Phil Jones (Klimatologe)


Phil Jones (Klimatologe)

Philip D. Jones (* 1952) ist ein britischer Klimatologe an der University of East Anglia. Jones hat einen BA in Environmental Sciences der Lancaster University und MSc und PhD der University of Newcastle upon Tyne.

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaftliche Arbeit

Jones ist insbesondere bekannt für seine Weiterführung der instrumentellen Temperaturmessreihen im Klimabereich.[1] Er hat damit in den 2001 und 2007 erschienenen IPCC-Berichten wesentliche Beiträge zu Kapitel 12, Detection of Climate Change and Attribution of Causes, sowie zum Dritten Sachstandsbericht[2] erbracht und war Leitautor beim Kapitel 3, Observations: Surface and Atmospheric Climate Change des AR4.[3][1][2]

Als Ko-Direktor der Climatic Research Unit war er zusammen mit Jean Palutikof von 1998–2004 tätig und seitdem alleiniger Direktor.[4]

Hackerangriff auf die Climatic Research Unit und anschließende Untersuchungen

Nachdem bei einem Hackerangriff Emails der CRU gestohlen und im Internet veröffentlicht worden waren, wurden von Klimaskeptikern Vorwürfe der Datenmanipulation und Missachtung wissenschaftlicher Standards gegen Jones und mehrere seiner Fachkollegen erhoben.[5] Jones ließ sein Amt als Direktor der CRU daraufhin vorläufig ruhen.[6] Die Arbeit der Klimaforscher an der CRU wurde in der Folge von drei unabhängigen Untersuchungskommissionen eingehend geprüft. Der Wissenschafts-Ausschuss des britischen Parlaments kam im März 2010 zu dem Ergebnis, dass den Wissenschaftlern der CRU kein Vorwurf zu machen sei. Es könne nicht unterstellt werden, dass die Wissenschaftler bei der Zurückweisung von Anfragen über Forschungsergebnisse versucht hätten, die Öffentlichkeit über Klimadaten im Ungewissen zu lassen.[7] Eine gemeinsame Untersuchungskommission der britischen Royal Society und der University of East Anglia unter dem Vorsitz von Lord Ronald Oxburgh entlastete ebenfalls Jones und seine Kollegen. Es gebe „keine Beweise für vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten“, die Wissenschaftler um Jones hätten ihre Arbeit „ordentlich und genau“ gemacht und seien bei der Datenauswertung „objektiv und leidenschaftslos“ gewesen. Die Untersuchungskommission verurteilte zudem den scharfen Tonfall der Klimaskeptiker.[8] Eine dritte Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Muir Russell kam nach sechsmonatiger Prüfung und Anhörung zahlreicher Zeugen schließlich auch zu dem Ergebnis, dass die gegen Jones und seine Kollegen erhobenen Vorwürfe der Datenmanipulation und Unterdrückung von Kritikern unberechtigt seien. Die Schlüsseldaten für die Reproduzierbarkeit ihrer Forschungsergebnisse seien jedem kompetenten Interessierten zugänglich gewesen, auch gebe es keinerlei Hinweise auf eine Untergrabung des Peer-Review-Prozesses. Bemängelt wurde nur ein unzulängliches Maß an Offenheit seitens der Forscher und eine unabsichtlich irreführende Beschriftung einer Grafik von 1999. Es gebe jedoch keinerlei Zweifel an der Redlichkeit und Disziplin der Forscher.[9][10][5]

Die zwischenzeitlich erhobenen Anschuldigungen belasteten Jones nach eigenen Angaben so sehr, dass er über Suizid nachdachte. Zudem erhielt er zahlreiche Morddrohungen.[11]

Jones wurde im Juli 2010 in das neugeschaffene Amt des Forschungsdirektors versetzt.[12] Die Universität betonte, dass es sich dabei keinesfalls um eine Degradierung handele.[10]

Auszeichnungen

  • Hans Oeschger Medaille der European Geophysical Society[13]
  • International Journal of Climatology, Preis der Royal Meteorological Society.[14]
  • Outstanding Scientific Paper Award der Environmental Research Laboratories / NOAA für die Veröffentlichung "A search for Human Influences on the Thermal Structure of the Atmosphere," Ben Santer et al., in Nature, 382, 39–46 (1996).

Veröffentlichungen (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Phil Jones; Mike Salmon: Temperature. Climatic Research Unit. Abgerufen am 23 November 2009.
  2. a b Climate Change 2001: Working Group I: The Scientific Basis. UNEP/GRID-Arendal. Abgerufen am 23 November 2009.
  3. http://www.climatescience.gov/Library/ipcc/wg1-4ar-authorlist.pdf
  4. History of the Climatic Research Unit. Climatic Research Unit. Abgerufen am 18. Dezember 2009.
  5. a b Keine Manipulation, Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2010
  6. Klimaforscher lässt während Untersuchung sein Amt ruhen, Spiegel Online, 2. Dezember 2009
  7. Ausschuss des Parlaments gibt britischen Klimaforschern recht, Die Welt, 1. April 2010
  8. Zweiter Freispruch für Klimaforscher, Süddeutsche Zeitung, 15. April 2010
  9. Abschlussbericht (PDF) der Russell-Kommission
  10. a b 'Climategate' review clears scientists of dishonesty over data, The Guardian, 7. Juli 2010
  11. The leak was bad. Then came the death threats, The Times, 7. Februar 2010
  12. Michael McCarthy: 'Conspiracy theories finally laid to rest' by report on leaked climate change emails – Climate Change, Environment. 8 July 2010. Abgerufen am 8. Juli 2010. 
  13. EGS Hans Oeschger Medallist – 2002. European Geosciences Union. Abgerufen am 23 November 2009.
  14. Nomination Form for Awards/Prizes of The Royal Meteorological Society. The Royal Meteorological Society. Abgerufen am 23 November 2009.

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