Traubenkrankheit


Traubenkrankheit

Traubenkrankheit (Traubenfäule), eine Krankheit des Weinstocks, bei der die Beeren verderben. Sie verbreitete sich seit 1845 von England durch Frankreich nach Südeuropa, der Schweiz und Deutschland. Die Krankheit besteht in dem Auftreten eines weißen, dünnen, meltauartigen Überzugs auf braun werdenden Flecken der Blätter (vgl. Tafel »Pflanzenkrankheiten I«, Fig. 16 u. 17) und jungen Beeren des Weinstocks. An letztern wird dadurch die Epidermis ebenfalls braun, stirbt ab, noch ehe die Frucht die Hälfte ihrer normalen Größe erlangt hat, und zerreißt bei weiterer Ausdehnung des Beerenfleisches, so daß die Beere abstirbt und verfault. Der weiße Überzug besteht aus dem Rebenpilz, der Konidienform der Uncinula spiralis, eines Meltaupilzes, früher als Oïdium Tuckeri Berk. bezeichnet. Das Mycelium m (Fig. 17) besteht aus langen, gegliederten und verzweigten Fäden, die auf der Epidermis hinwachsen und stellenweise an den Berührungspunkten lappenförmige Haftscheiben entwickeln, aus denen sackartige Fortsätze (Haustorien) in die Oberhautzellen eindringen. Aus der dem Pflanzenteil abgewendeten Seite treiben die Myceliumfäden einfache, gegliederte Fruchthyphen, deren jede an ihrer Spitze eine einzige länglichrunde, einzellige, farblose Konidie (c) abschnürt. Diese Sporen trennen sich sehr leicht ab und werden vom Regen und Wind weiter geführt auf benachbarte Blätter, Trauben etc. So wird durch sie der Pilz und damit die Krankheit weiterverbreitet, denn die Konidien keimen bei Vorhandensein von Feuchtigkeit leicht und schnell mittels eines Keimschlauchs, der sich auf der Nährpflanze wieder zu einem Mycelium entwickelt. Gesteigerte Feuchtigkeit begünstigt die T., daher zeigen die feuchten Inseln und Küstenländer im Verhältnis zum Binnenlande die Krankheit viel mehr, und im südlichen Europa ist der Weinbau durch sie im höchsten Grad geschädigt worden. Unter den Sorten sollen Trollinger, Muskateller, Malvasier und verwandte blaue Sorten öfters von der Krankheit zu leiden haben, andre, wie Rislinge, Traminer, widerstandsfähiger sein. Man bekämpft die T. erfolgreich durch Schwefeln, d. h. Überpudern der Weinstöcke mit Schwefelblumen, wodurch der Pilz getötet und gesunde Pflanzen geschützt werden. Auch mehrere andre Traubenkrankheiten, bei denen jedoch die Beeren keinen mehligen Überzug zeigen und nicht platzen, werden durch Pilze hervorgerufen; wie der schwarze Brenner durch Sphaceloma ampelinum, ferner die in Amerika als black rot bekannte, seit 1885 auch in Europa eingeschleppte Krankheit durch Physalospora Bidwellii, der falsche Meltau durch Peronospora viticola und die Schwärze durch eine Cladosporium-Art.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Traubenkrankheit — Traubenkrankheit, so v.w. Traubenfäule …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Traubenkrankheit — Traubenkrankheit, Traubenfäule, eine durch den Pilz Oidĭum Tuckeri Berk. [Abb. 1278] hervorgerufene Krankheit des Weinstocks, die sich in spinnwebartigen Überzügen (Meltau) an den jungen Blättern, Zweigen und Beeren und in schließlicher Fäulnis… …   Kleines Konversations-Lexikon

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