Der ewige Jude (Ausstellung)


Der ewige Jude (Ausstellung)
Plakate an der Fassade des Deutschen Museums, München
Innenraum

Der ewige Jude war der Titel einer von den Nationalsozialisten ab November 1937 veranstalteten Wanderausstellung, die der weiteren Aufhetzung der Bevölkerung im Rahmen der antisemitischen Rassismusideologie diente.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Die Ausstellung fand vom 7. oder 8. November 1937 bis 31. Januar 1938 erstmals in der Bibliothek des Deutschen Museums in München statt. Am 8. November wurde sie von Joseph Goebbels und anderen Nazigrößen eröffnet. Diese propagandistische, sogenannte Grosse politische Schau war als Wanderausstellung konzipiert und wurde von 2. August bis 23. Oktober 1938 ebenfalls in Wien (die Eröffnungsrede hielt Arthur Seyß-Inquart [1]) in der Nordwestbahnhalle gezeigt. In den verschiedenen Städten lockte sie im Durchschnitt immerhin etwa 5000 Besucher pro Tag an (insgesamt 412.300 Besucher).

Inhalt und Interpretation

Die grafische Ausführung von Plakaten und Schriftzügen geben ein charakteristisches Beispiel für die klischeehafte Bildersprache der antisemitischen Propaganda des NS-Regimes. Anhand von Bildern und Fotografien, wie etwa von Leo Trotzki und Charlie Chaplin, sollten sogenannte typisch „jüdische“ Merkmale herausgestellt werden. Ferner sollten, für die damalige Propaganda typische Karikaturen, wie der Typus des Ostjuden im Kaftan mit Goldmünzen und Peitsche in den Händen und einer Weltkarte unter dem Arm, kombiniert mit Hammer- und Sichelsymbolik, antisemitische Tendenzen mit dem Bolschewistenschreck verflechten, der später im 5. Flugblatt der Weißen Rose von Alexander Schmorell kritisiert wurde. So wurden Weltverschwörungstheorien und angebliche Versuche der Juden zur Sowjetisierung Deutschlands mannigfach und überspitzt postuliert (siehe auch: Jüdischer Bolschewismus).

Die Ausstellung, ebenso wie der gleichnamige Film, sind daher zur Vorgeschichte der Novemberpogrome 1938 und des bald darauf folgenden Holocausts zu rechnen, da sie ideologisch vor allem dazu dienten, letzte moralische Skrupel bei der sogenannten arischen Bevölkerung zu beseitigen und eine Entmenschlichung der vielen späteren Opfer, die bisher normale Mitbürger des Alltagslebens waren, durch künstliche Weckung von Angst-, Neid- und Hassgefühlen vorzubereiten. Laut Polizeiberichten bestand ein direkter Zusammenhang zwischen der Ausstellung und der steigenden Zahl antisemitischer Übergriffe.

Siehe auch

Propagandafilm Der ewige Jude, 1940

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.mediathek.at/virtuelles-museum/Vernichtung/Vernichtung_1/im_NS_Regime/Seite_46_46/zone_id=1000057.htm#

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