Hans-Hermann Hoppe


Hans-Hermann Hoppe

Hans-Hermann Hoppe (* 2. September 1949 in Peine) ist Volkswirt und ein Vertreter des anarchokapitalistischen Zweiges der Österreichischen Schule der Ökonomie. Er sieht sich als kulturell konservativer Libertärer (Paläolibertär).

Hans-Hermann Hoppe (2002)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hoppe studierte Philosophie, Soziologie, Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes (Saarbrücken), der Goethe-Universität in Frankfurt und der University of Michigan in Ann Arbor. Er wurde 1974 in Frankfurt promoviert und 1981 habilitiert.

Hoppe war von 1986 bis 2008 Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of Nevada in Las Vegas und ist Distinguished Fellow des Ludwig von Mises Institute (Auburn/Alabama). Er gründete im Mai 2006 die Property and Freedom Society.

Seine Dissertation 1974 handelte von praxeologischen Gründungen der Erkenntnistheorie. Seine These war, dass alle kognitiven Prozesse und damit die Wissenschaften spezielle Formen menschlichen Verhaltens sind. Daraus folge, dass alle Gesetze des Handelns auch grundsätzliche Gesetze der Erkenntnistheorie seien. Erst später entdeckte Hoppe, dass einige Jahre zuvor Ludwig von Mises im Wesentlichen bereits zu denselben Schlussfolgerungen gekommen war. Dies wurde seine erste Berührung mit der Österreichischen Ökonomie. Bis dahin war Hoppe nach eigener Aussage ein „linksgläubiger Etatist“. Das Lesen von Murray Rothbard brachte ihn auf die Idee, Mises’ subjektive Ökonomie mit Rothbards objektiver politischer Philosophie zu verbinden. Aufbauend auf seiner bisherigen Arbeit auf dem Gebiet der Epistemologie und Ethik, will er nunmehr in einem neuen Buchprojekt die Natur der menschlichen Rationalität ergründen. Das Ziel sei es, eine systematische und interdisziplinäre Rekonstruktion der menschlichen Geschichte zu liefern.[1]

Einordnung

Hoppe ist ein Befürworter ethischer Naturrechte mit Selbsteigentum und Privateigentum. Er folgt dabei vor allem Murray Rothbard. Die Rechtfertigung seiner Ethik stützt sich zudem auf die Diskursethik des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas, dessen Student Hoppe war und der auch Hoppes Dissertation betreute.

Sein Buch Demokratie. Der Gott, der keiner ist ist eine Kritik der Demokratie und des demokratischen Staates. Weder in der Familie, noch in der Kirche, in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft gebe es Demokratie. Hoppe selbst befürworte „Freiheit statt Demokratie“.

Als Vordenker des Anarchokapitalismus ist für Hoppe der Staat keine moralische Institution. Zudem sieht er in der Demokratie einen „zivilisatorischen Abstieg“ gegenüber der vorherigen feudalistschen Gesellschaftsordnung.[2] In Demokratien kommt es zu einer höheren Zeitpräferenz der staatlichen Ausgaben, weil Legislaturperioden und wechselnde Machtverhältnisse die Regierungen dazu animieren mehr Geld ausgeben, um ihre ihre Ziele rechtzeitig umzusetzen und um wiedergewählt zu werden. Da Monarchen nicht unter diesem Druck stehen und ihr Land und ihre Menschen als Eigentum betrachten können, gingen Monarchen pfleglicher mit den knappen Ressourcen ihres Landes um. Für Hoppe ist daher eine Monarchie ein geringeres Übel als eine Demokratie. In einer Monarchie sei der Staat im Privatbesitz und der Monarch habe ein persönliches Interesse am Wohlergehen seines Besitzes, während dies bei Politikern und Beamten in einer Demokratie nicht der Fall sei.[3]

In der natürlichen Ordnung, die Hoppe beschreibt, sind Privateigentum, Produktion und freiwilliger Tausch die letztendlichen Quellen menschlicher Zivilisation.[4] Diese natürliche Ordnung muss durch eine natürliche Elite aufrechterhalten werden. Diese Elite kommt durch ihre eigene Autorität in ihre Position und nicht durch politische Wahlen oder adelige Herkunft.[5] Er vertritt die Auffassung, dass aufgrund „überlegener Leistungen hinsichtlich Vermögen, Weisheit, Mut oder einer Kombination davon“ in jeder Gesellschaft einige Individuen ‚natürliche Autorität‘ erlangen und ihre Meinungen und Urteile weitreichenden Respekt genießen. Darüber hinaus würden in einer natürlichen Ordnung, „als Ergebnis selektiver Paarung und Ehelichung sowie der Gesetze bürgerlicher und genetischer Vererbung, die Positionen natürlicher Autorität wahrscheinlich von den Mitgliedern weniger ‚adeliger‘ Familien eingenommen und innerhalb dieser Familien weitergegeben.“ Nach Hoppes Auffassung, die unter Anarchokapitalisten umstritten ist, sind es die Oberhäupter solcher Familien, die in einer anarchokapitalistischen Gesellschaft typischerweise als Richter und Friedensstifter wirken, „oft kostenlos, aus einem von einer Autoritätsperson verlangten und erwarteten Pflichtbewußtsein heraus oder gar aus prinzipieller Sorge um Gerechtigkeit als privat produziertes ‚öffentliches Gut‘.“ [6]

Hoppe stellt fest, dass er, wenn er Sklave sein müsse, lieber der Sklave eines Privateigentümers sei als ein Sklave in öffentlichem Besitz, wie z. B. die Insassen eines Gulag.[7] Hoppe lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass er Befürworter einer Form des Anarchokapitalismus ist und weder Monarchie, Demokratie noch irgendeine andere Staatsform für wünschenswert hält.


Kritik erntete Hoppe auch aus dem libertären Lager für seine Forderung, dass ein Privateigentümer ein "Recht auf Ausschluss, Exklusivität, Diskriminierung und Verbannung" haben müsse. Besonders im Zusammenhang mit Homosexualität wurde diese These kritisiert. Hoppe argumentiert, dass zum Beispiel eine Privatarmee selbstverständlich "gegen Frauen und bekennende Homosexuelle diskriminieren" würde, da "die Gegenwart von Frauen und offen Homosexuellen in Kampfverbänden" kontraproduktiv sei. Auch sei "das öffentliche Anpreisen des homosexuellen Lebensstils [...] mit einer familien-basierten, auf ihren eigenen Fortbestand gerichteten natürlichen Ordnung unvereinbar". Hoppes Kritiker werfen ihm vor, dass am Ende seiner Gesellschaftsphilosophie ein Kleinstaatengebilde stünde, mit einer Gesellschaft für "Katholiken mit Schnauzbart", ein Homeland für "homosexuelle Anormale", eins für "Frauen, die keine Männer mögen", eins für "protestantische Linkshänderfamilien" ect. Hoppe kontert, dass "kein Unternehmer eine solche Gemeinde anbieten" würde, "weil er keine Käufer finden würde" und "wenn das katholische Schnauzbartdasein tatsächlich eine lebenswichtige Bedeutung annimmt und sich genügend Gleichgesinnte eine Schnauzbartgemeinde zusammenkaufen – warum nicht?" [8]

Er vertritt die Meinung, dass in einer „natürlichen Ordnung“ die Variationsbreite nachgefragter und angebotener Gemeindetypen weit größer sei als gegenwärtig.[9]

Hoppe ist auch der Meinung, die Französische Revolution gehöre „in dieselbe Kategorie von üblen Revolutionen wie die bolschewistische Revolution und die nationalsozialistische Revolution.“ Wir verdankten der Französischen Revolution „Königsmord, Egalitarismus, Demokratie, Sozialismus, Religionshaß, Terror, Massenplünderung, -vergewaltigung und -mord, die allgemeine militärische Zwangsverpflichtung und den totalen, ideologisch motivierten Krieg“.[10]

Einzelnachweise

  1. Hülsmann, Jörg Guido, Stephan Kinsella: Property, Freedom, and Society, Essays in Honor of Hans-Hermann Hoppe. Ludwig von Mises Institute, 2009: xi. Zitat: „Professor Hoppe’s work is ongoing: he is currently working on a major book project that will restate and elaborate on his previous work in the fields of epistemology and ethics—more generally, the nature of human rationality. The goal of the book is to provide ‚a systematic and interdisciplinary reconstruction of human history (pre-history, hunter-gatherer societies, agricultural societies, industrial societies)‘.”
  2. Heinz Duthel. „Irrweg Neokonservatismus“, Lulu.com, 2008, S. 145
  3. Hans-Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist. (2003) Vorwort zur deutschen Ausgabe
  4. Democracy, "The God that Failed", Transaction Publishers, 2001, p. 71
  5. Doug French. "The Trouble with Democracy: Maslow Meets Hoppe", in "Property, Freedom, and Society: Essays in Honor of Hans-Hermann Hoppe" von Jörg Guido Hülsmann und Stephan Kinsella (ed.), Ludwig von Mises Institute, 2009.
  6. Hans-Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist. S. 162 f.
  7. Der Anti-Demokrat – Interview mit Hans-Hermann Hoppe. ef-magazin Nr. 41: 38–43 (2004) [1]
  8. Der Anti-Demokrat –- Interview mit Hans-Hermann Hoppe. ef-magazin Nr. 41, S. 38–43
  9. Der Anti-Demokrat – Interview mit Hans-Hermann Hoppe. ef-magazin Nr. 41, S. 42
  10. Freiheit statt Demokratie, Interview in Junge Freiheit, 24. Juni 2005

Werke

Literatur

  • Lothar Fritze: Illegitimität des Staates? Bemerkungen zu Hans-Hermann Hoppes Vision einer Privateigentumsgesellschaft, Politische Vierteljahresschrift, Volume 46, Number 1 / March, 2005, S. 144-157, ISSN 0032-3470 (Druck) 1862-2860 (Online)

Weblinks

 Commons: Hans-Hermann Hoppe – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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