Max-Planck-Institut für Chemie

Max-Planck-Institut für Chemie
Max-Planck-Institut für Chemie
(Otto-Hahn-Institut)
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Max-Planck-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Mainz
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Naturwissenschaften
Fachgebiete: Atmosphärenchemie, Biogeochemie, Geochemie, Kosmochemie
Grundfinanzierung: Bund (50%), Länder (50%)
Leitung: Jos Lelieveld (Geschäftsführender Direktor)
Mitarbeiter: ca. 266
Homepage: www.mpic.de

Das Max-Planck-Institut für Chemie (MPI C), auch Otto-Hahn-Institut, ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung unter der Trägerschaft der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und hat seinen Sitz in Mainz. Das Institut betreibt in erster Linie Grundlagenforschung im Fach der Naturwissenschaften auf den Gebieten Atmosphärenchemie, Biogeochemie, Partikelchemie und Paläoklimaforschung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Geschichte des Instituts geht zurück auf das im Jahre 1912 in Berlin-Dahlem gegründete „Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie“. Die Teamarbeit von Otto Hahn (1879-1968), Lise Meitner (1878-1968) und Fritz Straßmann (1902-1980) führte dort im Dezember 1938 zur Entdeckung der Kernspaltung. Otto Hahn war Direktor des Instituts von 1928 bis 1946. Er erhielt den Nobelpreis für Chemie des Jahres 1944.

Das Institutsgebäude wurde 1944 durch Bomben schwer beschädigt. Nach einer provisorischen Übersiedlung nach Tailfingen erfolgte 1949 der Umzug nach Mainz auf das Gelände der Johannes Gutenberg-Universität und die Integration in die Max-Planck-Gesellschaft als Max-Planck-Institut für Chemie.

Seit 1959 trägt das Institut zusätzlich den Namen „Otto-Hahn-Institut“.

Um sich den verändernden wissenschaftlichen Erfordernissen anzupassen, haben sich die Forschungsschwerpunkte des Instituts im Laufe seiner Geschichte mehrfach gewandelt. Wurde in den Anfangsjahren die klassische Chemie betrieben, so wandte sich das Interesse später vor allem der Radiochemie, Kosmochemie, Kernphysik und Massenspektrometrie zu. Heute widmet sich das Institut dem Verständnis der Entstehung, Entwicklung und Zukunft unseres Planeten und seiner Nachbarn.

Nobelpreisträger des Instituts

Der Nobelpreis für Chemie wurde an drei Wissenschaftliche Mitglieder des KWI/MPI für Chemie verliehen:

  • Richard Willstätter, Direktor 1912 bis 1915, Nobelpreis für Chemie 1915 für Forschungen über Pflanzenfarbstoffe, insbesondere Chlorophyll;
  • Otto Hahn, Direktor der Abteilung Radiochemie 1912 bis 1948, Nobelpreis für Chemie 1944 für die Entdeckung der Kernspaltung;
  • Paul J. Crutzen, Direktor der Abteilung Luftchemie 1980-2000, Nobelpreis für Chemie 1995 für die Untersuchungen zur Bildung und Zerstörung des Ozons in der Atmosphäre.

Forschung

Das Institut ist international anerkannt in den Geowissenschaften, insbesondere auf dem Gebiet der Chemie des Systems Erde. Es betreibt nicht nur Grundlagenforschung, es fördert zudem Wissen und Methoden, die für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und zum Schutz der Umwelt notwendig sind.

Hierbei wird die Erde und ihr Umfeld in unterschiedlichen Größenbereichen, von Ökosystemen bis zum Sonnensystem, von Nanopartikeln bis Supernovae erforscht. Beobachtungen von Naturphänomenen im Rahmen von Feldstudien führen zu neuen wissenschaftlichen Fragestellungen. Die Feldstudien werden durch Laboruntersuchungen unter kontrollierten Bedingungen ergänzt, und die Wechselwirkungen und Rückkopplungsmechanismen durch numerische Modellrechnungen simuliert.

Die Abteilungen und Fachgebiete des Instituts:

  • Chemie der Atmosphäre
    Diese Abteilung untersucht chemische Reaktionen und globale Spurenstoffkreisläufe von Ozon und anderen reaktiven Spurengasen in der Atmosphäre. Diese Prozesse werden durch Experimente im Labor sowie Messungen in der Atmosphäre von Bodenstationen, Schiffen, Flugzeugen sowie Satelliten aus untersucht. Diese Feldmessungen werden unterstützt und analysiert mithilfe von Computermodellen zur Simulation meteorologischer und chemischer Wechselwirkungen sowie deren Einfluss auf das Klima.
  • Partikelchemie
    Die Abteilung Partikelchemie ist eine gemeinsame Einrichtung des MPI für Chemie und der Universität Mainz. Untersucht werden physikalische Eigenschaften und chemische Zusammensetzung atmosphärischer Aerosol- und Wolkenpartikel. Hierzu werden Laborexperimente, Messungen an Boden- und Bergstationen und auf mobilen Messträgern (z.B. Flugzeugen) durchgeführt, sowie Methoden entwickelt zur Erfassung des Aerosols durch Massenspektrometrie.
  • Die Abteilung Geochemie wurde 2010 geschlossen und die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen in die Abteilung Biogeochemie integriert. In den Arbeitsgruppen werden die chemische Beschaffenheit und die zeitliche Entwicklung von Kruste, Mantel und Kern unserer Erde und anderer Körper des inneren Sonnensystems erforscht. Mithilfe sehr genauer Messungen von Isotopenhäufigkeiten der natürlichen radioaktiven Zerfallssysteme (wie z.B. Uran-Blei) sowie von Spurenelementhäufigkeiten in Gesteinen und Mineralen werden neue Erkenntnisse über geologische Prozesse, wie die Bildung von Vulkaninseln oder die Entwicklung der Weltmeere, gewonnen.

In enger Zusammenarbeit mit der Universität Mainz beteiligt sich das Institut auch an der wissenschaftlichen Ausbildung, insbesondere mit der „International Max Planck Research School“ und durch Lehrtätigkeit an der Universität.

Infrastruktur

Das Direktorenkollegium besteht aus Meinrat O. Andreae, Stephan Borrmann und Johannes Lelieveld.

Anfang 2011 waren insgesamt 266 Mitarbeiter am Institut tätig, darunter 66 Wissenschaftler und 89 Nachwuchswissenschaftler. Hinzu kommen 3 Gastwissenschaftler.In 2010 beschäftigte das Institut 12 Auszubildende im Bereich Feinwerkmechanik und Elektronik.

Weblinks


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