Gorgones


Gorgones

GORGŎNES, um, Gr. Γόργονες, ων, ( Tab. IV.)

1 §. Namen. Diesen haben sie, nach einigen, von der vorhergehenden Gorgo oder Pallas; Palæph. de Incred. c. 32. nach andern aber, von dem Gorgon, ihrem Vater; oder auch nur von dem griechischen Worte γοργὸς, fürchterlich anzusehen, weil sie dergleichen waren. Becmann. Orig. L. L. in Gorgon. s. p. 518. Sonst aber heißen sie auch Phorcyades, von ihrem Vater, dem Phorkus. Apollod. lib. I. c. 2. §. 6. Doch legen diesen Namen wiederum andere nur ihren Schwestern, den Gräen bey. Hygin. Præf. p. 7.

2 §. Aeltern. Für ihren Vater wird insgemein Phorkus, Apollod. lib. I. c. 2. §. 6. oder, wie er auch genannt wird, Phorcyn oder Phorcis, Palæph. de Incred. c. 32. allein von einigen auch Gorgon, Hygin. præf. p. 7. für die Mutter aber beyderseits die Ceto, des Pontus und der Erde Tochter, angegeben.

3 §. Besondere Namen. Da ihrer drey an der Zahl waren, so hieß die eine Stheno, die andere Euryale und die dritte Medusa. Hesiod. Theog. v. 276. Die erstere nennen einige auch Steno, Zenobius ap. Muncker. ad Hy. Præf. p. 7. andere aber Astheno. Schol. Aeschyl. ap. eumd. l. c.

4 §. Wesen und Schicksal. Sie waren drey Frauenspersonen, und zwar Stheno und Euryale von ihnen unsterblich, Medusa aber sterblich. Hesiod. Theog. v. 277. Diese verwandelten alles, was sie ansahen, in Stein. Aeschyl. ap. Nat. Com. lib. VII. c. 12. & Apollod. lib. II. c. 4. §. 2. Indessen als Polydektes, König in der Insel Seriphus, dem Perseus befahl, ihm der Medusa Kopf zu bringen, so machte er sich auf die Fahrt nach ihnen zu, nachdem ihm Pluto seinen Helm geliehen, in welchem er unsichtbar war, Mercurius seine Halbstiefel gegeben, mit welchen er durch die Luft fliegen konnte, Pallas aber einen ehernen Schild verehret, in welchem er die Gorgonen, als in einem Spiegel, sehen konnte, ohne sie doch selbst zu sehen. Als er daher an den Ocean kam, so traf er zuerst der Gorgonen Schwestern, die Gräen, an, und entführete ihnen ihr Auge und ihren Zahn, womit sie alle drey sich behalfen. Er gab ihnen dieselben nicht eher wieder, bis sie ihm sagten, wo sich die Gorgonen befänden. Als er solches erfahren, so machte er sich nach ihnen zu, und traf sie ungefähr schlafend an. Da ihm nun Pallas die Hand führete, er aber die Gorgonen in seinem Schilde erblickte, so hieb er der Medusa mit der diamantenen Sichel, die ihm Mercurius auch gegeben, den Kopf ab, und machte sich damit durch die Luft wieder davon. Die andern beyden Gorgonen verfolgeten ihn zwar: allein, wegen Plutons Helmes konnten sie ihn nicht sehen, und folglich auch nicht einholen. Apol. lod. lib. II. c. 4. §. 2. Sie befanden sich, nach einigen, jenseits des Oceans, ganz gegen Abend, und also unsern von den Hesperiden. Hesiod. l. c. v. 274. Nach andern aber waren sie auf den gorgadischen Inseln, die in dem äthiopischen Oceane sollen gelegen haben. Plin. H. N. L. VI. c. 31. Solon. c. 56. Nat. Com. l. c. Die dritten geben ihnen ihren Aufenthalt selbst in dem Eingange der Hölle. Virg. Aen. VI. v. 289.

5 §. Gestalt. Sie hatten Köpfe voller schuppichten Schlangen an statt der Haare, Apollod. lib. II. c. 4. §. 5. oder, nach andern, selbst schuppichte Drachenköpfe. Theopomp ap. Nat. Com. lib. VII. c. 12. Dabey hatten sie so große Zahne, als die wilden Schweine, Hände von Erze, und goldene Flügel, womit sie fliegen konnten. Apollod. l. c. Sie gürteten ihre Kleider, an statt des Gürtels, jederzeit mit zwoen Schlangen. Polemo ap. Nat. Com. l. c.

6 §. Eigentliche Bewandniß. Einige wollen, daß sie besondere Thiere in Africa gewesen, die eine Aehnlichkeit mit den wilden Schafen, und einen dermaßen giftigen Athem gehabt, daß sie alles damit umgebracht, was ihnen zu nahe gekommen. Dabey hätten ihnen lange Haare über die Stirne herab gehangen, welche, wenn sie den Kopf geschüttelt, das aber ihrer Faulheit wegen selten geschehen, auch diejenigen getödtet, welche sie nur angesehen. Alex. Myndius ap. Athen. L. V. c. 20. p. 221. & Nat. Com. L. VII. c. 12. Es sollen auch viele von des Marius Soldaten, da sie diese Thiere, in der Meynung, als ob sie wilde Schafe wären, verfolget, von ihnen also seyn getödtet worden. Athen. l. c. Hingegen machen sie andere zu wilden Weibern auf den Inseln Gorgades, deren Leiber ganz mit Haaren bewachsen gewesen, welche in der Geschwindigkeit des Laufes dem Fluge der Vögel gleich gekommen. Plin. H. N. L. IV. v. 31. Nach andern waren sie streitbare Frauen in Africa, die Perseus bekrieget, und auch überwunden haben soll. Diod. Sic. lib. III. c. 55. p. 129. Pausan. Corinth. p. 123. Wiederum andere machen den Phorcys zu einem Könige dreyer besonderer Inseln außerhalb der Säulen des Herkules, welcher nach seinem Tode drey Töchter hinterlassen, deren jede sich eine von den besagten Inseln zugeeignet, und darinnen als Königinn regieret. Diese hatten unter andern eine ganz goldene Statüe der Pallas oder Gorgo von ihrem Vater geerbet; und als Perseus aus seinem Vaterlande vertrieben worden, so gab er einen Seeräuber ab, da er denn endlich in die Gegend ernannter Inseln gekommen. Weil er nun besagter dreyer Königinnen Rath, (Consiliarium) ohne welchen sie nichts thun können, aufgefangen, so habe er versprochen, ihnen denselben wieder zu geben, wo sie ihm die goldene Gorgo dafür geben wollten. Euryale und Stheno ließen sich dazu willig finden, Medusa aber wollte solches durchaus nicht thun; aher er diese hingerichtet, und also die erwähnte Statüe davon gebracht. Palæphat. de Incred. c. 32. So machen sie auch andere zu besondern Königinnen, unter denen insonderheit Medusa einen großen Reichthum zusammen gebracht, die aber Perseus mit seinen Schiffen, welche dessen Flügel gewesen, überfallen, sie erleget, und ihre Schätze mit sich hinweg genommen. Fulgent. Mythol. lib. I. c. 26. Daß sie diejenigen in Steine verwandelt haben sollen, welche sie angesehen, deuten einige dahin, daß einer erstaunet, und gleichsam zum Steine geworden, der sie angesehen, Theopomp. ap. Banier. Entret. XIII. ou P. II. p. 51. Dess. Erkl. der Götterl. V B. 333 S. oder auch, daß sie so schön gewesen, daß wer sie gesehen, vor Verwunderung ganz erstarret. Tzetz. ad Lycophr. 838. & Serv. ad Virg. Aen. II. 616. Gleichwohl halten einige sie für nichts weiter, als libysche Stuten, welche die Phönicier auf einer Reise entführet hatten. Cleric. ad Hesiod. Theog. v. 274–282. Nach andern waren sie so wohl, als die Gräen, ihre Schwestern, weiter nichts als fünf Schiffe des Königes Phorkys in Ithaka, deren Namen phönicisch sind. Stheno heißt so viel, als ein Ruderschiff oder eine Galeere, Euryale, eine Schaluppe, und Medusa, das Admiralschiff, wobey das Wort Sephina, ein Schiff, mit darunter zu verstehen ist. So wie auch Enyo ein Lastschiff, und Pephredo, oder mit Versetzung der Buchstaben, Perphedo, ein Schiff, das süßes Wasser führet, bedeuten soll. Zwey davon waren in einem griechischen Haven weggenommen worden, und hießen deswegen Γραῖαι, die Griechinnen; die drey andern aber wurden anfänglich Κούρος genannt, welches der älteste Namen der Insel der Phäacier ist, die hernachmals Corcyra genannt wurde, von da sie Perseus nach Griechenland führete. Phorkys schickete sie der Handlung wegen nach Africa und auf die Küsten des Oceans, wo man mit Elephantenzähnen, mit Hörnern von verschiedenen Thieren, mit Augen von Hyänen und mit Golde handelte. Diese Schiffe nun, oder wenigstens das Hauptschiff, nahm Perseus weg, und das ist die ganze Fabel. Ban. Erl. der Götterl. IV B. 242 S.

7 §. Anderweitige Deutung. Manche verstehen durch diese Gorgonen das Meer, durch den Perseus aber die Sonne, und machen daher allerhand gezwungene Auslegungen. Tzetz. ap. Nat Com. lib. VII. c. 12. Eher kann man durch den Perseus die Vernunft und Vorsichtigkeit, durch die Gorgonen aber die fleischliche böse Neigung und Wollust verstehen, welche die Menschen gleichsam zu unvernünftigen Steinen macht, jedoch vermag die bloße Vernunft auch wenig dagegen, wo nicht Pallas, oder die göttliche Hülfe derselben beytritt. Omeis Mythol. in Gorgones, s. p. 113. & Paullus Pater ad Palæphat. P. II. c. 32.


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