Michael Praetorius


Michael Praetorius
Michaël Prætorius 1606
Hinweistafel vor dem Grundstück des am 24. September 1634 durch Brand zerstörten Geburtshauses von Praetorius in Creuzburg
Praetorius-Schule in Creuzburg

Michael Praetorius, eigentlich Michael Schultheiß (* 15. Februar 1571[1] in Creuzburg bei Eisenach; † 15. Februar 1621 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister und Gelehrter im Übergang von der Renaissance- zur Barockzeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Praetorius war ein Sohn des lutherischen Pfarrers Michael Schulteis, eines Schülers von Johann Walter. Nach Schuljahren in Torgau und Zerbst begann er in Frankfurt (Oder) unter der Obhut seiner beiden älteren Brüder, die hier Pfarrstellen innehatten, ein Studium der Theologie und Philosophie. Ohne bis dahin geregelten Musikunterricht gehabt zu haben, übernahm er 1587 das Organistenamt an der dortigen Marienkirche. 1589 dürfte er diese Stelle jedoch aufgegeben haben; seit 1592/93 befand er sich nach eigenem Zeugnis in Wolfenbüttel, wo er bald darauf in den Dienst des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel trat. Er wurde Mitglied von dessen Hofkapelle, zunächst als Organist, seit 1604 als Kapellmeister. Die Entstehung seiner ersten Kompositionen fällt in die Zeit um 1602/03. Ihre Veröffentlichung spiegelt in erster Linie die Musikpflege am Hof zu Gröningen, enthält aber auch Kompositionen, die Praetorius 1603 während des Reichstags in Regensburg aufgeführt hatte. Schon die Motetten dieser Sammlung zeigten ihn als einen Komponisten, der als einer der ersten in Deutschland von den in der neueren italienischen Musik entwickelten aufführungspraktischen Möglichkeiten Gebrauch machte.1603 heiratet Praetorius Anna Lakemacher, die einem alten Halberstädter Ratsgeschlecht entstammte.[2]

Gegenüber diesen erstaunlich „modernen“ Stücken schließen sich die Werke der mittleren Schaffenszeit, die neun Teile der „Musae Sioniae“ (1605–10) sowie die 1611 veröffentlichten Sammlungen liturgischer Gebrauchsmusik (unter anderem Messen, Hymnen, Magnificatsätze), eng an die deutsche Tradition der protestantischen Choralbearbeitung an. Mit ihnen folgte Praetorius der Aufforderung eines Kreises orthodoxer Lutheraner um die Herzogin Elisabeth, der in der Abwesenheit des Herzogs das Regiment im Herzogtum innehatte. Anstelle von Hofmusik erwartete man von Praetorius nun in erster Linie Musik für den allgemeinen Gebrauch in Kirchen und Schulen.

Als der Herzog 1613 starb, blieb Praetorius zwar nominell im Dienst von dessen Nachfolger, Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, war aber bereits während des Trauerjahres am Hof des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen in Dresden tätig und trat danach als Leiter von Festmusiken großen Stils unter anderem in Naumburg, Halle, Braunschweig, Halberstadt, Kassel und Darmstadt in Erscheinung. Die für Solosänger, Chor und Instrumente besetzten Kompositionen, die er für diese Anlässe schuf, bilden den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Praetorius der bedeutendste Anwalt des aus Italien kommenden konzertierenden Stils in Deutschland. Dem Dresdner Hof, an dem seit 1615 auch Heinrich Schütz wirkte, blieb er als „Kapellmeister von Haus aus“ bis zu seinem Tod verbunden.

Nachwelt

Der Nachwelt ist Praetorius vor allem als Musikschriftsteller und Theoretiker in Erinnerung geblieben. Sein Syntagma Musicum (drei Teile zwischen 1615 und 1619) ist eine der wichtigsten Quellen für die Musik der Epochenwende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Es enthält in seinem lateinischen ersten Teil eine theologisch-politische Grundlegung und Rechtfertigung der Musik. Die beiden folgenden Teile sind – zum größten Teil in deutscher Sprache – der musikalischen Praxis gewidmet: der Beschreibung alter und neuer Instrumente (De Organographia) und der Erläuterung von Problemen der musikalischen Terminologie sowie der Kompositions- und Aufführungspraxis seiner Zeit.

Wegen seiner Verdienste wurde der Musikpreis des Landes Niedersachsen nach Michael Praetorius benannt.

Werke

Titelblatt zu Musae Sioniae Ander Theil, Jena 1607
Briefmarke mit Stimmgabel vor dem Notentext des Liedes In dulci jubilo aus Praetorius' Sammelwerk Musae Sioniae

Er hinterließ eine große Zahl wertvoller Kirchenkompositionen (Messen, Motetten, Hymnen, Kirchenlieder etc.), aber auch weltliche Tänze sowie musikwissenschaftliche Schriften. Sein bedeutendstes Werk, das Syntagma musicum (Bd. 1, Wittenberg/ Wolfenbüttel 1615; Bd. 2 u. 3, Wolfenbüttel 1619; Ndr. Kassel 1958–59) gilt heute als wichtigste Quelle zur Aufführungspraxis der deutschen Musik des Frühbarocks. Die dreibändige Abhandlung beschreibt detailliert die zeitgenössische musikalische Praxis und alle damals gebräuchlichen Musikinstrumente.

In seinem 1244 Liedbearbeitungen umfassenden Sammelwerk Musae Sioniae gab er seit 1605 das musikalische Erbe der Reformation an seine Zeit weiter. Die moderne Gesamtausgabe seiner Kompositionen umfasst 20 Bände nebst Registerband.

Seine beliebte Sammlung weltlicher Tänze hat Praetorius unter dem Titel Terpsichore veröffentlicht, dem Namen der griechischen Muse des Tanzes. Einem breiten Publikum ist Michael Praetorius vor allem durch seinen vierstimmigen Satz des Weihnachtsliedes Es ist ein Ros entsprungen bekannt.

Im heutigen Evangelischen Gesangbuch stehen folgende seiner Werke:

  • Satz zu Den die Hirten lobeten sehre (Quem pastores laudavere) (EG 29)
  • Satz zu Es ist ein Ros entsprungen (EG 30)
  • Satz zu Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69)
  • Text zu Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 121)
  • Kanon Jubilate Deo (EG 181.7)
  • Melodie zu Mein Seel, o Herr, muß loben dich (EG 308)
  • Melodie zu O gläubig Herz, gebenedei (EG 318)
  • Melodie zu Mein erst Gefühl sei Preis und Dank (EG 451)

Weitere Informationen

Siehe auch

Literatur

  • Lars Ulrich Abraham: Der Generalbass im Schaffen des Michael Praetorius. Berlin 1961.
  • Robert Eitner: Praetorius, Michael. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 26, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 530–533.
  • Wilibald Gurlitt: Michael Praetorius. Leipzig 1915.
  • Arno Forchert: Das Spätwerk des Michael Praetorius. Berlin 1959.
  • Claus-Eduard Hecker: Praetorius, Michael. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent et al. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon: 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, S. 564 f.
  • Bernhold Schmid: Praetorius (eigtl. Schultheiss, Schultze), Michael. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, S. 668–670.
  • Siegfried Vogelsänger: Michael Praetorius – Diener vieler Herren. Alano, Aachen 1991, ISBN 3-89399-122-0.
  • Siegfried Vogelsänger: Michael Praetorius – Hofkapellmeister und Komponist zwischen Renaissance und Barock. Möseler, Wolfenbüttel 2008, ISBN 978-3-7877-3043-8.
  • Die kleine Enzyklopädie. Encyclios, Zürich 1950, Band 2, S. 395

Einzelnachweise

  1. Praetorius' Geburtsjahr geht, entgegen anderen Angaben, aus dem Druck der Leichenpredigt hervor und wird gestützt durch ein Porträt aus dem Jahr 1606 mit der Unterschrift „Ao. aetat. XXXV.“
  2. http://www.bautz.de/

Weblinks

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