Treibjagd


Treibjagd

Treibjagd, eine Jagd mit Schützen und Treibern. Im Walde können meist nur Vorstehtreiben (Standtreiben) eingerichtet werden, bei denen sich eine Treibwehr auf die an der andern Seite des Treibens angestellten Schützen zu bewegt und das Wild auf diese zutreibt. Die Treiber werden in einer solchen Entfernung voneinander aufgestellt, daß sie sich gegenseitig sehen können, sie bewegen sich mit Innehaltung derselben auf ein gegebenes Signal in möglichst gerader Linie langsam fort und machen dabei durch Klappern, Husten, Schlagen an den Stämmen Lärm (Klapperjagd, Klopfjagd). Die Schützen, die an Wegen, Schneisen etc. möglichst geräuschlos in 50–60 Schritt Abstand aufgestellt werden, suchen sich tunlichst an Bäumen oder Sträuchern zu decken, verhalten sich bewegungslos und dürfen ihre Stände nicht vor beendetem Trieb verlassen. Bei Feldjagden auf Hafen macht man Vorstehtreiben in derselben Weise wie im Walde, nur gräbt man wohl für die Schützen Standlöcher oder baut Jagdschirme aus Reisig, wenn es an Bäumen und Sträuchern zur Deckung der Schützen fehlt. Bei dem Kesseltreiben (Kesseljagen) schließen Treiber und Schützen einen Kreis (Kessel) ein und bewegen sich dann langsam nach dem Mittelpunkt, bis der Trieb so weit ins Enge gekommen ist, daß die Schützen auf 40–50 Schritt Entfernung stehen. Auf das Signal oder den Ruf »Treiber vor« begeben sich diese in den Kessel, während die Schützen stehen bleiben und von da ab auf das Wild, das noch ausgetrieben wird, nicht mehr in den Kessel, sondern nur noch rückwärts schießen dürfen. Das böhmische Treiben oder Streife beruht auf der Gewohnheit des Hafen, sich nur einige hundert Schritt von seinem Lager vorwärts treiben zu lassen und dann zu demselben zurückzukehren. Die Ausführung ist verschieden. In der Breite des zu streifenden Feldes werden in gerader Linie die Schützen aufgestellt, während rechtwinklig dazu zwei Treiberflügel stehen, die eine Lappenleine tragen. Mit der offenen Seite nach vorn bewegt sich das Rechteck vorwärts, genau Richtung und Abstand haltend. Die zuerst geradeaus laufenden Hafen kehren bald zurück, werden an den Seiten durch die Treiber am Ausbrechen gehindert und laufen die Schützen an. Die Schützenlinie kann auch einen nach vorn offenen rechten Winkel bilden, an dessen Schenkel die Treibwehr unter 135° an jeder Seite anschließt. Auch stellt man wohl in Front und Flügeln die Schützen gleichmäßig verteilt zwischen den Treibern auf. Vorstehtreiben auf Rot-, Dam- und Rehwild sowie auf Sauen haben gewöhnlich wenig Erfolg, wenn man eine sehr geräuschvolle Wehr aus vielen Treibern verwendet. Das Wild geht leicht zurück, es wird eher von wenigen ortskundigen Leuten, die das Treiben abgehen, vorgebracht. Man erlegt auch Waldschnepfen und Wildenten, selbst Hühner, Gänse und Trappen auf Standtreiben. Am leichtesten lassen sich der Wolf und der Fuchs treiben, und letzterer wird meist auf solchen Treibjagden erlegt, die man im Walde zugleich auf Hafen veranstaltet. Vgl. E. v. Dombrowski, Die T. (Neudamm 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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