Miguel de Cervantes

Miguel de Cervantes
Miguel de Cervantes Saavedra

Miguel de Cervantes Saavedra [miˈɣel ðe θeɾˈβantes sa.aˈβeðɾa] (* vermutlich 29. September 1547 in Alcalá de Henares, getauft am 9. Oktober 1547 in Alcalá de Henares[1]; † 23. April 1616 in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller. Der Autor des Don Quijote gilt als Spaniens Nationaldichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Cervantes-Skulptur in Madrid (Teil des Cervantes-Denkmals)

Miguel de Cervantes Saavedra wurde als viertes von sieben Kindern einer verarmten adeligen Familie in Alcalá de Henares geboren.

Seine Eltern waren Rodrigo de Cervantes, ein erfolgloser Chirurg, und Leonor de Cortinas. Der junge Cervantes studierte Theologie an den Universitäten von Salamanca und Madrid.

Miguel de Cervantes führte ein sehr abenteuerliches Leben. Nach Studien bei dem Humanisten Juan López de Hoyos zog er 1569 auf der Flucht vor der spanischen Justiz zunächst nach Rom. Dort trat er als Kammerdiener in die Dienste von Kardinal Giulio Acquaviva ein. Noch im gleichen Jahr ging er in eine in Neapel stationierte Einheit der spanischen Marine. Als Mitglied der Infantería de Marina nahm er 1571 an der Schlacht von Lepanto teil, in der Juan de Austria gegen die Türken kämpfte. Er erhielt drei Schusswunden, zwei in der Brust, eine in der linken Hand, die dauerhaft entstellt blieb, wodurch er den Beinamen el manco de Lepanto (der Einhändige von Lepanto) bekam. In einer Anspielung auf seinen Erfolg mit dem Don Quijote schrieb er später in der Geschichte „Viaje de Parnaso", er hätte „die Fähigkeit, seine linke Hand zu bewegen, zum Ruhme seiner rechten verloren".[2]

Flucht und Gefangenschaft

Nach weiteren Jahren in der spanischen Marine wurde Cervantes im Juni 1575 von algerischen Korsaren gefangen genommen und als Sklave nach Algier verschleppt. Erst nach fünf Jahren und drei erfolglosen Fluchtversuchen konnte er 1580 durch den Trinitarier-Orden freigekauft werden und kehrte am 19. September nach Spanien zurück. 1580-82 nahm er wiederum als Soldat an den Kriegszügen Spaniens nach Portugal und auf die Azoren teil.

Ehemann und Schriftsteller

Titelblatt des Don Quixote', 1605

In seinem ersten, ohne Beachtung gebliebenen Theaterstück Los tratos de Argel verarbeitete er seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft. Er war hoch verschuldet und versuchte schließlich, sich als Schriftsteller zu etablieren und so etwas Geld zu verdienen. 1584 erschien sein erster Roman La primera parte de la Galatea (die erste Übersetzung ins Deutsche erfolgte unter dem Titel Der Galatea Erster Teil durch Felix Schnurrmann bereits 1588). Im gleichen Jahr heiratete er die 18 Jahre jüngere Catalina de Salazar y Palacios, Tochter eines wohlhabenden Bauern. Diese Verbindung blieb kinderlos, doch hatte er aus einer Affäre mit der Schauspielerin Ana Franca de Rojas eine Tochter, Isabel de Saavedra. Ende der 80er Jahre trennte er sich von seiner Frau. Er arbeitete unter anderem als Steuereintreiber und verbrachte wegen Veruntreuung von Staatsgeldern 1597/98 und noch einmal 1602 einige Zeit im Gefängnis.

Dort begann er mit der Arbeit an seinem bedeutendsten Werk El ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha (Der sinnreiche Junker Don Quijote von La Mancha), dessen erster Teil 1605 erschien. Den zweiten Teil veröffentlichte er 1615. Zwischen den beiden Teilen entstanden 1613 Cervantes' Novelas ejemplares, die im Deutschen mit Exemplarische Novellen übersetzt werden. Don Quijote brachte ihm zwar den ersehnten Erfolg, doch verlor er das dadurch gewonnene Geld wieder und starb 1616 verarmt in Madrid.

Werk

Don Quijote

Siehe Hauptartikel: Don Quijote

Novelas ejemplares

Titelblatt der Novelas ejemplares, 1613

1613 wurden die Novelas ejemplares veröffentlicht. Es handelt sich um eine Sammlung von zwölf Novellen. Die Sammlung wurde zum großen Erfolg und erfuhr seit ihrer Erstveröffentlichung unzählige Editionen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Cervantes sieht sich als erster, der die Gattung der Novelle in der spanischen Literatur anwendet. In seinem Vorwort unterstreicht er, dass im Unterschied zu seinen Novellen die übrigen in Spanien verbreiteten 'Novelas' nur Übersetzungen und Nachahmungen ausländischer Vorlagen seien. Die Exemplarität seiner Novellen ist in zweierlei Hinsicht gegeben. Zum einen besteht sie in der Vorbildhaftigkeit im moralischen Sinne und zum anderen kann eine Vorbildhaftigkeit in Bezug auf die literarische Form angenommen werden. Allerdings betont Cervantes in seinem Vorwort, dass es ihm weniger darum gehe, eine bestimmte Moral zu predigen, als dem Leser seine unausgefüllten Stunden interessant zu gestalten. Unterhaltung und moralische Unterweisung finden in den Exemplarischen Novellen zugleich ihren Ausdruck. In der Literatur werden die 12 Novellen häufig in zwei Gruppen eingeteilt:

  1. die idealistischen Novellen
  2. die realistischen bzw. satirischen Novellen

Verschiedene Einflüsse werden den Novelas ejemplares zugeordnet. So zum Beispiel des Theaters des Goldenen Zeitalters (insbesondere in der Dialogführung), des humanistischen Dialogs, des Ritter- und Schäferromans, sowie des pikaresken Romans. Der Einfluss seiner italienischen Vorläufer, vor allem des Giovanni Boccaccio, ist jedoch umstritten, auch wenn er in Bezug auf Erzähltechnik und Wirklichkeitsdarstellung von Boccaccio, Bandello und Cinthio lernen konnte.

Werke

Miguel de Cervantes Saavedra (Retratos de Españoles Ilustres, 1791)
  • La primera parte de la Galatea, Schäferroman, Alcalá 1585 (dt. Galathee, Berlin 1787)
  • El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha, Roman, Madrid 1605 und 1615 (dt. Don Kichote de la Mantzscha, Köthen 1621)
  • Novelas ejemplares, Novellenzyklus, Madrid 1613 (dt. Moralische Novellen, Leipzig 1779), darin:
    • La gitanilla (Das Zigeunermädchen)
    • El amante liberal (Der edelmütige Liebhaber)
    • Rinconete y Cortadillo (Rinconete und Cortadillo, steht in der Tradition des Schelmenromans)
    • La española inglesa (Die englische Spanierin)
    • El licenciado Vidriera (Der Lizenziat Vidriera)
    • La fuerza de la sangre (Die Macht des Blutes)
    • El celoso extremeño (Der Eifersüchtige von Extremadura)
    • La ilustra fregona (Die erlauchte Scheuermagd)
    • Las dos doncellas (Die beiden Nebenbuhlerinnen)
    • La señora Cornelia (Das Fräulein Cornelia)
    • El casamiento engañoso (Die trügerische Heirat)
    • Coloquio de los perros (Zwiegespräch der Hunde)
  • Viaje al Parnaso, Episches Gedicht, Madrid 1614 (dt. Die Reise zum Parnaß, Stuttgart 1968)
  • Ocho comedias y ocho entremeses nuevos, nunca representados, Sechzehn Bühnenwerke, Madrid 1615 (dt. Zwischenspiele, Frankfurt am Main 1845; Acht Schauspiele und acht Zwischenspiele, alle neu und nie aufgeführt, Stuttgart 1970), darin:
    • El gallardo español (Der schneidige Spanier), Komödie
    • La casa de los zelos y selvas de Ardenia (Das Haus der Eifersucht und die Wälder von Ardenia), Komödie
    • Los baños de Argel (Die Gefängnisse von Algier)
    • El rufián dichoso (Der glückhafte Zuhälter)
    • La gran sultana Doña Catalina de Oviedo (Die Großsultanin Katharina von Oviedo)
    • El laberinto de amor (Das Liebeslabyrinth)
    • La entretenida (Das ausgelassene Frauenzimmer)
    • Pedro de Urdemalas (Peter Tunichtgut), Verskomödie in drei Akten
    • El juez de los divorcios (Der Scheidungsrichter)
    • El rufián viudo, llamado Trampagos (Der verwitwete Gauner)
    • La elección de los alcaldes de Daganzo (Die Richterwahl von Daganzo)
    • La guarda cuydadosa (Der wachsame Posten)
    • El vizcayno fingido (Der falsche Biskayer)
    • El retablo de las maravillas (Das Wundertheater)
    • La cueva de Salamanca (Die Höhle von Salamanca), dramatisches Zwischenspiel
    • El viejo zeloso (Der eifersüchtige Alte)
  • Los trabajos de Persiles y Sigismunda, Roman, Madrid 1617 (dt. Persilus und Sigismunda, Ludwigsburg 1746)
  • El cerco de Numancia, Verstragödie in vier Akten, Madrid 1784 (dt. Numantia, Stuttgart 1968)

Rezeption und Ehrungen

Cervantes-Denkmal in Madrid

Nach Cervantes wurde das Kulturinstitut Instituto Cervantes sowie der Cervantespreis, der wichtigste Literaturpreis der spanischsprechenden Welt, benannt. Auch mehrere Theater tragen seinen Namen.

Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen der spanischen Euromünzen tragen eine Cervantes-Abbildung.

Literatur

Die internationale Cervantes-Literatur ist kaum überschaubar, eine Bibliographie von Einzeldarstellungen sprengt den Rahmen eines Enzyklopädieartikels. Daher werden hier nur einige deutschsprachige Biographien zur Einführung sowie die wichtigsten Bibliographien genannt:

Biografien

  • William Byron: Cervantes. Der Dichter des Don Quijote und seine Zeit. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-25630-5
  • Jean Canavaggio: Cervantes. Biographie. Artemis, Zürich und München 1989, ISBN 3-7608-1003-9
  • Anton Dieterich: Miguel de Cervantes. (= Rowohlts Monographien; 324). Rowohlt, Reinbek 1984, ISBN 3-499-50324-7
  • Bruno Frank: Cervantes. Querido, Amsterdam 1934 (historischer Roman, zuletzt bei Ullstein, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-548-22688-4)
  • Stephen Marlowe: Ritter des Zufalls: Tod und Leben des Miguel de Cervantes. Kindler, München 1992. ISBN 3-463-40177-0
  • Christoph Strosetzki: Miguel de Cervantes. Epoche - Werk - Wirkung. C.H. Beck, 1991 ISBN 3-406-35077-1

Bibliografien

  • Leopoldo Ríus: Bibliografía crítica de las obras de Miguel de Cervantes Saavedra. 3 Bände. Murillo, Madrid 1895–1904 (Nachdruck: Burt Franklin, New York 1970)
  • Raymond Leonard Grismer: Cervantes. A Bibliography. Books, essays, articles and other studies on the life of Cervantes, his works, and his imitators. 2 Bände. Wilson, New York 1946 und Burgess-Beckwith, Minneapolis 1963 (Nachdruck: Kraus, New York 1970–1980)
  • José Simón Díaz: Bibliografía de la literatura hispánica. Band 8. Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Madrid 1970, S. 3–442
  • A. Sánchez: Bibliografía cervantina, in: Anales Cervantinos, Bd. 21, 1983, S. 225–281 und Bd. 22, 1984, S. 239–293
  • Krzysztof Sliwa: Documentos Cervantinos. Nueva recopilación. Lista e índices. Lang, New York u. a. 2000, ISBN 0-8204-4465-0 (über den Nachlass)

Einzelnachweise

  1. Cf. Brockhaus Enzyklopädie, Vierter Band, BRO-COS, Mannheim: F.A. Brockhaus, 1987, S. 391, und cf. Encyclopaedia Britannica, Volume 3, Ceara-Deluc, Fifteenth edition, Chicago: Encyclopaedia Britannica, Inc., 2007. S. 41.
  2. "Miguel de Cervantes: Der Einhändige von Lepanto ", Historio im Oktober 2011

Weblinks

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 Wikisource: Miguel de Cervantes – Quellen und Volltexte

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