Moritz Retzsch


Moritz Retzsch
Moritz Retzsch, Porträt von Friedrich John

Friedrich August Moritz Retzsch (* 9. Dezember 1779 in Dresden; † 11. Juni 1857 in Oberlößnitz) war ein deutscher Zeichner, Maler und Radierer. Er war der jüngere Bruder des Landschaftsmalers August Retzsch (1777–1835).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Schiller: Pegasus im Joche

An der Dresdner Akademie u. a. bei Cajetan Toscani ausgebildet, wurde Retzsch 1824 Professor an seiner Ausbildungsstätte. Bekannt wurde er durch seine in klassizistischer Manier entstandenen Umrissradierungen zu großen Dichtungen: Johann Wolfgang Goethes Faust (26 Blätter, 1828, mit weiteren Ausgaben), Friedrich Schillers Balladen (Kampf mit dem Drachen, Das Lied von der Glocke, Gang nach dem Eisenhammer, Pegasus im Joche), Galerie zu William Shakespeares dramatischen Werken (1827–46) und Umrisse zu Gottfried August Bürgers Balladen (1840). Weiterhin schuf er Porträts, romantische und mythologische Darstellungen (Genoveva von Brabant, Undine (Mythologie), Erlkönig und andere).

Retzschgut

Die Winzerei wurde eine besondere Leidenschaft von Moritz Retzsch, da seine Ehefrau zur Hochzeit einen Weinberg mit in die Ehe brachte.[1] 1813[2] ließ er das nach ihm benannte Retzschgut in der Oberlößnitz erweitern, 1828 übersiedelte er von Dresden nach Oberlößnitz. Als Winzer war er Ehrenmitglied der Sächsischen Weinbaugesellschaft. 1848 zog sich Retzsch ganz auf sein Weingut zurück.

Zum Winzerfest der Weinbaugesellschaft am 25. Oktober 1840[3] gestaltete und inszenierte er den großen Winzerumzug von der Hoflößnitz zum Gasthof Goldene Weintraube und fertigte danach in 8 Blättern die Umrissstiche, die als Winzerzug lithographiert und koloriert wurden. Damit überlieferte er ein getreues, romantisiertes Bild − neben Allegorie und Mythologie − der Arbeitswelt des Winzers und der winzerverwandten Berufe. Der Winzerzug übernimmt den seit dem 16. Jahrhundert entwickelten Formenkanon höfischer Weinfeste und entwickelt ihn im bürgerlichen Sinne weiter. In den regionalen Museen existieren noch Lithographien vom Winzerzug.

Besonders wertvoll ist auch die detailgetreue Darstellung der Schaumweinherstellung, die 1836 in Niederlößnitz aufgenommen wurde, dem Jahr, als die spätere, ehemalige Sektkellerei Bussard, die zweitälteste Sektkellerei Deutschlands, als Fabrik für moussierende Weine auf Aktienbasis gegründet wurde.

1839 wurde gegenüber seinem Wohnhaus eine Straße nach Moritz Retzsch benannt.

Werke

Retzsch, Winzerzug, 1840
  • Weinbergszenen, 1795 bis 1809, 8 Hefte, im Kupferstichkabinett
  • Zeichnung Drei Spaziergänger in Lößnitzlandschaft, 1808
  • Gemälde Blick auf die Hoflößnitz, mit Selbstbildnis, Weingutmuseum Hoflößnitz
  • Winzerzug, 8 Blätter, Original in Hoflößnitz
  • Das Winzerfest der Weinbaugesellschaft im Königreich Sachsen am 25.10.1840. C. C. Meinhold & Söhne, Dresden, 1840
  • 43 Umrisse zu Schiller's Lied von der Glocke : nebst Andeutungen. Cotta, Stuttgart 1837 (Digitalisat der ULB Düsseldorf)

Literatur

Weblinks

 Commons: Moritz Retzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wein-Bau mit Stil: Architekten von Gut Wackerbarth
  2. verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): Beiträge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul (1997 ff.)
    - insbesondere der Beitrag Winzerhäuser in Radebeul, von Georg Wulff et.al., ebd., 2003
  3. Zeittafel

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