Miraa


Miraa
Kathstrauch
Kathstrauch (Catha edulis)

Kathstrauch (Catha edulis)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Spindelbaumartige (Celastrales)
Familie: Spindelbaumgewächse (Celastraceae)
Gattung: Catha
Art: Kathstrauch
Wissenschaftlicher Name
Catha edulis
(Vahl) Forssk. ex Endl.

Der Kathstrauch (Catha edulis), auch Abessinischer Tee genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae). Er wird hauptsächlich in Kenia, Oman, Jemen und Äthiopien angebaut.

Die Pflanze wird als bis zu 5 Meter hoher Strauch angebaut, kann bis 20 Meter hoch wachsen und hat ungeteilte, gezähnte Blätter.

Inhaltsverzeichnis

Verwendung

Kath, auch Kat, Qat, Khat, Qad (ar. ‏قات‎, DMG qāt), Gat, Chat oder Miraa, ist eine Alltagsdroge im Jemen sowie in Äthiopien, in Somalia, im Norden Kenias und in Dschibuti. Es handelt sich dabei um die Zweigspitzen und jungen Blätter des Kathstrauchs, die als leichtes Rauschmittel konsumiert werden. Von ihrer anregenden Wirkung her sind sie vergleichbar mit Tee oder Kaffee.

Mann mit Kath in Burao, Somaliland/Somalia

Die Kathblätter werden einzeln vom Strauch gezupft, im Mund zu Bällchen gepresst und in die Backentasche geschoben. Im Verlauf des Tages können diese Bällchen leicht bis zur Größe eines Tennisballs anwachsen; dabei werden sie immer wieder neu befeuchtet und ausgesaugt. Hierfür ist es wichtig, beim Kathkauen Wasser oder Süßgetränke zu sich zu nehmen. Beim Kauen der Kathblätter wird hauptsächlich der Wirkstoff Cathin, ein Amphetamin, über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Kath muss schnell nach dem Pflücken konsumiert werden, da er in der Regel innerhalb ein bis drei Tagen vertrocknet und seine Wirkung verliert. Der Anbau ist sehr lukrativ und hat dadurch zum Beispiel im Jemen andere Kulturen wie Kaffee oder Gemüse weitgehend verdrängt. Der Anbau verbraucht hohe Mengen an Wasser.

Wirkung

Die Wirkung ähnelt der anderer Amphetamine, ist jedoch deutlich schwächer. Die stimulierende Wirkung wird durch die verstärkte Ausschüttung von Neurotransmittern erreicht und der Abbau der Transmitter wird unterdrückt. Dadurch stehen für einen begrenzten Zeitraum eine größere Menge der Neurotransmitter bereit, allerdings wird die Nervenzelle hierdurch überreizt und erschöpft. Durch die verstärkte Ausschüttung tritt ein Zustand allgemeinen Wohlgefühls ein, der mit einer angeregt fröhlichen Einstellung einhergeht. Der Wunsch, sich mitzuteilen, wird erhöht, Müdigkeit verschwindet, und das Hungergefühl wird unterdrückt. Hierdurch wird auch die oben beschriebene Gruppenbildung und der gemeinsame Konsum erklärt. Dieser Zustand nimmt etwa nach zwei Stunden ab.

Größere Mengen führen zu Müdigkeit und Benommenheit oder gar einer Vergiftung, die Magenkrämpfe, Erbrechen und sogar einen Kollaps auslösen kann. Der Geschmack der Blätter ist süß und bitter zugleich. Tabakkonsum verstärkt die Wirkung des Kath. Dauerkonsum führt oft zu Schlafstörungen, Impotenz und antisozialem Verhalten. Langjähriger Kathkonsum scheint mit einem erhöhten Risiko von koronaren Herzkrankheiten und Karzinomen der Mundschleimhaut assoziiert zu sein. Während der Schwangerschaft kann Kath zu einer Sauerstoffminderversorgung des Fötus und damit zu einem erhöhten Risiko für Frühgeburten führen. Im Tierversuch mit Ratten löste es aggressives Verhalten aus.

Kath verursacht in der Regel keine physischen Abhängigkeiten, allerdings sind psychische wohl bekannt. Auch deshalb unterliegt das im Kath enthaltene Cathin in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz, wodurch Besitz und Handel von Kath illegal sind. Legal ist Kath in Großbritannien und den Niederlanden. In Dänemark soll Kath laut Polizeiangaben auf dem Schwarzmarkt einen Wert von 60 Euro pro Kilogramm haben.[1]

Wirtschaftliche und gesundheitliche Bedenken

Der Konsum ist in den oben genannten Ländern weithin verbreitet und akzeptiert. Es ist oft zu beobachten, dass das öffentliche Leben gegen Mittag zum Erliegen kommt, und viele Menschen in Gruppen zusammensitzen und beim Kathkauen diskutieren. Im islamischen Recht wird Kath mehrheitlich als verboten (haram) angesehen, so etwa in Saudi-Arabien; in den Ländern, in denen der Genuss verbreitet ist, wird er von der herrschenden Lehre gerechtfertigt.

In einigen Kathgebieten, wie im nördlichen Kenia, war das Kathkauen ursprünglich ein Privileg der gerontokratischen Gesellschaftsschicht oder des Adels. Mit dem Rückgang der Traditionsformen stieg der Kathkonsum unter jüngeren Menschen, was negative Auswirkungen auf Bildung und Einkommensentwicklung zur Folge hat.

Täglicher Konsum kann für ärmere Familien zu einer finanziellen Belastung werden. Im Dezember 2007 erklärte der Präsident Jemens Ali Abdullah Salih, er selbst wolle das Kathkauen aufgeben, um damit den Bewohnern seines Landes mit gutem Beispiel voranzugehen. Im Jemen geben viele Bürger einen Großteil ihres Vermögens für ihre Angewohnheit aus, weshalb sich die Landwirtschaft überwiegend auf den Anbau von Kath verlegt hat.

Der somit entstehende wirtschaftliche Schaden wird teils als sehr hoch eingeschätzt.[2] Täglich gehen Studien zufolge zudem 15 Millionen Arbeitsstunden verloren, wenn die Jemeniten nachmittags Kath kauen, während in der gleichen Zeit ein Arbeitseinsatz möglich ist.[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. abendblatt.de: Bundespolizei stellt bei Flensburg mehr als eine Tonne Khat sicher
  2. Peiner Allgemeine Zeitung: Jemens Präsident Saleh will das Kauen von Kath aufgeben
  3. n-tv.de – Frederik Obermaier: Berauschter Stillstand im Jemen. Arbeitskräfte frönen Kaukraut (18. Juni 2008)

Weblinks


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