Dymaxion


Dymaxion
R. Buckminster Fuller

Dymaxion ist ein Begriff, den der Architekt Richard Buckminster Fuller für einige seiner Erfindungen verwendete.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Wort ist eine Abkürzung von „dynamic maximum tension“ (englisch für: dynamische maximale Spannung). Andere Quellen behaupten jedoch, dass es für dynamic, maximum und ion steht.[1]

Der Werbe-Experte Waldo Warren prägte diesen Begriff um das Jahr 1928 für Fuller, als dieser einen Markennamen für sein erstes Architekturprojekt, das Dymaxion-Haus, brauchte. Warren verbrachte zwei Tage damit, Fuller zuzuhören, um ein Gefühl für seinen Sprachgebrauch zu bekommen. Dann spielte er mit den Silben aus typischen Fuller-Wörtern und kam letztlich auf das Wort „Dymaxion“

Fuller war sehr angetan von dem neuen Wort und verwendete es für viele seiner Erfindungen, wie zum Beispiel Dymaxion-Haus, das Dymaxion-Auto und die Dymaxion-Weltkarte.

Beispiele

Dymaxion-Haus

Dymaxion House im Henry Ford Museum

Das Dymaxion House wirkt wie eine fliegende Untertasse und war ein Haus, das sich demontieren, verpacken und mitnehmen ließ, wenn die Familie umzog. Es hatte eine Kreisform, weil Fuller Rundbauten als besonders ökonomisch betrachtete. Das 97 Quadratmeter große Haus wog mit Mobiliar nicht mehr als 2.227 Kilogramm bei einem Durchmesser von 15 Metern und einer Höhe von 12 Metern. Fuller entwarf den Prototyp bereits im Jahr 1927, produziert wurde das Haus aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine für Flugzeuge entwickelte Aluminiumlegierung die Konstruktion erst möglich machte.

Insgesamt wurden lediglich zwei Prototypen gebaut. Für eine Massenfertigung fand Fuller keine Geldgeber. Außerdem hieß es, das Dymaxion House sei undicht und kalt.

Dieses Haus wurde später als 4-D-House bekannt und stand für Fullers Grundprinzip, den größten Nutzen durch geringste Energie- und Materialaufwendung zu erreichen.

Der Unternehmer William L. Graham kaufte beide Prototypen und wohnte von 1946 bis 1972 in einem davon in Wichita, Kansas. 1992 stiftete Graham die Prototypen dem Henry Ford Museum und Greenfield Village in Dearborn, Michigan.

Dymaxion-Weltkarte

Entfaltung einer Dymaxion-Weltkarte auf einem Ikosaeder
Dymaxion-Weltkarte

Die Dymaxion-Weltkarte ist die Projektion einer Weltkarte auf ein Polyeder, dessen Oberfläche durch Auffaltung seines Netzes auf unterschiedliche Weise als eine zweidimensionale Karte dargestellt werden kann. Fuller arbeitete seit 1927 an diesem Projekt, das er zunächst The One-Town World [2] nannte, ließ sich sein Projektionsverfahren im Jahr 1946 patentieren und veröffentlichte es im Jahr 1954 unter dem Titel The Airocean World Map (englisch für Luftozean-Weltkarte), wobei er ein leicht abgewandeltes Ikosaeder als Basis der Projektion benutzte.

Anders als andere Projektionsverfahren ist die Dymaxion-Weltkarte nur für Darstellungen der ganzen Erdkugel gedacht. Fuller beanspruchte mehrere Vorteile seiner Weltkarte:

Dymaxion-Auto

Das Dymaxion-Auto konzipierte Fuller im Jahr 1933. Es hatte damals den – für die USA – ungewöhnlich niedrigen Verbrauch von 7,8 Litern auf 100 Kilometer, konnte elf Passagiere transportieren und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h.

Dymaxion-Auto, 1933

Das Dymaxion-Auto fuhr auf drei Rädern und wurde über das einzelne Hinterrad gesteuert. Dadurch konnte es auf seiner eigenen Länge wenden. Ein Unfall auf der Weltausstellung des Jahres 1933 in Chicago beschädigte das Auto schwer, wobei der Fahrer ums Leben kam und mehrere Insassen schwer verletzt wurden. Die Unfallursache wurde nie festgestellt, Fuller behauptet, dass der Unfall durch ein anderes Auto verursacht wurde, das dem Dymaxion-Auto in zu geringem Abstand gefolgt wäre. Er hatte jedoch zur Folge, dass sich mögliche Investoren zurückzogen.

Trotz dieses Misserfolgs hatte das Dymaxion-Auto Einfluss auf die Gestaltung des VW Transporters. Von den drei Prototypen ist nur noch einer erhalten, der heute im National Automobile Museum in Reno, US-Bundesstaat Nevada, zu sehen ist.[1]

Das zerlegbare dreirädrige Automobil (1929) des deutschen Oberingenieurs Engelbert Zaschka umfasste Funktionen und Eigenschaften, die für Fuller und die Entwicklung seines Dymaxion-Autos wichtig waren.[3][4]

Im Jahr 2010 präsentierte der britische Architekt Norman Foster in Madrid ein Dymaxion-Auto, das nach dem Vorbild Richard Buckminster Fullers konstruiert wurde.[5]

Dymaxion Chronofile

1927 im Alter von 32 Jahren war Fuller bankrott und ohne Anstellung, und nach dem Tode seines ersten Kindes nahe daran, Suizid zu begehen. Er beschloss, sein weiteres Leben als Experiment zu verstehen, und wollte feststellen, was eine Person dazu beitragen kann, die Welt positiv zu verändern. Er begann sein Leben peinlich genau in einem Tagebuch zu dokumentieren, das er das nächste halbe Jahrhundert lang führte und „Dymaxion Chronofile“ nannte.

In ihm zeichnete er seinen Tagesablauf von 1915 bis 1983 alle 15 Minuten auf. Die Notizen enthalten seine vollständige Korrespondenz, Rechnungen, Notizen, Skizzen und Zeitungsausschnitte. Die gesamte Sammlung wird auf 80 Meter Papier geschätzt und ist seit 1999 im Besitz der Bibliothek der Stanford University.

Geodätische Kuppeln

Biosphère Environment Museum

Nach mehreren Tätigkeiten in der Industrie begann Fuller als Architekt zu arbeiten. Seit den späten 1920er Jahren befasste er sich mit der Konstruktion von Geodätischen Kuppeln, die er ebenfalls als Dymaxion vermarktete.

Sein wohl bekanntestes Bauwerk ist der US-amerikanische Pavillon bei der Expo 67 in Montreal. Er bestand aus Stahl und Acryl, hatte einen Durchmesser von 76 Metern und war 62 Meter hoch. Die Temperaturen im Inneren der Kugel wurden durch ein komplexes System von Blenden geregelt. Innerhalb der geodätischen Kugel befand sich eine 37 Meter lange Rolltreppe; die höchste, die bis dahin gebaut wurde.

Während Renovierungsarbeiten im Mai 1976 fing das Gebäude Feuer. Die ganze Acrylhülle brannte ab, während das stählerne Gerüst stehen blieb.

1992 beschlossen die kanadische Regierung und die Stadt Montreal, das Gerüst der Kuppel zu restaurieren und in seinem Inneren das Biosphère Environment Museum zu errichten.

Literatur

  • R. Buckminster Fuller: Artifacts of R. Buckminster Fuller - A Comprehensive Collection of His Designs and Drawings: The Dymaxion Experiment, 1926-1943: A Comprehensive Collection of His Designs and Drawings: 001. Garland Publishing, 1995, ISBN 0-824050827
  • Robert W. Marks: Dymaxion World of Buckminster Fuller. Doubleday, 1973, ISBN 0-385018045
  • Sydney LeBlanc: Moderne Architektur in Amerika. Ein Führer zu den Bauten des 20. Jahrhunderts. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1998, ISBN 3-421-031-36-3
  • Leigh White: Buck Fuller and the Dymaxion World. in: The Saturday Evening Post (14. Oktober 1944), zitiert in: Joachim Krausse & Claude Lichtenstein (Hg.): Your Private Sky, Lars Müller Verlag, Baden/Schweiz, 1999, ISBN 3-907044-88-6, S. 132
  • Elena Ochoa Foster (Hrsg.): Dymaxion Car, Ivory Press 2011, ISBN 978-0-9564339-3-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Dymaxion-Auto im National Automobile Museum
  2. The Fuller Projection Map auf der Website des Buckminster Fuller Institute
  3. Vgl. Synergetics Stew January 2009. In: synchronofile.com vom 2. Januar 2010, abgerufen am 13. März 2011.
  4. Vgl. The Buckminster Fuller Institute: Synergetic Stew: Explorations In Dymaxion Dining. Philadelphia 1982, ISBN 0911573003.
  5. Vgl. Jan Baedeker: Norman Foster lässt Buckminster Fullers Dymaxion auferstehen. In: classicdriver.com vom 29. Oktober 2010, abgerufen am 3. November 2010.

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