Kinoptikum


Kinoptikum

48.14277777777813.7361111111117Koordinaten: 48° 8′ 34″ N, 13° 44′ 10″ O kinOptikum ist ein Kinomuseum in Gaspoltshofen (Oberösterreich) und in dem der Besucher Einblick in die Geschichte und Technik des Kinos erhält.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Das im Mai 2006 eröffnete kinOptikum geht auf eine Initiative der [kulturinitiative spielraum] zurück. Diese reaktivierte Anfang der 1990er Jahre das ehemalige Kino in Gaspoltshofen und bietet seither dort ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. Bei den ersten Adaptierungsarbeiten 1990 sprang der „Kinovirus“ über, aber erst die Bekanntschaft mit LETC (Lifka’s Electric Theatre Company – diese Gruppe restaurierete einen der ältesten funktionsfähigen Filmprojektor weltweit – Carl-Friedrich Lifka’s Gaumont von 1899) und die Überlegungen zur Wiederbelebung von leerstehenden Gebäuden in Gaspoltshofen im Rahmen des Ortsentwicklungskonzeptes verdichteten sich zur aktuellen Ausstellung.

Grundsätzliches zum Konzept

Das miniKINO für den Wunschfilm …

Die Ausstellung gliedert sich im wesentlichen in 3 Bereiche:

  • Grundlagen für die Projektion von „bewegten Bildern“ mit interaktiven Modellen
  • Kino im Wandel der Zeit stellt die Kinogeschichte anhand unterschiedlichster Exponate dar.
  • Der Film als Medium lädt den Besucher in unser miniKINO ein

Es wird grundsätzlich durch die Ausstellung geführt. Der im digitalen miniKINO vorgeführte Film kann durch den Besucher bestimmt werden.

Im gegenüberliegendem Scheinhaus ist derzeit die Fotoausstellung „Einst unter Tag“ zu sehen. „kinOptikum“ und „Einst unter Tag“ sind Teil der Oö. Kohlestrasse.

Kurzübersicht über die dargestellte Kinogeschichte

Als die Bilder laufen lernten

Ende des 19. Jahrhunderts wurde weltweit entwickelt und erfunden: Basierend auf der bereits seit längerem bekannten Trägheit des menschlichen Auges und den ersten fotografischen Phasenbilder (z. B. „The Horse in Motion“ – die Bewegungsphasen des galoppierenden Pferdes von Eadweard Muybridge, 1872) entstehen verschiedenste Apparaturen: 1878 das Zoopraxiskop von Muybridge, 1887 der Schnellseher von Anschütz oder 1891 das Kinetoskop von Thomas A. Edison. Letzteres enthielt bereits ca. 10 m 35 mm breiten Film, der bis heute Standard für alle Kinofilme ist, nur konnte diesen immer nur eine Person betrachten. Edison versah das Kinetoskop mit einem Münzautomaten und versprach sich hohe Einnahmen durch die im Volksmund „peep-hole“ genannten Geräte. So kam es zur kuriosen Situation, dass Edison obwohl erbitterter Gegner des Kinos, das weltweit erste Filmstudio erbaute.

Die Geburtsstunde des Kino

Gaumont Wanderprojektor aus 1899 des Carl Friedrich Lifka.

Am 28. Dezember 1895 fand im Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris die erste öffentliche Filmvorführung vor einem großen, zahlenden Publikum statt, in der die Brüder Lumière ihren Cinématographe vorführten und 15 selbstgedrehte Kurzfilme mit Titeln wie „Arbeiter verlassen die Lumiére-Werke“ oder „Abbruch einer Mauer“ zeigten. Schausteller, die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zogen, nahmen sich der neuen Technik an und zeigten in ihren Zelten von nun an nicht mehr nur statische Nebelbilder sondern bewegte Bilder. Man kann diese ersten „Wanderkinos“ aber nicht mit den späteren „Nahversorgern“ in den Landgemeinden vergleichen: Es wurden Filme von wenigen Minuten Länge gezeigt und dazwischen gab es z. B. Clown- oder Pantomimedarbietungen. Der älteste Projektor in unserer Ausstellung ist jener von Carl Friedrich Lifka, der von 1899 bis 1909 damit Österreich-Ungarn bereiste, ehe er sich in Linz niederließ. Sein Projektor wurde, wie könnte es anders sein, 1899 in Frankreich, bei Gaumont (Paris) hergestellt und ist als einer der ganz wenigen weltweit aus dieser Zeit noch funktionstüchtig.

Die große Stummfilmzeit

Nach den ersten Gehversuchen entstanden durch Filmschnitt und -montage die ersten Spielfilme, allerdings noch ohne Ton. Gleichzeitig entstanden ortsfeste Kinos – die große Zeit des Stummfilms war angebrochen. Trotz oder vielleicht gerade wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in der Zwischenkriegszeit erlebt das Kino eine große Zeit, aus der uns noch heute Darsteller wie Pat & Patachon, Charlie Chaplin oder Buster Keaton bekannt sind. Das kinOptikum trägt dieser Ära mit entsprechenden Projektoren, z. B. Ernemann Imperator von 1909 Rechnung. Projektorköpfe mit Tachometer – Stummfilme wurden häufig mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorgeführt – sind ebenso anzutreffen, wie die ersten Versuche mit Langspielplatten (Grammophon) Bild und Ton zu vereinigen.

Der Tonfilm ändert alles

Österreichische Projektoren – Friedl & Chaloupka (1934–1979).

Mit dem Lichttonverfahren war es in den 1920-ern gelungen, Bild und Ton synchron abspielen zu können. Damit änderte sich mehr, als man aus heutiger Sicht vermuten würde: Nicht alle Stars der Stummfilmzeit schafften den Umstieg und der zuvor internationale Film war nun an die Sprache gebunden – die dänischen Stummfilmstars Pat & Patachon waren in unseren Breiten plötzlich nicht mehr verständlich. Die Entwicklung des Lichttonverfahrens war eine technische Herausforderung der besonderen Art. Die Ergebnisse werden anhand der Tongeräte (so werden die Lichttonabnehmer genannt) verschiedenster Ausführung und den entsprechenden Verstärkern und Lautsprechern gezeigt.

Die Nachkriegszeit fordert technische Neuerungen

Wanderkino aus der DDR – Carl Zeiss Jena, TK35.

Mit der wirtschaftlichen Erholung nach dem 2. Weltkrieg steigen auch die Ansprüche des Publikums. Die Vorführkabinen werden mit 2 Projektoren zum unterbrechungsfreien Genuss des Filmes ausgestattet (zuvor gab es häufig Pausen mitten im Film). Mitte der 1950er werden Breitwand und Cinemascope eingeführt. Für große Leinwände, wie man sie z. B. bei Autokinos braucht werden Filme auch in 70 mm Breite produziert und der Ton wird als Stereoton, später als Dolby-Surround-Ton aufgenommen und wiedergegeben. All diese Entwicklungen lassen sich im kinOptikum anhand zahlreicher Exponate nachvollziehen. Der einzige bedeutendere österreichische Hersteller war „Friedl-Chaloupka“, den wir gleich mit mehreren Exponaten würdigen. Ergänzend sind z. B. die originalen Werkstattzeichnungen zu sehen, anhand derer diese Projektoren hergestellt wurden.

Das digitale Zeitalter

Der letzte Schritt in der technischen Entwicklung ist die Digitalisierung des Kinos. Was zuerst nur bei der Produktion eines Filmes (z. B. Computeranimationen bei Actionszenen) eingesetzt wurde, wird nun zunehmend auch für die Wiedergabe im Kino angewandt. Innerhalb weniger Jahre werden wir die Ablösung des heute noch üblichen 35-mm-Films durch Bits und Bytes erleben. Das vorhandene „Minikino“ arbeitet bereits mit dieser Technik. Hier kann der Besucher einen Film seiner Wahl sehen.

Schmalfilm und Video

Schmalfilmsammlung im kinOptikum.

Parallel dazu wird die Entwicklung im Bereich Schmalfilm und Video dargestellt. Besonders Eumig und Ditmar, die beiden österreichischen Hersteller liegen uns dabei am Herzen.

Sonderausstellungen

Kohlebogenlampe – lange Jahre die Lichtquelle für Kinoprojektoren.

In der Sonderausstellung „Kohle und Licht“ erfährt man, wie die Kohle lange Zeit hindurch die Lichtquelle für Kinoprojektoren war. Gleichzeitig ist dokumentarisches Filmmaterial zum Bergbau im Hausruck zu sehen.

Der rasende Müller, der Gaspoltshofener Gerold Klinger war nicht nur von 1956 bis 1958 3-facher österreichischer Staatsmeister in der Klasse bis 500ccm, sondern auch Europas bester Privatfahrer „Gerold Klinger und seine BMW“ zeigt uns seine Motorräder – selbstverständlich gibt es dazu den passenden Film im Minikino zu sehen.

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