Moderne Galerie Heinrich Thannhauser


Moderne Galerie Heinrich Thannhauser

Heinrich Thannhauser (* 16. Februar 1859 in Hürben, heute Ortsteil von Krumbach (Schwaben); † 1934 an der deutsch-schweizerischen Grenze) war ein deutscher Galerist und Kunstsammler. Er war als Kunsthändler einer der wichtigsten Förderer der frühen expressionistischen Kunst in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Die jüdische Familie Thannhauser stammte aus Mönchsdeggingen. Heinrich Thannhauser lernte zunächst den Beruf des Maßschneiders. In seiner Münchener 1904 gegründeten Modernen Galerie stellte Thannhauser zunächst die Kunstwerke französischer Impressionisten wie Édouard Manet, Edgar Degas und Paul Gauguin aus. Später kamen nicht zuletzt die Werke Pablo Picassos (der mit den Thannhausers befreundet war) und Georges Braques hinzu. 1909 trennte sich Thannhauser von seinem Kompagnon Franz Josef Brakl und führte die Galerie unter dem Namen Galerie Thannhauser weiter. Hier fand im selben Jahr die erste Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München statt. 1911 begann die Zusammenarbeit mit der Redaktionsgemeinschaft Der Blaue Reiter. Thannhauser war mit Theo van Goghs Witwe, Johanna van Gogh-Bonger, und deren Sohn Vincent befreundet, wodurch er seinen Bestand mit bedeutenden Werken erweitern kann. 1934 wollte Heinrich Thannhauser vor den Nationalsozialisten in die Schweiz fliehen; an der Grenze erlag er einem Schlaganfall.[1]

Vincent van Gogh: Hügel bei Saint-Rémy aus der Sammlung J.K. Thannhauser

Sein Sohn Justin Thannhauser, der ebenfalls zum erfolgreichen Kunsthändler avancierte, richtete Dependancen in Luzern (1919) und Berlin (1927) ein. Das Stammhaus im Arco-Palais, Theatinerstraße 7 in München wurde 1928 aufgelöst und 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten die Bestände. Justin Thannhauser emigrierte nach Paris, wo er bis 1941 eine Galerie führte, deren Bestand ebenfalls nach Besetzung durch die deutsche Wehrmacht beschlagnahmt wurde. Es gelang ihm, nach New York zu flüchten, wo er ein drittes Mal einen Neuanfang wagte. 1963 stiftete er seine private Sammlung und die seines Vaters dem Guggenheim-Museum, New York, in dem ein nach ihm benannter Raum an ihn erinnert.[2]

Literatur

  • Mario Andreas von Lüttichau: Die Moderne Galerie Heinrich Thannhauser in München, in: Henrike Junge (Hrsg.): Avantgarde und Publikum: Zur Rezeption avantgardistischer Kunst in Deutschland 1905-1933, Köln, Weimar & Wien: Böhlau 1992
  • Thannhauser. Händler, Sammler, Stifter. Hrsg. v. Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e. V. Zadik in Kooperation mit der SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, Nürnberg: Verlag für Moderne Kunst 2006 (Sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels. 11.)
  • Emily D. Bilski: Die „Moderne Galerie“ von Heinrich Thannhauser/The „Moderne Galerie“ of Heinrich Thannhauser. - München: Edition Minerva 2008. (Sammelbilder/Collecting Images. 06.). (Zur gleichnamigen Ausstellung Jüdisches Museum München 30. Januar - 25. Mai 2008)

Einzelnachweise

  1. Norbert Göttler: Der Blaue Reiter, Rowohlt, Reinbek 2008, S. 59
  2. http://www.diss.fu-berlin.de/2003/238/kap3.pdf

Weblinks


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