Gewichtswebstuhl


Gewichtswebstuhl
Rekonstruktion eines Gewichtswebstuhls im Wikinger-Museum Haithabu.

Der Gewichtswebstuhl bezeichnet einen stehenden Webrahmen, bei dem die Kettfäden senkrecht herunterhängen und an ihrem Ende mit Webgewichten beschwert sind, um die zum Weben nötige Spannung zu erhalten. Weil sich die meist tönernen Webgewichte im Boden erhalten haben, ist er die älteste archäologisch nachgewiesene Form des Webstuhls.

Inhaltsverzeichnis

Konstruktion

Ein Gewichtswebstuhl besteht aus einem rechteckigen Rahmen, an dessen oberem Ende seitlich jeweils eine Halterung für den meist drehbaren Warenbaum angebracht ist. An diesem werden die Kettfäden nach dem Schären befestigt. Die Webfächer werden mit Hilfe von Litzenstäben gebildet. Der Schussfaden wird manuell eingebracht und mit einem Webschwert nach oben angeschlagen.

Geschichte

Urgeschichtliche Textilnachweise gibt es seit dem Jungpaläolithikum vor etwa 30.000 Jahren. Seit der Jungsteinzeit lassen sich tönerne Spinnwirtel und Webgewichte archäologisch nachweisen. Während Spinnwirtel in Mitteleuropa bereits in Siedlungen der Bandkeramik (6. Jahrtausend v. Chr.) gefunden werden, stammen die ältesten Webgewichte aus dem Spätneolithikum (um 3000 v. Chr.). Daher wird für Kulturen der älteren Jungsteinzeit die Verwendung kleiner, mobiler Webrahmen angenommen.

Bis sich der horizontale Webstuhl im 10. Jahrhundert in Mitteleuropa zu verbreiten begann, wurde alle Stoffe auf dem Gewichtswebstuhl gewebt. In entlegenen Gegenden (etwa den Färöer-Inseln oder Island) war der Gewichtswebstuhl aber noch bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch. Heute werden Gewichtswebstühle in der Archäotechnik genutzt, um Textilfunde nachzuweben, oder sie werden in der Museumspädagogik eingesetzt, um die vorgeschichtliche Webtechnik begreifbar zu machen.

Literatur

  • Martha Hoffman: The warp weighted loom. Studia Norwegica 14, Oslo 1974. ISBN 8200080943
  • Ursula Kircher: Weben auf Rahmen. Eine Anleitung für den Anfänger. Hitzeroth, 1979. ISBN 3921398045
  • Karl Schlabow: Wir weben am altgermanischen Gewichtswebstuhl. Industrie-Museum, Neumünster 1936

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