Inoue Kowashi


Inoue Kowashi
Inoue Kowashi

Inoue Kowashi (jap. 井上 毅; * 18. Tag des Zwölften Monats im Jahr 1843[1] (Tempō 14) bzw. am 6. Februar 1844 in Takebe[2], Kumamoto-han, Provinz Higo (heute: Präfektur Kumamoto); † 17. März 1895[1]) war ein bedeutender japanischer Staatsmann, der sich insbesondere in den Bereichen der Verfassungskunde und der Bildungspolitik der Meiji-Zeit erfolgreich engagiert hatte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er stammt aus einer Samurai-Familie und war der dritte Sohn von Iida Kengoei[1] bzw. Gongobei (飯田 権兵衛)[2], einem Vassalen des Nagaoka kenmotsu (長岡監物) im Han (Lehen) Kumamoto. 1866 wurde er von Inoue Shigesaburō (井上 茂三郎) adoptiert.[1]

Inoue zeigte schon früh eine hohe intellektuelle Begabung, so soll er bereits als Kleinkind das Hyakunin Isshu auswendig aufsagen gekonnt haben. Im Alter von vierzehn Jahren wurde er zur Unterrichtung zum konfuzianischen Gelehrten Kinoshita Saitan (木下 犀潭; 1805–1867) geschickt, der schon Yokoi Shōnan (横井 小楠; 1809–1869) und Motoda Nagazane (元田 永孚, auch Motoda Eifu; 1818–1891) ausgebildet hatte. 1862 begann Inoue ein Studium am Jishūkan (時習館), der konfuzianischen Hochschule des Kumamoto-han, wo er sein Interesse für das Verhältnis von Religion und Politik entwickelte.[3]

1867 wurde Inoue von der Han-Regierung nach Edo geschickt, um dort Französisch zu lernen. Wegen der politischen Wirren der Meiji-Restauration verließ er Edo jedoch und setzte von Dezember 1867 bis April 1868 sein Studium am Sankeijuku (三計塾) in Yokohama unter dem anti-christlichen Konfuzianer Yasui Sokken (安井 息軒; 1799–1876) fort. Danach kehrte er kurzfristig nach Kumamoto zurück, studierte einige Monate in Nagasaki und kehrte schließlich zum Abschluss seiner Studien nach Tōkyō zurück.[4]

1871 begann Inoue seinen Dienst im Justizministerium unter Etō Shimpei (江藤 新平; 1834–1874). Im folgenden Jahr nahm Inoue an einer von Etō organisierten Mission teil, bei der er in Europa ausländische Rechtssysteme studierte. So hörte er für drei Monate Vorlesungen von Gustave Emile Boissonade (1825–1910) an der Sorbonne und lernte das preußische Verfassungswesen schätzen. Nach seiner Rückkehr nach Japan im November 1873 übersetzte Inoue mehrere europäische Rechtstexte, darunter das französische Strafgesetzbuch.[5]

Nachdem Etō von seinem Regierungsamt zurücktreten musste, begann Inoue für Ōkubo Toshimichi zu arbeiten, dem er in den diplomatischen Belangen bezüglich der von Saigō Tsugumichi (西郷 従道, 1843–1902) militärisch geführten, japanischen Taiwan-Expedition von 1874 half und zusammen mit Boissonade nach Peking begleitete.[6]

1875 trat Inoue als Berater in den Dienst von Itō Hirobumi. Im selben Jahr begleitete Inoue Mori Arinori (森 有礼, 1847–1889) auf einer Mission zur Beilegung der Korea-Problematik nach China.[7]

Ab Ende der 1870er half Inoue als Verfasser von zwei maßgeblichen Gedenkschriften, die er mit zusammen mit Hermann Roesler schrieb, Iwakura Tomomi bei dessen Bestrebungen, die geplante Meiji-Verfassung inhaltlich am preußischen System auszurichten. Inoue argumentierte hierin damit, dass die preußische Verfassung eher dem japanischen Kokutai entspräche als die englische und dass die vollständige Souveranität des japanischen Staates in der Person des Tennō liegen müsse.[8] Von 1886 bis 1888 beteiligte sich Inoue aktiv an konkreten Entwürfen zur Verfassung, wobei seine Entwürfe in wesentlichen Punkten liberaler als die schließlich tatsächlich verkündete Meiji-Verfassung waren.[9]

Inoue engagierte sich ab 1878 auch aktiv in der japanischen Bildungspolitik, worin er sich ebenfalls stark am Kokutai-Ideal orientierte. Im Sinne einer starken japanischen Nation argumentierte er in einer für Yamagata Aritomo geschriebenen Rede für einen durch staatliche Erziehung geförderten Patriotismus.[10] Mitte 1890 beteiligte sich Inoue unter dem neuen Bildungsminister Yoshikawa Akimasa (芳川 顕正; 1842–1920) an der Ausarbeitung des Kaiserlichen Erziehungsedikts. Inoues unter Beteiligung von Yamagata Aritomo und Motoda Eifu zustandegekommener Entwurf wurde schließlich maßgeblich für das im Oktober desselben Jahres erlassene Edikt.[11]

1893 wurde Inoue zum Bildungsminister im zweiten Kabinett von Itō Hirobumi ernannt. In seiner kurzen Amtszeit machte er sich stark für moralische Erziehung im konfuzianischen Sinn, die Bereitstellung gleicher Bildungschancen für alle japanischen Untertanen und die Stärkung praktischer Ausbildung, insbesondere im technisch-industriellen Sektor.[12] Aus gesundheitlichen Gründen musste Inoue am 29. August 1894 zurücktreten und zog sich auf eine Residenz zurück, ohne sich jedoch bis zu seinem Tod wieder zu erholen. Im Januar 1895 wurde er mit dem Titel Shishaku geehrt.[13] Am 17. März desselben Jahres verstarb er.

Literatur

  • Joseph Pittau: „Inoue Kowashi, 1843-1895 And the Formation of Modern Japan“, in: Monumenta Nipponica, Vol. 20, No. 3/4 (1965), pp. 253-282.
  • George Akita und Hirose Yoshihiro: „The British Model. Inoue Kowashi and the Ideal Monarchical System“, in: Momumenta Nipponica, Vol. 49, No. 4, (Winter, 1994), pp. 413-421.
  • Yoshimitsu Khan: „Inoue Kowashi and the Dual Images of the Emperor of Japan“, in: Pacific Affairs, Vol. 71, No. 2 (Summer, 1998), pp. 215-230.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Shibata Shin’ichi: „Inoue Kowashi“. In: Encyclopedia of Shinto. der Kokugaku-in, 12. April 2006 (englisch)
  2. a b Pittau 1965, S. 254.
  3. Pittau 1965, S. 254f.
  4. Pittau 1965, S. 255.
  5. Pittau 1965, S. 256.
  6. Pittau 1965, S. 257f.
  7. Pittau 1965, S. 258.
  8. Pittau 1965, S. 260f.
  9. Pittau 1965, S. 267.
  10. Pittau 1965, S. 270, 272f.
  11. Pittau 1965, S. 273-6.
  12. Pittau 1965, S. 276.
  13. Pittau 1965, S. 278.
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Inoue der Familienname, Kowashi der Vorname.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Inoue Kowashi — nihongo|Inoue Kowashi|井上毅|Inoue Kowashi; (6 February, 1844 13 March 1895) was a statesman in Meiji period Japan.Early lifeInoue was born into a samurai family Higo Province (present day Kumamoto Prefecture), as the third son of Iida Kengoei. In… …   Wikipedia

  • Inoue, Kowashi — (1843 1895)    A statesman of the Meiji period from Kumamoto, in the southern Japanese island of Kyushu. He is significant in the development of modern Shinto for his contributions to the Meiji Constitution of 1889 and the Imperial Rescript on… …   A Popular Dictionary of Shinto

  • Kowashi Inoue — Inoue Kowashi Inoue Kowashi (jap. 井上 毅; * 18. Tag des Zwölften Monats im Jahr 1843[1] (Tempō 14) bzw. am 6. Februar 1844 in Takebe[2], Kumamoto han, Provinz Higo …   Deutsch Wikipedia

  • Inoue — ist der Familienname folgender Personen: Akihisa Inoue, japanischer Materialwissenschaftler Inoue Genzaburō (1829–1868), Anführer der 6. Einheit der Shinsengumi Inoue Hisashi (* 1934), japanischer Schriftsteller Hiroshi Inoue (1932–1989),… …   Deutsch Wikipedia

  • Kowashi Inoue — Vicomte Kowashi Inoue 浅田 信興 Kowashi Inoue Surnom Takuma Naissance 6 février 1843 …   Wikipédia en Français

  • Inouye — Inoue ist der Familienname folgender Personen: Hisashi Inoue (* 1934), japanischer Schriftsteller Inoue Genzaburō (1829–1868), Anführer der 6. Einheit der Shinsengumi Kosei Inoue (* 1978), japanischer Judoka Inoue Kowashi (1844–1895), japanischer …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/In — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Imperial Rescript on Education — The nihongo|Imperial Rescript on Education|教育ニ関スル勅語|Kyōiku ni Kansuru Chokugo was signed by Emperor Meiji of Japan on 30 October 1890 to articulate government policy on the guiding principals of education on the Empire of Japan. The 315 character …   Wikipedia

  • Education in the Empire of Japan — was a high priority for the government, as the leadership of the early Meiji government realized the critical need for universal public education in its drive to modernize and westernize Japan. Overseas missions such as the Iwakura mission were… …   Wikipedia

  • Educación en el Imperio del Japón — Saltar a navegación, búsqueda La Educación en el Imperio del Japón fue un asunto de alta prioridad para el gobierno, cuando el liderazgo del joven gobierno Meiji se percató de la necesidad de una educación pública universal en pos de un Japón… …   Wikipedia Español


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.