Kattun


Kattun

Kattun, aus ungefärbtem baumwollenem Garne gewöhnlich leinwandartig gewebtes, selten geköpertes, gewöhnlich 4/45/4 breites Zeug, meist etwas steif u. glänzend appretirt. Die Webstühle sind theils Handstühle, theils Maschinen- od. Kraftstühle (s. Kattunweber). K., wie er vom Webstuhl kommt, heißt Roher K.; starke Sorten werden roh zu Segeln verbraucht; blos gebleichter K. heißt Weißer K. (Baumwollenleinwand), u. wird dann statt seiner Leinwand od. seiner baumwollener Zeuge, z.B. Mousseline, verbraucht; beide sind bisweilen 7/48/4 breit. Häufiger wird aber der K. einfarbig gefärbt u. dann als Futterkattun verkauft, wohl auch geglättet. Am häufigsten werden auf K. Muster aufgedruckt; die feineren Sorten hier von hießen Zitz u. enthalten fünf u. mehr Farben auf einem weißen od. blaßfarbigen Grunde. Das Drucken geschieht in Kattundruckereien (Kattunfabriken).

A) Vorbereitung des Kattuns zum Druck. a) Durch das Sengen werden die auf der Zeugfläche vorstehenden Fäserchen weggebrannt, damit das Zeug sein rauhes Aussehen verliere; gewöhnlich wird der rohe, bisweilen erst der gewaschene u. gebleichte K. entweder über Flammen od. über rothglühendes Metall hinweggezogen; im ersteren Falle wendet man einen Sengofen mit Öl-, Weingeist- od. Gasflammen an, od. verwendet auch den glühendheißen Luftstrom aus einem Holzkohlen- od. Koksofen; im letzteren Falle besteht der Sengapparat aus einem kupfernen od. gußeisernen Stabe od. gewölbten u. hohlen Cylindersegment, welche durch Steinkohlenfeuerung rothglühend gemacht werden, bevor man das Zeug darüber hinweggleiten läßt, wobei es sich von einer Walze auf der einen Seite des Sengcylinders ab- u. auf eine andere auf der anderen Seite aufwickelt. Denselben Zweck kann man auch durch Scheren auf einer Schermaschine (ähnlich den Tuchschermaschinen) erreichen. b) Das Bleichen (s.d.) entfernt den gelblichen od. röthlichen Firniß, welcher der Baumwolle anhängt u. das Färben erschwert; ihm geht das Entschlichten vorher, indem man den K. 36 bis 48 Stunden in lauwarmes Wasser einweicht u. dann die in Gährung übergegangene Schlichte (vgl. Kattunweber) auswäscht; gewöhnlich bedient man sich der Chlorbleiche. Bisweilen wird der K. noch präparirt, indem man in Wasser Weinsteinöl gießt u. den K. mittelst einer Färbewinde hindurchzieht, was gewöhnlich in einem hölzernen, mit Bleiplatten ausgeschlagenen Zuber (Bleikessel) geschieht. c) Das Spülen u. Trocknen. Das Spülen u. Auswinden erfolgt in größeren Druckereien auf Maschinen. Die einfachste Wasch- u. Walzenmaschine besteht aus zwei hölzernen Walzen über fließendem Wasser, welche das an seinen beiden Enden zusammengenähte Kattunstück endlos ins Wasser tauchen u. wieder auspressen; oft wird noch Wasser gegen das Zeug gespritzt od. dasselbe geschlagen, u. die Spülmaschinen gehen so in Walken u. Prätschmaschinen über, in denen das Zeug mit Waschhämmern od. Waschbläueln bearbeitet wird. Das Auswinden od. Ausringen wird mit der Hand od. auf der Auswindemaschine vollzogen, indem das Zeug zusammengedreht wird, od. schonender in der Auspreßmaschine, zwischen deren zwei Walzen das Zeug zusammengefaltet hindurch geführt wird; die Walzen der letzteren sind entweder beide aus Holz, od. die untere aus Messing u. die obere aus Holz od. gröberem K. (Kattunwalze). Das Trocknen wird in Trockenhäusern mit od. ohne künstliche Wärme, mit od. ohne Bewegung der trocknenden Luft od. auf Dampftrockenmaschinen, mittels durch Dampf geheizter, im Querschnitte kreisrunder od. elliptischer kupferner Cylinder, deren mehrere neben od. über einander liegen, od. endlich in der Centrifugaltrockenmaschine vorgenommen, d.i. in einer Trommel mit siebartig durchlöcherter Wand. d) Das Rollen (Mangen, Cylindriren) auf der Kattunrolle, welche aus einer Kupferwalze zwischen zwei Papierwalzen besteht, bezweckt, die Fäden des Gewebes glatt zu drücken u. so für den Druck selbst vorzubereiten.

B) Das Drucken selbst erfolgt entweder mit der Hand od. mittels Maschinen. a) Die Handdruckerei vollzieht der Kattundrucker auf dem Drucktisch, dessen Platte mit doppeltem Wollentuch überzogen ist, u. über welchen der auf einer [384] Walze an dem Ende des Tisches aufgerollte K. glatt ausgebreitet wird. Der bedruckte K. wird über mehrere Rollstäbe an der Decke des Drucksaales gezogen u. hängt von diesen in mehrfachen, sich nicht berührenden Lagen herab, bis er endlich, sattsam getrocknet, auf einer neben dem Tische stehenden Bank zusammengelegt wird. Neben dem Drucktische steht der Farbentrog (Streichkasten, das Chassis); dieser besteht aus dem eigentlichen Troge, etwa 20 Zoll im Quadrat u. 6 Zoll tief, mit Gummilösung u. Leinsamenschleim gefüllt, u. aus zwei Rahmen von etwa 3 Zoll Tiefe, von denen der eine mit Wachsleinwand, der andere mit Tuch überspannt ist u. mit diesen einen doppelten Boden (das Sieb) bildenden Überzügen auf der Gummilösung aufliegt u. so eine elastische Unterlage bildet. In das Sieb trägt nun der Streicher, Streich- od. Druckjunge die Farbe aus dem Farbentopfe mit einem Pinsel od. einer Bürste gleichmäßig auf, damit die Druckform mit erhabenem Muster, welche der Drucker darauf schlägt, mit Farbe überzogen werde u. so auf dem K. abgedruckt werden könne. Am leichtesten ist der Druck bei K. mit einfarbigem Muster auf weißem Boden (Patentkattun), wozu also nur eine Kattunform nöthig ist. Bei vielfarbigen Mustern (mehrbändiger Druck) wird erst mit Vorformen der Umriß des Musters mit schwarzer od. dunkler Farbe vorgedruckt; alsdann werden auf den in den Umrissen weiß gebliebenen Stellen die verschiedenen Farben nach Angabe des Musters mit Passerformen (Passern), doch mit jedem Passer nur Eine Farbe, eingedruckt. Soll der Grund des K-s farbig werden, so wird er zuletzt mit der Grundform gedruckt. Damit die auf einanderfolgenden Abdrücke der Form auf dem Stoffe genau an einander, u. bei mehrhändigem Drucke die einzelnen Farben genau in einander passen (Rapport halten), sind an den Formen Stifte angebracht, welche beim Aufdrucken (Abschlagen) der Form Löcher in den K. stechen, in welche dann beim nächsten Abschlagen die Stifte wieder eingesetzt werden können. Ist der Grund des K-s punktirt, od. sind punktirte Schattirungen in dem Muster, so werden Stippeiformen dazu genommen, auf deren Oberfläche Drahtstifte eingeschlagen sind, welche die Punkte hervorbringen. Für einzelne Fälle werden auch Model od. sich wiederholende Theile derselben aus Schriftgießermetall od. Roseschem Metall nach der Stereotypenmanier hergestellt, so z.B. für Muster mit einzelnen getrennten Blumen. Ist der Umriß des Musters u. der punktirte Grund od. die punktirte Schattirung von derselben Farbe, so wird sogleich die Vorform mit als Stippeisorm eingerichtet. Auch durch die Passerformen können Schattirungen od. Mittelfarben hervorgebracht werden, wenn sie ein Stück des schon gedruckten Musters bedecken, u. auf die dunkleren Farben hellere aufgetragen, so daß zwischen blau u. gelb grün, zwischen blau u. roth violett etc., entsteht. Sollen in dem Muster noch Farben an Stellen angebracht werden, wo keine scharfe Begrenzung nöthig ist, so geschieht dies durch das Schildern, od. das Auftragen der Farbe mittelst eines Pinsels, was meist Schildermädchen verrichten b) Für den Maschinendruck hat man zwei im Princip verschiedene Druckmaschinen: aa) Platendruckmaschine; an Stelle der Druckmodel treten größere Platten aus Holz mit erhabenem Muster (z.B. bei der von Perrot erfundenen Perrotine) od. (selten) aus Kupfer mit vertieft gravirtem Muster. Die Farbe wird durch eine Speisewalze auf die Platten aufgetragen u. in einer der Buchdruckerpresse ähnlichen Maschine aufgedruckt; die Platten reichen über die ganze Breite des K-s. bb) Bei der jetzt gewöhnlicheren Walzendruckmaschine ist das Muster auf einer Kupferwalze entweder erhaben (selten, bei den sogen. Plombinen) od. vertieft gravirt; diese Druckwalze wird ununterbrochen auf der einen Seite durch eine hölzerne, mit Tuch überzogene Speisewalze aus dem Farbentrog mit Farbe versehen, der Überschuß durch ein genau abgerichtetes stählernes Lineal (Streicher, Schaber) wieder abgenommen, u. auf der anderen Seite wird der K. von einer größeren eisernen, mit Tuch bekleideten Walze an die sich gleichmäßig umdrehende Druckwalze angedrückt u. an ihr vorüber geführt. Wird mit schnell trocknenden Farben gedruckt, so wird der gedruckte K. in einem Zimmer über der Druckmaschine zusammengelegt; sonst passirt er mit seiner Unterlage (einem Kattunstück ohne Ende) auf Leitwalzen durch die Trockenstube an den Ort, wo er gelegt wird. Man hat Maschinen construirt, welche sechs verschiedene Farben zugleich beim einmaligen Durchgange des K-s aufdrucken. Die Herstellung der Druckwalzen ist schwierig u. kostspielig, das Muster wird erst vertieft in eine kurze u. dünne Stahlwalze gravirt od. mit Punzen eingeprägt, von dieser erhaben auf eine ähnliche Stahlwalze (die Molette) durch Walzendruck übertragen u. von dieser endlich wieder vertieft auf die kupferne od. messingene Druckwalze.

C) Das Chemischeder Druckerei schließt sich eng an die Färberei an (vgl. Färbekunst); in der Ausführung aber weichen beide von einander ab Zunächst sind die Beizen je nach dem Muster nur an einzelnen Stellen anzubringen, u. an diesen Stellen Farbe haften zu machen od. sie wegzunehmen. Die Beizen zerfallen demnach in gewöhnliche od. Befestigungsbeizen, befestigen den Farbstoff, ähnlich wie in der Färberei; Ätzbeizen od. Fraßbeizen, entfernen den Farbstoff wieder von den gebeizten Stellen, z.B. Chlorkalk mit Weinsäure, Kleesäure etc.; Reservagen od. Pappen verhindern, daß sich der Farbstoff an den gebeizten Stellen mit der Faser verbindet, indem sie entweder den Farbstoff zersetzen (Ätzreservagen) od. die Stelle vollständig verdecken (mechanische Beizen), z.B. Pfeifenthon u. Talg. Damit die Beize sich nicht unregelmäßig über das Zeug ausbreitet, sondern an der zu beizenden Stelle allein haftet, wird sie mit Mehl, Stärke, Gummi, Dextrin, auch wohl mit Pfeifenthon u. Leim verdickt. Die Beize wird entweder mit der Hand mittelst eines flachen Bretes (Klotz, Klotzen der Beize) od. mit der Klotzmaschine aufgetragen; bei Mustern mit Handformen, Platten od. Walzen. Die Beize läßt man nun eintrocknen, indem man die Stoffe im Freien ausspannt od. sie in einem Trockenraum od. über einem Trockenofen auf Gleitwalzen hin u. her bewegt. Die farbigen Muster können nun auf eine der folgenden Weisen erhalten werden: a) einfarbiges Muster auf weißem Grunde (Weißboden); man druckt das Muster mit Beize auf, gibt ein Kuhkothbad u. färbt im Kessel aus; die gebeizten Stellen färben sich der Beize gemäß u. die ungebeizten bleiben weiß od. färben sich doch nur so schwach, daß sie bei dem nachfolgenden Waschen mit Kleien[385] od. Seife od. gelindes Bleichen (Buntbleiche) weiß werden. Diese Methode wird vorzüglich bei Krapp (oft mit Zusatz anderer Pflanzenfarben) angewendet, zur Erzeugung von Krapproth u. Krapporange; Krapp, Wasser u. K. werden zugleich in einen kupfernen Kessel gethan, u. der K. muß während des Kochens beständig mit einer Winde durch das Wasser gezogen werden. b) Weißes Muster auf farbigem Grunde kann verschieden erzeugt werden: man nimmt durch eine Ätzbeize die Farbe an den Musterstellen wieder weg, erhält aber so ein nicht vollkommen weißes Muster; durch Reservebeizen spart man das weiße Muster aus, wenn das Stück ausgefärbt wird; so erzeugt man z.B. küpenblauen od. im Krappkessel gefärbten Grund mit weißem Muster, ersteres durch Kupferoxydulsalz- od. chromsaure Kalibeize, letzteres durch Citronsäure od. Kleesäure, wenn für die Krappplatte auf essigsaurer Thonerde gebeizt wird; c) mehrfarbiges Muster auf farbigem od. weißem Grunde; man benutzt verschiedene Beizen u. färbt mit einem Farbstoff aus, vorzugsweise mit Krapp u. essigsaurer Thonerde- (roth) u. mit Eisenbeize (violet bis schwarz); dabei druckt man erst mit Citronensäure als Atzreservage für Weiß, dann mit essigsaurer Thonerde (mit Zusatz von Zinnchlorür) als Befestigungsbeize für Roth, u. über beide hinweg kommt holzsaures Eisen als Beize für Violet u. Schwarz u. endlich färbt man in Krapp aus; man benutzt verschiedene Beizen u. verschiedene Farben, z.B. man druckt Pfeifenthon od. Talg als Reservebeize für Weiß, essigsaures Eisenoxyd als Beize für Schwarz, essigsaure Thonerde als Beize für Roth, Gelb u. Grün; allen Beizen, mit Ausnahme der für Grün, setzt man Chromsäure zu, um das Aufhaften des Indigs zu verhindern: dann färbt man in der Indigküpe (Vitriolküpe) blau, dann in Quercitron gelb u. über blau grün, endlich noch die anderen Farben. Die so gefärbten Zeuge nennt man Lapiszeuge. Beim Tafeldruck wird der Farbstoff mit seiner Beize zugleich verdickt aufgedruckt; durch den Einfluß der Luft vereinigt sich Farbe u. Beize mit dem Zeug an den bedruckten Stellen, u. nach 12 bis 24 Stunden wird das Zeug blos gewässert u. ist fertig; z.B. eine mit Zinncomposition u. Zinnsalz versetzte, mit Stärke verdickte Abkochung von Rothholz aufgedruckt, zeigt nach einigen Tagen einen aus Zinnoxyd u. Rothholzfarbstoff auf der Faser niedergeschlagen, od. Sächsischblau mit Operment u. Kalk, od. Indig mit Kleesäure u. Zinnsalz. Diese Tafelfarben sind meist sehr unecht; die falschen Tafelfarben werden als fertige Farben aufgedruckt u. durch ein Klebmittel befestigt, ein Verfahren, welches noch unechtere Färbung liefert. Auch Gold- u. Silberdruck kann man so ausführen u. zwar entweder mit Blattgold od. Goldstaub. Wenn man aber die mit Tafelfarben gedruckten K-e in einem geschlossenen Behälter eine Zeit lang der Einwirkung von Wasserdampf aussetzt, so werden die Farben viel schöner u. echter (Dampffarben), indem der Dampf durch Wärme u. Feuchtigkeit bald die Wechselwirkung zwischen Farbe u. Beize erleichtert, bald die Faser für die Farbe empfänglicher macht Beim Dämpfen muß man dem Dampfe eine möglichst vollkommene u. gleichmäßige Einwirkung auf den K. gestatten. Vgl. Persoz, Traité théor. et prat. de l'impression des tissus, Par. 1846, 4 Bde.; Kreyssig, Vom Zeugdruck u. die damit verbundene Bleicherei u. Färberei, Berl. 1836–44, 4 Bde., von Kurrer, Geschichte der Zeugdruckerei, Nürnb 1840; Derselbe, Die Druck- u. Färbekunst, Wien 1848–50, 3 Bde.; Derselbe, Das Neueste der Druck- u. Färbekunst, Berl. 1858.

D) Appretur nach dem Drucken. a) Einzelne bedruckte K-e erfordern nach dem Drucken ein nochmaliges Bleichen, die Buntbleiche, vgl. C) a). Manche Farben vertragen diese Bleiche nur des Nachts od. an trüben Tagen, man legt dabei die bedruckte Seite auf den Rasen u. erhält sie immer feucht. b) Durch das Stärken gibt man allen K-en Steifigkeit, indem man sie mit Weizenstärke tränkt; in gewissen Fällen setzt man der Stärke Wachs, Seife, Stearinsäure zu, oft auch Gummi, u. zur Erzielung eines bläulichen Scheines bei weißem K. Ultramarin, Schmalte etc. Man hat dazu eine besondere Stärkemaschine od. Stärkekalander, in welcher der K. aus dem Stärketroge zwischen zwei Walzen durchgeht, welche das Eindringender Stärke befördern u. das Überflüssige ausdrücken. c) Nach dem Trocknen im Trockenhause auf der Einsprengmaschine durch eine im Wasser sich umdrehende Bürstenwalze mäßig angefeuchtet u. dann kalandert, cylindrirt od. gemangelt, wodurch der K. Glätte u. Glanz erhält (vgl. Kalander). Endlich folgt d) das Messen, Zusammenlegen u. Pressen zwischen glatten Bretchen, Preßspänen od. Kupferplatten in Schrauben od. hydraulischen Pressen.

Nach Herodot findet man die ersten Spuren von Verfertigung des K-s bei Völkern in der Gegend des Kaspischen Meeres, später bei den Ägyptiern, von welchen die Inder diese Kunst erlernten. Schon 138 v. Chr. trieben die Inder mit gedruckten u. gemalten baumwollenen Zeugen Handel nach China. Die ostindischen K-e hatten bis zu Ende des 18. Jahrh. wegen Lebhaftigkeit u. Festigkeit der Farben den Vorzug. Auch wird in Indien viel K. gemalt, indem man den Umriß des Musters zuvor mit durchlöcherten Papierschablonen u. Kohlenstaub aufträgt. Die englischen K-e zeichnen sich durch Feinheit des Gewebes u. durch Lebhaftigkeit u. Festigkeit der Farben aus, man erkennt sie daran, daß die Farben auf der linken Seite sehr sichtbar u. die Faden (wegen der Maschinenspinnerei u. Weberei) sehr rund sind. Die Schweizerkattune zeichnen sich durch Dichtigkeit des Gewebes aus, indem sie größtentheils in Kellern od. unterirdischen Gemächern gewebt werden, wo der sich etwas feucht haltende Faden fester geschlagen werden kann. Die deutschen K-e suchen alle Vorzüge des ausländischen K-s zu erreichen, sind aber bes. in der Wahl geschmackvoller Farben u. Muster ausgezeichnet. Während des Continentalsystems unter Napoleon gelangte die Kattunmanufactur in Deutschland, bes. in Sachsen, zu einer bedeutenden Höhe. Im Erzgebirge, bes. in Chemnitz, in der Umgegend von Zittau (Warnsdorf), in Elberfeld u. Barmen sind die vorzüglichsten Kattunmanufacturen. Mit Dampffarben bedruckte K-e liefert vorzüglich auch Mühlhausen. Die Kattunmanufactur ist bes. da mit Vortheil zu betreiben, wo Brennmaterial u. der Lebensunterhalt der Arbeiter wohlfeil ist, od. wo es an anderen Erwerbsmitteln fehlt, od. wo der Bedarf des K-s im Lande bedeutend u. aus dem Auslande zu beziehen verboten ist, wie in Rußland, od. wo dem Fabrikherrn eine große Ausfuhr ins Ausland möglich ist, wie in England.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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