Klug


Klug

Klug, klüger, klügste, adj. et adv. welches ehedem eigentlich sehend, und in engerer Bedeutung scharf sehend, weit um sich sehend bedeutete, aber in diesem Verstande längst veraltet, und nur noch im figürlichen Sinne von dem Sehen mit den Augen des Geistes üblich ist.

1. In weiterer Bedeutung, für vernünftig, Einsicht in den Zusammenhang der Dinge habend, und in dieser Einsicht gegründet. 1) Absolute, Vernunft oder Verstand habend, des Gebrauches derselben fähig; wo es nur im gemeinen Leben mit der Verneinung und als ein Nebenwort gebraucht wird. Ich glaube, du bist nicht klug. Man siehet wohl, daß sie nicht recht klug sind, nicht wohl bey Verstande sind; wofür auch das Wort gescheidt gebraucht wird. 2) Viel Vernunft, viel Einsicht in den Zusammenhang der Dinge habend, und darin gegründet. Der klügste gibt nach. Ein kluges Kind. Vor den Jahren klug werden. Das Ey will klüger seyn, als die Henne. Klüger thun, als es sich für seine Jahre schickt. Dein Wort machet klug die Einfältigen, Ps. 119, 130. Daß es ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte, 1 Mos. 3, 6; als könnte er Verstand geben, Michael. Man kann kein kluges Wort mit ihm reden. Durch Schaden klug werden. Altklug, mehr Einsicht habend, als den Jahren nach gewöhnlich ist. Staatsklug, Einsicht in Staatssachen habend. Weltklug, Einsicht in Welthändel habend. In engerer Bedeutung ist eine kluge Frau, im gemeinen Leben, so wie 2 Sam. 14, 2, eine Frau, welche verborgene Einsichten besitzet, z.B. die Gabe der Prophezeihung, der schwarzen Kunst u.s.f. welche auch wohl eine weise Frau genannt wird. 3) Auch nur in Betrachtung einzelner Fälle; nur als ein Nebenwort. Ich kann aus der Sache nicht klug werden, kann ihren Zusammenhang nicht einsehen, kann nicht daraus gescheidt werden, kann mich darein nicht finden. Ich habe noch nicht klug aus ihm werden können. Jetzt bin ich wieder so klug, wie vorher.

2. In engerer Bedeutung. 1) Geschickt; nur noch im gemeinen Leben. Ein kluger Meister, der ein Bild fertige, das beständig sey, Es. 40, 20. Ein kluger Redner, Es. 3, 3. 2) Gelehrt; gleichfalls nur noch im gemeinen Leben. Das Evangelium zu predigen, nicht mit klugen Worten, 1 Cor. 1, 17. Kluge Fabeln, 2 Pet. 1, 16. 3) Fertigkeit besitzend, sich in alle Umstände zu schicken und dieselben vortheilhaft zu gebrauchen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein kluger Kopf. Das war klug gemacht. Seine Sachen sehr klug einrichten. Das ist der klügste Rath, den man ihm geben kann. Ein kluger Streich. In der engsten und wissenschaftlichen Bedeutung bezeichnet es nur die rechtmäßige Anwendung dieser Fertigkeit; zum Unterschiede von dem schlau und listig. Ein kluger Regent. Ein kluger Haushalter. Eine kluge und von allem Geitze entfernte Sparsamkeit. Die kluge Einfalt. Ein kluges Herz handelt bedächtiglich, aber die kühnen Narren regieren närrisch, Sprichw. 15, 2.

Anm. 1. Bey dem Kero als ein Nebenwort claulicho, bey dem Ottfried glau, im Angels. gleaw, im Nieders. noch jetzt glau, scharfsichtig, woraus durch Verstärkung des Gaumenlautes unser klug, Nieders. klook, Dän. glog und klog, Schwed. klok, Isländ. klokr, glöggr, und durch den vorgesetzten Zischlaut aus glau unser schlau, und aus klug das heutige Oberschwäbische schlug, für schlau, geworden sind. Das ältere glau bedeutete eigentlich hell, und wird noch jetzt im Niedersächsischen von dem Wetter gebraucht, glaues Wetter, helles Wetter, ingleichen von den Augen, glaue Augen, helle, glänzende Augen. Es stammet entweder von glühen, oder unmittelbar von dem alten noch im Oberdeutschen üblichen Zeitworte lugen, sehen, ab, Griech. λαειν, Engl. to look, wovon auch unser lauschen, und durch vorgesetzten Gaumenlaut, so wohl unser klug, als das alte Schwed. glugga, einsehen, herkommen. Klug bedeutet also, so wie die Lat. providus, circumspectus, eigentlich, das Vermögen besitzend, weit und helle um sich zu sehen, und in der letzten figürlichen Bedeutung, das Vermögen, alle Umstände vortheilhaft zu nutzen, welches nur durch Erfahrung erworben wird, dagegen sich weise der Abstammung zu Folge zunächst auf die Erkenntniß und Wissenschaft beziehet.

Anm. 2. In den gemeinen Sprecharten gibt es noch eine doppelte Bedeutung dieses Wortes, in welchen es wirklich von einem andern Stamme zu seyn scheinet. In Tyrol ist das Kluge die fette, fruchtbare Gewächserde, im Gegensatze der tauben unfruchtbaren Erde. Es scheinet in dieser Bedeutung aus Kley entstanden zu seyn, und zunächst den Begriff der zähen, zusammen hangenden Fettigkeit zu haben; S. der Kley, welches im einigen Gegenden gleichfalls ungewissen Geschlechtes ist, und in dem Munde des hauchenden Oberdeutschen leicht in Klug übergehen konnte. In andern Oberdeutschen Gegenden bedeutet klug karg, und da scheinet es eine Figur der vorigen Bedeutung zu seyn, indem man für karg auch zähe, und im Latein. tenax sagt.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

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