Park am Gleisdreieck


Park am Gleisdreieck

Der Park am Gleisdreieck ist eine öffentliche Grün- und Erholungsanlage im Westen Berlin-Kreuzbergs an der Grenze zu Schöneberg und Tiergarten. Der rund 26 Hektar umfassende Park liegt auf dem ehemaligen Gelände des Gleisdreiecks und entstand auf den Bahnbrachen des Anhalter und Potsdamer Güterbahnhofs.

Die Trasse der Nord-Süd-Fernbahn teilt die Grünanlage in den Ostpark und den Westpark. Der 17 Hektar große Ostpark wurde am 2. September 2011 eröffnet, der 9 Hektar große Westpark soll im Herbst 2013 fertiggestellt sein. Den unter engagierter Bürgerbeteiligung nach einem aufwendigen Planungsprozess realisierten Park charakterisieren weite Rasenflächen mit vereinzelten Baumgruppen, ein Wäldchen, lange Holzbänke, Sport- und Spielflächen, breite und barrierefreie asphaltierte und abgerundet geführte Wege für Fußgänger, Radfahrer und Skater sowie historische Relikte aus der Bahnzeit des Geländes. Eine Besonderheit stellen einige nicht freigegebene und „Gleiswildnis“ getaufte dichte Wildwuchsflächen dar, die sich aus den alten Gleisanlagen, Signalresten, Gleisgruben und Wassertümpeln heraus entwickelt haben und ein eigenes Biotop bilden.

Park am Gleisdreieck (Ostpark), Kreuzberger Wiese und zentraler Platz an der Ladestraße des Deutschen Technikmuseums, Bürgerfest am 3. September 2011.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der von Nord nach Süd langgestreckte Park reicht vom Tempelhofer Ufer des Landwehrkanals bis zur Yorckstraße. Die Ostbegrenzung bildet die Möckernstraße. Nach Westen wird der Straßenzug Flottwell-/Dennewitz-/Bülowstraße den noch nicht fertiggestellten Westteil abschließen. Im Norden liegen zwischen den Parkteilen die Gebäude des Deutschen Technikmuseums und der Museumspark mit der Bohnsdorfer Bockwindmühle und der Holländermühle Foline. Das ehemalige Bahngelände und der Park liegen leicht erhöht – knapp drei Meter über Straßenniveau – auf einem künstlichen Plateau.[1] Der zentrumsnahe City-Park hat rund 30.000 unmittelbare Anwohner.[2]

Zur Geschichte des Geländes siehe: Geschichte des U-Bahnhofs Gleisdreieck, Anhalter Güterbahnhof, Potsdamer Güterbahnhof

Planung, Finanzierung und Bürgerbeteiligung

Ostpark an der Möckernstraße

Bereits in den 1970er-Jahren entwickelten Anwohner erste Ideen für die Ausgestaltung des Gleisdreiecks als Parkanlage. Planungen, durch das Gelände die Autobahn Westtangente zu ziehen, wurden 1994 auf Druck einer Bürgerinitiative aufgegeben. 1997 vereinbarten das Land Berlin und das damalige Bahnunternehmen Vivico den Parkbau. Die veranschlagten Kosten in Höhe von rund 18 Millionen Euro stellten Investoren des Potsdamer und Leipziger Platzes (DB Netz AG, vertreten durch die DB ProjektBau GmbH; Vivico Real Estate GmbH[3]) im Rahmen einer Ersatzmaßnahme zur Verfügung.[2] Die Gesamtplanung und der Entwurf stammen von dem Landschaftsarchitekturatelier Loidl, dessen Konzeption sich in einem zweistufigen landschaftsplanerischen Wettbewerb durchgesetzt hatte.[4] Bauherr ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, vertreten durch die Grün Berlin GmbH. Die Bauleitung obliegt der Breimann Bruun Simons Landscape Engineering GmbH in Zusammenarbeit mit dem Atelier Loidl. Im Juni 2008 begann die Freimachung und im August 2010 der Landschaftsbau des Ostparks, der am 2. September 2011 eröffnet wurde. Das Gelände des Westparks wird seit August 2010 freigeräumt, der Landschaftsbau begann im September 2011. Die Eröffnung dieses Parkteils ist für den Herbst 2013 vorgesehen. [1]

In die Planungen und Arbeiten ist die Projektbegleitende Arbeitsgruppe Park am Gleisdreieck (PAG) aus Anwohnervertretern und Quartiersräten der Quartiersmanagementgebiete Schöneberg-Nord und Magdeburger Platz einbezogen.[1] Während sich die Bürgerinitiative mit ihrem Wunsch, möglichst viel des Wildwuchses in dem über 40 Jahre nicht zugänglichen Gebiet zu erhalten, nur bedingt durchsetzen konnte, fanden verschiedene Anwohnerwünsche wie beispielsweise ein Naturerfahrungsraum und –spielplatz für Kinder Berücksichtigung. [2]

Die Parkteile

Der Kontrast von Weite und kleinteiligen Angeboten bildet das landschaftsgestalterische Leitbild für beide Parks.[1] Die beiden Parkteile werden nicht direkt miteinander verbunden. Der Übergang wird lediglich an den jeweiligen Süd- und Nordeingängen über die Umwege Yorckstraße beziehungsweise Schöneberger Ufer am Landwehrkanal möglich sein. Eine ursprünglich vorgesehene Fußgänger-/Radwegbrücke über die trennende Fernbahntrasse wird aus Kostengründen nicht gebaut. In einem Kommentar befürchtet die tageszeitung daher, dass die Trasse wie eine Mauer zwischen den Kreuzberger Nutzern des Ostparks und den Schöneberger Nutzern des Westparks wirken und die Spaltung vertiefen könnte, die sich bereits in der unterschiedlichen Planungsbeteiligung gezeigt habe: Hier Engagement, Initiative, Bürgerinitiativen, die alte Kreuzberger Mischung. Dort Passivität, Armut, Drogen, Prostitution, Problemquartier. […] Das Szenario steht im Raum: In Kreuzberg erobert sich die Alternativszene Wäldchen und sogar den Rasen. In Schöneberg sind es die Dealer.[5]

Ostpark

Zugänge, Museumsbahn, Generalszug

Gleise der Museumsbahn des Technikmuseums im Ostpark

Der am 2. September 2011 eröffnete Ostpark verfügt über drei barrierrefreie Zugänge mit breiten Treppenanlagen und/oder langgezogenen Rampen: 1) am Technikmuseum, Tempelhofer Ufer, U-Bahnhof Möckernbrücke; 2) an der Möckernstraße, Höhe Hornstraße; 3) unter den Yorckbrücken am Bahnhof Berlin Yorckstraße. Zwei weitere Aufgänge befinden sich an der Möckernstraße. Mitten durch den Park führt die Museumsbahn des Deutschen Technikmuseums, die den Hauptstandort an der Trebbiner Straße mit dem Museumsdepot an der Monumentenstraße verbindet und gelegentliche Museumsbahnpendelfahrten sowie den Anschluss an das Schienennetz in Richtung Südkreuz ermöglicht.[2]

Der Hauptweg von Westen nach Osten, der über den zentralen Platz führt, trägt den Namen Generalszug. Die Namensgebung erfolgte in Anlehnung an die großzügig angelegte Straßen- und Platzfolge des Generalszugs, der von Charlottenburg über Schöneberg nach Kreuzberg führt und an die Befreiungskriege 1813–1815 gegen Napoleon I. erinnert. Der im 19. Jahrhundert angelegte Straßenzug basiert, mit Ausnahme der Umfahrung des Gleisdreieckgeländes, auf älteren Planungen von Peter Joseph Lenné (ab 1841 bis 1855) und dem Hobrecht-Plan von 1862. Der Parkweg deutet den geplanten Verlauf von Schöneberg zu der auf der ursprünglichen Geraden liegenden Kreuzberger Hornstraße an.

Gestaltung

Eine ausgedehnte Liegewiese, die Kreuzberger Wiese, bildet den Mittelpunkt des 17 Hektar großen Parkteils. Schnurgerade Betonwege führen zu den Spielplätzen Stangenwald und Kinderzimmer, einem Wäldchen mit Trockenrasenbereichen, einem Rosenduftgarten, Boulebahnen, Tischtennisplatten und zum zentralen Platz an der Ladestraße des Technikmuseums. Lange Holzbänke unterstreichen den weiten, offenen Charakter des Parks. Zahlreiche Ruheplätze sind in das Gelände eingestreut. Auf der Möckernpromenade, die auf der Böschung zur Möckernstraße und teils oberhalb einer sanierten, über 100 Jahre alten historischen Mauer verläuft, nehmen die Ruheplätze teilweise die Form von Aussichtsplattformen an. Darüber hinaus gibt es eine Tanzfläche und einen Infopoint für Führungen.

Der ursprünglich nicht geplante und von der Bürgerinitiative durchgesetzte Naturspielplatz kommt ohne Spielgeräte aus und bietet dafür auf einem hügeligen Gelände Sand, Steine, Holz und Matsch sowie Brombeerbüsche und Apfelbäume. Auf den 40 Jahre lang unberührten Ruderalflächen wurden 66 große und 500 kleine Bäume gefällt und rund 950 Bäume und Sträucher neu angepflanzt. Parallel zur Nord-Süd-Fernbahn wurden als ökologische Sukzessionsflächen Schotterareale zur Ansiedlung von Käfern und Eidechsen angelegt, an die sich drei Sportplätze, unter anderem für Basketball, anschließen.[2] Der abschließende Skatepark am ehemaligen Poststellwerk verfügt über den größten Outdoor-Pool Berlins. In den Planungsprozess der 1.300 m2 großen Anlage wurden aktive Skater einbezogen, sodass modernste Trainingsmöglichkeiten für Slides, Grinds und Flips entstanden.[1]

Westpark

Der Park soll im Herbst 2013 eröffnet werden, seine Kosten sind mit rund 8,5 Millionen Euro veranschlagt.[1]

Gestaltung

Nach Planungsstand Mai 2011 wird der Westpark über vier Haupteingänge verfügen: 1) barrierefreier Nordeingang am Schöneberger Ufer, der als platzartiges Entreé ausgebildet wird und jenseits des Landwehrkanals zum Potsdamer Platz mit dem Mendelssohn-Bartholdy- und Tilla-Durieux-Park überleitet. 2) Westeingang in der Verlängerung der Kurfürstenstraße am angrenzenden Nelly-Sachs-Park (barrierefrei). 3) Südeingang Yorckstraße/Goebenstraße. 4) Südeingang Yorckstraße/Bautzener Straße. Weitere Westeingänge sind in den Verlängerungen der Lützowstraße, Pohlstaße und Bülowstraße vorgesehen.[6][7]

Viadukt der U2 auf der Baustelle des Westparks im September 2011; im Hintergrund die Lutherkirche am Schöneberger Dennewitzplatz

Neben einer zentralen Wiese, der Schöneberger Wiese, wird das Bild der 9 Hektar großen Grünanlage von den Hochbahntrassen der U-Bahnlinie 1 und U-Bahnlinie 2 bestimmt, die den Park von West nach Ost überqueren. Unter dem Viadukt der U2 soll ein Kiezplatz für Flohmärkte, Boule und Feste entstehen. Das Königskerzenfeld wird einen weiteren Eventplatz bilden.[8] Auf dem Tunnelmund der Fernbahn sollen eine Wiese und ein Sonnendeck angelegt werden. Ferner sind Flächen mit Ruderalwiesen, ein Naturraum, ein Hundeauslaufplatz und ein Kiosk/Cafe vorgesehen. Im südwestlichen Teil werden bereits vorhandene Kleingärten in den Park einbezogen. Für Kinder sind mehrere Spielplätze sowie Klettergerüste an den schnurgeraden, asphaltierten Wegen geplant. Auf einer multifunktionalen Sport- und Spielfläche werden neben einem Bodenlabyrinth und Reckstangen Trendsportarten wie Trampolinturnen, Rollsport, Streetball und Torwandschießen angeboten.[1][7]

Die bereits vorhandenen Beachvolleyball-Felder des Beach61 werden in den Park integriert und von einem urbanen Strand einen Ausblick auf die Weite der Schöneberger Wiesen bieten.[9]

Beach61

Zwischen 2004 und 2006 wurden große Sandmengen aus dem Aushub der Alexa-Baustelle (die Sande des Berliner Urstromtals erreichen eine Mächtigkeit von über 20 Metern) vom Alexanderplatz auf das westliche Gleisdreieck verbracht. Auf den Sandflächen eröffnete am 1. Mai 2009 das Beach61 mit 25  Beachvolleyballfeldern, die stundenweise gemietet werden können.[10] Die multiflexiblen Sandareale stehen ferner für Sandsportarten wie Beachsoccer, Beachhandball, Speedminton und Beachminton sowie für Streetsoccer und Streetbasketball zur Verfügung. Auf einer angrenzenden Entspannungswiese wird Yoga, Tai-Chi, Frisbee und Gymnastik für alle Altersgruppen angeboten. Darüber hinaus gibt es Sanitäreinrichtungen, Umkleidekabinen und eine Strandbar. Die Sportanlage wird in den Westpark einbezogen und bleibt auch während der Bauarbeiten auf dem umliegenden Gelände öffentlich zugänglich.[11][12]

Der Park in der Berliner Freiraumkonzeption

Als grünes Verbindungselement von Nord nach Süd nimmt der Park laut Darstellung der Senatsverwaltung eine Schlüsselposition in der Berliner Freiraumkonzeption ein. Nach Norden schließt der Park die Lücke zu den Parkanlagen am Potsdamer Platz und zum Spreebogenpark am Regierungsviertel. Nach Süden grenzt an den Ostpark das Bahngelände des sogenannten „Flaschenhalses“. Das 5,5 Hektar umfassende Areal, das zwischen der Yorckstraße und der Monumentenbrücke liegt, soll noch entwickelt werden und wird über Fuß- und Radwege den Anschluss zum Hans-Baluschek-Park und zum Natur-Park Schöneberger Südgelände herstellen.[1][13] Zudem wird der Flaschenhals den Radfernweg Berlin–Leipzig weiterführen, der bereits am Westrand durch den Ostpark verläuft und den Grünzug in das überregionale Radwegesystem integriert.[14][15]

Weblinks

 Commons: Park am Gleisdreieck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Park am Gleisdreieck. Berlins neuer City-Park. Faltblatt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Redaktion: Grün Berlin GmbH. Stand August 2011.
  2. a b c d e Karin Schmidl: Viel Rasen und ein bisschen Bahnromantik. In: Berliner Zeitung, 1. September 2011, S. 20.
  3. Grün Berlin GmbH, Park am Gleisdreieck, Chronologie.
  4. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Gestaltung „Park auf dem Gleisdreieck“ entschieden.
  5. Uwe Rada: Die Mauer im Park. Stadtentwicklung am Berliner Gleisdreieck. In: die tageszeitung, 21. Januar 2009.
  6. Grün Berlin GmbH, Park am Gleisdreieck, Eingänge.
  7. a b Karte vor Ort: Park auf dem Gleisdreieck. Entwurf Parkteil West, Stand Mai 2011. Atelier Loidl, Grün Berlin GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. (Die Karte befindet sich am zentralen Platz an der Fassade der Laderampe des Technikmuseums.)
  8. Gleisdreieck-Blog. Neuer Plan für den Westpark. August 2010.
  9. Grün Berlin GmbH, Park am Gleisdreieck, U-Bahnviadukte und Schöneberger Wiese.
  10. Gleisdreieck-Blog. Von B 30 zu Beach 61.
  11. Christian Köhler, Frank Philipp: Inhaltspräsentation zukünftiger Sport- und Freizeitmöglichkeiten für die Gleisinseln ab 2009 BeachPark61. Berlin, den 17.12.2008.
  12. Beach61, Homepage.
  13. Grün Berlin GmbH. Flaschenhals.
  14. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Der Park am Gleisdreieck - Berlins neuer City-Park. Pressebox, 2. September 2011.
  15. Grün Berlin GmbH, Park am Gleisdreieck, Radweg Berlin-Leipzig,
52.49581666666713.375763888889

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