Myristĭca


Myristĭca

Myristĭca L. (Muskatnußbaum), Gattung der Myristikazeen, gewürzhafte, mit einem etwas scharfen, rötlichen Saft erfüllte Bäume und Sträucher, mit zweizeiligen, ungeteilten, ganzrandigen, immergrünen, lederartigen Blättern, diözischen, meist achselständigen, kleinen, zerstreut oder in Büscheln, selten in Köpfen stehenden Blüten, auch einzeln stehenden weiblichen Blüten und fleischiger, aufspringender Frucht, deren nußartiger Same von einem fleischigen oder dünnen, vielfach zerschlitzten Mantel umgeben ist. Die etwa 80 Arten gehören ausschließlich den Tropen, vorwiegend Asien, etwa 20 Südamerika, wenige Madagaskar, Guinea und Australien an. M. fragrans Houtt. (M. moschata Thunb., echter Muskatnußbaum, s. Tafel »Gewürzpflanzen«, Fig. 5, mit Text) liefert die Muskatnüsse (Nuces moschatae), die eigentümlich aromatisch riechen und schmecken, reich an Stärkemehl und Eiweißkörpern sind und ca. 25 Proz. Fett enthalten. Dies wird zum Teil in ihrer Heimat ausgepreßt und als Muskatnußöl in den Handel gebracht; außerdem enthalten sie ätherisches Öl (s. Muskatnußöl). Der zerschlitzte, fleischige, rote Samenmantel bildet die Muskatblüte (Macis, Macisblüte) des Handels. Er ist sehr aromatisch, enthält viel Amylodextrin, auch Dextrin, Harze und ätherisches Öl (s. Muskatblütöl). Die Muskatnüsse werden in der Medizin kaum, sondern, wie auch die Muskatblüte, fast nur als Gewürz (namentlich in England und Nordamerika) benutzt, gegenwärtig bei uns viel weniger als früher; als Hausmittel dienen sie gegen Durchfall. Große Gaben (eine Nuß und mehr) wirken übrigens giftig. Nach der gewöhnlichen Annahme waren die Muskatnuß und die Muskatblüte den Alten nicht bekannt; Martius aber hat nachzuweisen gesucht, daß die Macis zur Zeit des Plautus und die Nuß schon Plinius bekannt gewesen sei. Das in Rom beliebte Salböl Myron scheint auch zum Teil unser Muskatnußöl gewesen zu sein. Schon sehr früh haben jedenfalls die Araber die Droge aus Indien geholt und im Abendland verbreitet. In Indien war sie wohl schon lange zuvor als Gewürz benutzt worden, und auch in altägyptischen Mumiensärgen hat man die Muskatnuß gefunden. Am Ende des 12. Jahrh. war sie wie die Muskatblüte in Nordeuropa bekannt, und lange, bevor der Venezianer Niccolo Conti im 15. Jahrh. die erste Nachricht von dem Baum brachte und die Portugiesen ihn auf den Bandainseln fanden, waren beide Drogen ein wenn auch sehr kostbares Gewürz in Europa. Die Portugiesen hielten den Handel mit den Nüssen fest, bis sie den Holländern weichen mußten, die ihn nun, wie den Zimt- und Gewürznelkenhandel, zu monopolisieren suchten, die Bäume auf Banda und Amboina beschränkten, an allen andern Orten ausrotteten und bei sehr reicher Ernte den Überfluß verbrannten. Während der Besetzung der Gewürzinseln durch die Engländer 1796–1802 wurde die Muskatnußkultur nach Benkulen und Pinang verpflanzt, später auch nach Singapur, wo indes eine 1860 ausgebrochene Krankheit binnen einigen Jahren sämtliche Bäume vernichtete. 1864 stellte die holländische Regierung die Kultur auf Java ein, weil der Verbrauch immer mehr abgenommen hatte. Das Hauptkulturzentrum (zwei Fünftel der gesamten Produktion) liegt gegenwärtig auf den Bandainseln. Außerdem finden sich größere Plantagen in der Minahassa (Nordcelebes), auf Sumatra und der Malaiischen Halbinsel, weniger in Amboina, Halmaheira, Ternate, Java und auf der westindischen Insel Grenada. Die Nüsse von M. argentea Warb, in den Wäldern des westlichen Neuguinea bilden den wichtigsten Handelsartikel Neuguineas. Kräftiges dauerndes Aroma besitzen ferner noch M. succedanea Bl. (Halmaheiramuskat), M. speciosa Warb. (Batjanmuskat), M. Schefferi Warb. (Oninmuskat). Aus den Samenkernen von M. Otoba H. B., in den Bergen Kolumbiens, preßt man das Otobafett (amerikanische Muskatbutter), das der offizinellen Muskatbutter ähnlich ist und wie diese in Amerika benutzt wird. M. officinalis Mart. und M. Bicuhyba Schott, in Brasilien, liefern ein minder angenehm riechendes, säuerlich scharf schmeckendes Fett (Bikuibafett). M. (Virola) sebifera Sw. in Guayana liefert das Virolafett, das durch Auskochen und Pressen der Samen gewonnen wird, frisch nach Muskatbutter riecht, bald ranzig wird, bei 45–50° schmilzt und zur Darstellung von Kerzen und Seifen benutzt wird. Von M. Ocuba H. B., am Amazonenstrom, gewinnt man das Okubawachs, das weicher als Bienenwachs ist, bei 36,5° schmilzt und in Brasilien zur Kerzenbereitung benutzt wird. Die Samen von M. surinamensis Roland, deren Aroma sich sehr schnell verflüchtigt, kommen als afrikanische Nüsse (Ölnüsse) in den Handel. Sie liefern ein sehr hartes, schwach riechendes Fett, das bei 45° schmilzt und wesentlich aus Myristin besteht. Vgl. Warburg, Die Muskatnuß, ihre Geschichte, Botanik, Kultur etc. (Leipz. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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