Ernst Telschow

Ernst Telschow

Ernst Telschow (* 31. Oktober 1889 in Berlin; † 22. April 1988 in Göttingen) war ein deutscher Chemiker und Generalsekretär der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und später der Max-Planck-Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Telschow war 1912 einer der beiden ersten Doktoranden Otto Hahns. Nach Chemiestudium und Promotion war er Assistent am Chemischen Institut der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität.

Im Oktober 1913 meldete sich Telschow als Einjährig-Freiwilliger beim 3. Garde-Feldartillerie-Regiment in Berlin, mit dem er zu Beginn des Ersten Weltkrieges an die Westfront ausrückte. Telschow wurde Leutnant und arbeitete von 1917 bis zum Dezember 1918 im Kriegsministerium als Verbindungsoffizier zur Industrie unter Fritz Haber.

Nach Kriegsende übernahm Telschow die Leitung der väterlichen Konditorei in Berlin. Er baute das Filialnetz aus und machte sie zu einer bedeutenden Großbäckerei Berlins. Er lernte hierbei kaufmännisch und verwaltungstechnisch zu denken und zu handeln. Anfang März 1931 wurde Telschow Verwaltungsassistent bei der Generalverwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Am 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.636.239),[1] wurde am 18. Oktober 1933 Zweiter Geschäftsführer, 1935 Erster Geschäftsführer und am 10. Januar 1936 Direktor der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Am 15. Juli 1937 löste er den deutschnational ausgerichteten Friedrich Glum als Generalsekretär ab. Telschow baute gezielt Netzwerke auf und band wichtige Personen des Dritten Reiches durch Senatoren-, Präsidenten- und Vize-Präsidentenämter in die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ein. Telschow erreichte eine Etatsteigerung von 20 % pro Jahr. Der starke Mann im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Staatssekretär Herbert Backe, wurde 1937 Senator und 1941 Erster Vizepräsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Während des Zweiten Weltkrieges bekleidete Telschow die Funktionen Abwehrbeauftragter und Reichsverteidigungsreferent bei der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte Telschow die Generalverwaltung von Berlin nach Göttingen und betrieb den Wiederaufbau und Zusammenhalt der nach Max Planck umbenannten Gesellschaft. Vom 26. Februar 1948 bis 18. Mai 1960 war er als geschäftsführendes Mitglied des Verwaltungsrates zugleich Generaldirektor der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (seit 1951 gemeinsam mit Otto Benecke). Von 1960 bis 1962 verfügte er als persönlicher Berater des neuen Präsidenten Adolf Butenandt weiterhin über beträchtlichen Einfluss.

In Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1967 zum Ehrensenator der Max-Planck-Gesellschaft gewählt.

Seine Enkeltochter Christa Stewens war bis zum Ende der Regierungszeit von Günther Beckstein bayerische Sozialministerin.

Veröffentlichungen

  • Ernst Telschow (Hrsg. u. Autor): Jahrbuch 1939 der Kaiser Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, (Druck Offizien Haag, Drugulin, Leipzig) 1939, 221 Seiten
  • Ernst Telschow (Hrsg. u. Autor): Jahrbuch 1940 der Kaiser Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Druck Offizien Haag, Drugulin, Leipzig 1940, 273 Seiten
  • Ernst Telschow (Hrsg. u. Autor): Jahrbuch 1941 der Kaiser Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Druck Offizien Haag, Drugulin, Leipzig 1941, 295 Seiten
  • Ernst Telschow (Hrsg. u. Autor): Jahrbuch 1942 der Kaiser Wilhelm Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Druck Offizien Haag, Drugulin, Leipzig 1942,

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rüdiger Hachtmann: Eine Erfolgsgeschichte? Schlaglichter auf die Geschichte der Generalverwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im "Dritten Reich", Ergebnisse 19, S. 31. im Forschungsprogramm „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“
  2. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 618f.

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