Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft


Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft

Die Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ mit Sitz in Potsdam später umbenannt in Akademie für Rechts- und Staatswissenschaft der DDR war eine Institution zur Aus- und Weiterbildung der leitenden Beschäftigten im Staatsapparat, dem diplomatischen Dienst und der Justiz der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgänger der Einrichtung war die Deutsche Verwaltungsakademie „Walter Ulbricht“ in Forst Zinna. Diese wurde 1953 mit der erst 1952 gegründeten Deutschen Hochschule für Justiz in Potsdam-Babelsberg vereinigt. Im Jahr 1959 wurde auch das Deutsche Institut für Rechtswissenschaft angegliedert.

Mit der Gründung der Akademie entstand eine Konkurrenzinstitution zu den entsprechenden alten Universitätsfakultäten. Sie stand unter direkter politischer Kontrolle und galt mit ihrem politisierten Lehrbetrieb bald als „Parteihochschule“ der SED.[1]

In den ersten Jahren war die Ausbildung von nach 1945 in ihre Funktionen eingesetzten Führungskräften eine zentrale Aufgabe. Dabei war die Hochschulreife keine Voraussetzung für die Aufnahme eines zweijährigen Studiums, das auch als Fernstudium absolviert werden konnte. Am Ende stand der Abschluss als Diplom-Staatswissenschaftler.

Zwischen 1953 und 1963 stand dagegen die juristische Ausbildung im Zentrum. Nach der Einführung der Neuen Ökonomischen Politik endete die Juristenausbildung – allerdings blieb die Promotion und Habilitation weiterhin möglich. Danach wurde die Weiterbildung von führenden Beschäftigten im Staatsapparat, die Aus- und Weiterbildung von Angehörigen des diplomatischen Dienstes und die rechtswissenschaftliche Forschung Aufgabe der Akademie.

Die Einrichtung wurde danach direkt dem Ministerrat der DDR unterstellt. Sie gliederte sich in drei Institute.

  • Institut für rechts- und staatswissenschaftliche Forschung
  • Institut für Weiterbildung leitender Mitarbeiter staatlicher Organe
  • Institut für Internationale Beziehungen.

Im Zuge der Umstrukturierung des Bildungswesens wurden auch die Aufgaben der Akademie durch eine „Akademiereform“ erweitert. Sie wurde zur zentralen Forschungseinrichtung im Gebiet der Rechts- und Staatswissenschaften. Diese Vorrangrolle endete bereits 1973 mit der Gründung von Staats- und Rechtswissenschaftlichen Institutionen bei der Akademie der Wissenschaften der DDR. Im Zusammenhang mit den Veränderungen im Hochschulbereich der DDR wurde auch die Akademie umstrukturiert. Sie wurde in vier Sektionen aufgeteilt:

  • Theorie des sozialistischen Staates und seines Rechts
  • wissenschaftliche Grundlagen des Gesamtsystems der sozialistischen staatlichen Führung
  • sozialistische Rechtspflege
  • Rechtsfragen der zentralen Planung und Leitung der sozialistischen Volkswirtschaft durch den Staat.

Struktur in den 1980er Jahren

Diese Angleichung an die Strukturen der Hochschulen wurde später wieder aufgegeben. Es bestanden in den 1980er Jahren drei Sektionen (Marxismus-Leninismus, Staatsrecht und staatliche Leitung, Straf-, Zivil-, Arbeits- und Agrarrecht) sowie vier Institute (Internationale Beziehungen, Staats- und Rechtstheorie, Ausländisches Recht und Rechtsvergleichung, Verwaltungsorganisation und Bürotechnik).

Im Zuge ihrer Weiterbildung sollten die führenden Mitarbeiter des Staatsapparates alle zwei Jahre an einem etwa einmonatigen Lehrgang teilnehmen. In einem Zweijahresstudium wurde auf die Übernahme einer führenden Funktion vorbereitet. Außerdem bot die Akademie zuletzt ein vierjähriges Hochschulstudium an. Auch ein nebenberuflichen Studium war möglich.

Die Akademie verfügte über eine große Spezialbibliothek mit 350.000 Bänden. Diese stand wie auch ein Informations- und Rechenzentrum auch den staatlichen Institutionen zur Beschaffung von staatsrechtlichen Informationen zur Verfügung.

Sie wurde im Zuge der Wende in Hochschule für Recht und Verwaltung Potsdam-Babelsberg umbenannt. 1991 ging die Einrichtung in der Universität Potsdam auf.

Einzelnachweise

  1. Ralph Jessen: Akademische Elite und kommunistische Diktatur. Die ostdeutsche Hochschullehrerschaft in der Ulbricht Ära. Göttingen, 1999 S.137

Literatur

  • DDR-Handbuch Bd.1 A-L. Köln, 1985 S.36f.

Siehe auch

Weblinks


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