Farbfilm


Farbfilm

Inhaltsverzeichnis

Aufbau eines Farbnegativfilms

Die Schichten eines Farbfilms

Dargestellt ist der schematische Aufbau eines Farbnegativfilms (Dreischichtfarbfilm). Schematisch deshalb, da es je nach Hersteller und Film zu zusätzlichen Schichten kommen kann, was in aller Regel bei den handelsüblichen Markenfabrikaten heute auch der Fall ist. Bei der überwiegenden Zahl aller heute hergestellten Filme gibt es für jede Farbe (Blau, Grün, Rot) je eine Schicht mit hoher, niedriger und meist auch mittlerer Lichtempfindlichkeit. Zwischen blauempfindlicher Schicht und der grünempfindlichen Schicht befindet sich außerdem grundsätzlich eine Gelbfilterschicht, die blaues Licht zurückhalten soll. Das ist deshalb nötig, weil die grün- und rotempfindlich gemachten Schichten nicht nur für Grün und Rot, sondern wie alle photographischen Schichten auch für blaues Licht empfindlich sind. Oftmals liegt vor der rotempfindlichen Schicht sogar noch eine leichte Rotfilterschicht, um eine exaktere Rotsensibilisierung zu erreichen und damit eine reinere Blau- und Grünwiedergabe zu bewirken.

Die Schichten entsprechen dabei in fertigem entwickeltem Zustand nicht ihrer Farbe, für die sie empfindlich gemacht sind, sondern ihrer Komplementärfarbe. Die blauempfindliche Schicht bildet also den gelben Farbstoff aus, ist also nicht blau, wie das obige Schaubild es vermuten ließe, die grünempfindliche den purpurnen Farbstoff und die rotempfindliche den Blaugrünen.

Die Firma Fujifilm hat ihren Filmen eine weitere Schicht beigegeben, sie soll vor dem Farbstich von Leuchstoffröhren schützen.

Farbnegativfilme enthalten ferner im Normalfall eine gelbrote bis bräunliche Farbmaske, die die Farbtreue verschlechternde Nebendichten der Farbstoffe ausgleichen soll. Nebendichten entstehen deshalb, weil es keine ideale Empfindlichmachung für bestimmte Farbanteile (Blau, Grün, Rot) und ideale Farbstoffe (Gelb, Purpur, Blaugrün) gibt, diese wären aber für eine vollkommen richtige Farbwiedergabe nötig. Bei Farbumkehrfilmen fehlt diese Maske, da sie durch ihre Farbigkeit bei der Projektion stören würde.

Geschichte des Farbfilms in der Filmproduktion

Filmcolorierung und Kinemacolor-Verfahren

Die ersten farbigen Filme wurden einzelbildweise mit bis zu sechs Farben handkoloriert und sind bereits seit dem Jahr 1896 bekannt. Im Jahr 1905 führte Pathé Frères das Schablonenverfahren ein, um die Kolorier-Arbeit zu erleichtern, eine Methode in dem jeder Film der Reihe nach Farbe für Farbe die Schabloniermaschine durchlief. Am 26. Februar 1909 wurde von Charles Urban der erste mit der Kinemacolor-Technik angewandte Kinofilm im Palace-Theatre in England uraufgeführt. Dieses Zweifarbenverfahren ist 1906 von George Albert Smith erfunden worden. Dabei werden die Bilder abwechselnd durch zwei verschiedene Farbfilter aufgenommen und anschließend projiziert.

Das Dreifarbenverfahren

Im Jahr 1912 wurde von Léon Gaumont das erste brauchbare Dreifarbenverfahren entwickelt. Mit seiner Kamera nahm er durch drei in den Grundfarben getönte Filterscheiben auf Schwarzweißfilm drei recht kleine und daher unscharfe Farbauszüge auf, die bei der Vorführung durch drei ebenso gefärbte Filter projiziert wurden. Allerdings setzten sich seine Filme, trotz der erfolgreichen Präsentation vor der französischen Fotografischen Gesellschaft und der 1913 in New York gezeigten vertonten Filme, kommerziell nicht durch. Das Verfahren verschwand um 1920, obwohl es zuvor immer wieder neue Filmvorführungen gab.

Im Jahr 1915 wurde von den amerikanischen Physikern Herbert Thomas Kalmus (1881–1963), D. F. Comstock und W. B. Westcott die Technicolor Motion Picture Corporation gegründet, woraus 1922 die Technicolor Incorporated hervorging. Bei diesem sogenannten Technicolor-Verfahren wurden – nach einer zu keiner praktischen Bedeutung kommenden Vorstufe – zugleich zwei Farben – Grün (als Mischung der Grundfarben Blau und Gelb) sowie Rot zugleich durch Farbfilter auf Schwarzweißfilm aufgenommen, die Positive später eingefärbt und passgenau aufeinandergeklebt, so daß die Filme auch mit normalen Projektoren wiedergegeben werden konnten. Allerdings waren auch hier zunächst nur zwei Farben verwendet worden; die Wiedergabe reiner Blau- und Gelbtöne war daher nicht möglich. Der erste Film, der diese Technik nutzte, war 1922 The Gulf Between. Schließlich verwendete man die beiden Farbauszüge, auf denen bei der Entwicklung durch die unterschiedlich starke Auswaschung der Silbersalze ein schwaches Relief entsteht, als Tiefdruckvorlagen und druckte die Positive mit Farbe auf Blankfilm (daher heißen Filmpositive im Amerikanischen bis heute Prints), was den Weg frei machte zur Konstruktion einer neuen Technicolor-Kamera, die zugleich drei Farbauszüge in Blau, Gelb und Rot aufnahm. Der erste abendfüllende Kinofilm, der mit dem Technicolor-Verfahren alle drei Grundfarben nutzte, war Becky Sharp von Rouben Mamoulian aus dem Jahr 1935. Der Durchbruch für den Farbfilm kam aber erst 1937 mit Disneys Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge. Daraufhin folgten auch erfolgreiche Filme wie Robin Hood, König der Vagabunden (1938, mit Errol Flynn), Der Zauberer von Oz (1939, mit Judy Garland) und der als bester Film 1939 Oscar-prämierte Film Vom Winde Verweht (1939, mit Clark Gable und Vivien Leigh).

Die Ufa brachte als ersten Farbfilm einen Tierfilm mit dem Titel Bunte Tierwelt 1931 in die Kinos und benutzte das Zweifarbenverfahren Ufacolor. Die Gasparcolor Jürgen Clausens war die erste Produktionsgesellschaft, die nach Gáspárs Dreifarbenverfahren Farbfilme herstellte, zumeist Werbefilme, aber auch 1933 den Zeichenfilm Eine Nacht auf dem kahlen Berge von Alexandre Alexeieff. 1936 entstand ein kurzer Spielfilm mit dem Titel Das Schönheitsfleckchen, bei dem ein von den Firmen Siemens und Perutz entwickeltes Linsenrasterverfahren namens Opticolor verwendet wurde.

Das Verfahren, das sich bei der Ufa schließlich durchsetzte, war das von Gustav Wilmanns und Wilhelm Schneider entwickelte Agfacolor-Verfahren. Agfacolor war ein Drei-Farben-Verfahren, das nur ein einziges Negativ erforderte und damit einfacher funktionierte als das amerikanische Technicolor-Verfahren. Allerdings waren die Farben schwächer und unterlagen größeren Schwankungen. Die ersten Filme, die in Agfacolor produziert wurden, waren die Kulturfilme „Bunte Kriechtierwelt“ und „Thüringen“ (beide 1940). Bis Kriegsende folgten neun Spielfilme: „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (1941), „Die goldene Stadt“ (1942), „Das Bad auf der Tenne“ (1943), „Immensee“ (1943), „Münchhausen“ (1943), „Die Frau meiner Träume“ (1944), „Große Freiheit Nr. 7“ (1944), „Opfergang“ (1944) und „Kolberg“ (1945).

Deutschen Filmamateuren standen seit 1936/37 die farbigen Umkehrfilme von Agfa und Kodak im 16 mm- (später auch 8 mm-) Format zur Verfügung. Dabei wurde der farblich überlegene Kodachromefilm bevorzugt. Adolf Hitlers filmbegeisterte Geliebte und spätere Ehefrau Eva Braun, eine ausgebildete und später bei Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann angestellte Fotolaborantin, verwendete ebenfalls bereits um 1938 den Kodachrome-Schmalfilm. Die wesentliche Verbreitung von Farbfilmmaterial begann jedoch erst in der Nachkriegszeit. Der erste westdeutsche farbige Nachkriegs-Kinofilm war Schwarzwaldmädel, sein DDR-Gegenstück Das kalte Herz.

Siehe auch

Literatur

  • Werner Schultze: Farbenphotographie und Farbenfilm. Wissenschaftliche Grundlagen und technische Gestaltung. Berlin: Springer, 1953
  • Gerd Koshofer: "COLOR – Die Farben des Films" Berlin: Wissenschaftsverlag Volker Spiess, 1988
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie (5. Ausgabe 1999). (zu Agfacolor), Polzer Media Group, Potsdam 1999. ISBN 3-934535-01-1
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie (6. Ausgabe 2002). (zu Eastmancolor und Technicolor), Polzer Media Group, Potsdam 2002. ISBN 3-934535-20-8
  • Joachim Polzer (Hrsg.): Weltwunder der Kinematographie (8. Ausgabe 2006). (Zur Geschichte des Filmkopierwerks, 90 Jahre Technicolor), Polzer Media Group, Potsdam 2006. ISBN 3-934535-26-7

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Farbfilm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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