Helenvs


Helenvs

HELENVS, i, Gr. Ἕλενος, ου, ( Tab. XXXI.)

1 §. Aeltern. Sein Vater war Priamus, König zu Troja, und die Mutter Hekuba, des gedachten Königs ordentliche Gemahlinn. Apollod. l. III. c. 11. §. 5.

2 §. Wesen und Thaten. Als er dereinst mit seiner Schwester, der Kassandra, in dem Tempel des Apollo schlief, so kamen ein Paar Schlangen und lecketen ihnen die Ohren, wodurch sie denn erlangeten, daß sie selbst der Götter Rathschläge hören, und mithin den Menschen hinterbringen konnten. Schol. Eurpid. ap. Muncker. ad Hyg. Fab. 128. Er war daher einer der berühmtesten Wahrsager. Hygin. l. c. Zugleich aber war er auch ein guter Soldat, und, da er von dem Apollo selbst, als der ihn gar sonderlich liebete, einen elfenbeinernen Bogen geschenket bekam, schoß er damit den Achilles in den Arm als solcher seinen Bruder, den Hektor, bereits auf die Flucht gebracht hatte. Ptol. Hephæst. l. VI. p. 330. & Dictys Cret. l. III. c. 6. Als aber Paris umgekommen war, so gerieth er mit dem Deiphobus, seinem jüngern Bruder, der Helena halber, in Streit, weil sie ein jeder haben wollte. Da sie nun endlich Deiphobus bekam, so verdroß es ihn dergestalt, daß er sich aus Troja weg und auf den Ida begab, woselbst er seinen Verdruß mit der Einsamkeit zu vertreiben suchte. Wie aber der Wahrsager Kalchas den Griechen zu verstehen gab, daß sie ohne ihn Troja nicht einbekommen würden, so nahmen sie ihn gefangen, und brachten ihn theils durch Bedrohungen, theils durch Geschenke dahin, daß er ihnen entdeckete, Troja könnte nicht anders, als durch das hölzerne Pferd, und, wenn das Palladium daraus würde entführet seyn, erobert werden. Beydes wurde hernach auch bewerkstelliget, und die Stadt also eingenommen. Conon. Narr. 34. Nach einigen soll er aus Verdrusse gegen den Deiphobus selbst zu den Griechen übergegangen seyn. Orpheus & Tryphiod. ap. Tzetz. ad Lycophr. 911. Nach andern aber wurde er von dem Ulysses durch List aufgefangen. Sophocl. ap. eumd. ibid. Jedoch wollen auch einige, daß er vor des Paris Raube überhaupt einen Abscheu gehabt, und sich daher zu dem Chryses in den Tempel des Apollo begeben. Allein, als ihn dieser verrathen, so habe ihn Ulysses und Diomedes daselbst abgeholet, da er denn den Griechen vieles zu ihrem Vortheile entdecket. Dict. Cret. l. IV. c. 18. Immittelst blieb er des Neoptolemus Sclav, welcher auch ihn, nebst der Andromache, des Hektors vormaligen Gemahlinn, mit sich hinweg nahm. Es ist daher falsch, daß er bey Eroberung der Stadt Troja mit umgekommen. Euripid. ap. Emmeness. ad Virg. Aen. III. v. 295. Er ist auch nicht zu Troja zurück geblieben, noch hat ihm Neoptolemus Hektors Kinder wieder zugestellet. Dict. Cret. l. V. c. 16. & ad eum Anna Fabra l. c. Weil er indessen den Neoptolemus, nach seiner Wahrsagerkunst warnete, nicht mit den übrigen Griechen zu Schiffe zu gehen, weil sie meist auf der See umkommen würden, solches auch hernach erfolgete: so begegnete ihm derselbe, als er sich darauf in dem Epirus nieder gelassen, nicht allein gar leidlich, Serv ad Virg. l. c. sondern gab ihm endlich auch die Andromache zur Gemahlinn. Iustin. l. XVII. e. 3. Wenigstens veranstaltete er bey seinem Absterben, daß er solche, nebst der Vormundschaft über seinen Sohn, den Molossus, und einen Theil seiner Herrschaft haben sollte. Serv. l. c. Er lebte also mit der selben als ein mäßiger König in solchem Lande, da Aeneas auf seiner Reise nach Italien zu ihm kam, und sich über solcher Veränderung mit ihm und der Andromache zum höchsten verwunderte. Virg. l. c. v. 295. & ad eum Donatus l. c. Indessen soll er noch einen Bruder, den Chaon, bey sich gehabt haben, und als er denselben unversehens auf der Jagd erleget, von solchem einen Theil des Epirus Chaonien genannt haben. Sern. l. c. Mit der Andromache zeugete er den Cestrinus, von welchem auch ein Theil des Epirus den Namen bekam. Pausan. Corinth. c. 23. p. 127. Als er endlich starb, so überkam Molossus, sein Stiefsohn, nach ihm die Herrschaft, da sich hingegen Andromache mit ihrem und des Pyrrhus oder Neoptolems Sohne, dem Pergamus, wieder nach Asien wendete, und daselbst ein neues Reich anfieng. Id. Att. c. 11. p. 19. Von diesem allen aber gehen andere in so fern ab, als er sich von dem Agamemnon die Hekuba und Andromache ausgebethen, Dar. Phryg. c. 42. und mit solchen, nebst 1200 wi eder zusammen gelesenen Trojanern, sich nach dem Chersonesus gewendet haben soll. Id. c. 44.

3 §. Charakter. Er soll gnädig, gelehrt und ein Wahrsager gewesen seyn. Dares Phryg. c. 12. Man rühmet von ihm, daß er auf der Troianer Seite eben so klug, als Ulysses unter den Griechen gewesen. Pausan. Eliac. prior. c. 22. p. 331.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.


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