John Richard Deacon


John Richard Deacon
John Deacon 1979.

John Richard Deacon (* 19. August 1951 in Leicester, Leicestershire, Großbritannien) war der Bassist und Komponist vieler Stücke der Rockband Queen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

John Deacon wuchs in Oadby, einem Vorort von Leicester in der britischen Grafschaft Leicestershire, auf. Sein Vater war der Versicherungsmakler Arthur Henry Deacon, der ihn oft zum Angeln und zum Train spotting mitnahm und ihn, im Alter von sieben Jahren, dazu ermutigte, mit dem Gitarrenspiel auf einer roten Tommy Steele special aus Plastik zu beginnen, die ihm seine Eltern geschenkt hatten. Als Deacon elf Jahre alt war, starb sein Vater unerwartet, wodurch die Mutter, Lilian Molly Deacon, allein für den Lebensunterhalt sorgen musste.

Der Tod seines Vaters trieb ihn in die Musik. Er sparte sein Geld, das er mit dem Austragen von Zeitungen verdiente, kaufte sich davon eine neue Gitarre und lernte, sie zu spielen. Er gründete seine erste Band The Opposition, wo er als Rhythmusgitarrist spielte. Als der Bassist wegen angeblich mangelnder Qualitäten gefeuert wurde, wechselte Deacon zum E-Bass. Nebenher fungierte er als Archivar, der sämtliche Zeitungsartikel sammelte. Nach vier Jahren spielte Deacon im August 1969 sein letztes Konzert mit der Band, die sich inzwischen in The Art umbenannt hatte. Er hatte die Band verlassen, da er am Chelsea College of Science and Technology, einem heute nicht mehr existierenden Teil der University of London, aufgenommen worden war und er dort Elektronik studierte. Zuvor hatte er die Oadby Infant School (Vorschule), die Langmoor Junior School und die Gartee High School besucht, bevor er seine Schullaufbahn an der Beauchamp Grammar School abgeschlossen hatte, wo damals auch The Opposition gegründet worden war. Sein Abschluss bestand aus 8 'O'-Levels (Englisch, Englische Literatur, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Französisch und Mathematik-Sonderkurs) und 3 'A'-Levels (Mathematik, Fortgeschrittene Mathematik und Physik) (O=Ordinary/A=Advanced).

Während des Studiums war er nicht mehr musikalisch aktiv; erst um die Examenszeit gründete er die Band Deacon, welche neben Bassist John Deacon aus Peter Stoddart an der Gitarre, Don Cartner am Schlagzeug und Albert (ebenfalls Gitarre) bestand. Die Band existierte von Oktober 1970 bis Anfang 1971. Im Oktober war es auch, als Deacon einen Queen-Auftritt sah, ohne zu ahnen, was ihn später erwarten würde.

Nach Abschluss des Studiums hatte Deacon eine Stelle als Teilzeitlehrer an einer Grundschule angenommen. Diese Stelle gab er auch während der ersten Zeit mit Queen nicht auf. Seine Bandmitgliedschaft ergab sich folgendermaßen: Anfang 1971 war er mit Peter Stoddart und dessen Freundin Christine Farnell zu Besuch in einer Diskothek des Maria-Assumpta-Lehrerbildungskollegs, als ihm Farnell drei Herren vorstellte: Roger Taylor, Brian May und John Harris, den damaligen Queen-Roadie.

Die Band war zu dieser Zeit gerade auf der Suche nach einem Bassisten und nachdem er im Februar 1971 in einem Vortragssaal des Imperial College vorgespielt hatte, erhielt er die Stelle und wurde so das vierte Queen-Mitglied. Er wurde ausschließlich nach musikalischem Talent ausgewählt, da der vorherige Bassist Doug Bogie die Aufmerksamkeit des Publikums von Sänger Freddie Mercury abgelenkt hatte. Damit war die Besetzung für Queen komplett, die bis zum Tod von Freddie Mercury im Jahre 1991 in unveränderter Form bestehen bleiben sollte.

Danach trat John Deacon nur noch bei drei Auftritten zusammen mit anderen verbleibenden Bandmitgliedern auf:

  • am 20. April 1992 während des zu Ehren Mercurys und für den Kampf gegen Aids veranstalteten Freddie Mercury Tribute Concert,
  • am 18. September 1993 zusammen mit Roger Taylor bei einem Festival im Cowdray Park, bei dem auch Genesis, Eric Clapton, Paul Young und Pink Floyd auftraten,
  • am 17. Januar 1997 mit Taylor, May und Elton John als Lead-Sänger mit dem Song The Show Must Go On anlässlich der Eröffnungsgala zum Ballett Le Presbytère n'a rien perdu de son charme, ni le jardin de son éclat von Maurice Béjart. Die Thematik dieses Stückes bezieht sich auf Aids und den frühen Tod von Freddie Mercury und Jorge Donn, dem ersten Tänzer der Compagnie. Eine Aufnahme des Auftrittes wurde auf Queens Greatest Hits III-Abum veröffentlicht.

Danach zog er sich vollkommen aus dem Musikleben zurück, war aber teilweise noch an der frühen Vorbereitungsphase des Musicals We Will Rock You beteiligt. 2001 berichtete die britische Boulevard-Zeitung The Sun, dass er von Robbie Williams' damaliger Interpretation des Queen-Hits We Are the Champions angeblich ganz und gar nicht beeindruckt war; Williams hatte das Stück gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor für den Film Ritter aus Leidenschaft neu aufgenommen. Obwohl sich John Deacon an den seit 2005 unter der Bezeichnung Queen + Paul Rodgers laufenden Tourneen nicht beteiligte, toleriert er weiterhin, dass Taylor und May unter dem Namen "Queen" aktiv sind.

Er lebt im Südwesten Londons zusammen mit seiner Frau Veronica Agnes Mary Tetzlaff, die er 1976 in Kensington geheiratet hat und mit der zusammen er fünf Söhne und eine Tochter hat: Robert (* 1975), Michael (* 1978), Laura (* 1979), Joshua (* 1983), Luke (* 1992) und Cameron (* 1993).

Laut Sunday Times soll sich 2004 Deacons Vermögen auf ca. 50 Millionen britische Pfund beziffert haben.

Bedeutung für Queen

Instrumente

John Deacon ist ein bedeutender Bass-Spieler, der zusammen mit Schlagzeuger Roger Taylor den komplexen Songs der Band ein verlässliches, rhythmisches Rückgrat verlieh. Zu seinen besonders erwähnenswerten Stücken als Bassist gehören beispielsweise folgende:

  • The March of the Black Queen
  • Brighton Rock
  • Liar
  • You're My Best Friend
  • The Millionaire Waltz
  • Crazy Little Thing Called Love
  • Sail Away Sweet Sister
  • Another One Bites the Dust
  • Under Pressure
  • Radio Ga Ga
  • I'm Going Slightly Mad
  • Bohemian Rhapsody
  • Back Chat

John Deacon spielte in seiner Karriere hauptsächlich den Fender Precision Bass, sowohl im Studio als auch bei Live-Auftritten. Ein weiterer von ihm eingesetzter Bass war der Music Man Stingray.

Zuweilen war Deacon auch mit anderen Instrumenten, zum Beispiel der akustischen Gitarre im Song Who Needs You vom Album News of the World, zu hören. Diese Gitarre spielte er auch für den Song Spread Your Wings aus demselben Album. Laut Aussagen seiner Bandkollegen ist Deacon auch ein hervorragender Rhythmusgitarrist. In dieser Rolle ist er in Staying Power (live) oder Back Chat zu hören.

In '39 spielte er (wie auch in Bring Back That Leroy Brown) Kontrabass. Eigentlich hatte Brian May ihn nur aus Spaß gebeten, das Instrument zu erlernen. Aber einige Tage später fand er Deacon damit im Studio, der es zu diesem Zeitpunkt bereits spielen konnte.

Seine Beiträge mit dem Keyboard beschränken sich größtenteils auf Akkorde im Hintergrund. In You're My Best Friend verwendete er ein E-Piano. Es war der erste Song, den er an einem Keyboard geschrieben hatte.

Deacon ist das einzige Bandmitglied, das niemals auf einem Queen-Album gesungen hat. Er selbst sagte in Interviews, dass er nicht in der Lage sei, mit den restlichen drei starken Sängern der Gruppe mitzuhalten. Bei einigen Musikvideos bewegte er manchmal die Lippen passend zum Gesang. Bei Live Konzerten steuerte er aber bei einigen Songs "Backing Vocals" bei, sein Mikrophon war dabei zumeist etwas leiser eingestellt, als das der anderen Bandmitglieder.

Ab 1980 spielte er außerdem bei zahlreichen Stücken Synthesizer. Im Video zu One Vison aus dem Jahre 1985 sieht man Deacon am Schlagzeug sitzen.

Live

Auf der Bühne hatte er den ruhigen Part inne, ohne dabei aber steif zu wirken. Er fügte sich unauffällig in die Choreografie der Bühnenshow ein, verzichtete aber trotz aller Zurückhaltung nicht auf gelegentliche Kapriolen.

Songwriting

John Deacon, das jüngste Mitglied der Band, schrieb, vor allem verglichen mit Freddie Mercury und Brian May, relativ wenige Songs für Queen. Darunter befindet sich aber einer der größten Hits der Band: Another One Bites the Dust vom 1980er Album The Game schaffte es bis an die Spitze des US-amerikanischen Charts. Die Songs, die Deacon allein oder mit Bandmitgliedern geschrieben hat, sind folgende:

My Life Has Been Saved erschien 1989 als B-Seite der Single Scandal; eine neu überarbeitete Version ist auf dem 1995 veröffentlichten Album Made in Heaven enthalten. Die Komponisten-Angabe lautet (wie bei allen Songs von 1989) „Queen“, de facto stammt das Stück laut Angaben des Produzenten von John Deacon.

Zu weiteren Titeln, die unter der Autorenangabe „Queen“ veröffentlicht wurden, siehe den Artikel Queen – Die Autoren der Queen-Songs.

Weitere Tätigkeiten

Auf Grund von Missmanagement hatte die Band zunächst kaum einen Verdienst. Nachdem der Manager von Elton John ein Jahr lang die wirtschaftlichen Verhältnisse von Queen saniert hatte, arbeitete die Band selbstständig. Deacon kümmerte sich dabei um die geschäftlichen Belange.

Durch sein Elektronikstudium konnte er auch öfter an der technischen Ausrüstung der Band basteln und so deren Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Das wohl bekannteste Ergebnis davon ist ein spezieller Verstärker, der so genannte Deacy Amp, den sowohl Deacon (bei den Gitarrenaufnahmen für Misfire) als auch gelegentlich Brian May für seine Red Special benutzten.

Weitere Projekte

Eines der wenigen größeren Solo-Projekte von John Deacon war die im Mai 1986 unter dem Bandnamen The Immortals erschienene Single No Turning Back, die aus dem Soundtrack des Films Der Biggles-Effekt (Originaltitel: Biggles) stammt. Geschrieben und produziert wurde der Song von Deacon gemeinsam mit Robert Ahwai. Die Gruppe The Immortals mit Ahwai, Deacon und Lenny Zakatek wurde eigens für dieses Projekt im März 1986 gegründet. Im Juni desselben Jahres erschien das Album mit dem Soundtrack. Der Film von John Hough mit Neil Dickson, Alex Hyde-White und Peter Cushing hatte in Deutschland am 19. Juni 1986 Premiere.

An folgenden Projekten anderer Musiker war John Deacon beteiligt:

Jahr Interpret Song Tonträger Deacons Beitrag
1983 Man Friday & Jive Junior Picking Up Sounds Picking Up Sounds (Single) Koautor, Bass
1984 Roger Taylor It's an Illusion Strange Frontier (Album) Bass
1984 Roger Taylor I Cry for You (Remix), I Cry for You (Extended Mix) Strange Frontier (7"- bzw. 12"-Single) Remix (gemeinsam mit Mack)
1985 Elton John Too Young Ice on Fire (Album) Bass (Schlagzeug: Roger Taylor)
1986 Elton Johns Angeline Leather Jackets (Album) Bass (Schlagzeug: Roger Taylor)
1986 The Immortals No Turning Back (verschiedene Mixe) No Turning Back (Single), Biggles (Soundtrack-Album) Bass, Koautor, Produzent
1986 Minako Honda Roulette (eine neue Version von No Turning Back ohne Mitwirkung Deacons) Cancel (Album) Songautor
1987 Anita Dobson I Dream of Christmas I Dream of Christmas (Single), Talking of Love (Album) Bass (Autor, Produktion: Brian May)
1987 Bad News Bohemian Rhapsody Bohemian Rhapsody (Single), Bad News (Album) Backing Vocals (zusammen mit Produzent Brian May)
1988 Morris Minor and the Majors Stutter Rap (No Sleep Til Bedtime) Stutter Rap (No Sleep Til Bedtime) (Videoclip) Auftritt im Video
1988 Morris Minor and the Majors This Is the Chorus This Is the Chorus (Videoclip) Auftritt im Video
1988 Freddie Mercury & Montserrat Caballé How Can I Go On Barcelona (Album), How Can I Go On (Single) Bass
1988 The Prince's Trust Rock Concert The Letter (live) The Prince's Trust Rock Concert Bass (Gitarre: Brian May; Gesang: Joe Cocker)
1989 Ian & Belinda Who Wants to Live Forever (mehrere Versionen) Who Wants to Live Forever (7"- bzw. 12"-Benefizsingle für den British Bone Marrow Donor Appeal) Bass (Produktion, Gitarre: Brian May; Schlagzeug: Roger Taylor)
1992 Brian May Nothin' But Blue Back to the Light (Album) Bass
1992 Cozy Powell Somewhere in Time (die instrumentale Version von Mays Nothin' But Blue) The Drums Are Back (Album) Bass
1994 Steve Gregory Bushfire Bushfire (Album) Bass
1997 SAS Band That's the Way God Planned It SAS Band (Album) Bass (Schlagzeug: u.a. Roger Taylor; Gesang: R. Taylor, Tony Hadley, Chris Thompson u.a.)

Literatur

  • Jacky Gunn, Jim Jenkins: Queen. As It Began. Sidgwick & Jackson, London 1992, ISBN 0-283-06052-2 (Deutsche Ausgabe: Queen. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1992. ISBN 3-442-42083-0)

Weblinks



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