Montpellier


Montpellier
Montpellier (Montpelhièr)
Wappen von Montpellier
Montpellier (Frankreich)
Montpellier
Region Languedoc-Roussillon (Chef-lieu)
Département Hérault (Präfektur)
Arrondissement Montpellier
Kanton Chef-lieu von 10 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d'agglomération Montpellier Agglomération.
Koordinaten 43° 37′ N, 3° 53′ O43.6111111111113.876666666666746Koordinaten: 43° 37′ N, 3° 53′ O
Höhe 46 m (7–121 m)
Fläche 56,88 km²
Einwohner 252.998 (1. Jan. 2008)
Bevölkerungsdichte 4.448 Einw./km²
Postleitzahl 34000, 34070, 34080, 34090
INSEE-Code
Website www.montpellier.fr

Montpellier [mɔ̃pəˈlje, mɔ̃pɛˈlje] (Okzitanisch Montpelhièr) ist eine der größten Städte an der französischen Mittelmeerküste und gehört zur Région Languedoc-Roussillon. Sie ist deren Hauptstadt sowie Sitz der Préfecture des Départements Hérault. Die Einwohnerzahl beträgt 252.998 (Stand 1. Januar 2008) (1999: 225.392), zusammen mit den Vororten liegt die Einwohnerzahl bei über 400.000.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Montpellier liegt in hügeligem Gebiet, etwa 10 km von der Mittelmeerküste entfernt, am Fluss Lez. Der ursprüngliche Name Monspessulanus leitet sich entweder vom Mont Pelé (nackter Hügel, vegetationsarm), dem Mont de la Colline oder dem Monte Pestelario ab.

Geschichte

Montpellier ist eine der wenigen bedeutenden französischen Städte ohne antiken Hintergrund. Es wurde erstmals am 26. November 986 urkundlich erwähnt, als Graf Bernard de Melgueil (Melgueil entspricht dem heutigen Mauguio) Wilhelm III. Land an der antiken Via Domitia, zwischen den Flüssen Lez und Mosson für seine selbstlosen Verdienste überschrieb. Seine Erben errichteten eine Burg, die ein Schloss und eine Kapelle beherbergte. Durch die hervorragende Lage zwischen Katalonien und Italien an der Via Domitia neben dem Hafen Lattes wurde Montpellier schnell ein Handelszentrum mit Verbindungen über das Mittelmeer, nach Spanien und nach Nordeuropa und entwickelte eine gemischte Bevölkerung aus Juden, Moslems und später auch Protestanten. Es siedelten sich Goldschmiede, Tuchmacher und auch Kaufleute an, und noch heute erkennt man an den Straßennamen im historischem Zentrum, mit welcher Ware dort Handel getrieben wurde. Am 9. November 1202 endete die Dynastie der Herren von Montpellier aus der Familie der Guilhems (auf Deutsch Wilhelm) mit dem Tod von Wilhelm VIII.

Montpellier kam über die Hochzeit von Marie von Montpellier mit Peter II. aus Aragon im Jahre 1204 und deren Tod 1213 in den Besitz der Könige von Aragon. Montpellier erhielt 1204 die Stadtrechte und das Recht, jährlich zwölf regierende Stadträte zu ernennen. Die sehr weiträumigen Privilegien blieben bis zum Tod von Jakob II. erhalten. Im Mittelalter wurde die Via Domitia als Pilgerweg nach Santiago de Compostela benutzt. Die Kirche Notre-Dame-des-Tables in Montpellier war ein bedeutender Halt für die Jakobspilger. Durch den Pilgertourismus und durch die Vertreibung der Juden und Mauren aus Spanien entwickelten sich in Montpellier einige Hospitale und karitative Einrichtungen. 1220 gründete Stadtrat Conrad – Legat des Papstes Honorius III. – die medizinische Schule Montpellier. Ende des dreizehnten Jahrhunderts war der Ruf der Schule schon legendär.

1289 erhielt die medizinische Schule durch Papst Nikolaus IV. den Status einer Universität verliehen. Die Universität wurde von der jüdischen, arabischen und christlichen Kultur gleichermaßen geprägt. Anhänger aller genannten Kulturen studierten dort. Dies war ein geradezu revolutionärer Zustand, dem die Universität ihre enorme Fortschrittlichkeit zu verdanken hatte. Montpellier wurde 1349 durch König Jakob III. von Mallorca an den französischen König Philipp VI. von Frankreich verkauft, um die Kriegskasse im Kampf gegen Peter IV. von Aragón zur Rückeroberung von Mallorca zu füllen. Die Stadt war nach Paris die zweitwichtigste im französischen Königreich. Doch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verlor die Stadt mehr als ein Drittel ihrer Bevölkerung durch Seuchen.

Anfang des 14. Jahrhundert erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung dank ihres Nachbarhafens Lattes und eines kaufmännischen Genies namens Jacques Cœur, Geldgeber des Königs von Frankreich Karl VII.. In dieser wirtschaftlichen Blütezeit leistete sich die medizinische Fakultät einen Pflanzengarten (1593-Jardin des Plantes) den man noch heute besichtigen kann und der der älteste seiner Art in Frankreich ist. Nach weiterem Wachstum zog schließlich 1536 der Bischof von Maguelone in die Nachbargemeinde Montpelliéret, welche später von Montpellier vereinnahmt wurde (siehe Erzbistum Montpellier). Die Kathedrale Saint-Pierre wurde an der Stelle des Klosters Saint-Benoît (gegründet 1364) erbaut. Im 16. Jahrhundert gewannen die Hugenotten immer mehr an Einfluss in der Stadt, bedingt auch durch die Hugenottenkriege, die dazu führten, dass die Hugenotten Frankreichs in den Süden zurückgedrängt wurden. Nach 36 Jahren Krieg brachte das Edikt von Nantes 1598 der Stadt für die nächsten 20 Jahre Frieden.

Ludwig XIII. von Frankreich führte trotz des Ediktes von Nantes Krieg gegen die Hugenotten. Er ließ die Stadt 1622 belagern und eroberte sie nach zwei Monaten. Doch durch den starken Widerstand der Hugenotten vor allem in La Rochelle sowie Montauban erkannte der König schließlich im Frieden von Montpellier am 21. Oktober 1622 das Edikt von Nantes an. Um jeden zukünftigen Widerstand im Keim zu ersticken, ließ Kardinal Richelieu eine gewaltige Zitadelle direkt vor den Toren der Stadt errichten. Montpellier wurde zum Verwaltungszentrum des niederen Languedoc. Im Edikt von Fontainebleau wurde 1685 das Edikt von Nantes widerrufen und die katholische Religion als einzige Staatsreligion festgelegt. Es kam zu einer Massenflucht der Hugenotten aus Frankreich. 1693 wurde der Arc de Triomphe Porte du Peyrou zu Ehren Ludwig XIV. und dessen Sieg über die Hugenotten in Montpellier eingeweiht.

Die Industrialisierung machte im 19. Jahrhundert ein Industriezentrum aus der Stadt und in den 1970ern sorgte die Einwanderung der französischen Algerier („Pieds-noirs“) für ein rasantes Wachstum, siehe Demografie. Der Sozialist Georges Frêche wurde 1977 zum Bürgermeister gewählt. Er begann mit dem Bau des Antigone, einer Sozialbau-Siedlung im römischen Stil in der Stadtmitte. Unter seiner Leitung änderte sich das Stadtbild rapide. Montpellier wandelte sich von einer kleinen südfranzösischen Stadt zu einer Metropole mit starkem internationalen Einfluss. So besitzt es u. a. ein internationales Orchester, ein Zentrum des Modern Dance, das Kongresszentrum Corum sowie ein Messegelände. Ferner finden dort das Festival RadioFrance wie auch das Festival Montpellier Danse statt.

Demografie

Ein fortlaufendes Bevölkerungswachstum…

Im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzeichnete Montpellier ein geringes Bevölkerungswachstum, im Schnitt 0,47 % pro Jahr. Danach steigerte sich das Wachstum explosionsartig auf durchschnittlich 2,2 % pro Jahr zwischen 1954 und 1999 mit einem Rekordwachstum von 5,3 % zwischen 1962 und 1968. Dies waren die Jahre, in denen die „Pieds-noirs“ aus Algerien nach Frankreich geflohen sind. Nach Hochrechnung des INSEE hatte Montpellier im Jahre 2004 244.100 Einwohner. Dadurch wurde Montpellier die achtgrößte Stadt Frankreichs vor Bordeaux. Mit seinem enormen Bevölkerungswachstum belegt Montpellier seit Jahren die vordersten Plätze in Frankreich.

Nach der Volkszählung von 1999 setzt sich die Bevölkerung Montpelliers aus 20,9 % Menschen im Alter von 0–19 Jahren, 60,7 % im Alter von 20–59 Jahren und 18,4 % im Alter von über 60 Jahren zusammen.

Bevölkerungsentwicklung
1806 1820 1876 1901 1911 1921 1936 1946 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2004
33264 35123 55258 75950 80230 81548 90787 93102 97501 118864 161910 191354 197231 207996 225392 244100
- 0,39 %** 0,81 %** 1,28 %** 0,55 %** 0,16 %** 0,72 %** 0,25 %** 0,58 %** 2,51 %** 5,29 %** 2,42 %** 0,43 %** 0,67 %** 0,9 %** 1,61 %**
Anzahl rückläufig seit 1962: Bevölkerung ohne Doppelzählung
* alljährliche Ermittlung (neue Methode der Volkszählung) **Steigerung Pro Jahr bezogen auf die letzte Zählung

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Stadt ist ein Industriezentrum und bekannt für Medizintechnik, Metallverarbeitung, Druckindustrie, Chemikalien, Agrartechnik, Textilien und Weinerzeugung.

Bildung

Das Joffre-Gymnasium im Inneren der Citadelle de Montpellier

Montpellier ist heute neben Paris, Toulouse und Aix-en-Provence eine der größten Studentenstädte Frankreichs. Mit mehr als 60.000 Studenten ist jeder vierte Bewohner der Stadt an einer der zahlreichen Hochschulen eingeschrieben.

Heute gibt es drei Universitäten in Montpellier.

Darüber hinaus gibt es mehrere Grande écoles in Montpellier:

  • École Nationale Supérieure de Chimie, Hochschule für Chemie
  • École Nationale Supérieure d'Agronomie, Hochschule für Agrarwissenschaften
  • École Supérieure de Commerce: Sup de Co, Hochschule für Betriebswirtschaftslehre
  • Institut Protestant de Théologie, Hochschule für evangelische Theologie

Den Status einer unabhängigen Fakultät hat die Faculté de Théologie Protestante de Montpellier. Seit 1972 bildet sie mit der Faculté de Théologie Protestante de Paris das Institut Protestant de Théologie. Seit 2006 besteht wechselseitige Anerkennung der Studienleistungen mit der Université Paul-Valéry-Montpellier III; seit 2007 beteiligt sich die Fakultät zudem an den Ecoles Doctorales dieser Universität.

Sehenswürdigkeiten

Les trois graces
Tour de la Babote in Montpellier
  • Neben den Gebäuden der Universität gibt es im Stadtteil Antigone östlich des Stadtzentrums mehrere große Wohngebäude des katalanischen Architekten Ricardo Bofill, die im neoklassizistischen Stil gebaut sind.
  • Montpellier beherbergt den ersten botanischen Garten Frankreichs, gepflanzt 1593.
  • Die Kathedrale Sankt Peter befindet sich nahe der Universität.
  • Der Triumphbogen Porte du Peyrou, 1691 im dorischen Stil gebaut, später zu Ehren von Louis XIV erweitert, befindet sich ebenfalls nahe der Universität.
  • Im 17. Jahrhundert entstanden, erstreckt sich das Aqueduc de Saint-Clément über 800 m im Stadtviertel Les Arceaux. Es brachte Wasser von der 14 Kilometer entfernten Quelle St. Clément in die Stadt und füllte einen Wassertank nahe dem Triumphbogen, von wo aus Springbrunnen und öffentliche Wasserentnahmestellen befüllt wurden.
  • Das 1828 von dem Maler François-Xavier-Pascal Fabre gegründete Musée Fabre steht in Verbindung mit einer Kunstschule. Das Museum besitzt eine der bedeutendsten öffentlichen Gemäldesammlungen Frankreichs.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Hauptartikel: Liste von Söhnen und Töchtern der Stadt Montpellier

Berühmte Söhne und Töchter von Montpellier sind unter anderem der Botaniker Pierre Magnol, der Staatsmann Jean-Jacques Régis de Cambacérès, der Philosoph und Religionskritiker Auguste Comte, die Sängerin Juliette Gréco, der Politiker Jean-Luc Dehaene, die Tennisspielerin Severine Bremond sowie der Internetstar Rémi Gaillard

Städtepartnerschaften

Sport

  • Rugby Union: Montpellier Herault Rugby Club spielt in der ersten Liga TOP 14
  • Profiradsport: Montpellier war unter anderem 1993, 1994, 2005, 2007 und 2011 Etappenzielort der Tour de France.
  • Handball: Montpellier ist die Heimat des französischen Handballserienmeisters Montpellier HB.
  • Profifußball: Der 1974 gegründete Montpellier Hérault Sport Club spielt in der ersten französischen Division („Ligue 1“) und trägt seine Heimspiele im 32.900 Zuschauer fassenden Stade de la Mosson aus.

Verkehr

Straßenbahnnetz Montpellier

Montpellier hat einen internationalen Flughafen mit 1,25 Millionen Fluggästen im Jahr 2008.

Die Eisenbahnschnelltrasse TGV verbindet Paris mit Montpellier in 3 Stunden 19 Minuten. Eine Verbindung über Perpignan hinaus nach Barcelona ist in Planung. Der wichtigste Bahnhof ist Montpellier-Saint Roch

Der ÖPNV wird durch die TaM durchgeführt. Sie betreibt zahlreiche Buslinien und zwei Straßenbahnlinien in der Region. Eine dritte ist im Bau. Die TaM betreibt auch den Fahrradverleih Vélomagg' mit 1200 Fahrrädern.

Autobahn: A 9 und A 7 (via Rhônetal) oder A 75 (über das Zentralmassiv mit 9 km Teilstück noch im Bau; mit dem Viadukt bei Millau zwischen Clermont-Ferrand und Béziers)

Siehe auch

Literatur

  • Heike Schmoll: Montpellier. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Hrsg. von Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski, Eberhard Jüngel. Band 5: L-M, 4. völlig neu bearb. Auflage, Mohr Siebeck, Tübingen 2002, LXXI, 962 Seiten, ISBN 978-3-16-146904-6
  • Ralf Nestmeyer: Languedoc-Roussillon. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2009, ISBN 3-89953-457-3
  • Félix Platter, Thomas Platter: Récits de voyages entre 1499 et 1628. Hrsg. von Emmanuel Le Roy Ladurie in Le Siècle des Platter, 2 Bände, Edition Fayard, 1995 und 2000
  • Gérard Cholvy (dir.): Histoire de Montpellier, Selbstverlag, 1984
  • SJosef mets: Quatre voyageurs allemands à Montpellier, XVIIe–XIXe siècles. In: Bulletin historique de la ville de Montpellier, 1998, S. 51–65
  • Alexandre Germain: La Renaissance à Montpellier. BiblioBazaar, 2009, ISBN 1-113-00577-7

Weblinks

 Commons: Montpellier – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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