Wollsackverwitterung


Wollsackverwitterung
Wollsackverwitterung am Haytor im Dartmoor (Granit)

Die Wollsackverwitterung (seltener auch „Matratzenverwitterung“ genannt) ist eine besondere Form der Verwitterung von Gesteinen. Durch das Zusammenwirken von physikalischen und chemischen Prozessen entstehen bei der Wollsackverwitterung kantengerundete Gesteinsblöcke,[1] die wie Kissen, Matratzen oder eben wie Wollsäcke übereinander gestapelt liegen. Der bildliche Begriff „Wollsack“ leitet sich dabei von mit Wolle gefüllten groben Säcken ab, die insbesondere historisch sowohl als Schlafunterlage als auch zum Transport von Wolle verwendet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Verwitterungsprozesse

Wollsackverwitterung am Sandstein der Externsteine

Vorwiegend bei grobkristallinen Gesteinen wie beispielsweise Granit, Quarzporphyr und Gneis, aber auch bei massivem Sandstein [2] tritt diese Verwitterungsform weltweit in Erscheinung. So genannte Wollsäcke kommen oft in Form von weitgehend vegetationsfreien Felsburgen vor, z. B. an den Externsteinen und an vielen Stellen im Harz, im Schwarzwald z. B. am Karlstein bei Hornberg, in Myanmar (z. B. Goldener Fels), in der Teufelsküche im Oberpfälzer Wald oder flächenhaft in Form von Felsenmeeren, z. B. im Luisenburg-Felsenlabyrinth im Fichtelgebirge, in der Blockheide (Waldviertel, Niederösterreich) oder im Felsenmeer im Odenwald. Im sächsischen Erzgebirge ist u. a. der „Hefekloßfelsen“ bei Breitenbrunn/Erzgeb. ein beliebtes Ausflugsziel. Bekannt sind ebenfalls die „Tors“ genannten markanten Granitfelsen in Südengland.

Matratzenförmige Verwitterung an den Greifensteinen (Granit)

Grundlagen der Wollsack-Entstehung sind Verwitterungsprozesse an massiven Gesteinsmassen unterhalb der Bodenoberfläche. In der Regel entstehen im Laufe der Zeit oberflächennah Risse und Spalten im Gestein und damit grundsätzlich eckige Blöcke. Dieser Prozess wird als Klüftung bezeichnet. Die Frostsprengung kann hierbei eine bedeutende Rolle spielen.

In die gebankten, quer- oder längsgeklüfteten Steine dringen daraufhin chemisch aggressive Lösungen ein (Regenwasser bzw. im Wasser gelöste Huminsäuren) und beginnen, die Minerale des Gesteins zu zersetzen. Das geschieht in erster Linie an den Ecken und Kanten der einzelnen Blöcke, da dort die Angriffsflächen größer sind als an den Seitenflächen.[3] Dadurch werden spitze und kantige Stellen der Blöcke gerundet. Durch die grundsätzliche Lockerung des Gefüges zerfallen die Steine dabei oberflächig zu feinkörnigem lockeren Grus. Dieser Prozess wird als Abgrusung oder Vergrusung bezeichnet.[1] Teilweise kommt es auch zur Abschuppung zusammenhängender dünner Gesteinsplättchen, der so genannten Desquamation. Begünstigt werden die chemischen Lösungsvorgänge durch warme und wechselfeuchte Klimate der Tropen und Subtropen.

Beendet wird die Wollsack-Verwitterung durch eine Freilegung der Gesteinsblöcke, wenn Boden und Verwitterungsrückstände fortgetragen werden, z. B. durch Bodenerosion. Wegen der Vegetationslosigkeit und fehlenden Bodenbedeckung sind die oftmals abenteuerlich anmutenden Felsformationen anschließend anderen Verwitterungsformen ausgesetzt.

Siehe auch

Vergrusung eines Granits mit deutlicher Schalenbildung des Karlu Karlu
  • Felsnadel, eine teils ähnliche Steinbildung
  • Karlu Karlu (Devil's Marbles) in Zentral-Australien, eine Sonderform der Wollsackverwitterung, teils aus unterirdischer Turmbildung

Einzelnachweise

  1. a b Rudolf Hohl (Hg.): Die Entwicklungsgeschichte der Erde. Leipzig, VEB F.A. Brockhaus Verlag. 7. Aufl., 1981. (S. 102)
  2. Stichwort „Wollsackverwitterung“ (S. 222) in: Hans Murawski: Geologisches Wörterbuch. Stuttgart, Enke. 9. Aufl., 1992. ISBN 3-432-84109-4
  3. vdf.ethz.ch – Wollsackverwitterung

Weblinks

 Commons: Wollsackverwitterung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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