D-Züge


D-Züge

D-Züge, abgekürzte Bezeichnung für die deutschen, aus Wagen mit innerem Durchgang und Übergangsbrücken (s.d.) gebildeten Schnellzüge.

Am 1. Mai 1892 wurde auf der Strecke Berlin-Köln über Hildesheim-Altenbeken das erste eigentliche D-Zugpaar in Europa in Betrieb gesetzt. Ihm folgten bald auf zahlreichen anderen Strecken gleichartige oder ähnliche Züge. Nach amerikanischem Vorbilde hatte man zunächst einen Teil der Wagen mit einem Mittelgang versehen und für die 2. Klasse auf die Einrichtung von abgeschlossenen Abteilen verzichtet. Auch waren einzelne Abteile 1. Klasse mit Polstersesseln an Stelle der sonst üblichen Bänke versehen. Diese Einrichtungen fanden aber nicht den Beifall der Reisenden. Sie werden deshalb heute nicht mehr ausgeführt. Die anfangs getroffene Anordnung, bei der die 4 Sitzplätze eines Abteils 1. Klasse für die Nachtfahrt in 4 Schlafplätze umgewandelt werden konnten, ist ebenfalls nicht beibehalten. Um eine gute Ausnutzung der Plätze in den D-Zugwagen zu erreichen, wurden die Plätze numeriert. Sie können dann den Reisenden auf der Zuganfangsstation bereits bei der Fahrkartenlösung nach einem Grundrißplan des Wagens, der Laufkarte, zugewiesen werden.

Damit Wagen verschiedener Verwaltungen nebeneinander verwendet werden können, sind Bauart und Abmessungen der Übergangsbrücken und Faltenbälge durch § 136 der TV. einheitlich festgesetzt. Außerdem ist nach den Vereinbarungen der europäischen Wagenbeistellungskonferenzen (s.d.) die Numerierung der Plätze in den Wagen so geregelt, daß die Reisenden den ihnen bei der Vorausbestellung zugesicherten Platz – am Fenster, am Seitengang, im Raucher-, Nichtraucherabteil u.s.w. – auch dann vorfinden, wenn ausnahmsweise der für den Zug vorgesehene Wagen gegen einen anderen ausgetauscht werden muß. Da sämtliche Räume in den D-Zügen auch während der Fahrt den Zugbegleitbeamten zugänglich sind, so ist es möglich, überall Ordnung und Sauberkeit zu halten. Zur Unterstützung bei diesen Arbeiten werden dem Zugpersonal der D-Züge Dienstfrauen zugeteilt, die besonders für die Reinhaltung der Aborte und Waschräume während der Fahrt zu sorgen haben.

Um die Reisenden des Nahverkehrs von den D-Zügen fernzuhalten und dadurch den eigentlichen Zweck der Züge, dem Fernverkehr zu dienen, sicherzustellen, sodann aber auch als Gegenleistung für die gebotene größere Bequemlichkeit – freie Bewegung, geräumigere und bessere Ausstattung der Wagen, Speisewagen, Schlafwagen (s.d.), Vorhaltung von Handtüchern und Seife in den Waschräumen, geeignetenfalls auch Mitführung durchgehender Wagen (s.d.) zur Vermeidung des Umsteigens auf den Anschlußstationen – wurde bei Einführung der D-Züge eine Platzgebühr erhoben. Sie betrug für Entfernungen bis 150 km in der 1. und 2. Klasse 1 M., in der 3. Klasse 0∙5 M. und für größere Entfernungen 2 M., bzw. 1 M. Die Gebühr ist bei Einführung der Tarifreform auf den deutschen Eisenbahnen am 1. Mai 1907 durch Schnellzugszuschläge (0∙25–2 M.) ersetzt worden, die unabhängig von der Einrichtung der Wagen erhoben werden. Gleichzeitig sind aber die deutschen Bahnen dazu übergegangen, die zuschlagpflichtigen Schnellzüge allgemein aus D-Zugwagen zu bilden und die zuschlagfreien Schnellzüge als Eilzüge (s.d.) zu bezeichnen. Die Numerierung der Plätze und die Ausgabe von Platzkarten für die D-Züge ist beibehalten. Nicht nur bei der Vormerkung von Plätzen auf den Abgangsstationen, sondern auch unterwegs zur Überwachung guter Platzausnutzung und Erzielung größerer Ordnung werden Platzkarten unentgeltlich verabfolgt. – Da die Zuschlaggebühr besonders für kurze Reisen gering ist, so genügt sie nicht immer, um den Nahverkehr von den D-Zügen fernzuhalten. Es ist daher nötig, diese auch für Reisen auf Zeitkarten u.s.w. im allgemeinen auszuschließen. Um Härten zu vermeiden, die namentlich dann entstehen, wenn Eilzüge in D-Züge umgewandelt werden, müssen Ausnahmen zugelassen werden solange andere günstige Zugverbindungen für den Nahverkehr nicht vorhanden sind.

Anfangs führten die D-Züge nur die 1. und 2. Wagenklasse. Zur Förderung des Reiseverkehrs ist aber nach und nach im großen Umfange auch die 3. Klasse in diesen Zügen eingerichtet worden. Hierdurch hat ihre Benutzung ganz außerordentlich zugenommen. Dieser Umstand gab wiederum Anlaß zur Einlegung neuer D-Züge, die nur die 1. und 2. Klasse führen und wegen der geringen Wagenzahl schneller befördert werden können als die schwer belasteten Dreiklassenzüge. Den immer wieder laut werdenden Wünschen, die 3. Klasse allgemein in sämtlichen Schnellzügen zu führen, kann schon deshalb nicht entsprochen werden, weil aus den bestehenden D-Zügen mit 3. Klasse ein erheblicher Teil der Reisenden auf die beschleunigten Züge übergehen und den mit der Einlegung der Züge beabsichtigten Zweck vereiteln würde. Die Führung von Kurswagen bietet außerdem in Zweiklassenzügen erheblich geringere Schwierigkeiten, als dies bei Dreiklassenzügen der Fall ist (s. durchgehende Wagen).

Für Züge des großen Durchgangsverkehrs finden jetzt fast in allen Ländern Wagen mit innerem Durchgang und Übergangsbrücken Verwendung. Von den Wagen der amerikanischen und deutschen D-Züge unterscheiden sie sich im allgemeinen nur durch das Fehlen numerierter Plätze. – Eine besondere Art der D-Züge sind die Luxuszüge (s.d.).

Breusing.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Züge — in einer 9 mm Pistole Als Züge bezeichnet man die im Lauf von Handfeuerwaffen und Geschützen eingearbeitete helixförmige Nuten, die dem Projektil einen Drall verleihen und dadurch die Geschossflugbahn stabilisieren. Die zwischen den Zügen… …   Deutsch Wikipedia

  • Züge — Züge, 1) so v.w. Bettzüge od. Kissenzüge; 2) so v.w. Fliede …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Züge [1] — Züge (von Tieren), s. Wanderung …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Züge [2] — Züge in Feuerwaffen, s. Handfeuerwaffen, S. 749, Geschütz, S. 692, und Drall …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Züge [3] — Züge, Berggegend in Graubünden, s. Davos …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Züge — Züge, Einschnitte in die Seelenwände der Feuerwaffen [Abb. 881 z, bei Kaliber], meist von schraubenförmiger Richtung, durch die das Geschoß zur Drehung um seine Längsachse gezwungen wird und Führung (s.d.) erhält. Die Richtung und Größe der… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Züge ins Leben — Trains to Life, Trains to Death. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße werden zwei Gruppen Kinder gezeigt: eine die mit dem Kindertransport fliehen konnte, und eine für die Kinder, die in Konzentrationslager deportiert wurden …   Deutsch Wikipedia

  • Züge, die — Die Züge, plur. die n, der Überzug eines Bettes oder Küssens, die Bettzüge, Küssenzüge; im Nieders. Büre. Es ist gleichfalls von dem Verbo ziehen, aber wegen seiner irregulären Form Statt des anständigern Überzug nur in den gemeinen Sprecharten… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • -zUge — Auszug Aus zug (ous ts[=oo]k), n.; Ger. pl. { z[ U]ge} ( ts[ u] g[ e]). [G.] See {Army organization}, Switzerland. [Webster 1913 Suppl.] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Liste der TEE-Züge und -Verbindungen — Logo des TEE Ein TEE der Baureihe 601 1986 bei München Trans Europ Express (TEE, häufig falsch als Trans Europa Express bezeichnet) waren elegante, komfortable Schnellzüge, die zwischen den Staaten der ehemaligen …   Deutsch Wikipedia

  • Fünfzig-Züge-Regel — Die 50 Züge Regel beim Schach besagt, dass eine Partie als Remis (unentschieden) zu werten ist, wenn einer der beiden Spieler nachweist, dass mindestens 50 Züge von beiden Seiten geschehen sind, ohne dass ein Stein geschlagen oder ein Bauer… …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.