John Eliot Gardiner


John Eliot Gardiner
Gardiner 2006 in der St. Martinikirche zu Braunschweig

Sir John Eliot Gardiner (* 20. April 1943 in Fontmell, Dorset, England) ist ein britischer Dirigent und Chorleiter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Bereits im Alter von 15 Jahren sammelte Gardiner erste Erfahrungen am Dirigentenpult. Als Jungstudent der Cambridge University leitete er die Oxford and Cambridge Singers auf einer Tournee durch den Mittleren Osten, bevor er im Jahr 1964 den Monteverdi Choir gründete. Während seines Studiums lernte er bei Thurston Dart in London und bei Nadia Boulanger in Paris. Nach dem Monteverdi Choir rief er im Jahr 1968 das Monteverdi Orchestra ins Leben.

Sein Londoner Operndebüt feierte Gardiner 1969 mit der Zauberflöte an der English National Opera, am Royal Opera House Covent Garden gab er 1973 mit Glucks Iphigénie en Tauride eine Gastrolle. Bei seinem ersten Auftritt in den USA leitete er 1979 das Dallas Symphony Orchestra.

Seine Haupterfolge feierte John Eliot Gardiner durch seine herausragenden Aufführungen und Einspielungen alter Musik. Etwa 1978 traten die English Baroque Soloists, gebildet aus Mitgliedern des Monteverdi Orchestra, erstmals beim Festival für Alte Musik in Innsbruck mit einer Aufführung von Händels Acis and Galatea mit historischen Instrumenten auf.

Von 1980 bis 1983 war Gardiner Chefdirigent des CBC Vancouver Orchestra. 1983 bis 1988 bildete er als Musikalischer Direktor der Opéra National de Lyon wiederum ein neues Orchester, das heute zu den besten in Frankreich zählt. Von 1981 bis 1990 war er künstlerischer Direktor der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen und von 1991 bis 1994 Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. Als Gast dirigierte Gardiner u. a. das Philharmonia Orchestra, das Cleveland Orchestra, das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam und die Wiener Philharmoniker.

Anlässlich des 25. Gründungsjubiläums des Monteverdi Choir unternahm Gardiner 1989 eine Welttournee mit Aufführungen von Monteverdis Marienvesper von 1610, die zugleich auch als Film, Video und CD-Produktion aufgezeichnet wurde. Die französische Zeitung Le Monde würdigte die Leistungen dieses Gesangsensembles mit den Worten: „Wenn es einen Nobel-Preis für Chorgesang gäbe, dann würde ihn der Monteverdi Choir bekommen.“[1]

Im Jahr 1990 gründete Gardiner ein weiteres Orchester für historische Instrumente, um klassische und romantische Musik authentisch aufzuführen, das Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Im gleichen Jahr leitete er den Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists bei ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen, wo er seitdem regelmäßiger Gast ist.

Herausragende Aufnahmen unter der Leitung von John Eliot Gardiner entstanden vor allem in seiner Zeit bei PolyGram auf den Labels Deutsche Grammophon, Philips und auch Decca Records. 2004 gründete er sein eigenes Plattenlabel, Soli Deo Gloria, das ausschließlich Aufnahmen von Gardiners eigenen Ensembles veröffentlicht, darunter sämtliche Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs in Live-Mitschnitten aus dem Jahr 2000, dem 250. Todesjahr des Komponisten.

Großen Bekanntheitsgrad haben auch die Aufnahmen der großen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs (Matthäuspassion, Johannespassion, Messe in h-Moll, Weihnachtsoratorium, Magnificat) sowie seine Aufnahmen mit Werken von Hector Berlioz, Georg Friedrich Händel und der Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch die Einspielungen der neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven mit dem Orchestre révolutionaire et romantique erreicht.

In seiner Freizeit führt Sir John Eliot Gardiner einen Öko-Bauernhof in North Dorset.

Auszeichnungen

Die Platteneinspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter den Künstler des Jahres 1994 (Gramophone Award), Dirigent des Jahres 1995 (Echo Klassik) und Bester Dirigent 1995 (Cannes Classical Award). Der Preis der deutschen Schallplattenkritik wurde ihm 1994 als Klassischer Künstler des Jahres zuerkannt. 1995 war er der erste Dirigent, der den Dietrich-Buxtehude-Preis erhielt.

John Eliot Gardiner wurde 1987 die Ehrendoktor der Universität Lyon, und 1988 Officier dans l'Ordre des Arts et des Lettres sowie 1990 Commander of the British Empire. 1992 wurde er zum Ehrenmitglied des King's College London und der Royal Academy of Music ernannt.

Im Jahr 1998 wurde John Eliot Gardiner von Königin Elisabeth II. anlässlich der June Birthday Honours zum Knight Bachelor geschlagen.

Die Stadt Zwickau - Geburtsort Robert Schumanns - verlieh ihm 2001 für seine bahnbrechenden Schumann-Interpretationen (Orchesterwerke, Paradies und die Peri u.a.) den 1964 gestifteten Robert-Schumann-Preis. Im Mai 2005 erhielt er während des Bachfestes in Leipzig die Bachmedaille für sein Lebenswerk verliehen.

Am 29. November 2005 wurde Sir John Eliot Gardiner durch den deutschen Botschafter in London, Thomas Matussek, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse überreicht.

2005 wurde Gardiner mit dem internationalen Léonie-Sonning-Musikpreis ausgezeichnet.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Flyer mit Programmvorschau für den Potsdamer Nikolaisaal für August und September 2011; Ankündigung des Choir-Auftritts mit Bach-Motetten am 30. September 2011

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