Kongresspolen


Kongresspolen
Królestwo Polskie (pl.)

Царство Польское (ru)
Königreich Polen

Flagge_Polens
Wappen_Polens
Flagge Wappen
Amtssprache Russisch (bis 1863 auch Polnisch)
Hauptstadt Warschau
Staatsform Konstitutionelle Monarchie; Protektorat des Russischen Reiches
Staatsoberhaupt Zar von Russland als König von Polen
Regierungschef Statthalter des Königreichs (bis 1874)
Fläche 127.000 [1] km²
Einwohnerzahl 3.300.000 (1831)
Bevölkerungsdichte 25,7 Einwohner pro km²
Währung Złoty (bis 1850)
Rubel (ab 1850)
Gründung 9. Juni 1815
Karte kongresspolen.png

Kongresspolen bezeichnet das 1815 auf dem Wiener Kongress (daher der Name) geschaffene, vom russischen Zaren in Personalunion regierte konstitutionelle Königreich Polen, das bis zum polnischen Novemberaufstand 1830, in dem der Zar vom Parlament (Sejm) als polnischer König abgesetzt wurde, bestand.

Nachdem die Russen ihre Macht 1831 wieder hergestellt hatten, wurden der eigenständige polnische Königstitel, die Verfassung und andere Institutionen inklusive Polnisch als Amtssprache abgeschafft, somit das vom Kongress beschlossene politische Konstrukt Königreich Polen (Kongresspolen) aufgelöst. Das Land wurde direkt in das Russische Reich eingegliedert. Nach dem polnischen Januaraufstand von 1863 wurde 1867 auch die Bezeichnung Polen offiziell durch Priwislinski Kraj (Weichselland oder Weichselgebiet) ersetzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Im früheren Königreich Polen bzw. in der polnisch-litauischen Adelsrepublik Rzeczpospolita (ab 1569) gab es im Gegensatz zu den meisten europäischen Monarchien kein dominierendes Herrschergeschlecht mit starker Hausmacht. Die polnischen Magnaten waren untereinander zerstritten, ab 1697 bekämpften sich jahrzehntelang die Parteien des sächsischen Kurfürsten August II. der Starke und von Stanislaus I. Leszczyński, wobei Polen Anfang des 18. Jahrhunderts bereits weitgehend unter russischer Kontrolle war. Nachdem Kurfürst August III. der Sachse ab 1733 bis zu seinem Tode 1763 auch als König von Polen und Großfürst von Litauen fungierte, saß danach mit Stanislaus II. August Poniatowski ein Günstling der russischen Zarin auf dem Thron. Er musste jedoch starken ausländischen Einfluss und ab 1772 durch die drei Teilungen Polens große Gebietsverluste an die benachbarten Mächte Preußen, Österreich und Russland hinnehmen. Bei der dritten Teilung wurde Polen endgültig von der Landkarte getilgt, das Kerngebiet um Warschau kam zum bereits 1793 entstandenen Südpreußen. Napoléon Bonaparte zog 1807 die Grenzen neu. Das vom französischen Kaiser geschaffene Herzogtum Warschau unter Herzog Friedrich August I. (Sachsen) hatte bis zu dessen Niederlage 1813 Bestand. Dabei hatten die Armeen Russlands und Preußens die Kontrolle über das ehemalige Polen bzw. das Herzogtum erlangt. Die Verbündeten in Napoleons Grande Armée beim Russlandfeldzug 1812, insbesondere die Polen, die das größte nichtfranzösische Kontingent stellten, fanden sich auf der Verliererseite wieder.

Kongresspolen

Der Wiener Kongress restaurierte 1815 auch die ehemalige polnische (Wahl-)Monarchie, jedoch den Machtverhältnissen entsprechend unter russischer Kontrolle, denn Zar Alexander I. wurde in Personalunion auch König von Polen. Sein Bruder, der Zarewitsch Konstantin, war zwar nicht offiziell Vizekönig, hatte aber als Militärgouverneur und General der polnischen Truppen eine starke Machtstellung. Er heiratet 1820 eine polnische Gräfin und verzichtete 1825 auf den Zarenthron. Konstantins Rohheit und militärische Strenge waren nicht geeignet, die Polen für ihn und die russische Herrschaft einzunehmen.

Das zugehörige Reich bestand aus dem Großteil des Herzogtums Warschau, jedoch ohne das Großherzogtum Posen (zu Preußen) und die Freie Stadt Krakau.

Abgesehen vom Staatsoberhaupt sollte der Staat wieder ein polnischer sein, mit der Verfassung von 1791. Der Sejm sollte die Gesetze erlassen, die unabhängige Armee, Währung, Staatshaushalt, Strafgesetzbuch usw. eigenständig und durch eine Zollgrenze vom eigentlichen Zarenreich getrennt sein. De facto behielten jedoch der Zar und dessen Armee die Macht, sie wurde nicht den Polen übergeben, sondern an den russischen Vizekönig und den zaristischen Geheimdienst. Die Beschlüsse des Kongresses wurden bald ignoriert. 1819 wurde die Pressefreiheit abgeschafft und die Zensur eingeführt, 1821 die Freimaurerei verboten, das Parlament tagte ab 1825 nicht mehr öffentlich, ein Verwaltungsrat hatte die Kontrolle.

Übergang zur Weichselprovinz

Im polnischen Novemberaufstand von 1830 wurde Zar Nikolaus I. vom Parlament als König abgesetzt. Sein Bruder Konstantin wurde am 29. November 1830 durch eine bewaffnete Schar in seiner Wohnung überfallen, doch er rettete sich. Nikolaus konnte jedoch 1831 die Macht mit Hilfe der Truppen von Iwan Fjodorowitsch Paskewitsch wieder erringen. Nach dem Fall Warschaus am 7. September erhob der Zar Paskewitsch zum Fürsten von Warschau, setzte die Verfassung außer Kraft, und auch die polnische Armee, der Sejm und die kommunale Selbstverwaltung wurden aufgelöst. Damit waren die Beschlüsse des Kongresses endgültig gegenstandslos, das Königreich bzw. „Kongresspolen“ somit abgeschafft. Was blieb, war u. a. der Titel Vizekönig (Namestnik) für den Statthalter von Polen, Paskewitsch, der mit der Russifizierung des Landes begann.

Der polnische Januaraufstand von 1863 brachte eine weitere Zäsur. Mit den Reformen von 1867, bei denen auch die letzten Überreste von Kongresspolen wie das Wappen und die Bezeichnung Vizekönig abgeschafft wurden, wurde das nun in 10 Gouvernements aufgeteilte Gebiet als Weichselland (russisch Привислинский Край, Priwislinski Krai; poln. Kraj Przywiślański) ins Zarenreich integriert.

Könige von Polen

Zar Nikolaus wurde im Novemberaufstand von 1830 als König abgesetzt, er stellte 1831 seine Macht wieder her, verzichte jedoch auf Wiedereinsetzung als König.

Vizekönige

Der Titel Vizekönig wurde ersetzt durch Generalgouverneur von Warschau.

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens. Stuttgart: Reclam 2003 (Quelle)
  • Roman Dmowski: Deutschland, Rußland und die polnische Frage (Auszüge). In: Polen und der Osten. Texte zu einem spannungsreichen Verhältnis. Hrg. Andrzej Chwalba, ISBN 3-518-41731-2 (Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek. Band 7)
  • Hensel, Jürgen (Hg.): Polen, Deutsche und Juden in Lodz 1820 - 1939. Eine schwierige Nachbarschaft, Osnabrück: fibre Verlag 1999

Einzelnachweise

  1. Norman Davies: God's Playground. Band 2: 1795 to the present. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-925340-4, S. 225. Vorschau bei Google Books

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