Nilvs


Nilvs

NILVS, i, Gr. Νεῖλος, ου, ( Tab. IV.) des Pontus und Mare, Hygin. Præf. p. 5. oder nach andern, des Oceans und der Tethys Sohn, Hesiod. Theog. v. 338. einer der größten und berühmtesten Flüsse in der Welt, welcher daher mit unter die Sterne an den Himmel versetzet worden. Er ist eben der Fluß an demselben, welchen andere den Eridanus nennen. Hygin. Astron. Poët. l. II. c. 32. Seine Tochter war die Memphis, welche Epaphus heurathete. Apollod. l. II. c. 1. §. 4. Sein Namen heißt nach dem Phönicischen eigentlich nichts mehr, als ein Fluß, und ist also nur ein gemeines Nennwort und kein eigenthümlicher Namen. Cleric. ad Hes. l. c. Er stund bey den Aegyptern in der größten Verehrung; Plutarch. de Is. & Osir. p. 353. T. II. Opp. wie sie ihn denn für den größten unter ihren Göttern hielten. Heliod. Aethiop. l. IX. p. 423. Max. Tyr. Diss. XXXVIII. p. 393. Sie gaben ihn für den Ocean aus und sageten, daß alle andere Götter von ihm gezeuget oder geboren worden. Diod. Sic. l. I. p. 8. Heliod. l. c. p. 445. Er wurde der Vater und Erhalter ihres Landes und des Osiris Abfluß genannt; Plutar. Sympos. l. VIII. qu. 8. p. 729. ja nicht selten mit demselben für einerley angesehen, wiewohl sie beyde unterschieden waren. Iablonski Panth. ægypt. T. I. p. 126. Die Griechen nannten ihn daher auch den ägyptischen Jupiter. Pindar. Pyth. IV. 99. & Schol. ad h. l Es waren ihm hin und wieder, und besonders zu Nilopolis, Tempel errichtet. Stephan. in v. Νεῖλος. Man feyerte ihm auch zu Ehren ein besonderes Fest, welches Niloa hieß, und um die Zeit des Sommer-Sonnenstillstandes, da er an zu wachsen fieng, begangen wurde. Heliodor. l. c. p. 423. Es wurde mit Schmausereyen, Tänzen und andern Lustbarkeiten zugebracht, und man sang an demselben Hymnen, dergleichen man dem Jupiter zu singen pflegt. Nonnus in Opp. Gregor. T. II. col. 529. Sein erster und ältester Namen war Jeor oder Jaro, welcher schlechtweg einen Fluß andeutet, und den er vorzugsweise führete. Iablonski l. c. T. II. p. 142. Mit der Zeit aber bekam er seine eigenthümliche Benennung von seiner besondern Eigenschaft des Aufschwellens, und zwar von dem ägyptischen Nei, bestimmen, ordnen, und Alei, aufsteigen, da er denn eigentlich Nei-alei heißt, der zu gewisser bestimmter Zeit aufsteigt. Iablonsk. l. c. p. 156. Doch hieß er auch von Hhrur, welches von dem sich setzenden Wasser bey den Aegyptern gesaget wurde, zuweilen Phruron, wenn er wieder fiel. Id. l. c. p. 160. Seine Bildsäule wurde gemeiniglich aus schwarzem Steine verfertiget, weil er aus Aethiopien kam, da hingegen der andern Flußgötter ihre von weißem Marmor gebildet wurden. Pausan. Arcad. c. 24. p. 493. Um ihn herum spieleten sechzehn Kinder, welche die Ellen anzeigen sollten, die er wachsen müßte, wenn man rechte Fruchtbarkeit von ihm erwarten könnte. Plin. H. N. l. XXXVI. c. 7. Philostrat. Icon. l. I. n. 5. p. 769. Sie wurden Zwerge des Nils oder πήχεις genannt, welche mit den Pygmäen einerley seyn sollten, von denen man vorgab, daß sie um die Quellen desselben wohneten. Olear. ad Philostr. l. c. n. 1. Es findet sich noch dergleichen altes Denkmaal in der vaticanischen Bibliothek zu Rom, woselbst er als ein Greis hingestreckt liegt und sich auf einen Sphinx mit dem linken Arme stützet, in welchem er ein Füllhorn hält. Sein Haupt ist mit Lorbern und Aehren bekränzet, und in der rechten Hand, die er auf dem Schenkel liegen hat, scheint er ebenfalls Aehren oder andere Gewächse zu halten. An seinem Leibe, auf seinen Beinen, Hüften, Armen, Schultern und überall stehen, sitzen, liegen und kriechen sechzehn Kinder herum, deren eines unten zu seinen Füßen einen Krokodill bey dem Kopfe hält. Unter ihm ergießt sich überall Wasser, und in der Einfassung werden viele Krokodille, Hippopotami, Ochsen, Ibis oder andere Vögel, Lotusbluhmen und Papierstauden, nebst zweenen Kähnen mit Troglodyten, welche fischen, wahrgenommen. Montfauc. Diar. Ital. c. XX. p. 278. Ejusd. Antiq. expl. T. III. pl 108. p. 186. Auf einer Münze des K. Hadrians findet man ihn fast eben so vorgestellet, jedoch nur mit vier Kindern umgeben: sonst aber hat er nur einen Krokodill oder Hippopodamus zu seinem Kennzeichen. Spanhem. de Vsu & Præst. Num. T. I. p. 174. Noch ein anderes altes Denkmaal in halberhabener Arbeit zeiget ihn eben so liegend mit einer Lotusbluhme auf dem Kopfe und einem Sumpfkraute in der rechten Hand, mit dem Füllhorne in dem linken Arme. Anstatt der Kinder aber sind nur acht Kinderköpfe um ihn herum. In der Luft fliegt eine Victoria gegen ihn zu, die ihm einen Kranz aufsetzen zu wollen scheint. Buonarotti Osserv. sop. alc. Med. p. 328. e pref. XXVI.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.


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