IMAP


IMAP
IMAP (Internet Message Access Protocol)
Familie: Internetprotokollfamilie
Einsatzgebiet: Manipulation und Zugriff
auf E-Mails in Mailboxen.
Port: 143/TCP
220/TCP (IMAP3)
993/TCP (IMAPS)
IMAP im TCP/IP‑Protokollstapel:
Anwendung IMAP
Transport TCP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang Ethernet Token
Bus
Token
Ring
FDDI
Standards:

RFC 3501 (IMAP, 2003)

Die Abkürzung IMAP steht für Internet Message Access Protocol. Das Anwendungsprotokoll erlaubt den Zugriff auf und die Verwaltung von empfangenen E-Mails, die sich in einem Postfach auf einem Mailserver befinden.

IMAP wurde 1986[1] mit dem Ziel entworfen, den Zugriff auf Mailboxen und Nachrichten so bereitzustellen, als befänden sich diese auf dem lokalen Rechner. Im Gegensatz zu POP3 verbleiben die E-Mails auf dem Server und werden dort verwaltet. Für das Versenden von Mails muss ein anderes Protokoll (z. B. SMTP) verwendet werden.

Die bei der IANA registrierte Portnummer für IMAP ist 143. Für IMAP über SSL (verschlüsselte Verbindung->IMAPS) ist der Port 993 reserviert. Die veraltete Version 3 verwendet den Port 220.[2] Die aktuelle formale Beschreibung von IMAP findet sich in RFC 3501. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von optionalen Erweiterungen des Protokolls, die in eigenen RFCs und Drafts beschrieben sind.

Inhaltsverzeichnis

Protokolleigenschaften

IMAP ist ein textbasiertes Protokoll zum Zugriff auf E-Mails, die sich auf einem Mailserver befinden. Ein Mail-Client stellt Anfragen an den Server nur nach aktuell benötigten Informationen. Möchte ein Nutzer z. B. den Inhalt eines Ordners sehen, holt sich der Client eine aktuelle Nachrichtenliste des betreffenden Ordners vom Server. Soll der Inhalt einer Mail angezeigt werden, wird dieser vom Server geladen. Da alle Daten weiterhin auf dem Server verbleiben, zeigen – auch bei der Benutzung von mehreren Clients – alle den gleichen, aktuellen Datenbestand einer Mailbox an. Zudem wird eine lokale Speicherung der Daten unnötig und erweiterte Möglichkeiten wie das Durchsuchen von Mails werden serverseitig durchgeführt.

Mit IMAP ist auch der Zugriff auf verschiedene Ordner innerhalb einer Mailbox möglich. Viele Server können eingehende Mails auch direkt in verschiedene Ordner einsortieren (filtern). Durch das Setzen von Zugriffsrechten für Ordner einer Mailbox können auch mehrere Benutzer gleichzeitig auf dieselben Daten zugreifen. Die Erweiterung IMAP IDLE ermöglicht eine sofortige Benachrichtigung an Clients (pushen), wenn eine neue Mail eintrifft. So wird unnötiger Datenverkehr vermieden, der bei ständigen Anfragen (polling) eines Clients anfallen würde. Verfügt man über keine Internetverbindung zu seinem Mailserver ist i. d. R. auch kein Zugriff mehr auf die Mails möglich. Einige Clients lösen dieses Problem, indem sie lokale Kopien der Mails anlegen, auf die sie im Offline-Modus zurückgreifen können. Bei einer wiederhergestellten Internetverbindung werden die Daten wieder mit dem Mailserver abgeglichen. (synchronisieren).

Wegen der zentralen Speicherung der Daten auf einem externen Server muss auch der eigene Datenschutz berücksichtigt werden. Die Verbindung zum Server sollte deshalb verschlüsselt werden.

Beispiel einer IMAP-Sitzung (IMAP4rev1-Beispiel aus RFC 3501, 8. Kapitel – gekürzt):

Client Server Erklärung
* OK IMAP4rev1 Service Ready Server begrüßt den Client
a001 login mrc secret Client meldet sich an
a001 OK LOGIN completed Server bestätigt Anmeldung
a002 select inbox Client wählt inbox als aktiven Ordner
* 18 EXISTS

* FLAGS (\Answered \Flagged \Deleted \Seen \Draft)
* 2 RECENT
* OK [UNSEEN 17] Message 17 is the first unseen message
a002 OK [READ-WRITE] SELECT completed

18 Mails vorhanden

definierte Flags
2 dringliche Mails (z. B. neue Mails)
Mail Nr. 17 ist ungelesen. Alle älteren wurden bereits gelesen.
Client darf Änderungen an Mails durchführen

a003 fetch 12 full Client fordert Infos zu Mail Nr. 12
* 12 FETCH (FLAGS (\Seen)
INTERNALDATE "17-Jul-1996 02:44:25 -0700"
RFC822.SIZE 4286
ENVELOPE ("Wed, 17 Jul 1996 02:23:25 -0700 (PDT)"
"IMAP4rev1 WG mtg summary and minutes"
(("Terry Gray" NIL "gray" "cac.washington.edu"))
(("Terry Gray" NIL "gray" "cac.washington.edu"))
(("Terry Gray" NIL "gray" "cac.washington.edu"))
((NIL NIL "imap" "cac.washington.edu"))
(("John Klensin" NIL "KLENSIN" "MIT.EDU"))
NIL NIL
"<B27397-0100000@cac.washington.edu>")
BODY ("TEXT" "PLAIN" ("CHARSET" "US-ASCII") NIL NIL "7BIT" 302892))

a003 OK FETCH completed

Mail wurde bereits gelesen

am 17. Juli 1996 zugestellt
über 4k groß
Mail-Header:

Datum
Betreff
Absender (From)
Absender (Sender)
Antwort-an
Empfänger (To)
Kopie-Empfänger (CC)
BCC und In-Reply-To nicht angegeben
Message-ID
a004 fetch 12 body[header] Client möchte alle Header zu Mail Nr. 12
* 12 FETCH (BODY[HEADER] {342}
Date: Wed, 17 Jul 1996 02:23:25 -0700 (PDT)
From: Terry Gray <gray@cac.washington.edu>
Subject: IMAP4rev1 WG mtg summary and minutes
To: imap@cac.washington.edu
cc: minutes@CNRI.Reston.VA.US, John Klensin <KLENSIN@MIT.EDU>
Message-Id: <B27397-0100000@cac.washington.edu>
MIME-Version: 1.0
Content-Type: TEXT/PLAIN; CHARSET=US-ASCII
)

a004 OK FETCH completed

Server sendet geforderte Mailheader
a005 store 12 +flags \deleted Mail Nr. 12 als gelöscht markieren
* 12 FETCH (FLAGS (\Seen \Deleted))

a005 OK +FLAGS completed

a006 logout Client meldet sich ab
* BYE IMAP4rev1 server terminating connection

a006 OK LOGOUT completed

Clients

IMAP wird inzwischen von fast allen gängigen E-Mail-Programmen unterstützt. Allerdings bestehen große Unterschiede im Grad der Unterstützung. Viele Clients unterstützen nur Basisfunktionen für den Nachrichtenabruf (was den meisten Nutzern ausreicht). Nur wenige Programme nutzen den vollen Funktionsumfang, den IMAP-Server bieten. Dazu gehört zum Beispiel die Rechtevergabe zum gemeinsamen Zugriff verschiedener Benutzer auf einen Ordner.

Auswahl von Clients mit erweiterter IMAP-Unterstützung:

Auswahl von Clients mit einfacher IMAP-Unterstützung:

Server

Inzwischen unterstützen fast alle Mailserver-Implementationen IMAP. Einige Provider unterdrücken jedoch die Funktionalität (oder verlangen ein erhöhtes Entgelt), da hierdurch mehr Daten auf dem Server gespeichert werden müssen und auch das Datenübertragungsaufkommen steigt.

Im Unix-Umfeld kommen unter anderem folgende IMAP-Server zum Einsatz:

Auch auf anderen Plattformen und auch im kommerziellen Bereich bieten Messaging-Produkte IMAP-Schnittstellen an. Vor allem Groupware-Lösungen bauen IMAP fest in ihr Konzept ein:

Authentifizierung

Der Server kann den Zugriff für nicht-autorisierte Benutzer auf eine Mailbox verweigern. In jedem Fall muss sich der Nutzer authentifizieren, bevor er Zugriff auf Mails erlangen kann. Dies geschieht, indem er sich mit Benutzername und Passwort anmeldet. Das Passwort wird dabei auf IMAP-Protokoll-Ebene im Klartext übertragen. Mailserver können deshalb Clients verbieten das Passwort zu übertragen, falls zuvor keine verschlüsselte Sitzung aufgebaut wurde.

Alternativ ist auch eine Verwendung von anderen Netzwerkauthentifikationsprotokollen (z. B. GSSAPI, Kerberos) möglich.

Verschlüsselung

Um die Daten während der Übertragung vor Dritten zu schützen kann die Datenverbindung mittels SSL/TLS verschlüsselt werden. Hierzu existieren zwei unterschiedliche Methoden:

STARTTLS

Nach dem Aufbau einer unverschlüsselten Datenverbindung mit dem Server (Port 143), kann mittels dem Kommando STARTTLS eine verschlüsselte Sitzung initiiert werden, sodass alle nachfolgenden versendeten Daten über diese Verbindung nur noch verschlüsselt übertragen werden. Diese Protokollerweiterung ist in der neusten Protokollspezifikation bereits fest vorgesehen.

IMAPS

IMAPS im TCP/IP‑Protokollstapel:
Anwendung IMAP
Transport SSL/TLS
TCP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang Ethernet Token
Bus
Token
Ring
FDDI

Bei der Verwendung von IMAPS wird die Verbindung zum Server bereits während des Verbindungsaufbaus durch SSL verschlüsselt. Damit der Server dies erkennt, muss ein anderer Port verwendet werden. Hierfür wurde der Port 993 reserviert.

Nach dem Aufbau der SSL-Verbindung wird mind. IMAPv4 verwendet. Die SSL-Schicht ist für das IMAP-Protokoll transparent, d. h. es werden keine Änderungen am IMAP-Protokoll vorgenommen.

RFCs zu IMAP

Im folgenden sind aktuelle RFCs zu IMAP aufgeführt, die das IMAP-Protokoll standardisieren um eine Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Produkten zu gewährleisten[4]:

  • RFC 1176 – Interactive Mail Access Protocol: Version 2
  • RFC 1203 – Interactive Mail Access Protocol: Version 3
  • RFC 1731 – IMAP4 Authentication Mechanisms
  • RFC 1732 – IMAP4 Compatibility With IMAP2 And IMAP2BIS
  • RFC 1733 – Distributed Electronic Mail Models In IMAP4
  • RFC 2061 – IMAP4 Compatibility With IMAP2BIS
  • RFC 2062 – Internet Message Access Protocol – Obsolete Syntax
  • RFC 2087 – IMAP4 QUOTA Extension
  • RFC 2088 – IMAP4 non-synchronizing literals
  • RFC 2177 – IMAP4 IDLE command
  • RFC 2180 – IMAP4 Multi-Accessed Mailbox Practice
  • RFC 2193 – IMAP4 Mailbox Referrals
  • RFC 2195 – IMAP/POP AUTHorize Extension for Simple Challenge/Response
  • RFC 2221 – IMAP4 Login Referrals
  • RFC 2342 – IMAP4 Namespace
  • RFC 2595 – Using TLS with IMAP, POP3 and ACAP
  • RFC 2683 – IMAP4 Implementation Recommendations
  • RFC 2971 – IMAP4 ID Extension
  • RFC 3348 – IMAP4 Child Mailbox Extension
  • RFC 3501Internet Message Access Protocol – Version 4rev1
  • RFC 3502 – IMAP MULTIAPPEND Extension
  • RFC 3503 – Message Disposition Notification (MDN)profile for Internet Message Access Protocol (IMAP)
  • RFC 3516 – IMAP4 Binary Content Extension
  • RFC 3656 – The Mailbox Update (MUPDATE)Distributed Mailbox Database Protocol
  • RFC 3691 – IMAP UNSELECT command
  • RFC 4314 – IMAP4 Access Control List (ACL) Extension
  • RFC 4315 – Internet Message Access Protocol (IMAP) – UIDPLUS Extension
  • RFC 4466 – Collected Extensions to IMAP4 ABNF
  • RFC 4467 – Internet Message Access Protocol (IMAP) – URLAUTH Extension
  • RFC 4469 – Internet Message Access Protocol (IMAP) – CATENATE Extension
  • RFC 4549 – Synchronization Operations for Disconnected IMAP4 Clients
  • RFC 4551 – IMAP Extension for Conditional STORE Operation or Quick Flag Changes Resynchronization
  • RFC 4731 – IMAP4 Extension to SEARCH Command for Controlling What Kind of Information Is Returned
  • RFC 4959 – IMAP Extension for Simple Authentication and Security Layer (SASL) Initial Client Response
  • RFC 4978 – The IMAP COMPRESS Extension
  • RFC 5032 – WITHIN Search Extension to the IMAP Protocol
  • RFC 5092 – IMAP URL Scheme
  • RFC 5161 – The IMAP ENABLE Extension
  • RFC 5162 – IMAP4 Extensions for Quick Mailbox Resynchronization
  • RFC 5182 – IMAP Extension for Referencing the Last SEARCH Result

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Peer Heinlein, Peer Hartleben: POP3 und IMAP – Mailserver mit Courier und Cyrus, Open Source Press, September 2007, ISBN 978-3-937514-11-6.

Einzelnachweise

Der Text basiert hauptsächlich auf den oben aufgeführten RFCs. Zusätzlich wurden folgende Quellen verwendet:

  1. http://www.imap.org/about/history.status.html
  2. http://www.iana.org/assignments/port-numbers
  3. Gegendarstellung: http://www.courier-mta.org/fud/
  4. http://www.imap.org/papers/biblio.html

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