X. Fliegerkorps


X. Fliegerkorps

Das X. Fliegerkorps war ein Verband der Luftwaffe, der im Zweiten Weltkrieg für Kampfaufgaben über See zuständig war.

Inhaltsverzeichnis

Aufstellung

Die Aufstellung des X. Fliegerkorps erfolgte am 2. Oktober 1939 durch die Umbenennung der 10. Fliegerdivision, die ihrerseits am 5. September 1939 für die Bekämpfung von Schiffen aufgestellt worden war.[1] Das X. Fliegerkorps war ein Führungsstab, dem je nach seinem Auftrag Gruppen und Geschwader von Jagdflugzeugen, Jagdbombern, Sturzkampfbombern, Bombern und Aufklärern unterstellt wurden. Das X. Fliegerkorps seinerseits war entweder unmittelbar dem Oberkommando der Luftwaffe oder einer Luftflotte unterstellt.

Nordsee- und Norwegeneinsatz

Der erste Einsatzraum des X. Fliegerkorps war im Winter 1939/40 die Nordsee im Kampf gegen die britische Royal Navy und gegnerische Handelsschiffahrt, wobei einige Dutzend Handelsschiffe beschädigt oder versenkt wurden.[2] Im Frühjahr 1940 wurden dem Korps von der Luftwaffe alle für die Eroberung Norwegens (Fall Weserübung) vorgesehenen Fliegerverbände unterstellt. Dort war das X. Fliegerkorps ab April 1940 erfolgreich bei der Eroberung des Landes und der Bekämpfung alliierter Seeoperationen im Einsatz.[1]

Dabei zeigte sich zum ersten Mal die Überlegenheit von Luftherrschaft über Seeherrschaft. Vereinfacht gesagt beherrschte die Luftwaffe durch das X. Fliegerkorps den Luftraum über dem norwegischen Seegebiet, während die Royal Navy die norwegische See beherrschte. Die Schiffsverluste durch die deutschen Flugzeuge machten ein ständiges Verbleiben der Royal Navy in norwegischen Gewässern unmöglich und so trug die deutsche Luftherrschaft im Kampfraum Norwegen sehr stark zum deutschen Erfolg bei.

Einsatz im Mittelmeer

Um die Jahreswende 1940/41 wurde das X. Fliegerkorps von Norwegen nach Sizilien verlegt für den Kampf gegen britische Flotteneinheiten und gegnerische Handelsschiffe. Dafür wurde von einer Stukagruppe des Korps (II. Gruppe/Stukageschwader 2) besonders der Angriff auf Flugzeugträger mit Hilfe einer schwimmenden Attrappe eines Flugzeugträgers eingeübt.[3] Schon am 10. und 11. Januar 1941 gelang ein erfolgreicher Angriff auf den britischen Konvoi Excess, der Nachschub für die britische Mittelmeerinsel Malta fuhr und den Flugzeugträger Illustrious, der sehr schwer beschädigt wurde.[4]

Mitte Januar 1941 flog das X. Fliegerkorps schwere Luftangriffe auf die Hafenstadt La Valletta auf Malta, die sowohl den Hafen als auch Schiffe trafen und die britische Flotte zwang, sich nach Alexandria in Ägypten zurückzuziehen, aber auch die Sturzkampfbomber des deutschen Fliegerkorps erlitten hohe Verluste bei den Angriffen. Ab dem 29. Januar 1941 warfen Bomber des X. Fliegerkorps immer wieder Minen in den Suezkanal und behinderten dadurch den Schiffsverkehr im Kanal.[5] Im Februar 1941 flog das Korps schwere Luftangriffe auf Malta, um ein britisches Eingreifen gegen das Übersetzen des Afrikakorps von Italien nach Libyen zu verhindern.[6] Ab Juni 1941 war das X. Fliegerkorps in Griechenland stationiert, einem Einsatzraum, der in den nächsten zwei Jahren verhältnismäßig ruhig blieb.

Für die Eroberung der italienisch besetzten Inseln Griechenlands, nach der Kapitulation Italiens (Fall Achse) am 8. September 1943, wurde das X. Fliegerkorps durch Luftwaffenverbände aus Frankreich, Deutschland und Russland verstärkt, womit eine Luftüberlegenheit gegenüber den britischen Truppen erreicht wurde, die ebenfalls die italienisch besetzten Inseln Griechenlands besetzen wollten. Bis Ende November 1943 war die Eroberung dieser Inseln durch die Wehrmacht erfolgreich abgeschlossen.[7] Der Kampf um die Ägäischen Inseln war der letzte Großeinsatz des X. Fliegerkorps. Am 10. Februar 1944 wurde der Stab des X. Fliegerkorps geteilt in den Stab Kommandierender General der Deutschen Luftwaffe in Griechenland und der verbleibende Teil wurde erst nach Südfrankreich verlegt und im August 1944 nach Deutschland, wo er am 5. September 1944 aufgelöst wurde.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Peter C. Smith: Stuka. Die Geschichte der Junkers Ju 87. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-87943-291-0. S. 29
  2. Rudi Schmidt: Achtung – Torpedos los! Karl Müller Verlag, Erlangen, ohne Jahresangabe. ISBN 3-86070-802-3. S. 52.
  3. Peter C. Smith: Stuka. Die Geschichte der Junkers Ju 87. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-87943-291-0. S. 64
  4. J. Rohwer/G. Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching, ohne Jahresangabe. ISBN 3-88199-0097. Seiten 94–95.
  5. J. Rohwer/G. Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching, ohne Jahresangabe. ISBN 3-88199-0097. S. 99 und 103.
  6. Janusz Piekalkiewicz: Luftkrieg 1939–1945. Wilhelm Heyne Verlag, München 1982, ISBN 3-453-01502-9. S. 270.
  7. Peter Schenk: Kampf um die Ägäis. Verlag Mittler & Sohn, Hamburg 2000, ISBN 3-8132-0699-8. S. 61–62.

Literatur

  • Rudi Schmidt: Achtung – Torpedos los! Karl Müller Verlag, Erlangen, ohne Jahresangabe. ISBN 3-86070-802-3.

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