Clemens


Clemens

Clemens (lat., der Sanfte). I. Römer: 1) Sklav des Agrippa Postumius; gab nach Augustus Tode u. nach Agrippa's Ermordung sich für Letzeeren aus u. fand Anhang; Tiberius ließ ihn in Ostia greifen u. in Rom heimlich hinrichten. 2) Terentius C., römischer Jurist unter Hadrian u. Antoninus Pius; er schr. 18 (20) Bücher ad Leges.

II. Geistliche: A) Kirchenväter: 3) St. C. (Titus Flavius C.), gewöhnlich Clemens Alexandrinus, aus Athen; erst heidnischer Philosoph, dann Christ, machte Reisen nach Griechenland, Italien u. dem Orient u. war von 191 an Vorsteher der Katechetenschule u. Presbyter in Alexandria. Unter den Christenverfolgungen 202 u. 203 flüchtete er, lehrte aber dann wieder in Alexandrien u. st. 211, nach And. um 220; Tag: 4. Decbr. Der Einfluß griechischer Philosophie, unabhängige Forschung über christliche Glaubenslehren u. Nachsicht gegen Ketzer sind, neben starkem Schwunge der Phantasie u. Vorliebe zu mystischer u. allegorischer Auslegung der Bibel, in seinen auch für das Studium der Alterthümer sehr wichtigen Schriften hervorstechend. Mehrere sind verloren; noch vorhanden: Αόγος προτρεπτικός (eine Ermahnungsschrift an die Griechen), Παιδαγωγός (christliche Moral), Στρώματα (vermischte Bemerkungen u. Abhandlungen über die Frage, welcher Reiche kann selig werden? herausgeg. von Segaar, Utr. 1816, Olshausen, Königsb. 1831). Er war auch ein eifriger Verbreiter des christlichen Gesanges in der Alexandrinischen Kirche, u. von ihm besitzen wir den ältesten christlichen Hymnus: Auf den Erlöser (herausgeg. von Piper, Gött. 1835); Opera omn., 1. Ausg., Flor. 1550, Fol., von Sylburg u. Heinsius, Leyd. 1616, Fol., Köln 1688; von Potter, Lond. 1715, 2 Bde., Fol., Ven. 1757, 2 Bde., Fol.: Oberthür, Würzb. 1780, 3 Bde.; Klotz, Lpz. 1831–34, 4 Bde. Vgl. Neander, De fidei gnoseosque idea etc. sec. mentem Clem. Alex., Heidelb 1811; P. Hofstede de Groot, De Clemente Alex. philosopho christ., Grön. 1826; Eylert, Clem. von Alexand. als Philosoph u. Dichter, Lpz. 1832.

B) Päpste: 4) St. C. I. aus Rom (daher Clemens Romanus), den Apostolischen Vätern beigezählt, da Paulus ihn erwähnt u. Petrus ihn geweiht haben soll, wenigstens war er nach Origenes Jünger des Petrus u. nach der gewöhnlichen Rechnung dessen dritter Nachfolger im Episkopat zu Rom, um 91 (s. Päpste). Unter Trajan soll er nach dem Taurischen Chersones verwiesen worden u., nachdem er daselbst Viele zum Christenglauben bekehrt, um 100 mit einem Anker um den Hals in das Meer geworfen u. hier todt in einer Kapelle aus weißem Marmor von den Nachsuchenden, denen das Meer nach der Legende dazu Platz machte, gefunden worden sein; Tag: 23. Novbr. Er schr. (griech.): Brief an die Korinther (echt); das Fragment eines zweiten (unecht), herausgeg. von Cotelier in den Apostolischen Vätern, in der Galland'schen Bibliothek u. von Schönemann in Pontificum rom. epistolae, Gött. 1796; von Wetstein, Leyd. 1750, Fol.; Muralt, Zür. 1848; übersetzt von Wocher, Tüb. 1830. Unecht sind die Clementinae (eine griechische Erzählung von seinem Leben, seiner Verbindung u. seinen Reisen mit dem Apostel Petrus u. dem abenteuerlichen Wiederfinden seiner Verwandten, in der Form von Homilien), herausgeg. von A. Schwegler, Stuttg. 1847, latein. von Rufinus als Recognitiones Clementis u. abgedruckt in SS. Patrum apost. opp., Amsterd. 1724, 1. Bd., Fol.; von Gersdorf, Lpz. 1837. Vgl. Schliemann, Die Clementinen, 1843; Hilgenfeld, Die Clementinischen Recognitionen u. Homilien, Jena 1848; Uhlhorn, Die Homilien u. Recognitionen des Cl. Rom., Gött. 1854. Ebenso unecht sind die Apostolischen Constitutionen u. Canones (kirchliche, angeblich von den Aposteln ausgegangene Verordnungen in 8 Büchern) u. die ihm angedichteten Briefe in den falschen Decretalen. Die von Kestner ihm zugeschriebene Stiftung eines geheimen Weltbundes zur Verdrängung des Heidenthums ist nicht unbegründet. 5) C. II., vorher Suidger, ein Sachse von Geburt, früher Bischof von Bamberg, Papst 1046–47, s. Päpste (Gesch.). 6) C. (III.), früher Guibert, Erzbischof[203] von Ravenna, 1080 Gegenpapst gegen Gregor VII., vielfach gestört, regierte er bis 1091 u. st. 1100 in Ravenna, vgl. ebd. 7) C. III., Paolo Scolaro, aus Rom, vorher Cardinalbischof von Palästrina, Papst 1187–91, s. ebd. 8) C. IV., vorher Guido Foulques, aus St. Chilles in Nieder-Languedoc, früher Rath des Königs von Frankreich, dann Erzbischof von Narbonne u. als Cardinalbischof von Sabina 1265 zum Papst gewählt, regierte bis 1268, s. ebd. Von ihm sind 711 Briefe in Martène's Thesaur. anecd., Par. 1717; Lebensbeschreibung von Claud. Clemens, Leyd. 1623. 9) C. V., vorher Bertrand d'Agoust (de Goth), wurde 1298 Erzbischof von Bordeaux u. 1305 zum Papst gewählt; er verlegte 1309 seine Residenz nach Avignon, hob 1311 die Tempelherren auf u. st. 1314, s. ebd. Von ihm sind die Clementinae constitutiones (1313 publicirte Kirchengesetze, die sich auf die Reform des Clerus beziehen), s. u. Corpus juris can. 10) C. VI., früher Peter Roger, geb. 1292 in Maumont bei Limoges, Abt der Benedictiner in Fecamp, Bischof von Arras u. Rath des Königs, 1342 Papst in Avignon; er st. 1352, s. ebd. 11) C. (VII.), eigentlich Robert Graf von Geneve, früher Bischof von Cambray, wurde 1378 zum Gegenpapst Urbans VI. gewählt; unter ihm begann das große Schisma in der Lateinischen Kirche; er st. 1394, s. ebd. 12) C. (VIII.), vorher Ägidius Nuñoz, Canonicus in Barcelona; nach Benedict (XIII.) 1424 als Gegenpapst Johanns XXIII. gewählt; dankte 1429 ab, wodurch das große Schisma geendigt wurde, s. ebd. C. 11) u. 12) werden von der Kirche nicht zu den rechtmäßigen gezählt. 13) C. VII., vorher Julius von Medicis, natürlicher Sohn Julius von Medicis, aber als Johanniterprior von Leo X. legitimirt, war früher Erzbischof von Florenz u. Papst 1523–34, s. ebd. 14) C. VIII., vorher Hippolyt Aldobrandini, geh. 1536 in Fano, war früher Legat in Polen, 1592–1605 Papst, s. ebd. Er gah 1592 die Vulgata heraus. 15) C. IX., früher Julius Rospigliosi, geb. 1600 in Pistoja, war vorher Nuntius in Spanien u. Cardinalsecretär Alexanders VI., dem er 1667 folgte; er st. 1669. Nach ihm ist der Friede zur Beilegung der Jansenistischen Händel in Frankreich der Clementinische Friede genannt, s. ebd. 16) C. X., vorher Ämilio Altieri. geb. 1590 in Rom, Papst 1670–76, s. ebd. 17) C. XI., vorher Giovanni Francisco Albano, geb. 1649 in Pesaro, wurde 1690 Cardinal, 1700–21 Papst, s. ebd.; unter ihm sank das Ansehen der Päpste sehr. Werke, Frkf. 1729, 2 Bde., Fol.; Lebensbeschreibung von Buders, ebd. 1721. 18) C. XII., vorher Lorenzo Corsini, geb. 1652 in Rom, wurde 1706 Cardinal, 1725 Bischof von Frascati, 1730–40 Papst, s. ebd. Er stiftete das Corsinische Seminar zur Bekehrung der Griechen. 19) C. XIII., vorher Carlo Rezzonico, geb. 1693 in Venedig, wurde 1737 Cardinal, 1758–69 Papst, s. ebd. 20) C. XIV., vorher Giov. Vinc. Antonio Ganganelli, geb. 1705 in Arcangelo bei Rimini, wo sein Vater Arzt war, wurde Franciscaner, stieg seit 1740 in Rom schnell von Stufe zu Stufe u. wurde, bes. wegen seiner Unzufriedenheit mit der immer mehr sich ausdehnenden Macht der Jesuiten, 1769 Papst; er st. 1774, angeblich von den Jesuiten vergiftet, deren Orden er in der Bulle Dominus ac redemptor noster 1773 aufhob, s. ebd. Er verbot die fernere Verlesung der Bulle In coena Domini (gegen die Ketzer) u. stiftete das Clementinische Museum (s.d.); sein Briefwechsel mit Mehreren seit 1747 ist gesammelt von Caraccioli als Lettres intéress. du P. Clemens XIV. trad. de l'Italien et du Latin, Par. 1776, 3 Bde. (deutsch Lpz. 1777, 4 Bde.); Epistolae et brevia selectiora, herausgegeben von Aug. Theiner, Par. 1852. Vgl. Caraccioli, La vie du P. Clemens XIV., Par. 1775; Leben des Papstes Clemens, Lpz. 1774, 3 Bde.; Reumont, Clemens XIV., seine Briefe u. seine Zeit, Berl. 1847; Aug. Theiner, Geschichte des Pontificats Clemens XIV., Lpz. 1853, 2 Bde. Irrig hielt man diesen Papst in Deutschland lange für einen Buchdrucker, Namens Lange aus der Lausitz, der in Breslau gelernt haben u. durch Mönche nach Rom gekommen sein sollte.

C) Geistliche Kurfürsten: a) Von Köln: 21) C. August, Sohn Maximilian Emanuels, Kurfürsten u. Herzogs von Baiern, geb. 1700 in Brüssel. Während der Besitznahme Baierns durch die Österreicher wurde er in Klagenfurt erzogen; et wurde 1715 Coadjutor von Regensburg, 1719 Bischof von Paderborn u. Bischof von Münster, 1722 Kurfürst von Köln, später noch Bischof von Hildesheim u. Osnabrück u. 10 Jahre später Großmeister des Deutschen Ordens (s.d.); er regierte mehr durch die Minister u. liebte bes. Jagd u. Reisen, s. Köln, (Gesch.); er st. 1761 bei einem Besuche in Trier. b) Von Trier: 22) C. Wenzel, Sohn Augusts III., Königs von Polen u. Kurfürsts von Sachsen, geh. 1739, folgte 1768 auf Joh. Philipp von Walderdorf, s. Trier (Gesch.). Bei der Säcularisation des Kurfürstenthums 1802 erhielt er eine Apanage von 300,000 Gulden u. st. 1812 in Augsburg. Ihm wurde 1854 im königlichen Schlosse zu Coblenz eine Broncestatue errichtet.

III. Prinzen: 23) C. Marie Joseph, Herzog von Sachsen, Sohn des Prinzen Maximilian von Sachsen, geb. 1798, machte mit seinem Bruder, dem nachmaligen König Friedrich August, 1815 den Feldzug in Frankreich mit, ging 1821 mit demselben nach Italien u. st. 1822 in Pisa.

IV. Sonstige Personen: 24) Jac., s. Clement 1). 25) Gottfried, geb. 1. Septbr. 1706 in Berlin, war seit 1734 Hofprediger an den pietistischen Höfen in Lobenstein, Sorau u. Ebersdorf, 1746 Prediger bei der Brüdergemeinde in Barby, wo er 1754 das Brüderseminar gründete, dann in Gnadenfrei, später in Herrnhut u. st. daselbst 23. März 1776; er zeichnete sich als Prediger u. Liederdichter aus. 26) Friedrich, Pseudonym für Gerke.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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