Damaststahl


Damaststahl
Charakteristisch sind die „organischen“ Muster des Damaszener Stahlverbunds.

Der Begriff Damaszener-Stahl oder Damast (von arabischدمشقdimašq, Name der Stadt Damaskus, der Hauptstadt Syriens) bezeichnet einen Werkstoff aus einer oder mehreren Eisen/Stahlsorten, der in poliertem oder geätztem Zustand eine klare Struktur aus mehreren sich abwechselnden Bereichen aus unterschiedlichem Material erkennen lässt. Damaszener-Stahl verbindet im Idealfall die guten Eigenschaften verschiedener Stähle, d.h. er ist gleichsam flexibel und schnitthaltig.

Damaszener Stahl bezeichnet genau genommen den auch als Wootz oder Schmelz-Damast bezeichneten, im orientalisch-arabischen Raum, im Tiegelschmelzverfahren hergestellten Stahl. Der Begriff „Damast“ findet allerdings auch Verwendung für den Schweißverbundstahl, der in Europa bereits seit der Zeitenwende und heutzutage wieder weltweit hergestellt wird. Der Begriff „Damast“ findet für beide Erzeugnisse gleichsam Verwendung, eine Unterscheidung der zwei stark abweichenden Herstellungsverfahren ist für den Fachmann allerdings sehr gut möglich. Bei beiden Erzeugnissen lässt sich durch Ätzen oder polieren ein attraktives Muster auf der Metalloberfläche produzieren.

Die Bedeutung des Damaststahles bestand im Altertum vor allem in der Benutzung des Materials zur Waffenherstellung, hauptsächlich für Blankwaffen. Man könnte sogar sagen, dass dieser Werkstoff nur für die Herstellung von Blankwaffen „erfunden“ wurde.

Inhaltsverzeichnis

Das Ausgangsmaterial

Eisen und Stahl

Eisen (Fe; lat. ferrum) bezeichnet das chemische Element und ist Hauptbestandteil von Stahl. Stahl ist eine Legierung von Eisen mit anderen Materialien, hauptsächlich Kohlenstoff (C; lat. carbo), wobei der Kohlenstoffgehalt des Eisens nicht über 2,06 % Masseanteil liegen darf. Klingenfähiger Stahl ist aufgrund seines Kohlenstoffgehalts (etwa zwischen 0,5 und 1,2 % C) und seiner Reinheit gut schweißbar und schmiedbar.

Eine Unterscheidung zwischen Eisen und Stahl ist in diesem Zusammenhang nicht möglich, da gediegenes (chemisch reines) Eisen in der Natur so gut wie nicht vorkommt, der Begriff dennoch gleichsam Verwendung für legierte Materialien findet. Wichtig für die Schmiede des Altertums war einzig, dass das Material überhaupt schmiedbar war.

Das Ausgangsmaterial zur Herstellung von Damaststahl ist Stahl mit unterschiedlichen Legierungen. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Rohmaterialien waren auch frühzeitlichen Schmieden bereits sehr gut bekannt. Sie konnten die verschiedenen Sorten bereits gezielt zur Herstellung eines Produktes, wie beispielsweise Damaszener Stahl, auswählen. Aus diesem Grunde wurde, zur Zeit der Kelten, Eisen in Form von Spitzbarren in den Handel gebracht, deren dünn ausgeschmiedete Enden einen Rückschluss auf die Reinheit und Duktilität des Materials zuließen. Bereits früh war auch das „Aufkohlen“ bekannt, ein Verfahren zur Erhöhung des Kohlenstoffgehalts und damit der Erzeugung von härterem, spröderem Stahl.

Herstellung des Ausgangsmateriales

Im Altertum wurde schmiedbares Material in Lehmöfen (Rennöfen) erzeugt. Das im Ofen im Wechsel mit Holzkohle aufgeschichtete Eisenerz (Raseneisenstein) wurde auf sehr hohe Temperaturen (um die 1300 °C) gebracht, wodurch das Gestein aufschmolz und als Schlacke ablief. Die so erzeugte (zurückgebliebene) Luppe war inhomogen, konnte aber direkt durch Schmieden weiterverarbeitet werden. Erst ab dem späten Mittelalter gab es Hochöfen, die flüssiges Roheisen erzeugen konnten.

Bronze und Eisen

Einfaches Eisen ist weich, aber nicht so bruchanfällig und daher besser zur Waffenproduktion geeignet als die vor der Eisenzeit gebräuchliche Bronze. Zudem rostet es schnell. Eisen verdrängte relativ schnell die Bronze, da es einfacher zu beschaffen und damit „billiger“ war. Auch wurde die Rohstoffbeschaffung zur Herstellung von Bronze immer schwieriger.

Härtbarkeit

Eine der wichtigsten Eigenschaften von Stahl, die auch seine spätere Überlegenheit gegenüber der Bronze ausmacht, ist seine Härtbarkeit. Vermutlich wurde das Härten von Stahl schon recht früh entdeckt, als man glühende Werkstücke in Wasser ablöschte. So abgeschrecktes Eisen blieb weich, Stahl hingegen nahm deutlich Härte an. Wie lange es gedauert hat, bis dieser Härteprozess bewusst und gezielt angewendet wurde, ist jedoch unklar.

Es gibt mehrere alte und moderne Methoden, Stahl zu härten. Der Härtevorgang im Altertum beschränkte sich auf das Abschrecken des glühenden Stahls in Wasser. Beim Härten bilden sich mikrokristalline Strukturen der Kohlenstoffverbindungen im Metallgitter, die eine hohe Festigkeit und Härte besitzen. Erst Eisen mit einem Kohlenstoffgehalt von mehr als 0,2 % ist härtbar. Mit Erhöhung des Kohlenstoffgehalts tritt auch eine Erhöhung des Härtegrads ein, der Stahl wird damit allerdings auch spröder.

Nicht nur der Kohlenstoffanteil im Stahl bestimmt seine Eigenschaften, auch andere Legierungselemente wie Phosphor (für die Härte), Mangan (macht Eisen zäh, zugfest) oder Silizium (macht Eisen flexibel) spielen hierbei eine Rolle.

Ohne diese metallurgischen Kenntnisse praktizierten die Schmiedemeister im Altertum. Sie konnten sich nur auf ihre Erfahrung verlassen, die chemischen Zusammenhänge wurden erst in unserer Zeit aufgedeckt. Die damaligen Schmiede konnten eigentlich nur den Kohlenstoffgehalt beeinflussen, Schlacken aus dem Metall entfernen und eine Homogenisierung des Eisens bewirken. Die weiteren chemischen Zusammensetzungen des Rohmaterials bestimmte die Natur bzw. der Herkunftsort des Eisenerzes.

Die Problematik

Aus den Eigenschaften des gehärteten Stahls entspringen auch die Probleme bei der Herstellung von Blankwaffen, beispielsweise von Schwertern. Ein Schwert musste aufgrund seines Einsatzzwecks hohen Belastungen standhalten, leicht sein und dabei scharf bleiben und nicht brechen oder verbiegen.

Mit sehr hartem Stahl erhält man zwar eine Klinge, die sehr lange scharf bleibt und sich nicht verbiegt, dabei aber sehr leicht bricht. Mit sehr weichem Stahl erhält man eine Klinge, die nicht bricht, dafür aber nicht scharf bleibt und sich leicht verbiegt. Es wurde daher schon früh nach Wegen gesucht, einen Werkstoff herzustellen, der die guten Eigenschaften von weichem und hartem Stahl in sich vereint.

Der Schmelz-Damast

Herkunft

Der Name Damast ist abgeleitet von der Stadt Damaskus, der Hauptstadt Syriens. Erstmals wurde der Stahl vermutlich in Indien gefertigt, später auch im ganzen orientalisch-arabischen Raum. Wahrscheinlich wurden Waffen aus diesem Material vermehrt in Damaskus gehandelt, die Stadt war seit dem Mittelalter eine große Handelsmetropole. Man kann davon ausgehen, dass sich der Begriff Damast für den Stahl dieser orientalischen Waffen schon seit dem Mittelalter etabliert hat.

Qualität

Der orientalische Damast wird sehr gerne als legendär und den mittelalterlichen, europäischen Schwertern weit überlegen bezeichnet. Diese Aussagen entsprechen aber nicht der Realität. Auch bei den orientalischen Stählen gab es große Qualitätsunterschiede. Dennoch gibt es Schwerter in hervorragender Qualität, die eine sehr gute Schnitthaltigkeit und Bruchfestigkeit aufweisen und einen hohen künstlerischen Wert haben.

Herstellung

Gefestigte Beweise für die Herstellung dieses Stahls gibt es erst seit dem späten Mittelalter. Berichte über frühere Klingen aus Damast haben keine wissenschaftliche Grundlage.[1] Bei diesem Stahl sind es wellenförmig angeordnete Martensitpartikel im Gefüge, die die hervorragenden Eigenschaften bestimmen, was bereits bei der Raffination des Eisens erreicht wird und nicht durch das Verschmieden mehrerer Stahlsorten. Man kann also hier nicht von Damastschmiedetechnik sprechen. Dieser im Tiegelschmelzverfahren hergestellte Rohstahl wird als Wootz bezeichnet.

Bei diesen Schwertern und Säbeln entsteht durch Polieren oder Ätzen ein Muster auf der Klinge. Derartige Schwerter wurden noch ca. bis Ende des 18. Jahrhunderts hergestellt, die Herstellung dieses Stahls war seitdem fast in Vergessenheit geraten. Es gibt inzwischen aber etliche Experten, die Verfahren zur Herstellung beherrschen.

Forschung

2006 wurde durch elektronenmikroskopische Untersuchungen an der Technischen Universität Dresden in einem Damaszener-Schwert aus dem 17. Jahrhundert Kohlenstoffnanoröhren von bis zu 50 nm Länge und 10 bis 20 nm Durchmesser aus Kohlenstoffatomen gefunden, die auf ein noch unbekanntes metallurgisches Verfahren hinweisen. Spekulationen gehen dahin, dass beispielsweise Holz oder Blätter der Schmelze unter Verwendung besonderer indischer Eisenerze als Katalysatoren bzw. Kristallbildner zugesetzt wurden. [2]. Es bleibt aber nachzuweisen, dass diese Nanoteilchen überhaupt einen Effekt auf den Stahl haben. Auch eine angenommene erhöhte Korrosionsbeständigkeit wartet auf ihren Nachweis.

Wootz

Austenitkristallisierung. Ein Stahl, der aus Wootz geschmiedet wurde, mit einem hellen Linienmuster aus Zementitpartikeln.

Das Ausgangsmaterial, der sogenannte Wootz-Barren, besteht aus sehr reinem Eisen, ca. 1,5 % Kohlenstoff und winzigen Spuren von Verunreinigungen aus Vanadium, Molybdän, Chrom, Niob oder Mangan. Das Material wird geschmolzen und anschließend langsam abgekühlt. Dabei bilden sich langsam Austenitkristalle. Sie haben eine längliche, tannenbaumähnliche Form und schieben sich immer weiter in die Schmelze. Die Verunreinigungen passen nicht ins Kristallgitter und werden in die Zwischenräume gedrängt.

Kühlt das Material weiter ab und unterschreitet die Austenit-Untergrenztemperatur, bilden sich Zementitpartikel, die zufällig verteilt sind. Wird der Stahl nun geschmiedet, lösen sich die Zementitteilchen wieder, außer in dem Grenzbereich zwischen den Austenit-Kristallen, wo sich die Fremdstoffe angesammelt haben. Der Stahl wird jetzt jedes Mal bis in den Temperaturbereich erhitzt, in dem neue Zementitpartikel entstehen. Anschließend wird der Stahl geschmiedet. So entstehen nach und nach die Zementitlinien. Um sie sichtbar zu machen, muss die Oberfläche noch geätzt werden.

Durch die zunehmende Reinheit und Reproduzierbarkeit von Monostählen wurde der Damast in jüngerer Zeit manchmal auf seine dekorative Wirkung reduziert. Einige Liebhaber und Spezialisten sind jedoch immer noch der Meinung, dass die feuergeschweißte Verbundstahlklinge die edlere und letztendlich auch die handwerklich bessere Variante sei. In der Tat sind diese handwerklichen Glanzstücke schöne Unikate und zeigen einen „lebendigen“ Stahl.

Der Schmiede-Damast

Unterschiede zum orientalischen Damast

Schmiede-Damast unterscheidet sich grundlegend von dem Orientalischen. Bei diesem ist es nicht das Rohmaterial nach der Verhüttung des Eisens, welches die Qualität und Eigenschaften bestimmt, sondern die schmiedetechnische Verbindung verschiedener Stahlsorten im Feuerschweißverfahren. Der Grund für die Herstellung von Damaststahl im Altertum und im frühen Mittelalter lag darin, dass die im Rennofenverfahren gewonnenen Stähle nicht überall rein waren, weil schon das Ausgangsmaterial, das Erz, sehr unterschiedlich vom Gehalt und den Beimengungen war. Das häufige Falten und Feuerverschweißen bewirkte eine Homogenisierung des Materials und gleichmäßige Kohlenstoffverteilung durch Diffusion. Klingen aus Damast waren stabiler und leistungsfähiger. Im Laufe der Zeit lernten die Schmiede, bei diesem Verfahren die Falt- und Torsionsvorgänge so zu kontrollieren, dass sie die entstehenden Muster reproduzieren konnten. Das ist vor allem von den Wikingern bekannt. Als später die Franken gute und haltbare Monostahl-Klingen schmieden konnten, bestand der Bedarf nach Damast nicht mehr, und das aufwändige Verfahren geriet nahezu in Vergessenheit.

Geschichte und Entwicklung

Es gibt verschiedene Theorien zur Entwicklung des Damaststahls in Europa. Eine davon ist, dass der europäische Damast ein Versuch war, die orientalische Kunst zu kopieren. Dies ist aber recht unwahrscheinlich, da erste derartig damaszierte Klingen bereits seit der Latène-Zeit in Europa zu finden sind. Eine weitere Theorie ist, dass der Stahl einfach irgendwann von einem oder mehreren Schmieden erfunden wurde. Dieses ist eher naheliegend. Auch möglich ist, dass man mit der Zeit erkannte, dass Schwerter, die man aus wiederverwendeten Stahlobjekten zusammenschmiedete (Eisen war schließlich ein teurer Rohstoff), viel haltbarer waren. Die Klingen waren flexibler und schnitthaltiger als jene, die aus einem „frischen“ Stück Eisen gefertigt wurden. Die verschiedenen „Stahlschrottsorten“ mit ihrem unterschiedlichen Kohlenstoffgehalt waren dafür verantwortlich.

Solchen „zufälligen Damast“ findet man beispielsweise auch bei antiken und mittelalterlichen Arbeitsgeräten. Auch hier wurden neue Gebrauchsgegenstände unter Verwendung von Alteisen geschmiedet.

An diesem germanischen Beil sind Damaststrukturen im Bereich der Schneide sichtbar.

Damaststrukturen lassen sich in manchen Fällen an Bodenfunden erkennen, da die weicheren Schichten des Stahls schneller verwittern als die harten, wodurch die Struktur des Stahls zum Vorschein kommt.

Ein Schwert aus der Keltenzeit an dem die Damaststruktur sehr gut zu erkennen ist.

Schon in der Hallstattzeit finden sich Schwerter aus sog. wildem Damast.[3] Es ist bei diesen noch keine gleichmäßige Struktur erkennbar. Das liegt daran, dass es sich nicht primär um Damast aus unterschiedlichen Stählen handelt, sondern um sog. Raffinierstahl, also mit sich selbst verschweißter, mechanisch homogenisierter Stahl - ohne die bewusste Absicht, aus konstrastierenden Stahlsorten ein Muster zu erzeugen.

Es gibt allerdings etwas spätere Belegstücke, die sehr wohl eine gleichmäßige Struktur aufweisen, ja sogar aus mehreren Strängen zusammengeschmiedet wurden. Man kann hier also zumindest von einer bewussten Entwicklung sprechen. Diese Entwicklung fand ihren Höhepunkt in der Latène-Zeit mit den Knollenknaufschwertern der Kelten, die ohne Zweifel bewusst aus Damaststahl gefertigt wurden und eine herausragende handwerkliche Leistung darstellen. [4] Ob die Anfänge der Verwendung von Damaststahl in der Kultur der Kelten zu finden sind, ist nicht bekannt. Es ist möglich, dass die Technologie von anderen Völkern, beispielsweise den Skythen, übernommen wurde, jedoch führten sie die Kelten erst zur Perfektion.

Die Schwerter der Kelten wurden in der römischen „Presse“ allerdings als qualitativ schlecht dargestellt. „Die keltischen Krieger mussten sich des Öfteren aus dem Schlachtgetümmel hinter ihre Reihen zurückziehen, um ihre Schwerter mit dem Fuß wieder gerade zu biegen“ heißt es in einer römischen Überlieferung. Dies muss allerdings keinen Widerspruch bedeuten. Es ist denkbar, dass es manchmal schlicht unmöglich warn ein gesamtes Heer rechtzeitig mit Waffen von höchster Qualität auszustatten. Auch die gesellschaftliche Stellung und die finanziellen Mittel eines Soldaten hatte möglicherweise einen Einfluss auf seine Ausrüstung. An dieser Stelle muss auch zwischen verschiedenen keltischen Stämmen differenziert werden. Die Kelten bestanden aus vielen Einzelstämmen, die untereinander oft im Krieg standen. Unterschiede in der Schmiedekunst zwischen den Stämmen wären wenig verwunderlich. So war z.B. der Stamm der keltischen Noriker für seine Schmiedewaren, besonders Schwerter, berühmt und quasi „Hauslieferant“ der reichen Römer. Wegen seines weiter östlich gelegenen Siedlungsgebiets war dieser Stamm auch kein Gegner Roms im gallischen Krieg. Die römischen Berichte über die schlechten Schwerter der keltischen Gallier (siehe z.B. gallischer Krieg) sind wohl zu gutem Teil „Kriegs“-Propaganda.

In der römischen Kaiserzeit fand neben Raffinierstahl (aus einer einzigen Stahlsorte hergestellt) ebenfalls Damaststahl Verwendung, allerdings sind Funde aus dieser Zeit rar. Auch nach der Zeit der Kelten und Römer wurde Damaststahl für die Herstellung von Blankwaffen verwendet und weiterentwickelt.

Die Germanen (oft werden in diesem Zusammenhang die Merowinger genannt) schufen zur Zeit der Völkerwanderung hervorragende Waffen mit äußerst kunstvollen Damastarbeiten, die zudem aufwändig differentiell gehärtet wurden.[5]

Hier stand erstmals nicht nur die Funktionalität im Vordergrund, sondern auch die künstlerische Umsetzung - wobei natürlich eine kunstvolle Klinge auch eine hohe Funktionalität versprach. Viele Schwerter trugen sogar Namen und waren absolut kulturelle Objekte. Die Damaststrukturen wurden damals wahrscheinlich mit einem ähnlichen Polierverfahren zum Vorschein gebracht, wie es heute noch bei japanischen Samurai-Schwertern angewandt wird. Dabei wird mit Hilfe von Schleifsteinen eine so ebene Oberfläche auf der Klinge erzeugt, dass man sozusagen in die „Seele des Stahls“ blicken kann, sprich die einzelnen Schichten der Stahlstruktur aufgrund ihrer unterschiedlichen Farbgebung zu sehen bekommt. Es ist aber auch vorstellbar, dass ein Ätzverfahren Verwendung fand, mit dem man einen ähnlichen Effekt erzielen kann. Anzumerken ist, dass japanische Klingen niemals aus Damast hergestellt wurden, sondern ausschließlich aus Raffinierstahl.

Es gibt Funde von germanischen Saxklingen und spätrömischen Schwertern, die eine Struktur und Härtung aufweisen, die einem japanischen Samurai-Schwert gleich kommt. Dies wurde herausgefunden, indem man ausgesuchte Klingen in Japan nach dem traditionellen Polierverfahren polieren ließ. [6] [7]

Aus Damaststahl gefertigtes, hochmittelalterliches Schwert, gefunden im Main bei Frankfurt

Die Entwicklung des Damaststahls ging so weit, dass im späten Mittelalter für die Herstellung von Blankwaffen fast ausschließlich Damast benutzt wurde. Neben anderen Städten ist Solingen seit dem Mittelalter eine Hochburg der Klingenproduktion. Gerade zur Zeit des 30-jährigen Kriegs wurden Schwerter aus Damaststahl als Massenprodukt gefertigt. Aus Solingen stammt zudem der berühmte, äußerst feine türkische Damast. Erst mit der Verfügbarkeit von gutem, billigem Stahl zur Zeit der industriellen Revolution verlor der Damaststahl an Bedeutung.

Ein Kris mit schöner Damaststruktur

Damast in Südostasien

Hauptsächlich in Indonesien und Malaysia wurde ebenfalls Damast durch das Verbinden von Eisen und Nickeleisen hergestellt. Dieser wurde vor allem für die Herstellung des sog. Kris (ein Dolch mit spitz zulaufender, oft wellenförmiger Klinge) verwendet. Eine Besonderheit hierbei ist, dass zur Herstellung dieses Stahls unter anderem Eisenmeteorite benutzt wurden, die, wie man aus chemischen Analysen weiß, oft hohe Anteile des Elements Nickel enthalten. Nach der Mythologie der Empu (malaiische Schmiede) kam das Eisen vom Himmel, wurde also von den Göttern geschickt.

Damast und das Samurai-Schwert

Wie oben bereits angemerkt, bestehen Samuraischwerter nicht aus Damaststahl im eigentlichen Sinne, sondern aus Raffinierstahl (ebenfalls ein Schweißverbundstahl). Oft verwendete unterschiedliche Klingenaufbauten mit beispielsweise elastischerem Stahl im Kern oder am Rücken sowie die differentielle Härtung der Klinge haben nichts mit Damaststahl zu tun. Der Stahl zur Herstellung eines japanischen Schwerts wird zwar auch gefaltet, Grund dafür ist aber das Erreichen einer gewissen Homogenität (gleichmäßige Verteilung der chemischen Bestandteile im Stahl) und die Entfernung von Schlacke, was durch den unreinen Rohstoff (Tamahagane) unerlässlich ist. Das Falten spielt dabei eine bedeutende Rolle, weil dadurch auch der Kohlenstoffgehalt kontrolliert wurde. Hierbei war die Erfahrung des Schmieds besonders wichtig.

Würde man diese Verfahren auch als Damastschmiedetechnik bezeichnen, müsste man das Material nahezu jedes antiken geschmiedete Objekts als Damast bezeichnen. Das aus einem Rennofen erzeugte inhomogene Material (Luppe) konnte auch nur durch Falten zu einem brauchbaren Material weiterverarbeitet werden.

Verwendung bei Schusswaffen

Aus Damast (feuerverschweißtem Verbund) wurden auch schon seit jeher Läufe von Schusswaffen hergestellt. Der Werkstoff bietet genau die Eigenschaften, die für Schusswaffen benötigt werden: er ist flexibel, zäh und fest. Frühe gegossene Läufe (u.a. bei Handbüchsen, Hakenbüchsen und Wallbüchsen zu finden) hatten ein höheres Gewicht und konnten durch den Druck beim Schuss bersten, was mit einer hohen Gefahr für den Schützen verbunden war. Bei Damastläufen war trotz geringeren Gewichts das Bersten fast ausgeschlossen.

Die Herstellung der Damastläufe geschah, indem man beispielsweise einzelne Stahldrähte über eine Stange wickelte und diese dann miteinander verschmiedete. Im Waffenmuseum Suhl ist ein sehr schönes Beispiel zu sehen, bei dem ein Band aus mehreren verdrehten Damaststahlsträngen um eine Stange zu einem Lauf geschmiedet wird.

Damaststahl Heute

Taschenmesser mit Klinge aus „Wildem Damast“

Verwendung

Heutzutage erfreut sich Damaststahl wieder zunehmender Beliebtheit, vor allem zur Herstellung von Küchen- und Jagdmessern. Aber auch Gebrauchsgegenstände und Schmuck werden daraus hergestellt, der letztgenannte aufgrund des ästhetischen Reizes der geätzten Oberfläche.

Bedeutung

Die Bedeutung dieses Stahls ist trotzdem nicht mehr sehr hoch, da es mittlerweile Monostähle (aus einer einzigen Stahlsorte hergestellt) gibt, die einem Damaststahl in nichts nachstehen. Zudem ist die Bruchgefahr bei einem kurzen Messer nicht so hoch wie bei einem langen Schwert; gute Schnitthaltigkeit, welche man auch mit einem Monostahl erreicht, zählt hier wesentlich mehr. Es gibt auch sehr große qualitative Unterschiede der Damaststähle der einzelnen Hersteller/Handwerker. Damast wird auch in schlechter Qualität hergestellt.

Außerdem besteht bei Messern aus Billig-Damast (z.B. Eisen und Stahl) das Problem, dass sich die Schneide „sägeförmig“ abnutzen kann, d. h., dass sich die weichen Schichten im Verbund viel schneller abnutzen als die harten. Da beide Schichten auch die Schneide ausbilden, ist dieses Problem durchaus zu beachten. Dieses Problem haben z. B. Monostahlklingen oder Dreilagenstahl-Klingen nicht.

Herstellung

Handgeschmiedeter Damaststahl wird heute noch sehr ähnlich wie früher hergestellt.

Am Anfang werden mehrere Schichten, meist 3 bis 8, übereinandergelegt und im Schmiedefeuer geschweißt. Der Verbund wird anschließend längs oder quer getrennt, aufeinandergelegt und wieder verschmiedet (Falten). Die gesamte Prozedur wird mehrmals wiederholt.

Da sich nach jedem Aufeinanderlegen die Anzahl der Schichten verdoppelt, kommt man schon nach wenigen Wiederholungen auf Hunderte von Schichten. Die Hauptschwierigkeit beim Feuerschweißen besteht darin, dass das Material eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten darf, da sonst der Kohlenstoff verbrennt, und gleichzeitig das Material nicht zu stark verzundern (oxidieren) darf, weil es sich dann nicht mehr zusammenschmieden lässt. Da der Stahl vor dem Schmelzpunkt zu brennen anfängt (Oxidation), wird gegen Ende des Erhitzens Quarzsand oder Borax auf die zu schweißende Stelle gestreut. Dieser schmilzt zu einer flüssigen Glasschicht und schützt somit den Stahl vor dem Sauerstoff. Der richtige Zeitpunkt dafür ist, wenn die ersten Sterne (Funken) des verbrennenden Kohlenstoffs auftauchen. Es entsteht ein glasiger Schild, der die beiden zu schweißenden Teile umschließt. Dieser dient nicht nur als Schutz, sondern auch als Zeitüberbrückung, die es dem Schmied erlaubt, die Schweißteile zum Amboss zu tragen und sie dort mit präzisen Schlägen zusammenzufügen.

Um schöne Muster auf der Oberfläche zu erhalten, kann der Stahl auch verdreht (Torsionsdamast) oder „asymmetrisch“ weiterverarbeitet werden (wilder Damast). Nach dem Härten und Feinschleifen/Polieren wird der Damaszener-Stahl geätzt, um das Muster sichtbar zu machen, da die verschiedenen Schichten sich durch Säurebehandlung je nach Kohlenstoffanteil bzw. Legierung hell (Nickel) oder dunkel (Mangan) färben. Die Schneiden werden dann noch zum Schluss geschärft. Gelegentlich wird für die Klingenherstellung auch Kettendamast verwendet, der aus Motorradketten oder Motorsägenketten geschmiedet wird, was ein deutliches Muster ergibt, aber leider keine wirklich hochwertige Klinge.

Damasteel

Durch neuere Herstellungsverfahren kann so genannter Damasteel hergestellt werden. Hierbei handelt es sich um ein vollkommen anderes Verfahren, bei dem rostträge Stahlsorten in Pulverform miteinander per Computer so vermischt werden, dass bereits ein Muster entsteht. Durch hohen Druck und gleichzeitig hohe Temperaturen sintert das Material zu einem dichten Stahlblock (derzeit jeweils 1,5 t), der dann aufgeschnitten und weiterverarbeitet wird. Nach der Herstellung nennt man den so erzeugten Stahl auch pulvermetallurgisch erzeugt.

Das Verfahren wurde erst 1993 entwickelt. Grund der Entwicklung war, dass sich die hochlegierten Stähle nur unter Sauerstoffabschluss feuerverschweißen lassen. Rostfreier Stahl ist ein hochlegierter Stahl, der mehr als 13 % Chrom in der Matrix enthalten muss, um nicht zu rosten.

Damaszierung

Damaszierung bezeichnet ein Ätzverfahren auf einer geschliffenen Metalloberfläche, wodurch das Muster eines Damaststahls nachempfunden werden soll. Es handelt sich dabei nicht um Damaszener-Stahl. Solche Fälschungen sind optisch manchmal nicht gleich von echtem Damaststahl zu unterscheiden. In der Heraldik versteht man unter einer Damaszierung das Verzieren von Wappenflächen mit pflanzenartigen Schnörkeln und Rankenmuster im Stile von Arabesken [8].

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Sachse; Damaszener Stahl. Mythos. Geschichte. Technik. Anwendung Stahleisen-Verlag 1993, ISBN 978-3514005204
  • Manouchehr M. Khorasani: Arms and Armor from Iran - The Bronze Age to the End of the Qajar Period -, Legat, Tübingen 2006, ISBN 3-932942-22-1 (u.a. Waffenkunde des Altertums)

Einzelnachweise

  1. Archäologie Online - scotts_talisman_damastsalat_und_nanodraht
  2. M. Reibold, P. Paufler, A. A. Levin, W. Kochmann, N. Pätzke und D. C. Meyer: Materials: Carbon nanotubes in an ancient Damascus sabre. Nature 444, 286 (2006). (englisch)
  3. Archäologie Online – Esse Hammer Amboss
  4. Die keltischen Rapiere
  5. Referat Werkstoffe und Verfahrenstechnik
  6. Geheimnisse europäischer Schwertschmiedekunst enthüllt
  7. Archäologie online – Ein Fenster öffnen
  8. http://home.datacomm.ch/hofer.harri/html/body_damaszierung.html

Weblinks


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