Dido


Dido

DIDO, ûs, oder ónis, Gr. Διδὼ, οῦς, ( Tab. XV.)

1 §. Namen. Eigentlich hieß diese Königinn Elissa, welches von El-Issa so viel, als eine Heldinn oder göttliche und tapfere Frau, Scaliger ad Velleii lib. I. c. 6. & Chevreau Hist. du Monde L. VI. c. 9. p. 335. oder auch meines Gottes Lamm heißt. Voss. Theol. gent. lib. I. c. 32. Hernach aber bekam sie den Namen Dido, welches, nach einigen, so viel, als eine Mörderinn ihres Mannes heißen soll, Eustath. ad Dionys. Perieg. v. 195. nach andern aber auch eine tapfere Frau, oder so viel, als Virago, bedeutet. Serv. ad Virg. Aen. I. v. 340. Noch andere wollen, daß er so viel, als eine bemerke, welche weit und breit herum geschweifet. Etymol. magnum ap. Marsh. Sæc. XV. p. 423. Cf. Mezir. comment. surles Epitr. d'Ovide. T. II. p. 152. Einige sagen auch, er heiße so viel, als Dilectula, eine Geliebte, und sey ein Verkleinerungswort von David, ein Geliebter Vossius l. c.

2 §. Herkommen. Man hat davon verschiedene Meynungen. Bald hält man sie für des ältern Belus oder Agenors Tochter. Eustath. ad Dionys. Perieg. 195. Bald soll sie eines Tyriers, Karchedons, Tochter gewesen seyn, der entweder Karthago selbst erbauet, oder nach dem man es wenigstens genannt hat. Euseb. Chron. ad ann. 4155. Insgemein aber wird ihr Vater Belus, und zwar der andere dieses Namens, genennet: Virgil. Aen. I. v. 621. Allein, da solcher Namen mehr ein allgemeiner Namen aller Könige, als ein besonderer Namen einer gewissen Person ist, und folglich eigentlich nichts mehr, als Herr heißt: Voss. Etymol. in. Balsamum s. pag. 73. so soll der Vater dieser Königinn, nach einigen, mit seinem besondern Namen Mutgo, oder Mutgonus, Voss. ad Iustin. lib. XVIII. c. 4. nach andern Matgenus, Sanchoniat. ap. Tan. Fabrum ad eumd. l. c. Ioseph. cont. Appion. L. I. nach den dritten Pergenus, Petav. Rat. Temp. P. II. L. II. c. 13. nach den vierten Methres. Serv. ad Virgil Aen. I. v. 343. oder nach den fünften Mettes, Theophilus ap. Voss. l. c. und nach den sechsten Agenor geheißen haben. Bongars. ad eumd. l. c. Er war König zu Tyrus und zwar der eilfte ersterer Dynastes. Petav. l. c. Von ihrer Mutter findet sich nichts, ihr Bruder aber war Pygmalion, zwölfter König zu besagtem Tyrus.

3 §. Thaten und Schicksal. Ihr Vater verheurathete sie, als Prinzessinn, an den Sichäus, oder Sicharbas, einen der reichesten Phönicier, der zugleich Priester des Herkules, und also der nächste nach dem Könige selbst war. Diesen liebete sie auch ungemein: ihr Bruder, Pygmalion, aber richtete, als er nach des Vaters Tode König wurde, den Sichäus selbst vor dem Altare hin, damit er dessen Reichthum bekäme. Gleichwohl blieb solches der Dido verborgen, bis ihr des Sichäus Geist erschien, und erzählete, wie es ihm ergangen wäre. Er ermahnete sie dabey inständig, die Flucht zu ergreifen, und entdeckete ihr auch, wo er seine Schätze hinvergraben hätte. Sie entschloß sich daher dessen Rathe nachzuleben, nahm die zu ihren Gefährten an, welche den Pygmalion entweder hasseten, oder auch fürchteten, brachte ihren Reichthum insgeheim zu Schiffe, und gieng damit nach Afrika. Hieselbst erkaufte sie ein Stück Land, so viel sie mit einer Ochsenhaut umgeben konnte, und erbauete die Stadt Karthago darauf. Virgil. Aen. I. v. 340. Einige nennen hierbey den Sichäus auch Acerbas, und machen ihn selbst zu Pygmalions und der Dido Mutter Bruder, und, da diese zu Alt. Tprus gewohnet, so soll sie den Pygmalion haben wissen lassen, daß sie gesonnen sey, zu ihm nach Neu-Tyrus zu ziehen. Weil nun dieser geglaubet, daß sie solcher Gestalt des Sichäus Schätze mitbringen werde, so habe er ihr selbst einige von seinen Leuten zugeschickt, sie nach Neutyrus zu begleiten. Als sie sich aber mit diesen zu Schiffe begeben, so habe sie dieselben gezwungen, einige Säcke voll Sand ins Meer zu werfen, wovon sie hernach vorgegeben, daß es ihres hingerichteten Gemahls Geld gewesen. Sie habe auch die Sache selbst des Pygmalions Leuten so vorzustellen wissen, daß sie aus Furcht vor ihrem Könige, weil sie die Schätze nicht besser in Acht genommen, sich entschlossen, mit der Dido durchzugehen. Sie soll daher erst in Cypern angelandet seyn, woselbst sich der Priester der Juno mit seiner ganzen Familie zu ihr geschlagen, sie aber auch noch achtzig Jungfern von dem Ufer des Meeres dazu rauben lassen, die sie ihren Reisegefährten zur Ehe gegeben. Als sie in Afrika angelanget, und obbesagtes Land erkaufet, soll sie die Ochsenhaut in die schmälesten Riemchen zerschnitten, und damit einen solchen Platz umzogen haben, als zur Erbauung einer Stadt hinlänglich gewesen, welche List denn die Afrikaner sich endlich, gegen einen jährlichen Tribut, gefallen lassen. Iustin. lib. XVIII. c. 45. Allein, wie es billig für eine Fabel gehalten wird, was so wohl die griechischen, als lateinischen Schriftsteller von erwähnter Ochsenhaut melden: also wollen einige, daß durch selbige das Geld verstanden werde, das sie für den Platz gegeben, und damals von Ochsenleder gemacht gewesen. Donat. ad Virg. l. c. v. 368. Noch richtiger aber ist wohl deren Meynung, welche glauben, daß man das phönicische Wort Bosra, welches eine Festung bedeutet, für das Wort Byrsa angesehen, welches eine Ochsenhaut heißt, und daher obberührtes Mährchen zu erdichten Gelegenheit genommen. Bochart. Chan. lib. I. c. 14. Voss. Theol. gent. lib. I. c. 3. & Cleric. Compend. Hist. p. 29. Als sie ihre neue Stadt nun ziemlich zu Stande gebracht hatte, so soll Aeneas mit seinen Leuten bey ihr angelanget seyn. Weil aber dessen Mutter, die Venus, für ihn als an einem Orte, welcher der Juno gewidmet war, in Sorgen stund, so machte sie durch ihren Sohn, den Cupido, welcher des Ascanius Gestalt annahm, und in solcher von der Dido auf den Schooß genommen, und innig geliebkoset wurde, daß sich diese in den Aeneas selbst verlieben mußte; Virgil. l. c. v. 656. Man suchete, die Juno selbst mit ins Spiel zu bringen, und Dido stellete ihr, weil sie doch für die ehelichen Bande sorget, ein feyerliches Opfer an. Id. L. IV. v. 56. Es soll solches noch auf einem unvergleichlich geschnittenen Steine vorgestellet seyn, wo eine edelgestaltete Frauensperson, mit einem königlichen Mantel bekleidet, bey einem Altare steht, auf welchem Feuer brennt. Sie hält eine Opferschale in der Hand, und neben ihr steht ein Rind als das Opferthier. Hinter ihr befindet sich eine andere Frauensperson, welche etwas in dem Arme liegen hat, das einer Fackel gleicht. Dieß soll ihre Schwester Anna seyn, so wie der Knabe, der ihr in einer lustigen Stellung folget, Cupido in der Gestalt des Ascanius. Der andern Seite des Altares gegen über sieht man einen auf der Leyer spielen, den man für den Iopas annimmt. Hinter ihm suchet sich eine andere Mannsperson zu verstecken, indem sie sich an des Leyerspielers Schulter hält, welche Aeneas selbst seyn soll, der dem Opfer beywohnen wollen. Lipperts Dactyl. I Taus. 935. N. Juno wurde auch wirklich gewonnen, und ließ bey einer angestelleter Jagd, einen ganz ungemeinen Platzregen fallen, wodurch Aeneas und Dido gezwungen wurden sich in eine Höhle zu flüchten, und da erfolgete so viel, daß sich Dido bereits für des Aeneas Gemahlinn hielt. Virg. lib. IV. v. 165. Indessen brachte solches die Fama dem Könige Iarbas, des Jupiters und der Garamantis Sohne, zu, der in Afrika, wo Karthago lag, regierete, und schon lange sein Absehen auf die Dido gerichtet gehabt hatte. Idem ibid. v. 173. 194. Dieser beklagete sich deshalber gar sehr bey seinem Vater, vermochte ihn auch endlich dahin, daß solcher den Mercurius abschickete, und dem Aeneas befehlen ließ, sich von Karthago wieder weg zu machen, und seinem Schicksale in Italien nachzuziehen. Idem ibid. v. 222. Aeneas suchte, solchem sogleich nachzukommen, und ließ daher seine Flotte insgeheim zu Rechte machen. Idem ibid. v. 279. Dido aber merkte es bald, und gieng ihm deshalber heftig zu Leibe. Allein, solchem allen ungeachtet folgete er des Jupiters Befehle, und machte sich zu seinem Abzuge von Karthago bereit. Idem ibid. v. 396. Es befahl daher Dido ihrer Schwester, in dem innersten Schlosse einen Scheiterhaufen aufrichten zu lassen, auf welchem sie ihrem Vorgeben nach, ein Opfer thun wollte, um den Aeneas entweder wieder zu bekommen, oder desselben auch völlig zu vergessen. Idem ibid. v. 478. Als solches geschehen war, und sie ersah, wie Aeneas endlich wirklich davon fuhr, so erstach sie sich vor Verzweifelung. Idem ibid. v. 663. Juno schickte endlich selbst die Iris ab, die ihr ihren schmerzhaften Tod verkürzen mußte. Idem ibid. v. 693. Immittelst ersah Aeneas auf der See das Feuer, in welchem ihr Körper verbrannt wurde. Idem ibid. lib. V. v. 3. Als er hernach selbst in das Land der Todten kam, so traf er sie allda an, und suchte, sich auf alle Art bey ihr zu entschuldigen. Allein, er bekam wohl ein zorniges Gesicht, hingegen keine Antwort von ihr, da sie ihm endlich gar den Rücken zukehrete, und sich in einen düstern Wald machte, woselbst sich ihr erster Gemahl, Sichäus, befand. Idem ibid. lib. VI. v. 450.

4 §. Verehrung. So lange, als Karthago gestanden, ist sie daselbst, als eine Göttinn, verehret worden. Iustin. lib. XVIII. c. 6. §. 8.

5 §. Eigentliche Historie. Daß sie eine tyrische Prinzessinn, und auch des Pygmalions Schwester, gewesen, vor solchem sich nach Afrika gewendet, und daselbst die Stadt Karthada, welches so viel als Neustadt heißt, und hernach in Karthago verwandelt worden, erbauet hatte, läßt sich so vielen Schriftstellern, die es melden, noch wohl glauben. Strabo, Solinus, Iustinus, Herodianus. Orosius & alii ap. Schurtzfleisch. ad Dissert. XXXVII. §. 4. Allein, was von ihrer und des Aeneas Zusammenkunft, Liebe und daher gekommenen Tode Virgilius vorgiebt, ist ein Gedicht, das so fern der guten Dido allerdings nachtheilig ist, weil Karthago erst 299 Jahre nach Zerstörung der Stadt Troja erbauet, und Aeneas lange todt gewesen, ehe sie gebohren worden. Scaliger ap. Voss. Institut. orator. lib. I. c. 6. §. 8. Cf. Mezir. sur les epitr. d'Ovid. T. II. p. 150. Vielmehr ist sie ihrem ersten Gemahle allerdings so getreu geblieben, daß sie ihn als einen Gott verehrete, und ihm in ihrem Pallaste einen Tempel erbauet hatte. Virg. Aen. IV. 457. Mezir. comment. sur les ep. d'Ovid. T. II. p. 208. Ehe sie auch den Hiarbas, König der Maxitaner, heurathen wollte, wozu sie doch ihre eigenen Leute zu zwingen gesucht, damit sie dem von solchem Könige angedroheten Kriege entgiengen, so stieg sie unter dem Vorwande, als ob sie den Geist ihres ersten Mannes zu versöhnen, ein besonderes Opfer thun wollte, selbst auf den Scheiterhausen, und erstach sich daselbst im Gesichte ihres Volkes. Iustin. lib. XVIII. c. 6. Von dieser heldenmüthigen That soll sie auch erst den Namen Dido bekommen haben. Serv. ad Virg. Aen. I. 344. IV. 36. Man will sie noch auf einem alten Gemälde finden, zu dessen Wahrscheinlichkeit verschiedene Verse aus Virgils Aeneid. IV. angewandt werden; weil doch die alten Maler viele Vorstellungen aus ihrer Geschichte gemacht haben. Macrob. Satur. V. 17. Sie stellet eine lange ansehnliche Person vor, die in dem Inneren des Hauses zu gehen scheint, und auf einer Treppe steht, wo sie eine offene Gatterthüre hinter sich hat. In ihrem Gesichte, welches sie nach derselben etwas umgewandt hat, sitzt Betrübniß und Verzweifelung und ihr unordentliches Haar ist mit einer Binde umgeben. Sie trägt ein langes rothes Kleid mit engen bis an die Knöchel heruntergehenden Aermeln, und auch ein rothes Ueberkleid. Die Aerme hängen tief vor ihr hinunter, und sie hat deren Hände zusammen gefaltet, in welchen ein noch in der Scheide steckender Degen steht, der an ihrem linken Arme anliegt, und das Wehrgehenk um sich geschlungen hat. Pitture antiche d'Ercoland. T. I. tav. XIII. p. 70.


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