Gestik


Gestik
Signal eines Schiedsrichters durch Gestik (Mitteilung einer Entscheidung)

Gestik im Sinne von kommunikativen Bewegungen insbesondere der Arme, Hände und des Kopfes, wird sowohl lautsprachersetzend wie auch lautsprachbegleitend bzw. lautsprachunterstützend eingesetzt. Gestiken zählen zur Nonverbalen Kommunikation, viele davon werden alltäglich angewandt. Sie können eine mündliche Kommunikation unterstützen oder ersetzen.

Man kann Gesten unterscheiden in

  • lexikalisierte Gesten, also solche, die wie Wörter einer Lautsprache funktionieren und als Symbole gelernt und kulturell abhängig sind (beispielsweise diverse Beleidigungsgesten, das Aneinanderreiben der Fingerspitzen für „Geld“ und Ähnliches)
  • Zeigegesten (Deixis)
  • ikonische Gesten, die die Wirklichkeit in irgendeiner Form abbilden, beispielsweise indem sie eine Handlung nachahmen, die Umrisse eines Objektes darstellen, oder Objekte im Raum anordnen. Dabei können Gesten nicht nur auf konkrete Dinge referieren, sondern auch metaphorisch oder diskursiv verwendet werden, wenn beispielsweise eine Theorie als Gebäude mit mehreren Ebenen dargestellt oder eine Antwort als „auf der Hand liegend“ präsentiert wird.

Damit kann Gestik u. a. einen Einblick in mentale Prozesse geben, in die Art und Weise des menschlichen Denkens, da Gestik abstrakte Strukturen und bildhafte Vorstellungen zum Teil viel unmittelbarer abbildet, als dies lautsprachlich möglich ist.

Die Gestikforschung hat sich in den letzten zwanzig Jahren aus der nonverbalen Kommunikationsforschung gelöst, wo Gestik nur als affektiver Ausdruck von Gefühlen angesehen wurde. Heute bewegt sich das Feld zwischen Linguistik, Psychologie, Kognitionswissenschaft, Semiotik, Verhaltensforschung sowie der Erforschung und Beschreibung von Gebärdensprache.

Literatur

  • Jan N. Bremmer, Herman Roodenburg (Hgg.): A Cultural History of Gesture. From Antiquity to the Present Day. Cambridge University Press, Cambridge, 1991.
  • Adam Kendon: An Agenda for Gesture Studies. In: Semiotic Review of Books, Volume 7.3, online (Überblicksartikel)
  • Adam Kendon: Gesture. Visible Action as Utterance. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 978-0-521-83525-1.
  • Cornelia Müller: Redebegleitende Gesten. Kulturgeschichte, Theorie, Sprachvergleich. Arno Spitz Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-87061-747-0 (zugl. Dissertation, FU Berlin 1996).
  • David McNeill: Hand and Mind. What gestures reveal about thought. Chicago University Press, Chicago, Ill. 1995, ISBN 0-226-5613-4-8.
  • Es existiert eine internationale Zeitschrift für Gestenforschung GESTURE

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Gestik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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  • Gestik — Gẹs·tik, Ge̲s·tik die; ; nur Sg; Kollekt; die Bewegungen der Hände / Arme (Gesten (1)), mit denen sich jemand zusätzlich zur Sprache ausdrückt: Südeuropäer haben eine lebhafte Gestik …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Gestik — Gẹs|tik 〈a. [ge:s ] f.; Gen.: ; Pl.: unz.〉 Gesamtheit der Gesten, Gebärdenspiel, Zeichensprache …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Gestik — Ges|tik [auch ge:...] die; <zu 1↑Geste u. 2↑...ik> Gesamtheit der Gesten als Ausdruck der Psyche …   Das große Fremdwörterbuch

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