Osella FA1F


Osella FA1F
Piercarlo Ghinzani im Osella FA1F beim Großen Preis der USA 1984 in Dallas

Der Osella FA1F war ein Formel-1-Rennwagen des italienischen Rennstalls Osella Squadra Corse, der 1984, 1985 und 1986 für fünf Fahrer zu insgesamt 31 Weltmeisterschaftsrennen gemeldet wurde. Er war das erste Turbo-Fahrzeug des Osella-Teams. Der FA1F hatte keine Verwandtschaft mehr zu den bisherigen Osella-Fahrzeugen der Typen FA1 bis FA1E. Er beruhte wesentlich auf einer Konstruktion von Alfa Romeo und wurde zur Grundlage aller jüngeren Osella-Wagen der Turbo-Ära. Zweimal kam ein FA1F auf dem fünften Platz ins Ziel; er war der letzte Formel-1-Wagen von Osella, der Weltmeisterschaftspunkte erzielte.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

1983 war die letzte Formel-1-Saison gewesen, in der noch eine Reihe kleinerer Teams mit Saugmotoren angetreten war.[1] Nachdem Williams und McLaren im Laufe des Jahres 1983 den Wechsel zu Turbomotoren vollzogen hatten, waren Arrows, Ligier, RAM, Theodore, Tyrrell und Osella die letzten Teams, die die Saison mit Saugmotoren beendeten. Während Theodore den Rennbetrieb zum Jahresende einstellte, wechselten Arrows, RAM und Ligier für die Saison 1984 auf Turbomotoren. Auch Osella erkannte die Notwendigkeit, künftig Turbomotoren zu verwenden. Wie die meisten anderen kleinen Teams[2], ging auch Osella eine Kundenbeziehung mit einem etablierten Motorenhersteller ein. Die Wahl war bereits 1983 auf Alfa Romeo gefallen, dessen nicht mehr benötigte Saugmotoren Osella bei zahlreichen Rennen dieses Jahres verwendet hatte. Die Verbindung wurde für die Saison 1984 auf den Bezug von Turbomotoren ausgeweitet. Osella erhielt darüber hinaus technische Unterstützung im Bereich des Chassis und des Fahrwerks. Osella wurde damit gleichsam zu einem Juniorteam Alfa Romeos, das bis 1985 neben dem Werksteam antrat und ab 1986 – nach Alfa Romeos Rückzug aus der Formel 1 – den Namen des traditionsreichen italienischen Automobilherstellers allein im Grand-Prix-Sport am Leben erhielt.

Fahrzeuge

Der Osella FA1F beruhte in weiten Teilen auf dem von Gérard Ducarouge konstruierten Alfa Romeo 183T, dem ersten Turbofahrzeug von Alfa Romeos Werksteam.

Alfa Romeo überließ Osella im Winter 1983/1984 eines der fünf 1983 hergestellten 183T-Chassis, um Osella durch Technologietransfer bei dem Aufbau eines Turboautos zu unterstützen. Tatsächlich übernahm Osella das Auto weitgehend unverändert und meldete es zu den ersten Rennen 1983 als Osella FA1F.[3] Dieser Alfa-Osella nahm am ersten Rennen der Saison in Brasilien teil, kam aber nicht ins Ziel. Zum zweiten Rennen in Kyalami wurde er ebenfalls gemeldet, Piercarlo Ghinzani zerstörte das Chassis allerdings bei einem schweren Unfall im Aufwärmtraining.

In den ersten Monaten des Jahres 1984 baute Osella in Volpiano nach und nach drei eigene Exemplare des FA1F auf.[4] Sie werden gelegentlich als „Osellas eigene FA1F“ bezeichnet.[3] Auch sie folgten im Grundsatz den Konstruktionsmerkmalen des Alfa Romeo 183T. Osella hatte von Alfa Romeo die Negativformen für das Monocoque übernommen und nutzte sie für den FA1F weiter.[5] Auch zahlreiche Karosserieteile wurden übernommen. Die Aufhängung, die zerklüfteten Seitenkästen und die Fahrzeugnase waren allerdings eigenständig,[6] und der Radstand wurde im Sommer 1984 durch Einsetzung eines Distanzstücks um 35 Millimeter verlängert. Die Gestaltung der Seitenkästen war bei den drei Fahrzeugen im Detail unterschiedlich, und im Laufe der Jahre variierten die aerodynamischen Anbauteile. Windkanalarbeiten fanden an Osellas eigenen FA1F-Fahrzeugen nicht statt.[4]

Als Antrieb diente Alfa Romeos 1,5 Liter großer Turbomotor, der 1982 beim Großen Preis von Italien erstmals im Alfa-Werksteam kurzzeitig in Erscheinung getreten war[7] und 1983 regelmäßig verwendet wurde. Osella erhielt gebrauchte Motoren, die sich auf dem Entwicklungsstand von Anfang 1983 befanden und teilweise noch eine mechanische Benzineinspritzung verwendeten. Auf zwischenzeitliche Neuerungen wie die 1984 eingeführte und vom Werksteam regelmäßig verwendete elektronische Benzineinspritzung hatte Osella keinen Zugriff.[8] Das Triebwerk galt als unzuverlässig, schwer und leistungsschwach; Alfas Konzeption, den Motor trotz des sehr geringen Hubraums als einen Achtzylinder auszulegen, wurde allgemein als ineffizient bezeichnet.[5][9]

Der jüngste der drei FA1F wurde im Winter 1984/1985 zum ersten Osella FA1G umgebaut.[4]

Renneinsätze

Der Osella FA1F wurde in drei Jahren für fünf verschiedene Fahrer gemeldet. 1984 war er das aktuellste Modell des Teams; 1985 und 1986 diente der FA1F dagegen als Reserve für junge, vergleichsweise unerfahrene Piloten. In der Saison 1987 diente ein FA1F bei mehreren Rennen als Ersatzfahrzeug; es kam aber nicht mehr zu einem Renneinsatz.

Formel-1-Saison 1984

1984 setzte Osella durchgängig ein Auto für Piercarlo Ghinzani ein; daneben erschien bei einigen Rennen ein zweites Auto für den Österreicher Jo Gartner, der hier seine erste (und einzige) Formel-1-Saison verbrachte.

Ghinzani fuhr den ersten, unmittelbar auf einem Alfa-Chassis beruhenden FA1F beim Auftaktrennen in Brasilien, wo er der einzige Fahrer des Teams war. Nachdem das Auto beim Warm-Up zum zweiten Rennen irreparabel beschädigt worden war, erhielt Ghinzani für das dritte Saisonrennen Osellas ersten eigenen FA1F, den das Team eigentlich für Jo Gartner aufgebaut hatte. Für Gartner wurde daher weiteres Fahrzeug aufgebaut, das erst zum Großen Preis von Großbritannien im Juli fertiggestellt war. Von diesem Rennen an bis zum Saisonende setzte Osella regelmäßig beide Autos ein.

Ghinzani konnte sich zu 15 von 16 Rennen qualifizieren. Er kam siebenmal ins Ziel. Sein bestes Ergebnis war der fünfte Platz beim Großen Preis der USA in Dallas, wodurch Osella erstmals seit 1982 wieder Weltmeisterschaftspunkte erzielen konnte. Daneben kam Ghinzani in Monaco und in Monza jeweils als Siebter ins Ziel.

Jo Gartner konnte sich bei sieben Einsätzen mit dem FA1F regelmäßig qualifizieren. Er kam dreimal ins Ziel. Auch er kam einmal – bei Osellas Heimrennen in Monza – als Fünfter ins Ziel. Diese Punkte wurden dem Team aber in der Konstrukteurswertung nicht gutgeschrieben, da es Gartners Auto nicht zu jedem Rennen der Saison gemeldet hatte.

Formel-1-Saison 1985

1985 meldete Osella nur einen Fahrer. Die Saison begann mit Piercarlo Ghinzani, der den FA1F in den ersten beiden Rennen des Jahres einsetzte. Er kam sowohl in Brasilien als auch in Portugal außerhalb der Punkteränge ins Ziel. Für den Rest der Saison ersetzte das Team den FA1F durch den FA1G, eine Weiterentwicklung des bisherigen Modells.

Formel-1-Saison 1986

1986 war Piercarlo Ghinzani erneut Stammfahrer des Osella-Teams. Er setzte durchgängig die neueren Fahrzeuge vom Typ FA1G und FA1H ein. Daneben meldete Osella ein zweites Cockpit für insgesamt drei weitere Fahrer, die überwiegend den inzwischen drei Jahre alten FA1F einsetzten:

  • Für die ersten sechs Rennen des Jahres 1986 wurde der FA1F für Christian Danner gemeldet. Er konnte sich fünfmal qualifizieren, erreichte aber keine Zielankunft.
  • Zum Großer Preis von Frankreich wurde Danner durch den kanadischen Debütanten Allen Berg ersetzt, der bei seinen ersten beiden Rennen den FA1G fuhr, ab dem Großen Preis von Deutschland aber mit dem FA1F vorlieb nehmen musste. Berg qualifizierte sich regelmäßig und erreichte drei Zielankünfte mit dem FA1F, die jeweils weit außerhalb der Punkteränge lagen.
  • Zum Großen Preis von Italien wurde Berg einmalig durch den Debütanten Alex Caffi ersetzt, der zwar das Rennen beendete, wegen zu großen Rückstands aber nicht gewertet wurde.

Literatur

  • Ian Bramsey: 1000 bhp Grand Prix Cars, 1988 (G.T. Foulis & Co. Ltd), ISBN 978-0854296170 (englisch)
  • Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9
  • David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2 (englisch)
  • David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7
  • Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7 (französisch)

Einzelnachweise

  1. Cimarosti (S. 327) spricht vom „Ende der Saugmotorära“
  2. Arrows bezog als Kundenteam Motoren von BMW, Ligier wurde Juniorpartner von Renault
  3. a b Hodges, A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, S. 185: “Osella´s first turbo car with this designation was in fact an adapted Alfa Romeo 183T” („Osellas erstes Fahrzeug mit der Bezeichnung FA1F war in Wirklichkeit ein angepasster Alfa Romeo 183 T“)
  4. a b c Bamsey: 1000 bhp Grand Prix Cars, S. 47
  5. a b Aussage des Alfa Romeo-Technikers Gustav Brunner in Motorsport aktuell, Heft 32/1984, S. 3
  6. Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, S. 205
  7. In Monza wurde der Motor nur im Training eingesetzt; im Rennen setzte Alfa Romeo weiterhin den herkömmlichen Zwölfzylinder-Saugmotor ein. Vgl. dazu Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, S. 13
  8. Vgl. Ménard: La grande encyclopédie de la Formule 1, S. 462
  9. Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, S. 10 und S 15

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