Erik-Reger-Preis


Erik-Reger-Preis

Der Erik-Reger-Preis wird seit 1999 von der „Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz“ (ZIRP) vergeben und würdigt herausragende Darstellungen der modernen Lebens- und Arbeitswelt.

Der Preis möchte zu einer verstärkten öffentlichen Auseinandersetzung mit der Rolle von Wirtschaft und Handel im gesellschaftlichen Leben anregen. Dies erfolgt ganz in der Tradition des Namensgebers Erik Reger (1893-1954). Der in Bendorf am Rhein geborene Schriftsteller, Journalist und Publizist verfasste mit seinem 1931 erschienenen Roman Union der festen Hand den bedeutendsten Industrieroman des 20. Jahrhunderts.

Der Jury des Erik Reger-Preises gehören der Literaturkritiker des Südwestrundfunks, Prof. Dr. Martin Lüdke, Dr. Sigfrid Gauch (Literaturreferent im Kultusministerium von Rheinland-Pfalz), Prof. Klaus Arp für den Vorstand der ZIRP sowie ein/e Vertreter/In der Literaturwissenschaften bzw. des Buchhandels und ein Vertreter der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz an. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und kann in einen Haupt- und einen Förderpreis aufgeteilt werden.

Bisherige Preisträger

Die fünfte Verleihung des Erik-Reger-Preises

Im Jahr 2007 verleiht die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Beck zum fünften Mal den Erik Reger Preis und kann auf sieben Jahre erfolgreiche Literaturförderung zurückblicken. Seit 1999 wird die Auszeichnung alle zwei Jahre an deutschsprachige Schriftsteller und Journalisten vergeben, um herausragende Arbeiten zum Thema moderner Lebens- und Arbeitswelten zu würdigen.

Der Preis trägt den Namen des in Bendorf am Rhein geborenen Schriftstellers Erik Reger, der mit „Union der festen Hand“ einen der bedeutendsten Industrieromane des 20. Jahrhunderts verfasste. Der Autor, 1893 als Hermann Dannenberger geboren, verdankt seinen Künstlernamen dem Umstand, als Referent der Firma Krupp nicht unter eigenem Namen veröffentlichen zu können.

Eine kritische und engagierte Beobachtung der Zeitgeschichte war die Maxime Erik Regers. Er scheute selten die Konfrontation mit den Mächtigen und Einflussreichen, wenn es ihm um die gerechte Sache ging: ob als Autor oder nach dem Zweiten Weltkrieg als Mitbegründer des Berliner Tagesspiegels. Auch im Literaturbetrieb war Reger keine ganz bequeme Persönlichkeit: Stets plädierte er für die Auseinandersetzung der Kultur mit den Realitäten der Industriegesellschaft. Den reinen Ästhetizisten unter den Schriftstellern entgegnete er: „Die Seele wird immer erst zum Maßstab durch den Intellekt, der sie bewegt und wandelt. Was bleibt von ihr, wenn sie nicht durch den Gedanken beschwert ist, wenn sie sich nicht spiegelt im Geist? Ein unsinnliches Spiel ohne Zweck und Richtung.“

Erstmals vergeben wurde der Erik Reger-Preis 1999 an einen Schriftsteller, der ganz in der Tradition des Namensgebers steht: Ernst-Wilhelm Händler, der in seinen Romanen und Erzählungen ein scharf konturiertes Bild der zeitgenössischen, arbeitsteiligen Gesellschaft und ihrer mentalen Verfassung zeigt.

Mark Siemons, Feuilletonredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, erhielt 2001 den Hauptpreis. Er wurde ausgezeichnet für seine Reportagen aus dem Leben der Angestellten heute – als Analysen unserer gegenwärtigen Welt. Der Förderpreis 2001 ging ebenfalls an eine Journalistin: Katja Kirsten von der Wirtschaftswoche machte mit einem Bericht über die veränderten Umgangsformen in deutschen Unternehmen auf sich aufmerksam. Eine Seltenheit im damaligen journalistischen Geschäft, das sich viel zu selten mit Fragen der Arbeitswelt und der Unternehmenskultur beschäftigte, wie die Jury fand.

Mit Uwe Timm wurde 2003 ein Schriftsteller ausgezeichnet, dessen Arbeit der Erik Regers in vielerlei Hinsicht ähnelt: Timm zeigt in seinen Werken eine große Aufmerksamkeit für die politische, ökonomische und soziale Entwicklung und ein ausgeprägtes Sensorium für kritische Lagen. Wie Reger fühlt er sich politischen Idealen verpflichtet, schreibt aber nicht in der Haltung eines Missionars, sondern eher als Beobachter.

Peter Rühmkorf, der 2005 mit dem Hauptpreis geehrt wurde, gilt als eine der großen und eigensinnigsten Gestalten der deutschen Gegenwartsliteratur. In seiner Dichtung verbindet er Witz und Formbewusstsein mit politischem Engagement. Er bezieht sich auf die Tradition und geht doch immer seine eigenen Wege. Als ein großer Un-Zeitgemäßer hat er auf seinem einzigartigen Weg durch die deutsche Nachkriegsliteratur immer auch polarisiert. Für ihren Romanerstling „Den Himmel zu Füßen“ erhielt Sandra Hoffmann den Förderpreis 2005. Mit der Geschichte eines jungen Mädchens an der Schwelle zum Erwachsenwerden zeigt sie, wie sich der Geist unserer Zeit buchstäblich in den Körper der Menschen einschreibt, und stellt in einer Folge von poetischen Bildern eine präzise gesellschaftliche Diagnose.

Der Erik Reger-Preis 2007 wird am 5. Mai im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz verliehen. Mit dem Hauptpreis wird der Lyriker und Romancier Ralf Rothmann (geb. 1953) ausgezeichnet. Rothmann hat den Beruf des Maurers gelernt; heute zählt er zu den bedeutendsten deutschen Autoren seiner Generation. Er gilt als Realist, weil er die Arbeitsverhältnisse und die Lebenswelten der Gegenwart beschreibt, weil er genau beobachtet und präzise darstellt. Er ist aber zugleich ein Magier, weil er die Schönheit des Alltäglichen und das Geheimnis, das sich hinter den Menschen und hinter den Dingen verbirgt, in leuchtenden Bildern sichtbar machen kann. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Messers Schneide" (1987), "Milch und Kohle" (2000), "Ein Winter unter Hirschen" (2001), "Hitze (2003), "Junges Licht" (2004) und "Rehe am Meer" (2006). Die Jury sieht Ralf Rothmann als einen der großen deutschen Publikumsautoren der nahen Zukunft. In seinen Erzählungen und Dichtungen ist er ein aufmerksamer Beobachter menschlicher Befindlichkeiten und alltäglicher, existentieller Nöte. Rothmanns Sprache ist reich an Poesie und gleichzeitig glaubwürdig nah an seinen Protagonisten. Der Förderpreis 2007 geht an das Weblog Riesenmaschine [1], betreut durch die Zentrale Intelligenz Agentur. Im Autorenkollektiv der Riesenmaschine finden sich namhafte Autoren wie Kathrin Passig, die Trägerin des Bachmann-Preises 2006, Holm Friebe, Sascha Lobo und Wolfgang Herrndorf. Die Jury hebt die Aktualität des bereits mit dem Grimme Online Award 2006 gewürdigten Weblogs hervor: Die Unbeständigkeit der eingestellten Texte bilde auch formal die Lebens- und Arbeitswelt junger Menschen realistisch ab.


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