Echter Hausschwamm


Echter Hausschwamm
Echter Hausschwamm
Fruchtkörper eines Hausschwammes

Fruchtkörper eines Hausschwammes

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Hutpilze (Agaricomycetidae)
Ordnung: Röhrenpilze (Boletales)
Familie: Kellerschwammartige (Coniophoraceae)
Gattung: Hausschwämme (Serpula)
Art: Echter Hausschwamm
Wissenschaftlicher Name
Serpula lacrymans
(Wulfen) Schröt.
Echter Hausschwamm
Holzbalken mit intensivem Befall (Mycelstränge deutlich sichtbar)
Schadbild einer durch den Echten Hausschwamm verursachten Braunfäule
Schadbilder des Echten Hausschwamms
Typischer Fruchtkörper mit weißem Zuwachsrand

Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) ist ein holzzerstörender Pilz. Neben dem Braunen Kellerschwamm (Coniophora puteana) ist er ein Hauptverursacher für Schäden durch Schwammbefall in Gebäuden. Der Hausschwamm befällt bevorzugt verbautes Holz und benötigt ein feuchtes und nicht zu kühles Milieu zum Wachstum. Da nicht selten Guttationströpfchen auf ihm zu sehen sind, wird er auch oft Tränender Hausschwamm genannt. Der echte Hausschwamm gilt als gefährlichster Gebäudezerstörer.[1]

Inhaltsverzeichnis

Schadensbild

Der Echte Hausschwamm bildet als typischer Oberflächenpilz ein gut entwickeltes Oberflächenmycel: Watteartiges Luftmycel, das bei Berührung oder Luftzug schnell zusammenfällt, Mycelhäute, die sich leicht vom Holz abziehen lassen und bis zu 1 cm dicke Mycelstränge, mit denen der Pilz Wasser über größere Strecken transportieren kann. Der Echte Hausschwamm bildet häufig Fruchtkörper aus. Die flachen Fruchtkörper sind rostbraun mit Sporen und einem weißlichen Zuwachsrand. Der Echte Hausschwamm gehört zu den Braunfäuleerregern und entzieht dem Holz die Cellulose. Bei fortgeschrittenem Befall wird das Holz würfelartig gebrochen und lässt sich mit der Hand eindrücken.

Der ersten Wahrnehmung des Pilzes auf Oberflächen kann jahrelanges Wachstum in Hohlräumen vorangegangen sein.

Lebensweise

Der Hausschwamm ist ein holzzerstörender Pilz (am verbauten „Totholz“), er findet aber auch auf anderen organischen Materialien wie Textilien, Papier, Spanplatten, Stroh und Schilf gute Wachstumsvoraussetzungen.

Eichenholz ist kein gutes Substrat für den Pilz, es wird eher überwachsen. Die Gerbsäuren und andere Inhaltsstoffe wirken als natürliche Fungizide. Es kommt jedoch (selten) vor, dass sich an Eichenholztreppen (verdeckte Untersichten) Fruchtkörper ausbilden.

Der Pilz kann Mauerwerk, Putz und älteren Beton durchwachsen. Die Fruchtkörper finden sich typischerweise auf Mauerwerk. Günstige Bedingungen für den Beginn des Wachstums findet er bei 35 bis 55 % Holzfeuchtigkeit, zwischen 45 und 140 % findet der rascheste Holzabbau statt.[2] In Deckenschüttungen (Fehlbodenschüttungen) wächst er im Verborgenen auch über längere Strecken (z. B. 10 m) auf trockenem Material, solange eine Wasserquelle verfügbar ist.

Die verbreitete Meinung, der Hausschwamm könne Holz mit Feuchtigkeitswerten von unter 20 % befallen, indem er das dazu notwendige Wasser in seinen Strängen herantransportiert, ist nicht belegt.[3]

Bei sehr vitalem und großflächigem Wachstum scheidet der Pilz Wassertropfen aus (Guttationstropfen). Diese „Tränen“ (lateinisch: lacrima) waren namensgebend, werden aber auch von anderen Pilzarten gebildet. Die optimale Wachstumstemperatur für den Echten Hausschwamm liegt bei 20 bis 23 °C. [4]

Werden große Myzelgeflechte freigelegt und damit Licht und bewegter Frischluft ausgesetzt, kann der Pilz relativ schnell Spontanfruchtkörper ausbilden.

Schadensbekämpfung und -vorbeugung

Ein Befall durch den echten Hausschwamm lässt sich durch seine typischen Mycelien, Stränge und Fruchtkörper erkennen. Das Luftmycel ist weiß, durchscheinend, auch an Mauerwerk. Im Zweifelsfall kann eine molekularbiologische oder mikroskopische Untersuchung sinnvoll sein.

Der Befall mit Echtem Hausschwamm ist in einigen Bundesländern meldepflichtig. Er ist ein schwerer Baumangel nach BGB. Nach DIN 68800-4 ist der Befall und Umfang des Befalls durch einen Sachkundigen festzustellen (Anfertigen eines holzschutztechnischen Untersuchungsberichts). In der Regel werden durch solche Sachkundigen auch Sanierungsvorschläge erarbeitet.

Die Bekämpfung ist zwingend durch ein autorisiertes Fachunternehmen (Sachkundige) durchzuführen. Die DIN 68800, Teil 4 (Holzschutz; Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten) in Verbindung mit dem WTA-Merkblatt Der Echte Hausschwamm gibt Sanierungsempfehlungen. Die Überwachung dieser Arbeiten sollte ebenfalls durch einen Sachkundigen erfolgen.

Der Echte Hausschwamm ist der mit Abstand am schwierigsten zu bekämpfende holzzerstörende Pilz, da er auch relativ trockenes Holz befallen kann und auch Mauerwerk durchwächst. Umstritten ist, ob Luftzug das Wachstum unterbricht. Der Pilz braucht eine bestimmte, wenn auch geringe Feuchtezufuhr, dann wächst er jedoch manchmal sehr schnell, meist unerkannt und unbemerkt. Die Pilzreste können viele Jahrzehnte auch in trockenem Zustand überdauern. Die Sanierung muss mit einer Trockenlegung von Mauerwerk und Holzkonstruktion einhergehen und kann deshalb umfänglich werden. So müssen häufig befallene Holzteile in der Längsachse mit 1 Meter Sicherheitsabstand vom letzten erkennbaren Befall gesund geschnitten werden. Bei fortgeschrittenem Befall bleibt oft nur der Austausch der gesamten Holzkonstruktion.

Zudem ist auch (durchwachsenes) Mauerwerk sachgerecht zu sanieren. Hierzu gehört z. B. Putz abschlagen, Fugen auskratzen, Mauerwerk abflammen. Zudem kommt noch die eigentliche chemische Schutzbehandlung. In der Regel reicht eine oberflächliche Behandlung nicht aus, so dass Injektageverfahren zur Anwendung kommen. Dabei wird ein bauaufsichtlich zugelassenes Holzschutzmittel in das befallene Mauerwerk injiziert. Die Mittel durchdringen die Wand nicht vollständig. Deshalb ist zu prüfen, ob ggf. ein (Teil-)Abbruch des befallenen Mauerwerks möglich ist. Dies ist die sicherere Sanierungsvariante. Ist durch bauliche Maßnahmen sichergestellt, dass das befallene Holz und das Mauerwerk trocken sind und zukünftig auch trocken bleiben, kann der Sanierungsaufwand unter Anleitung eines Sachverständigen im Einzelfall auch reduziert werden. Ohne Feuchtigkeit stellt der Hausschwamm seinen Stoffwechsel ein und zerstört auch kein Holz mehr. Er verbleibt aber im Bauteil und wird bei Vorliegen von Feuchtigkeit auch Jahrzehnte später schnell wieder aktiv.

Neueingebautes Holz muss eventuell entsprechend DIN 68800, Teil 3 vorbeugend imprägniert sein.

Der Echte Hausschwamm wurde 2004 von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres gewählt, um auf seine häufig unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung hinzuweisen.

Literatur

  • Tobias Huckfeldt: Ökologie und Cytologie des Echten Hausschwammes (Serpula lacrymans) und anderer Hausfäulepilze. Mitteilungen der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg, Nr. 213. Wiedebusch, Hamburg 2003, 152 S.
  • Tobias Huckfeldt, Olaf Schmidt: Hausfäule- und Bauholzpilze. Diagnose und Sanierung Verlag Rudolf Müller, Köln 2006, ISBN 3-481-02142-9, 377 S.
  • Dietger Grosser: Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholzschädlinge. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen (1985); ISBN 3-87181-312-5, 159 S.
  • Forschungsprojekt E-1998/14: Praxisorientierte Untersuchungen zur Bekämpfung des Echten Hausschwammes (Serpula lacrimans) nach DIN-Vorschrift und alternativen thermischen Verfahren; München 2005
  • Klaus Kempe: Holzschädlinge. 3. bearb. u. erw. Auflage, Verlag Bauwesen, Berlin 2004, ISBN 3-345-00827-0
  • Hans-Peter Sutter: Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen. 4. Aufl., Haupt Verlag, Bern 2002, ISBN 3-258-06443-1
  • Werner Bavendamm: Der Hausschwamm und andere Bauholzpilze - Erkennung und Bestimmung Verhütung und Bekämpfung, G. Fischer, Stuttgart 1969, ISBN 3-437-30003-2, 69 S.
  • WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.),(Hrsg.): Merkblatt 1-2-05/D Der Echte Hausschwamm IRB Verlag 2005
  • Uwe Wild: Lexikon Holzschutz. BAULINO Verlag, Waldshut 2009, ISBN 978-3-938537-07-7, 500 S.

Einzelnachweise

  1. http://www.bau.net/forum/keller/1045-1.htm
  2. Huckfeldt, Schmidt: Hausfäule- und Bauholzpilze. Diagnose und Sanierung. S. 36
  3. Huckfeldt, Schmidt: Hausfäule- und Bauholzpilze. Diagnose und Sanierung. S. 36
  4. Huckfeldt, Schmidt: Hausfäule- und Bauholzpilze. Diagnose und Sanierung. S. 166

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Serpula lacrymans – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien



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