wilhelm… …   Deutsch Wikipedia

  • Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis — Der Gottfried Wilhelm Leibniz Preis, eigentlich Förderpreis für deutsche Wissenschaftler im Gottfried Wilhelm Leibniz Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, kurz Leibniz Preis, ist benannt nach dem Wissenschaftler Gottfried Wilhelm… …   Deutsch Wikipedia

  • Horst Böhme (Chemiker) — Horst Böhme, auch Johann Friedrich Horst Böhme, (* 30. Mai 1908 in Bernau bei Berlin; † 27. Juli 1996 in Arolsen) war ein deutscher Professor für pharmazeutische Chemie und ehemaliger Rektor der Universität Marburg. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Wissenschaftlichen Mitglieder der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft — Die Liste der Wissenschaftlichen Mitglieder der Kaiser Wilhelm Gesellschaft (KWG) führt alle Wissenschaftlichen Mitglieder der KWG auf. Ludwig Armbruster (1886–1973), Wissenschaftliches Mitglied des KWI für Biologie, Leiter der Forschungsstelle… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Schn — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Culmitz — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.