Hosted Business Process Integration


Hosted Business Process Integration

Hosted Business Process Integration (cloudbasierte Geschäftsprozessintegration. Abkürzungen: H-BPI, xBPI oder cBPI) ist ein Bestandteil des Geschäftsprozessmanagements und umfasst das Integrieren von Anwendungen (EAI), Geschäftspartnern (B2B) und von Endgeräten (SOA) mit Hilfe von cloudbasierten Diensten. Im Gegensatz zu normalen Integrationssystemen, die innerhalb der Unternehmens-Systemlandschaft implementiert sind, wird die Integrationsplattform in der Cloud gehostet, also außerhalb des Unternehmens (Ausnahme: Betrieb in einer Private Cloud).

Inhaltsverzeichnis

Geschäftsprozessintegration allgemein

Das Ziel von Geschäftsprozessmodellierung und Geschäftsprozessmanagement ist der möglichst effektive und reibungslose Ablauf (Workflow) von Geschäftsprozessen mit Hilfe von elektronischen Daten und Nachrichten. Erschwert wird dies in der Regel jedoch durch heterogene Systeme und gewachsene Systemlandschaften, sowie unterschiedlichste Nachrichten-/Datenformate und Standards. Integrationsplattformen sorgen für einen reibungslosen Daten- und Nachrichtenaustausch, indem sie teils komplexe Übersetzungsdienste leisten, so dass Programme oder Systeme miteinander kommunizieren können. Sie sind dabei in der Lage auf Systemzustände oder Benutzer-Interaktionen zu reagieren bzw. auf Benutzereingaben zu warten. Sie können einerseits passiv auf Nachrichten/Daten warten, oder auch aktiv von unterschiedlichen Quellen abrufen. Quelle bzw. Ziele können beispielsweise Webdienste, Webseiten, FTP, Emails oder Dateisysteme sein. Integrationssysteme können äußerst komplexe Konvertierungen zwischen EDI-Formaten, XML, CSV, flachen Dateistrukturen oder auch binären Daten durchführen.

Merkmale cloudbasierter Geschäftsprozessintegration

Relativ kurze Anlaufzeiten

Häufig können Integrationsprojekte innerhalb kurzer Zeit realisiert werden, insbesondere bei der Verwendung von Standardformaten. Dies liegt darin begründet, dass die Integrationsplattform bereits in der Cloud vorhanden ist, und sich damit Planungs-, Plattformauswahl-, Installations- und Integrationsphasen verkürzen bzw. ganz entfallen.

Einfache Integration

Es müssen keine oder nur geringe Anpassungen der IT-Systeme vorgenommen werden. Die Integrationsplattform wird von einem Dienstleister in einer Public Cloud betrieben, jedoch existieren auch Private/Hybrid Cloud Lösungen. Auf den Kundensystemen werden üblicherweise nur Kommunikationskomponenten für die sichere, zertifikatbasierte Kommunikation über HTTP installiert.

Kostenkalkulation

Die Kosten für ein Integrationsprojekt lassen sich recht genau bestimmen. Dies ist ein erheblicher Vorteil gegenüber der üblichen Vorgehensweise. Die Inbetriebnahme verursacht relativ geringe Kosten, weil die Integrationsplattform bereits in der Cloud vorhanden ist. Für die laufenden Betriebskosten können üblicherweise verschiedene Abrechnungsmodelle gewählt werden, beispielsweise pro Abrechnungszeitraum oder pro Geschäftsprozesstransaktion. Schließlich fallen keine Kosten für die Software und Hardware der Integrationsplattform an, die ansonsten teilweise erheblich sein können.

Sicherheit

Datenbanken, die genutzt werden um die Kommunikation zwischen Organisationen/Unternehmen und Ihren externen Geschäftspartnern abzuwickeln, werden meist kryptographisch geschützt. Die Kommunikation über HTTP zwischen der Integrationsplattform in der Cloud und den beteiligten Unternehmen/Organisationen wird per SSL/TLS gesichert, und ist dementsprechend bei ordnungsgemäßer Installation als sehr sicher anzusehen.

Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit basiert vorwiegend auf der Leistungsfähigkeit der verwendeten Cloud-Plattform (PaaS). Sie beträgt üblicherweise 99,9% und liegt damit höher als die durchschnittliche Verfügbarkeit von On-Premise-Systemen.

Skalierbarkeit

Als cloudbasierte Anwendung ist die Skalierbarkeit quasi integraler Bestandteil. Steigen oder fallen die Transaktionszahlen, passt sich die Plattform automatisch an, beispielsweise durch zusätzliche Serverkapazitäten.

Insourcing, Backsourcing

Das Insourcing, also die Wiedereingliederung in die Unternehmens-IT, verläuft üblicherweise recht reibungslos. Voraussetzung ist, dass man die vom Dienstleister verwendeten Konfigurationen, Orchestrierungen und Programmbausteine auch im Unternehmen einsetzt. Am einfachsten gelingt dies mit einer Private Cloud, mit der man die Konfiguration bzw. Programmierung des Anbieters nachbildet, allerdings ist dies keine Voraussetzung. Die Dienstleister sind hierbei behilflich.

Nachteile

Wie bei allen Outsourcing-Projekten bedeutet das Auslagern von Prozessen an einen externen Dienstleister ein gewisser Kontrollverlusst. Bei der Auswahl des Dienstleisters ist u. a. darauf zu achten, dass dieser schnell auf Änderungen, die sich zwangsläufig immer ergeben, reagieren kann. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Dienstleistung bei Bedarf leicht wieder in das Unternehmen zurückgeholt werden kann. Dabei ist es hilfreich, wenn der Dienstleister Standardsoftware einsetzt, so dass Daten, Code und Orchestrierung auch in der eigenen Systemlandschaft betrieben werden können. Andererseits sollte der Dienstleister das Insourcing bzw. Backsourcing auch aktiv unterstützten.

Anwendungsszenarien

  • Neue Geschäftsbeziehungen: Müssen kurzfristig neue Geschäftspartner oder Online-Marktplätze in die Geschäftsabläufe (Workflows) integriert werden, bietet sich Hosted Business Process Integration an, weil hierbei sehr kurzfristig reagiert werden an.
  • Outsourcing: Häufig wird H-BPI in Outsourcing-Szenarien verwendet, da die Beschaffung (Hardware/Software) und der Betrieb (hochqualifizierte Mitarbeiter) von Integrationssystemen sehr kostenintensiv sein können.
  • Elektronische Geschäftsprozesse: Im Rahmen der Geschäftsprozessmodellierung oder des Geschäftsprozessmanagements möchte ein Unternehmen seine Geschäftsprozesse in Zukunft medienbruchfrei elektronisch und/oder automatisiert abwickeln. Die Umstellung ist in der Regel mit hohen Kosten und vor allem Risiken verbunden. H-BPI kann diese Kosten und Risiken erheblich vermindern und damit Unternehmen helfen, schnell auf elektronische Workflows umzustellen.
  • Globale Märkte: Ein Unternehmen, das seine Produkte bisher nur auf dem Heimatmarkt vertrieben hat, kann die Übersetzungsfunktionalität der Plattform nutzen, um die elektronischen Kataloge seiner Produkte auf internationalen elektronischen Marktplätzen anzubieten. Dabei werden die technischen Daten und Maßeinheiten dynamisch in die Zielsprache übersetzt.
  • Redundante Systeme: Im E-Business, wie auch in vielen anderen Bereichen ist Hochverfügbarkeit ein wichtiger aber auch kostenintensiver Aspekt. Einige Unternehmen nutzen H-BPI als Sekundärsystem (Standby-System), um beim Ausfall der unter eigener Regie betriebenen primären Integrationssysteme, einen kostengünstigen Failover zu ermöglichen.
  • Virtuelle Organisationen: Bei einer virtuellen Organisation schließen sich rechtlich unabhängige Unternehmen für einen gewissen Zeitraum zusammen, um gegenüber Dritten wie ein einheitliches Unternehmen aufzutreten. H-BPI stellt die Integrationsdienste nicht nur den beteiligten Unternehmen des Verbundes zur Verfügung, sondern auch den Geschäftspartnern der Organisation. Beispiel: Eine Regierungsbehörde bestellt elektronisch Waren bei der virtuellen Organisation. H-BPI prüft die Bestellung, transformiert Formate wenn notwendig, und leitet die Bestellung gemäß einem Attribut (Warentyp, Stückzahl, usw.) oder (Verteilungs-)Schlüssel an ein Unternehmen der virtuellen Organisation weiter.

Kommerzielle Produkte

Siehe auch

Literatur

  • Stephan Aier, Marten Schönherr (Hrsg.): Enterprise Application Integration – Flexibilisierung komplexer Unternehmensarchitekturen. 2. Auflage, Gito, Berlin 2007 (Enterprise Architecture, Band 1), ISBN 3-936771-17-0
  • Stephan Aier, Marten Schönherr (Hrsg.): Enterprise Application Integration. Serviceorientierung und nachhaltige Architekturen. 2. Auflage, Gito, Berlin 2006 (Enterprise Architecture, Band 2), ISBN 3-936771-74-X
  • S. Baltrusch, S. Kaiser, H. Reimer Kosten runter? ECM rein! - Wie moderne Software für Enterprise Content Management (ECM) das Informationsmanagement optimiert ReDiRoma Verlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-86870-063-3.
  • Jörg Becker, Christoph Mathas, Axel Winkelmann: Geschäftsprozessmanagement. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-85153-0.
  • Stefan Ehlers (Hrsg.): BPM: Business Prozessmanagement in Praxis und Anwendung. Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-4220-4.
  • European Association of Business Process Management (Hrsg.): Business Process Management BPM Common Body of Knowledge - BPM CBOK®. 1 Auflage. Verlag Dr. Götz Schmidt, Gießen 2009, ISBN 978-3-921313-80-0.
  • Guido Fischermanns: Praxishandbuch Prozessmanagement. 9 Auflage. Verlag Dr. Götz Schmidt, Gießen 2008, ISBN 978-3-921313-77-0.
  • Knut Hildebrand: IT-Integration & Migration. Dpunkt Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-89864-455-6.
  • Thilo Knuppertz: Prozessmanagement für Dummies, Wiley-VCH, Weinheim 2009, ISBN 978-3-527-70371-5.
  • Hermann J. Schmelzer, Wolfgang Sesselmann: Geschäftsprozessmanagement in der Praxis. Hanser, München 2008, ISBN 978-3-446-41002-2
  • Sven-Carsten Strüver: Standardbasiertes EAI-Vorgehen am Beispiel des Investment Bankings, Gito, Berlin 2006, ISBN 978-3-936771-81-7
  • Karl W. Wagner, Gerold Patzak: Performance Excellence. Der Praxisleitfaden zum effektiven Prozessmanagement. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-40575-2.

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