Parīs [1]


Parīs [1]

Parīs, 1) Arrondissement im französischen Departement Seine; enthält blos die Stadt Paris nebst Umgebung; 2) Hauptstadt des Kaiserreichs, des Departements u. des Arrondissements. P. ist Residenz des Kaisers, Centralpunkt aller Ministerien u. sonstigen Behörden Frankreichs, Sitz des Senats u. der Deputirtenkammer, eines Erzbischofs, zahlreicher Gerichte, Gerichtshöfe (Cassationshof, Handelsgericht, Appellhof, Tribunal, 20 Friedensgerichte etc.), des ersten Militärobercommandos, der ersten Militärdivision, einer Generalpostdirection, Forstconservation, der Zolldirection etc.; die Präfectur- u. Stadtobrigkeiten: der Präfect des Seinedepartements mit seinem Präfecturrath u. der Polizeipräfect, unter welchen beiden die Maires u. die 20 Friedensrichter der 20 Arrondissements stehn; ferner noch zahlreiche andere Staats- u. städtische Behörden. P. liegt in einer weiten Ebene, welche nördlich durch den Montmartre, nordöstlich durch die Höhen von Belleville u. Menilmontant, die sich bis zum Kirchhofe des Père La Chaise u. gegen Vincennes als rechtes Thaluser der Seine hinziehn, u. südwestlich etwas entfernter durch die Höhen, welche bei Marli, St. Cloud, Sevres, Meudon etc. den südlichen Thalrand derselben bilden, begrenzt ist. Das eigentliche P., wie es vor 1860 bestand (wo eine große Anzahl umliegender Orte u. Dörfer mit hinzugezogen wurde, s. w. unten), ist 24 Stunde lang, 2 breit, hat 8 Stunden im Umfang u. ist durch eine 1784–90 unter Ludwig XVI. 12–15 Fuß hohe, nur einige Fuß dicke, von Backsteinen gebaute Ringmauer umschlossen. Durch diese Mauer führten vor 186058 Barrièren, von welchen sich durch ihre Bauart bes. auszeichnen Arc de triomphe de l'étoile, Propylces de St. Martin an der Barrière de la Villette, u. die Barrière du Trône auf der Straße nach Vincennes, welche aus zwei 100 Fuß hohen Säulen besteht. In dieser Ausdehnung umfaßte P. seither 3288 Hectaren (über 3/5 geogr. QM.); am 1. Jan. 1860 verschwanden dagegen die Barrièren u. die 11 Hauptgemeinden der Arrondissements St. Denis Sceaux u. Theile von 13 anderen Gemeinden wurden der Hauptstadt einverleibt, so daß diese jetzt 7088 Hectaren (über 11/4 geogr. QM.) umfaßt. Die Seine durchschneidet die Stadt von Südosten nach Nordwesten, bildet einige Inseln u. tritt dann, sich südwestlich wendend, wieder aus derselben aus.[681] In sie fällt am linken Ufer die Bièvre; sie u. ihr parallel laufender Arm des Gobelins bilden mehre kleine, mit Häusern besetzte Inseln. Von Nordosten kommend, tritt der Kanal de l'O urcq in die Stadt; er theilt sich außerhalb derselben in zwei Arme, von denen der eine als Kanal von St. Denis außerhalb P. bei St. Denis in die Seine fällt, der andere, von dem Trennungspunkt an, Kanal von St. Martin genannt, P. gegen Süden durchschneidet u. oberhalb der ersten Seineinsel sich mit der Seine vereinigt. Er wird zum Wassertransport gebraucht u. führt der Stadt Trinkwasser zu.

Die Seine theilt P. in zwei Hälften, wovon die nördliche etwas größer als die südliche ist; den auf den Seineinseln: Cité (Isle du palais), Isle Louis, Isle Louviers (erstere beiden bebaut u. der älteste Theil von P., letztere meist Holzniederlagen) gelegenen Theil unterscheidet man als la Cité (Altstadt), den auf dem rechten Ufer gelegnen größern nördlichen Theil als la Ville, den etwas kleinern auf dem linken Ufer gelegenen südlichen als l'Université. Eine andere Eintheilung ist die in das Centrum, welches den innern schönen Theil am rechten Seineufer u. die innern Quais am linken begreift, den gewerblichen Theil östlich dem Vorigen, welcher auch einen Theil der Faubourg St. Antoine begreift, die Faubourg St. Germain, südlich der eigentlichen Stadt, das Quartier der Schulen (Quartier latin) neben diesem, den Westtheil westlich u. nordwestlich u. die Vorstädte außer den bereits genannten. Beide Eintheilungen sind aber nur im gemeinen Leben üblich, officiell zerfällt P. in 20 Arrondissements (Mairies, Municipalites) u. jedes von diesen wieder in vier Quartiers. Die 20 Arrondissements bilden vier Wahlbezirke, von denen jeder wieder ein Wahlcollegium von 50 Mitgliedern hat.

P. wurde seit Ende 1841 wieder zur Festung umgeschaffen, nachdem die Regierung u. bes. Thiers nach langen Kammerdebatten dies durchgesetzt hatte. P. sollte dadurch gesichert sein, nicht wieder, wie 1814 u. 1815, von auswärtigen Feinden mit verhältnißmäßig geringen Heeren genommen zu werden, sondern sich mehre Wochen u. Monate durch sich selbst, seine Nationalgarden u. ein kleines hineingeworfenes Corps halten können u. zugleich den Hauptwaffenplatz für Frankreich, ein Replis für ein geschlagenes Heer, ein verschanztes Lager u. den Mittelpunkt des Kriegs bilden. Die Befestigung besteht erstens aus der bastionirten Umwallung. 600–2500 Schritt jenseit der innern Ringmauer ist nämlich eine Umwallung angelegt. Sie ist in bastionirter Trace geführt u. enthält 85 sehr stumpfe Bastions mit kurzen Flanken u. mehre unregelmäßige Vorsprünge. Diese Umwallung deckt die Gebäude der innern u. äußern Stadt gegen die Beschießung von außen. Die Escarpe des Walls ist gemauert, der zum Theil durch Kanäle u. die Seine unter Wasser zu setzende Graben etwa 72 Fuß breit u. auf der Contreescarpe stufenförmig abgestochen, um Ausfälle möglich zu machen, ein Glacis deckt die Mauer der Escarpe gegen Schüsse von außen. An der innern Böschung des Walls läuft ein gepflasterter Communicationsweg; für 35 große u. 17 kleinere Straßen sind Öffnungen in der Mauer u. Zugänge gelassen; den Raum zwischen dem Umfassungswall u. der (seitherigen) Octroimauer füllen die Dörfer vor den (frühern) Barrièren aus, welche nach u. nach zu äußern Vorstädten anwuchsen (auch der Montmartre liegt in diesem Raum); die meisten sind durch den Befestigungswall durchschnitten worden. Aus 15 (mit Vincennes 16) detachirten Forts, 1800–8000 Schritt jenseit der Umwallung der Stadt hinaus gebaut, bilden eine erste Vertheidigungslinie u. schließen einen großen Raum ein, welcher zugleich zum verschanzten Lager dienen kann. Diese erste Vertheidigungslinie, welche aber mit keiner Courtine verbunden ist, beginnt im Südosten mit Fort Charenton (Alfort), am Einfluß der Marne in die Seine, überschreitet die Marne auf dem Isthmus von St. Maur, läuft östlich der Seine u. Marne weg nach den Forts Nogent, Rosny, Noisy u. Romainville (Pantin), welche das Schloß zu Vincennes zum Hauptrückhalt haben, nach dem Ourcqkanal u. hinter diesem u. dem Kanal von St. Denis, wo die aus diesem ausgehobene Erde nach der Stadt zu aufgeschüttet eine Art Brustwehr bildet, vor welcher auch das Dorf Aubervilliers befestigt u. vertheidigt werden kann, nach St. Denis; dieses bildet durch die es umgebenden Fort d'Este, die Lunette de Stains, das Fort du Nord u. die Couronne de la Briche befestigt, den zweiten, auch durch anzulegende, durch die Lunette de Stains zu deckende Inundationen zu vertheidigenden Hauptpunkt der äußern Befestigung. Dann läuft die Vertheidigungslinie ohne besondere Befestigung hinter der Seine weg nach dem auf dem linken Seineufer liegenden, starken Fort Mont Valérien. Von da bildet die Seine wieder die Vertheidigungslinie, bis unter Meudon die Forts wieder beginnen u. südwärts in fast gerader Linie sich durch Fort Issy. Vanvres, Montrouge, Bicêtre u. Ivry gedeckt, an das Fort Charenton wieder anschließen. Sämmtliche Forts sind bastionirt, die Forts Nogent, Rosny, Noisy haben Hornwerke vor sich, die Lunette de Stains ist ein Hornwerk, mit Ravelins u. einer Devensivkaserne hinter sich. Die Escarpen sind so hoch, wie bei der Umwallung, eben so die Contreescarpen; ein bedeckter Weg ist angelegt, gemauerte Caponieren in demselben, bombenfeste Pulvermagazine u. eben solche Kasernen; eine gepflasterte Straße (Route stratégique) verbindet die Fort Nogent, Rosny, Noisy u. Romainville, u. auch den Mont Valérien über die Seine mit dem Bois de Boulogne.

P. war schon ehedem Festung, u. den Raum der sonstigen Wälle u. Gräben nehmen jetzt, wenigstens am rechten Ufer, die Boulevarts (d.i. Bollwerke) ein, welche breite, von meist prachtvollen (oft bis zu sechs Stockwerken hohen) Gebäuden eingefaßte mit doppelten u. dreifachen Alleen besetzte macadamisirte Straßen bilden. Die 22 Boulevarts zerfallen wieder in die B. du nord u. die B. du midi. Erstere, 14,000 Fuß lang, schon 1668 von Ludwig XIV. angelegt, beschreiben auf dem rechten Seineufer einen Halbkreis, beginnen am Platze Madeleine unsern der Place de la Concorde mit dem B. de la Madeleine u. laufen als B. des Capucines, des Italiens, Montmartre, Poissonière, Bonne Nouvelle, St. Denis, St. Martin, du Temple (in neuster Zeit auch B. du Crime genannt, wegen der Menge von Melodramen- u. andern Theatern, welche sich hier finden), des Filles du Calvaire, de St. Antoine (jetzt Beaumarchais) u. jenseit des Bastilleplatzes noch der B. Bourdon (mit dem gegenüberliegenden B. de la Contrescarpe) nach der obern Seine herum,[682] wo sie an der östlichen Spitze der Insel Louviers endigen. Zu ihnen führen, als Überbleibsel der alten Thore, die beiden Triumphbogen der Porte St. Denis u. der Porte St. Martin. Erster ist da, wo die Straße St. Denis die Boulevarts durchschneidet, zu Ehren Ludwigs XIV. bei seiner Rückkehr 1672 aus den Niederlanden von der Stadt P. gesetzt, mit einer Hauptdurchfahrt u. zwei Seitenthoren, mit Trophäen, Bildsäulen (des Rheins u. Hollands), Basreliefs u. mit der Inschrift Ludovico Magno versehn, von Napoleon 1807 restaurirt; die Porte St. Martin aber da, wo die Straße St. Martin die Boulevarts durchschneidet, 1674 Ludwig XIV. zu Ehren nach neuen Siegen von der Stadt P. errichtet u. mit drei Bogengängen u. Basreliefs geschmückt worden. In den nördlichen Boulevarts, bes. den westlichern, pulsirt die Hauptader des Pariser Lebens, dort findet man Magazine der Kaufleute, Kaffee- u. Speisehäuser u. das regste Straßenleben. Weit weniger belebt sind die Boulevarts du midi (22,000 Fuß lang), welche, erst 1761 angelegt, als B. de l'Hopital von der Pont d'Austerlitz nach der Barrière d'Italie u. der Ringmauer in gerader Linie hinlaufen, von da als Boul. des Gobelins, St. Jacques u. d'Enfer an der innern Seite der Ringmauer hinlaufen u. von da als B. du Mont Parnasse u. des Invalides beim Invalidenhaus endigen. Verschieden von diesen innern sind die äußern Boulevarts (Boulevarts extérieurs), welche längs der äußern Seite der Ringmauer angelegt sind, südlich von der Barrière d'Italie bis zur Barrière de l'Enfer, mit jenen, nur durch die Ringmauer getrennt, zusammenlaufen, aber wenig besucht sind, auch großentheils keine eignen Namen führen. Außer diesen eigentlichen Boulevarts sind noch in neuester Zeit durch Napoleon III. eine Anzahl schnurgerader, mit Alleen bepflanzter Straßen erbaut u. ebenfalls mit dem Namen Boulevarts bezeichnet worden; die bedeutendsten davon sind: Boulevart de Sebastopol (vom Strasburger Bahnhof jenseit der nördlichen inneren Boulevarts ausgehend, diese im Boulevart St. Denis rechtwinklig durchschneidend, bis auf die Place du Chatelet an der Seine fortführend u. jenseit der Seine wieder fortgeführt bis in die Nähe der Sternwarte), B. du Nord (von der Barrière Poissonnière der äußern Boulevarts bis zum Chateau d'Eau an die innern Boulevarts [St. Martin u. du Temple] führend), B. Malesherbe (von der Place de la Madeleine nach dem Park von Monceaux u. Batignolles), B. Mazas (von der Barrière du Trône bis zur Place Mazas am Pont d'Austerlitz); andere sind theils im Bau begriffen, theils noch projectirt.

Vorstädte (Faubourgs) gibt es 14: die Boulevarts im Norden trennen die dortigen Vorstädte von der Stadt; es sind dies am rechten Seineufer die Faubourgs St. Antoine, du Temple, St. Laurent, St. Martin, St. Denis, St. Lazare, Montmartre, St. Honoré, Chaillot, le Roule, auf dem linken Seineufer, von den südlichen Boulevarts zum Theil umschlossen, St. Germain, Richelieu, St. Victor, St., Jacques. Viele Dörfer, welche sich bis an die Ringmauer erstreckten, sind am 1. Jan. 1860 der Stadt gänzlich einverleibt u. mit in deren Octroigebiet gezogen worden; nämlich am rechten Seineufer: Point du jour, an der untern Seine rechts, Anteuil, Boulainvilliers, Passy, einer der besuchtesten Vergnügungsörter, bes. wegen der Bals champêtres; Chaillot, jenseit des Triumphbogens de l'Etoile, mit großer Wassermaschine; les Battignoles, vor der Barrière von Monceaux, u. der de Clichy (80,000 Ew.), Montmartre, Clignancourt, am Fuße des Vorigen, la Chapelle, la Villette mit Petite la Villette, mit dem Bassin de l'Ourcq, Waarenmagazine u. Guinguetten (Schenkhäusern), Près St. Gervais, Belleville, mit vielen Landhäusern u. Guinguetten; Charonne mit Petite Charonne, Grande Piété, Bercy, mit Schloß u. Park. Hier schließen sich die äußern Vorstädte wieder an die obere Seine an. Am linken Seineufer: Austerlitz, Bercy gegenüber: ein Theil von Gentilly, mit vielen Fabriken. Außerdem Petit Montrouge, Vaugirard, Fabrikdorf, voll Wirthshäuser; Grenelle, 10,000 Ew.; Anteuil am andern Seineufer gegenüber, daneben die Ebene von Grenelle.

Die Straßen, 1900 bis 2000, mit einer Gesammtlänge von 425 Kilomètres, von P. sind sehr verschieden; im Centrum u. im gewerblichen Theil sind sie theilweis winklig u. eng, theilweis bes. durch die vielen Bauten in neuster Zeit breit u. prächtig, wie die Rue de St. Honoré, die über eine Stunde lange schnurgerade von der Place de la Concorde an den Tuilerien u. Louvre vorüberführenden Rue Rivoli, die ebenfalls neuen Rue Rambuteau, Rue Bonaparte u.v.a., so wie die Boulevarts u. Quais; im westlichen Theil befinden sich ebenfalls sehr schöne Straßen, wie die Avenue von Neuilly (Avenues heißen meist die zu beiden Seiten mit Bäumen besetzten, geraden, breiten Straßen), welche sich durch die Avenue des Champs-Elisées u. über die Place de la Concorde bis an den Tuileriengarten fortsetzt, eben so die Rue de Faubourg St. Honoré, die kurzen Straßen Rue de Champs-Elisées, Rue royale, Florentin, du Luxembourg, de Castiglione etc. Andere längere Straßen sind die Chaussée d'Antin, die Rue Richelieu, die Rue Faubourg St. Antoine, Lafayette u.v.a. Auf der Straße Viarmes bei der Getreidehalle steht die 95 Fuß hohe, 9 Fuß dicke Säule der Katharina von Medici, welche der einzige Überrest des von dieser Königin gebauten Hotels de Soissons ist u. jetzt zu der gleichnamigen Fontaine dient; sie ist zu ersteigen u. hat auf ihrem Gipfel eine Sonnenuhr. Der südliche Theil, bes. die Faubourg St. Germain, hat schöne Straßen u. bes. Avenuen, de la Bourdonnaye, de la Motte Picquet, Lowendal, de Ségur, de Breteuil, de l'Observatoire, u. de la Pépinière. In allen der Seine parallelen Straßen fangen die Hausnummern gegen Osten mit Nr. 1 an u. steigen dann immer nach Westen alternirend, in den auf die Seine zulaufenden Straßen beginnen die Nummern an dem derselben am nächsten Ende u. steigen je nachdem sich die Straße vom Flusse entfernt, so daß wenn die Nummern zunehmen, man sich von der Seine entfernt. Straßen ähnlich, aber nur für Fußgänger bestimmt u. mit Magazinen u. eleganten Läden besetzt sind die Passagen (Durchgänge) durch Häuser u. Höfe, nahe an 200, meist fällt in sie von oben durch Glasfenster Licht ein; sie bilden, mit Gas erleuchtet u. großentheils mit Asphalt gepflastert u. aufs Eleganteste ausgeschmückt, den Sammelplatz alles Feinen in P.; die elegantesten sind die Panorama Passage, Passage du Saumont (die längste), Vivienne, Colbert, Montesquieu, Feydeau, l'Opera, Choiseul, Delorme, Chaumont, Grand Cerf etc. Die 35 Quais bilden längs des Seineufers breite u. schöne Straßen; sie[683] haben wie die Boulevarts besondere Namen u. sind zum Theil erst von Napoleon I. u. Louis Philipp mit Quadersteinen belegt.

Brücken führen 25 über die Seine, nämlich oberhalb der Inseln: der Pont d'Ivry (Bercy) verbindet da, wo die Seine in die Stadt tritt, die Barrière der Garde u. Bercy, sie ist eine Hängebrücke u. wird von zwei Pfeilern getragen; Pont d'Austerlitz (Pont du Roi. sonst P. du jardin des plantes), 1802–1807 für eine Actiengesellschaft gebaut, eisern, die Actionäre empfingen 30 Jahr lang den Zoll der Darüberpassirenden. Über die Arme. der Seine von den Inseln auf das rechte Ufer u. von dem linken Ufer auf die Inseln gehend u. diese verbindend: Pont de Grammont, von Holz, verbindet den Quai Morland mit der Insel Louviers; Pont de Damiette, Hängebrücke für Fußgänger, verbindet den Quai des Célestins mit den Inseln Louviers u. St. Louis; P. de Constantine, führt vom Quai Béthune nach der Weinhalle; P. de Marie, 1614 erbaut, steinern, verbindet die Insel St. Louis mit dem Quai des Ormes; P. d'Archevé, von Stein gebaut; P. de Louis Philippe, Drahtbrücke, verbindet die Cité u. die Insel St. Louis mit dem Quai de la Grève; P. d'Arcole, 1824–29 für Fußgänger gebaut, führt von Notre Dame nach dem Greveplatz; P. de la Cité, 1802–04 von Actionärs für Fußgänger erbaut, führt von der Cité nach der Insel St. Louis; P. Notre-Dame, die älteste Brücke in P., aber erst 1812 von Stein gebaut; Pont au Change, breiteste Brücke der Stadt; P. de la Tournelle, verbindet die Insel St. Louis mit dem Quai von Tournelle. Von der Cité auf das linke Ufer gehn Pont au double, Petit pont, Pont de l'Hôtel Dieu u. Pont St. Michel. Über die Seine unterhalb der Inseln führen: Pont neuf, auf die Spitze der Insel du Palais (Cité) u. von da auf das andere Ufer führend, unter Heinrich III. 1558 begonnen u. 1674 vollendet, 1020 Fuß lang, 72 Fuß breit u. mit der bronzenen Reiterstatue Heinrichs IV., wegen der reizenden Aussicht die besuchteste; Pont des Arts, mit neun gußeisernen Bogen auf acht steinernen Pfeilern ruhend, für Fußgänger, errichtet von einer Gesellschaft 1802–1804, verbindet das Louvre mit dem linken Ufer; Pont du Caroussel auf dem Carousselplatze; Pont royal (sonst Pont de Tuileries), von Ludwig XIV. erbaut; Pont du Solferino vom Quai des Tuileries nach dem Quai d'Orsay (erst 1859 erbaut); Pont de la Concorde (de Louis XV.), mit Bildsäulen französischer Helden u. Staatsmänner, von Ludwig XVI. gebaut; Pont des Invalides (Pont d'Antin), Hängebrücke, führt nach dem Invalidenhaus; Pont de Jéna (Pont du champ de Mars), 1806–13 von Quadern gebaut, führt von dem Marsfeld nach dem Quai de Billy am Westende der Stadt. Noch ist in der Vorstadt eine 26. Brücke, 300 Schritte von der Barrière; die von Grenelle.

Plätze hat P. 70 (75), u. zwar 31 durch Kreuzung der Straßen entstehende Plätze (Places), kleinere Plätze (Carrefours) u. 13 Marktplätze (Marchés). Die merkwürdigsteusind: Place de la Concorde (sonst Place de Louis XV., während der Revolution Place de la révolution), durch die ihn in weiterer Form umgebenden Gebäude einer der schönsten Plätze der Welt, zwischen den Elyseischen Feldern u. dem Garten der Tuilerien, der Seine u. der Brücke de la Concorde, ein mit Graben u. Balustrade eingefaßtes, mit Asphalt belegtes, längliches Viereck von 780 Fuß Länge, 630 Fuß Breite, 1703 von Gabriel angelegt, am östlichen Ende des Centrums; Hinrichtungsplatz Ludwigs XVI. u. seiner Gemahlin, mit dem Obelisk von Luksor auf dem Piedestal, welches eigentlich nach der. Revolution für eine Bildsäule Ludwigs XVI. bestimmt war, aber nach 1830 seine jetzige Bestimmung erhielt. Place du Caroussel, zwischen den Tuilerien u. Louvre, durch erstere u. deren Gärten von dem vorigen getrennt, nach einem Caroussel, welches Ludwig XIV. seiner Mutter zu Ehren hier veranstaltete, benannt, war früher noch großentheils mit kleinen unansehnlichen Gebäuden besetzt, von Napoleon I. durch Niederreißung mehrer derselben sehr vergrößert u. von Napoleon III. ganz davon befreit, so daß jetzt der ganze Raum zwischen dem Louvre u. den Tuilerien einen freien Platz bildet; Musterungsplatz; darauf zu 1/12 seiner Länge ein eisernes Gitter vor den Tuilerien, durch dasselbe führt der 45 Fuß hohe Triumphbogen, 1806 auf Befehl Napoleons zum Andenken der Siege der großen Armee gebaut. Derselbe war bis 1815 durch die von Venedig entführten Pferde des Lysippos geziert, dann wurde eine Quadriga, die Restauration darstellend, darauf gesetzt. Place Vendôme, im gleichseitigen Dreieck mit vorigen beiden Plätzen nördlicher liegend, 1689 von Louvois an der Stelle eines alten Hotels Vendôme erbaut, sonst mit Reiterstatue Ludwigs XIV., jetzt mit der Colonne d'Austerlitz (Vendômesäule), 140 Fuß, das Piedestal 22 Fuß hoch, hohl u. mit 176 Stufen versehen, mit Metallplatten (worauf Basreliefs mit Begebenheiten aus dem Kriege 1805) belegt u. am Fuß mit Ornamenten geschmückt, die beide aus im Kriege 1805 eroberten Kanonen gegossen sind; auf dem Gipfel dieser Säule befand sich eine Statue Napoleons, welche aber 1814 herabgenommen u. zur Statue Heinrichs IV. auf dem Pont neuf verwendet wurde; seit 1833 ist diese aber durch eine andere Napoleons in modernem Styl ersetzt. Champ de Mars (Marsfeld, in der Revolution Föderationsplatz), am westlichen Stadtende, Oblongum von 2700 Fuß Länge, 900 Fuß Breite, mit Gräben u. Terrassen umgeben, durch welche fünf eiserne Gitterthore führen; zum Exerciren, Musterungen u. öffentliche Feierlichkeiten; auf der einen schmalen Seite ist die Ecole militaire, mit der anderen stößt das Marsfeld an den Pont d'Jéna, Place de l'Etoile, im Osten von P., zirkelrund, in der Mitte mit dem Triumphbogen de l'Etoile, von Napoleon 1806 zu Ehren der Siege seiner Armee begonnen u. vollendet, u. geschmückt mit Statuen aus der Zeit von 1792–1815, u. mit Tafeln, welche die Namen der glücklichen Schlachten u. Gefechte nebst deren Generale, welche in ihnen commandirten, enthalten. Er enthält drei Durchfahrten u. mehre Seitenpforten. Place des Victoires, rund u. klein, mit korinthischen Säulen umgeben, östlich des Platzes Vendôme, beim Palais Royal, trug bis 1792 die Reiterstatue Ludwigs XIV., dann einen Obelisken zum Ruhm des Heeres, dann eine eherne Statue von Desaix u. gegenwärtig wieder die Reiterstatue Ludwigs XIX. von Bosio. Place royale (sonst Place de Vosges), 1684 vom Herzog von Feuillade erbaut, östlich in der Vorstadt St. Antoine, sonst bebaut durch den Palast Tournelles; ein großes Viereck, mit Arkaden umgeben, von 432 Fuß Länge u. Breite, vor der Restauration mit Fontaine[684] u. der Statue Hautpoults, jetzt seit 1826 durch eine marmorne Reiterstatue Ludwigs XIII. geziert. Grèveplatz (Place de l'Hôtel de la Ville), sonst Hinrichtungsplatz, wo in der Revolution unzählige Opfer unter der Guillotine fielen u. wo das Stadthaus steht. Marché des Innocens, ehemaliger Kirchhof, mit Brunnen, zwischen den Straßen St. Denis aux Fers u. de la Lingerie, im Centrum; Marktplatz. Place de la Bastille (Bastilleplatz), in der Vorstadt St. Antoine, an der Stelle der Bastille (s.d.) mit der bronzenen Juliussäule (zum Andenken an die Opfer der Julirevolution), 133 Fuß hoch, über 10 Fuß im Durchmesser, auf ihr schwebt der Genius der Aufklärung mit einer Fackel in der Hand. Place du Trône, zirkelrund, im westlichen Theile von P. Place Dauphine mit Brunnen zum Andenken Desaix, mit Bildsäulen. Place de l'Europe, im Nordwesten, auf der neubebauten Stelle bei Tivoli, wo sich acht nach verschiedenen Hauptstädten Europas benannte Straßen treffen. Außerdem viele andere kleinere Plätze. Auf mehren Plätzen sind Fontainen (im Ganzen gegen 80), die merkwürdigsten sind die zwei auf der Place de la Concorde; die vor dem Triumphbogen de l'Etoile, die Fontainen auf der Place de l'Etoile; die de Bondi (Château d'eaux), zwischen der Porte St. Martin u. der Straße du Temple, 1810 gebaut, eine Cascade; die Fontaine du Palmier, auf dem Platze du Châtelet; die Fontaine Grenelle, auf der Straße Grenelle St. Germain; die Fontaine des Invalides, auf der Esplanade vor dem Invalidenhaus, sonst bis 1815 mit dem Löwen von St. Marcus aus Venedig; die Fontaine auf dem Platz Louvois von Louis Philipp hergerichtet, mit den Statuen der Seine, Loire, Garonne u. Saonne u.v.a. in Tempelform gebaute, zum Theil nach Straßen, nahen Gebäuden u. dgl. benannte Fontainen.

P. hat große Gärten u. freie Räume in seinen Ringmauern; der wichtigste ist der Garten der Tuilerien, hinter dem Palast gleiches Namens, in Form eines länglichen Vierecks; die Terrasse de l'Horloge ist an der hintern Seite des Tuileriengartens, durch drei Stufen erhöht u. mit Marmorstatuen geschmückt, an beiden Seiten dieses Gartens laufen Linden u. Terrassen hin, am Ufer der Seine die Terrasse du bord (de l'eau), gegen die Rue de Rivoli hin die Terrasse des Feuil ans; beide gehen in eine Art Plateformen aus, erstere ist nach dem Schloß hin mit Statuen besetzt, die vierte (schmale) Seite des Gartens ist offen u. gewährt nach den Elyseischen Feldern u. dem Triumphbogen de l'Etoile eine schöne Aussicht; ein Eisengitter umschießt den Garten; um die Mittagsstunden ist er der Sammelplatz der schönen Welt. Der Garten von Luxemburg, hinter dem Palast von Luxemburg, mit Baumschule (Pépinière), nicht so groß als. der der Tuilerien, aber auf ähnliche Weise eingerichtet, wegen seiner Blumenparkets viel besucht. Der Botanische Garten (, Jardin de l' Empereur, sonst Jardin du Roi, unter der Republik u. unter Napoleon Jardin des plantes), an der Brücke von Austerlitz; eine breite Kastanienallee führt durch denselben. Park von Monceau, zwischen der Barrière de Courcelles u. der von Monceau, früher Eigenthum der Familie Orleans, 1848 Hauptquartier der Nationalwerkstätten, seit 1852 zum Staatsgut geschlagen, dem Publikum verschlossen, doch den Fremden zugänglich. Die Champs Elisées (Elysäischen Felder), Baumanlage zwischen der Seine, der Place de la Concorde, Chaillot, den Faubourgs de St. Honoré u. du Roule, an beiden Seiten der Avenue der Champs Elisées, 8600 Fuß lang, 700 Fuß breit, so von dem nahen Palast Elisée Bourbon benannt, 1616 von Marie von Medici als Cours de la Reine angelegt, 1660 von Colbert in sein gegenwärtiges Verhältniß gebracht, von einer großen Allee durchschnitten, hat in der Mitte einen viereckigen Platz; sonst waren sie weit größer, jetzt ist das westliche Ende mit Gebäuden besetzt.

In neuster Zeit ist namentlich durch den Kaiser Napoleon III. sehr viel für Verschönerung der Stadt u. ihre Bauart gethan, ganze Straßen u. Nebenstraßen niedergerissen u. dafür neue geradlinig angelegte Straßen, mit Gebäuden von zweckmäßiger Einrichtung ausgestattet, angelegt worden. Der belebtste Theil, das Centrum, enthält die meisten öffentlichen Gebäude u. nur wenig Privatwohnungen, diese aber in engen Straßen. Der gewerbliche östliche Theil, bis an den Kanal hin, enthält Magazine für den Großhandel, Entreprisen für Fuhrwesen u. dgl., Handwerker u. Juden, dieser Theil ist eng. Die Faubourg St. Germain ist reinlich, hell u. stiller; sie enthält die meisten Hotels, wird bes. von Legitimistischen u. Vornehmen, welche im Winter in der Stadt wohnen, bewohnt. Das Quartier der Schulen (Quartier latin) enthält vorzüglich Lehrer u. Schulen, Buchladen, enge u. krumme Straßen u. kleine, oft alterthümliche Häuser; das Westquartier längs der Elyseischen Felder u. der Rue St. Honoré bis zum Montmartre ist das Quartier der Diplomaten u. Beamten. Die übrigen Vorstädte bewohnen Handwerker u. Handarbeiter aller Art, Gärtner, Wäscherinnen, Tagelöhner etc. Das schmutzigste u. schlechteste ist das zwölfte Arrondissement bei der Salpetrière u. dem Jardin des plantes, von dem niedrigsten Pariser Proletariat bewohnt. Die beste Übersicht über P. hat man nördlich von dem Montmartre herab, östlich vom Kirchhof des Père la Chaise her u. in der Mitte der Stadt von der Vendômesäule, dem Arc de l'Etoile, dem Panthéon od. den Notre-Damethürmen herab. Für die Belegung der Straßen mit Pflaster ist bes. unter Louis Philipp u. Napoleon III. viel gethan, der Platz de la Concorde u. einige Fußpfade in den Champs Elisées etc. mit Asphalt belegt, die Boulevarts dagegen macadamisirt worden. Die Straßen beleuchtung von P. geschieht jetzt ausschließlich durch Gasflammen. Wasser erhält P., außer aus den Brunnen u. aus der Seine, durch vier Wasserleitungen, nämlich durch die Romainville, Arcueil, Ceinture u. Belleville, auch durch den Kanal de l'Ourcq wird Trinkwasser zugeführt; zwei Wasserkünste, durch Dampfmaschinen getrieben, versorgen die höheren Theile von P. mit Seinewasser, die Pompe à feu de Chaillot das rechte Ufer u. die Pompe à feu du Gros-Caillou das linke Ufer der Seine, auch speist die hydraulische Maschine an der Brücke Nôtre Dame mehre Fontainen mit Wasser. Den nördlichsten Theil von P. von der Barrière de Monceau bis zum Kanal durchschneidet der Aqueduc de Ceinture. Außerhalb P. ist noch der Artesische Brunnen vor dem Schlachthause von Grenelle merkwürdig, bes. durch Tiefe u. seine Wassermasse, welche er 60 Fuß hoch auswirft. Unterirdische Abzugskanäle hat P. noch wenig, obgleich schon seit 1370, wo der damalige Prévot den Abzugskanal[685] Ménilmontant erweiterte, daran gearbeitet wird; 1610 wurde der Egout du Ponceau gewölbt, aber erst 1810 mehrten sich die Abzugskanäle u. bes. durch Louis Philipp u. Napoleon III. sind auch sie so gewachsen, daß sie jetzt im Ganzen 200,000 Fuß lang sind. In neuester Zeit hat Napoleon III. viel für Anlage artesischer Brunnen gethan, auch durch den Oberingenieur Belgrand einen neuen Canalisationsplan ausarbeiten lassen, welcher eine große Verbesserung im jetzigen System hervorbringen, die Wasserversorgung steigern u. das Abfließen des Unraths durch unterirdische Kanäle sichern soll. Häfen hat P. oberhalb einen im Kanal St. Martin, welcher hier mit Benutzung der Gräben des Arsenals erweitert ist, u. unterhalb den von Grenelle an der Barrière de la Cunette, der durch einen Damm von der Seine getrennt ist. Auch das Bassin de la Vilette vor dem Eintritt des Kanals St. Martin in die Stadt ist als ein Hafen für Kanalschiffe anzusehen. Schiffsanlegeplätze hat man in der Stadt 16. Bäder gibt es an der Seine auf Badeschiffen u. in der Stadt vertheilt viele, die bedeutendsten sind: die Neothermes, die Bains Tivoli, die Bains chinois, St. Sauveur, Turcs, Racine, d'Aligre, auch Schwefel- u. Mineralbäder sind mit einigen verbunden, ebenso Douche- u. Russische Bäder, meist auch eine Restauration.

Die Hauptkirche ist die Kathedrale de Notre Dame, im Gothischen Styl, auf der Citéinsel, begonnen 1010, 1163 von dem Bischof Sully umzubauen angefangen u. erst nach 200 Jahren vollendet, bildet ein lateinisches Kreuz, mit zwei viereckigen Thürmen ohne Spitze; sie ist 102 Fuß hoch, 144 Fuß breit u. 390 Fuß lang; in der Sakristei ist der Krönungsschmuck Karls des Großen, auch der Kaiserschmuck Napoleons verwahrt; Napoleon III. hat sie durch Abbrechen vieler umliegenden kleinen u. unansehnlichen Gebäude freier gelegt Die Rochuskirche in der Rue St. Honoré, 1653 zu bauen begonnen, eine der größten in P., mit Corneilles u. Maupertuis Gräbern; Pfarrkirche St. Germain d'Auxerrois, der östlichen des Louvre gegenüber, sonst Hofkirche, 606 von Chilperich erbaut, 1423 erneuert, 1790 in eine Salpeterfabrik verwandelt, von Napoleon I. wieder zur Kirche bestimmt, 1831 wegen einer Todtenfeier des Herzogs von Berry vom Pöbel zerstört, aber bald wieder hergestellt; ihre Glocke gab das Zeichen zur Bartholomäusnacht; St. Sulpice, 1655–1745 gebaut, mit zwei Thürmen; St. Geneviève (Pantheon), von Chlodewig errichtet u. von Ludwig XV. seit 1764 in die jetzige Form umgebaut, ein griechisches Kreuz mit Kuppel in antiker Tempelform, Grabmal der Sta. Genoveva (Schutzpatronin der Stadt), des Königs Chlodwig u. vieler angesehener Männer, unter der Republik 1791 zum Pantheon umgestaltet u. als Begräbnißplatz berühmter Männer bestimmt, zuerst Mirabeaus, Voltaires u. Rousseaus, von Napoleon I. aber 1806 der Kirche wieder gegeben, doch blieb sie bis 1815 der Begräbnißplatz vieler Generale Napoleons; von den Bourbons ward sie 1822 ausschließlich dem Gottesdienst gewidmet, 1830 wieder zu einem Nationalmausoleum bestimmt, 1853 aber von Napoleon III. wieder dem Gottesdienst zurückgegeben. St. Eustache, 1552 begonnen, mit zwei Thürmen eine der größten Kirchen in P.; Sta. Magdalena (Madeleine), von Ludwig XV. begonnen, von Napoleon niedergerissen u. 1806 wieder begonnen, zu einem Tempel des Ruhms, später wieder zur Kirche bestimmt, ein Oblongum in antikem Styl, 318 Pariser Fuß lang, 138 Fuß breit, von einem Peristyl von cannelirten, 65 Fuß hohen korinthischen Säulen umgeben; die Chapelle expiatoire auf dem Kirchhof Madeleine, wo Ludwig XVI. u. Maria Antoinette begraben waren, mit den Statuen dieser Beiden. Außerdem sind unter den mehr als 300 Kirchen von P. noch viele denkwürdig, so die Pfarrkirchen St. Laurent, l'Assomption, St. Merry, St. Marguerite, St. Etienne du Mont, die Invalidenkirche, die Notre Dame de Lorette, St. Gervais, St. Thomas d'Aquin, St. Germain des Près, St. Vincent de Paul, Notre Dame des Victoires u. Notre Dame des blancs Manteaux, St. Leo u. St. Gilles, St François d'Assises, St. Louis en l'Isle, St. Paul, St. Philippe du Roule, St. Nicolas du Chardonnet, St. Amboise, St. François Xavier, St. Valère, St. Pierre, St. Severin, St. Jacques du haut Pas, St. Medard, la Sorbonne, St. Louis, Ste. Elisabeth, die Kapelle des ehemaligen Palasts des Tempels. Kirchen anderer Religionsparteien (von den Franzosen Temples genannt) sind die evangelische Kirche in der Rue St. Honoré, die ehemalige Kirche de l'oratoire, wo auch englischer Gottesdienst gehalten wird, die evangelisch englische Kirche in der Rue St. Antoine, die anglicanische Kirche, die evangelisch-lutherische Kirche, wo abwechselnd französisch u. deutsch gepredigt wird, die griechische Kirche; die Juden haben 3 Synagogen.

In älteren Zeiten wurden alle Todten von P. auf eigentliche Kirchhöfe begraben. Die Republik u. Napoleon schafften diesen Gebrauch ab u. verlegten die Begräbnißplätze vor die Thore. Der Kirchhof des Innocents wurde zuerst aufgehoben u. in einen Marktplatz umgewandelt. Die jetzigen Kirchhöfe sind Cimetière du Père La Chaise (de l'Est), C. de Montmartre (du Nord), C. de Vaugirard (seit 1824 geschlossen), C. de Ste. Cathérine, C. du Mont Parnasse (du Sud), alle mit Denkmälern Der Kirchhof des Père La Chaise ist der größte u. berühmteste von allen; er liegt östlich von P. vor der Ringmauer, hat seinen Namen von La Chaise, Beichtvater Ludwigs XIV., welcher dort ein Kloster (Mont Louis) baute u. dessen Prior wurde. Nach Auflösung der Klöster kaufte der Präfect von P. das Terrain u. bewog die Municipalität, dort einen Kirchhof anzulegen, welcher 1804 eröffnet wurde; er ist sehr groß, u. es gehört in P. zum guten Ton, sich dahin begraben zu lassen. Ein Begräbniß auf 5 Jahre (Concession temporaire) kostet 50 Franken; ein Grab als Eigenthum (Concession à perpétuité) für zwei Quadratmeter (ungefähr 20 Quadratfuß), als Minimum für das Grab eines mehr als siebenjährigen Menschen 500 Franken (Kinder die Hälfte), der Raum für jeden Quadratmeter (z.B. für die Denkmäler) steigt verhältnißmäßig, so daß z.B. jeder Quadratmeter über sechs bereits 1000 Franken kostet. Der Boden ist mit Leichensteinen u. Denkmälern aller Art, antiken Tempeln, Obelisken u. dgl. bedeckt; hier das alte Denkmal Abälards u. der Heloise, der Fürstin Demidow, der Marschälle Davoust, Victor, Macdonald, Junot, Massena, Kellermann, Lefèvre, Suchet, der Generale Surrurier, Jourdan, Foy, Cambacérès, Lafontaines, Molières, Cuviers, der Mad. Cottin, die Gräber St. Justs, Talmas, B. Constants, [686] Méhuls, Racines, Savarys, Marets, Casimir Périers, Caulaincourts, Duchesnes, Delilles, Monges, Laplaces, Ludw. Börnes etc. Über das unterirdische Beinhaus in P. s. Katakomben. Die Klöster wurden in der Revolution sämmtlich aufgehoben, aber schon unter Napoleon wußten einige wieder die Duldung im Stillen zu erlangen, u. nach der Restauration der Bourbons u. unter Ludwig Philipp mehrten sie sich so, daß bereits 184432 Nonnenklöster in P. bestanden, großentheils zur Verpflegung der Spitäler u. zum Unterricht der Mädchen. Weniger sind Mönchsklöster vorhanden, zu denen auch die Seminarien zu zählen sind, worin junge Geistliche u. Missionäre ausgebildet werden; unter ihnen zeichnet sich das Seminar St. Sulpice, 1641 von Allier gestiftet u. nach der Revolution wieder hergestellt, aus. Die meisten Klöster sind auf derselben Stelle wie früher neu erbaut u. die alten Gebäude möglichst restaurirt.

Unter den Schlössern (Palais) u. anderen wichtigen öffentlichen Gebäuden sind zuerst zu bemerken die Tuilerien, die officielle Residenz der Monarchen Frankreichs, 1564 auf der Stelle, wo früher eine große Ziegelbrennerei (daher der Name) gestanden hatte, von Katharina von Medici erbaut, von Heinrich IV. fortgesetzt u. von Ludwig XIV. vollendet, außen in verschiedenen Stylen gebaut, 1068 Fuß lang; hat fünf Pavillons, unter denen sich in der Mitte der Pavillon d'horloge, nördlich der St. Marsan (Wohnung Napoleons I., dann der Herzogin von Berry, des Herzogs von Orléans u. dann von dessen Wittwe u. Kindern) u. südlich de Flore (Wohnung Karls X., dann Ludwig Philipps, jetzt der kaiserlichen Familie) auszeichnen; im Innern die Gallerie vitrée, den Saal der 100 Schweizer, das Hoftheater, den Saal der Marschälle, von Napoleon I. mit den Bildnissen aller seiner Marschälle geschmückt, den Friedenssaal, mit einer silbernen Statue des Friedens geschmückt, den Grünsaal, den Concertsaal, den Billardsaal etc. Das Louvre, als Jagdschloß angelegt im 7. od. 8. Jahrh., neu aufgebaut von Franz I., verbessert u. verschönert fast von jedem Könige, bes. von Ludwig XIV., bildet ein Viereck u. umschließt einen Hof, war sonst Residenz des Königs, bis Ludwig XIV. nach Versailles zog; in dasselbe durften sonst nur die königlichen Prinzen einfahren, späterhin auch die hohen Beamten der Krone (Ehre des Louvre). Seit Ludwig XIV. war das Louvre der Sitz der Akademien, unter Napoleon des Nationalinstituts, jetzt wieder der Akademien. Das Louvre u. die Tuilerien werden durch die Gallerien des Louvre verbunden, jede 1362 Fuß lang; die südliche, längs der Seine, welche unten offene Arcaden, oben das Museum hat, die nördliche längs der Rue Rivoli; die Verbindung des nördlichen Flügels des Louvre u. der Tuilerien durch eine gleiche Gallerie, welche schon Napoleon I. angefangen hatte, vollendete Napoleon III. nach Viscontis Plan 1850–56, so daß gegenwärtig die Tuilerien u. das Louvre einen zusammenhängenden Gebäudecomplex bilden. Palais Royal, vom Cardinal Richelieu 1629 an der Stelle der, den Armagnacs gehörigen Hotels Rambouillet u. Mercoeur gebaut, hieß Anfangs Palais Cardinal, später wurde es von Richelieu dem Könige vermacht u. von mehren Gliedern der königlichen Familie bewohnt u. daher Palais Royal genannt; 1692 schenkte es Ludwig XIV. seinem Bruder, dem Herzog von Orléans, u. nach Ludwigs XIV. Tode bewohnte es der Regent, bei dessen Nachkommen es bis zur Revolution blieb u. von Philipp von Orléans (Egalité) neu gebaut wurde. In der Revolution hieß es Palais Egalité, zur Kaiserzeit Palais du tribunal, unter der Restauration, wo es der Herzog von Orléans wieder erhielt, u. der Julidynastie wieder Pala is Royal. Das eigentliche Palais am Eingange von der Placo du Palais Royal behielt Louis Philipp seit 1831 als Privateigenthum (der übrige Theil aber, Verkaufslocale umfassend, war während der Revolution an Privaten verkauft worden); 1848 wurde es mm Nationaleigenthum erklärt u. Palais national genannt, Napoleon III. gab es 1851 unter dem alten Namen Palais Royal seinem Oheim Jerome, welcher es bis an seinen Tod (24. Juni 1860) bewohnte, worauf es dessen Sohn Napoleon erbte. Das vordere eigentliche Orleanssche Palais Royal umschließt einen kleinen Hof u. wendet seine Fronte nach der Rue St. Honoré zu; eine Kanone im ersten Stock ist so gestellt, daß ein Brennglas im Augenblick, wo es Mittag ist, ihr Zündkraut entzündet u. sie losbrennt. Eine Gallerie verbindet dasselbe mit dem anderen Palais Royal. Das Palais Royal im Privatbesitz bildet ein längliches, 1781 aufgeführtes Viereck, welches einen freien, 700 Fuß langen, 300 Fuß breiten, zum Garten mit Baumgängen benutzten Platz mit Eisengittern einschließt. 180 Arcaden, auf denen es ruht u. in deren Mitte ein Bassin mit Springbrunnen ist, schließen denselben ringsum u. dienen zu bedeckten Spaziergängen. Dasselbe ist an Modistinnen, Buch- u. Kunsthändler, Juweliere, Schneider, Schuster, Restaurateurs, Cassetiers etc. vermiethet, welche unter den Arcaden ihre Waaren in den glänzendsten Läden feil bieten; auch sind zwei Theater in dem Hause; die Keller dienen zu Wirthschaften der mannichfaltigsten Art. Den ganzen Tag über ist das Palais Royal besucht, doch Abends ist die glänzendste Zeit; 1848 wurde es von der Volkswuth theilweis verwüstet. Palais Elisée Bourbon, von der Rue St. Honoré bis zu den Champs Elisées herüberreichend, 1718 für den Grafen von Evreux gebaut, gehörte später der Pompadour u. dann der Herzogin von Bourbon (von welcher er den Namen erhielt); während der Revolution verkauft, kam er in mehre Hände, endlich in die Murats, welcher es dem Staate wieder verkaufte; es wurde von Napoleon mehrmals benutzt, zuletzt 1815 nach der Schlacht von Belle-Alliance, dann wurde er zum Wittwensitz der Königin bestimmt, während der zweiten Republik aber vom Präsidenten Ludwig Napoleon bewohnt. Palais Bourbon, in der Universitätsstraße, sonst Wohnung des Herzogs dieses Namens, nur ein Stock hoch, durch Kunstwerke merkwürdig; außerdem führte auch sonst die Deputirtenkammer diesen Namen. Das Palais du Luxembourg (Palais du Senat, unter der Restauration u. der Julidynastie auch Palais de la chambre des Pairs) mit Gemäldesammlung (s. unten S. 688), am Platz Vaugirard am linken Seineufer, erbaut von Maria von Medici u. Luxembourg genannt, weil daselbst früher ein Palais dieses Herzogs stand, ein Rechteck, durch eiserne Gitter von anderen Häusern getrennt, dann der Familie Orléans gehörig, in der Revolution Gefängniß, dann Sitz des Directoriums, dann des Consulats, dann des Erhaltungssenats, unter der Restauration u. der Julidynastie Sitz der Pairskammer, in der Februarrevolution[687] von 1848 Sitz der Arbeitercommission, seit der Wiederherstellung des Kaiserreichs wieder Sitz des Senates. Der Palast der Deputirten (sonst auch Palais Bourbon), zur Revolutions- u. ersten Kaiserzeit, so wie jetzt wieder Palais du Corps Législatif, von 1772–89 gebaut, in der Revolution Sitz des Rathes der Fünfhundert, dann unter Napoleon des Gesetzgebenden Corps, jetzt der Deputirtenkammer, mit den Bildsäulen der Themis, der Minerva u. der Staatsmänner Sully, Colbert, l' Hopital u. Aguesseau, mit halbrundem Sitzungssaal, Königssaal, Friedenssaal u. Terrasse. Palais de Justice, in der Cité, früher bis auf Karl V. Sitz der französischen Könige (die älteren Theile stammen vom Jahre 1000 u. 1313), von Karl VII. dem Parlamente eingeräumt, brannte 1618 u. 1776 ab, wurde aber stets erneuert, 1851 u. 1852 vollständig ausgebaut; jetzt Sitz des Cassations-, kaiserlichen Gerichtshofes, des Tribunals u. der Polizeipräfectur, mit der Kapelle des Palais dabei. Andere öffentliche Gebäude sind das Stadthaus (Hôtel de ville), auf dem Grèveplatz, unter Heinrich III. 1540 begonnen, mit Glockenthurm u. Thronsaal (mit Reiterstatue Heinrichs IV.); in einer Art Hof steht die bronzene Reiterstatue Ludwigs XIV. Unter Ludwig Philipp wurde das Stadthaus durch Ankauf ganzer Straßen u. den Anbau von zwei Flügeln vergrößert; es ist jetzt Sitz des Präfecten; die Garde Meubles, sonst Verwahrungsort der königlichen Meubles, jetzt Marineministerium; die Gardemeuble der Krone, Verwahrungsort der Kronjuwelen u. kostbarer Meubles; das Arsenal, mit sieben Höfen, jetzt größtentheils niedergerissen; der Palast der Ehrenlegion, 1786 für den Fürsten Salm erbaut; das Hôtel du Quai d'Orsay, am linken Ufer der Seine, dem Tuileriengarten gegenüber gelegen, bereits unter Napoleon. I. begonnen, aber erst unter Louis Philipp vollendet, jetzt Sitz des Staatsrathes u. des Rechnungshofes; das Archivgebäude, ehedem Hôtel de Soubise, 1706 von diesem erbaut; der Palast des Erzbischofs. Die 33 Kasernen, unter denen sich die ehemalige Ecole militaire auf dem Marsfeld auszeichnet, wo vor der Revolution 500 junge Edelleute erzogen wurden, welche später Militärschule wurde u. wo Napoleon sein Hauptquartier hatte, als das Directorium ihm das Commando von P. übertrug, die aber jetzt zur Artilleriekaserne dient. Zu den historisch wichtigen Gebäuden, welche jetzt aber abgetragen od. zu anderer Verwendung gegeben sind, gehört z.B. die Bastille (s.d. 2), am rechten Seineufer, an der Rue de St. Antoine, jetzt freier Platz (s. oben); der Tempel (Temple, s.d.), jetzt Kloster der Benedictinerinnen; der Tour de Nesle (s. Nesle 3); noch erhalten ist das Hôtel de Clugny, in der Nähe der Sorbonne, unter Ludwig XII. von dem Neffen des Cardinals Amboise gebaut, u. steht mit dem Palais des Thermes auf der Citéinsel, dem einzigen römischen Bauwerk in P., aus der Zeit des Kaiser Julian od. Constantinus Chlorus, durch einen unterirdischen Gang in Verbindung. Von Privatgebäuden zeichnen sich aus das Grand Hôtel du Louvre, zwischen dem Louvre u. Palais Royal, ein ganzes Straßenviertel einnehmend, das größte u. eleganteste Gasthaus von P.; Hôtel d'Ormond, nahe am Boulevart des Italiens, das Hôtel Hope an der Esplanade der Invaliden, das Hôtel des Marquis de la Guiche am Quai d'Orsay, das Hôtel Colot, das Hôtel du preux, das Haus Franz I. in den Elyseischen Feldern im Renaissancestyl, u.a.

Unter den Wissenschaftlichen Anstalten steht oben an das Institut von Frankreich (Institut Impérial de France), s.u. Akademie II. C) a–d). Das Institut ist sehr reich ausgestattet (jedes der 321 Mitglieder erhält 1500 Fr. Gehalt) u. hält seine Sitzungen im Palais des beaux arts in der Rue des pétits Augustins, wo sonst die Sammlung der französischen Alterthümer war. Die kaiserliche Gesellschaft der Wissenschaften (Académie des sciences morales et politiques, s. Akademie II. C) d), bildet die fünfte Klasse des Instituto; Société d'Ecriture, Soc. de la morale chrétienne, setzt Preise für gestellte Aufgaben; Gesellschaft für Medicin, Gesellschaft der ausübenden Arzneikunde, behandelt zugleich Arme; Cercle médicale de P., Soc. médicale d'émulation, Soc. de pharmacie, Gesellschaft der Alterthumsforscher (früher Celtische Gesellschaft), Soc. géologique, Soc. de géographie, setzt Preise für Reisen aus; Soc. statistique, Soc. de statistique universelle, das Bureau des longitudes, ein astronomischer Verein; Gesellschaft für Naturgeschichte, Soc. Linnéenne, 1788 entstanden, während der Revolution aufgelöst, 1821 wieder hergestellt; Soc. philotechnique, Soc. de l'encouragement pour l'industrie nationale, schon seit der Revolution bestehend, 1802 wieder errichtet, setzt Preise für den Kunstfleiß aus; Soc. impériale et centrale do l'agriculture, 1788 gestiftet; Gartenbaugesellschaft, Soc. grammaticale, Soc. des bonnes lettres, 1820 gestiftet, beschäftigt sich mit der Französischen Literatur; Soc. des Bibliophiles français, Athenäum, 1781 von Pilatre de Rozier für Naturwissenschaften gegründet, ist zugleich gesellschaftliche Vereinigung; Athenäum der Künste, 1793 gestiftet, setzt Preise zur Aufmunterung der Künste; Kunstverein, seit 1815, kauft Gemälde, welche er verlost etc. Zu den Unterrichtsanstalten gehört zunächst die Universität (Académie de P.), gestiftet unter Ludwig VII., verbessert unter Heinrich IV., aufgehoben während der Revolution, von Napoleon I. wieder hergestellt, mit fünf Facultäten, Theologie, Jurisprudenz, Medicin, Facultät des lettres (Philosophie, französische u. griechische Literaturgeschichte, Geographie u. Geschichte, Beredsamkeit u. Dichtkunst) u. Facultät des sciences (Mathematik, Astronomie, Mechanik, Naturwissenschaften). Die Universität als Ganzes hat ihren Sitz in der Sorbonne (s.d.). Die Facultäten hängen wenig zusammen u. haben ihren Sitz in eigenen Gebäuden, die vierte u. fünfte auch in der Sorbonne. Zur Universität gehört noch die Normalschule, von Napoleon I. gestiftet, von den ältern Bourbons aufgehoben, seit der Julirevolution wieder hergestellt. Man zählt an der Universität über 7000 Studenten; über das Verhältniß der Universität zu dem gesammten französischen Unterricht, s.u. Frankreich (Geogr., S. 506 u. 507). Die sieben. Collegien (Lyceen) sind Ludwigs XIV., Heinrichs IV. (jetzt Lycée de Napoléon), Karls des Großen, Ludwigs IX., College Bourbon, St. Barbe von I. Hubert (1430 gestiftet, von Delomeau 1798 wieder hergestellt, gelehrte u. polytechnische Schule zugleich) u. Stanislaus. Das Collége de France (1529 gestiftet, 1774 erneuert), mit 600 Schülern, hat Lehrstühle für Mathematik, Chemie, Naturwissenschaften, Astronomie Medicin, Geschichte, Rechtswissenschaft,[688] Gesetzgebung, Orientalische u.a. Asiatische Sprachen etc. u. ist einer deutschen Universität nicht unähnlich. Die Polytechnische Schule (Ecole polytechnique), in den Gebäuden des ehemaligen Collegiums von Navarra, zur Bildung junger Leute für den Bergwerks-, Artillerie-, Marine- u. Ingenieurdienst, sowohl im Civil- als im Militärsache. Sie enthält 350 Zöglinge von 16–20 Jahren, wovon die Hälfte aus den Zöglingen der Militärschule von St. Cyr, die übrigen aber gegen eine Pension von 1000 Francs aufgenommen werden. Die Eleven tragen Uniform. Die Schule wurde 1793 durch den Convent gestiftet u. wurde von Napoleon I. sehr begünstigt. Den 17. August 1844 wurde sie auf Befehl des Königs aufgelöst, kurze Zeit darauf jedoch wieder eröffnet u. erfuhr 1848 eine theilweise Reorganisation. Andere Anstalten für einzelne Fächer sind die kaiserliche Schule des Generalstabes, die kaiserl. Schule des ponts et chaussées, die kaiserl. Schule des mines. die kaiserl. Schule für Ingenieurgeographen, die kaiserl. Gewerbschule, die Apothekerschule, die Schule für Geburtshülfe, für Baumzucht; für lebende Orientalische Sprachen, für Archäologie, für Entzifferung der Manuscripte des Mittelalters; die Veterinärschule zu Alford bei Charenton, von Bourgelot gestiftet, s. ir Militärs u. für Privaten, mit anatomisch-physiologischem Cabinet, Bibliothek, Botanischer Garten etc. Auch ist hier die Unterrichtsanstalt in der Naturgeschichte, welche mit dem Jardin des plantes verbunden ist u. an welcher mehr als 3000 junge Leute Unterricht empfangen. Kunstschulen sind: die kaiserliche Schule der Schönen Künste (bes. für höhere Zeichnenkunst), in einem Gebäude in der Rue des petits Augustins, die kaiserl. Zeichnenschule, die mathematische Zeichnenschule, die kaiserl. Gesangschule, die kaiserl. Schule für Musik u. Declamation (Conservatorium), von Ludwig XVI. 1784 gestiftet, um Schauspieler u. Musiker zu bilden, mit 400 Zöglingen; für die sich im Gesang bilden Wollenden besteht eine besondere Abtheilung. Schulen für körperliche Übungen: die Schwimmschule, die kaiserliche Reitschule, der Circus der Brüder Franconi, das Gymnase normale (Turnanstalt) des spanischen Oberst Amoros. Die ausgezeichnetsten unter den zahlreichen Pensionsanstalten für Knaben u. für Mädchen sind: die Ecole Neopédique, eine höhere Bürgerschule, ertheilt Unterricht bes. in den lebenden Sprachen, drei Handelsschulen, Kunst- u. Handwerksschule, Industrieschule, die Institution française et anglaise von Masson, die Anstatt der Mad. Cousin etc. Der Elementarunterricht ist ziemlich vernachlässigt, u. für ihn thut nur erst neuerdings die Regierung etwas. Es bestehen in P. über 400 Primärschulen, welche von mehr als 25,000 Schülern besucht werden, u. 40 Freischulen. Für den öffentlichen Unterricht sind mehre Gesellschaften gestiftet, so die Soc. pour linstruction élementaire, die Gesellschaft des wechselseitigen Unterrichts etc. Über die Blinden- u. Taubstummeninstitute s. unten.

Unter den öffentlichen Bibliotheken ist die wichtigste die Kaiserliche Bibliothek. Die erste Anlage rührt von den Königen Johann u. Karl V. im Louvre her, ihren Inhalt aber entführte der Herzog von Bedford 1429 nach England. Eine neue legte Ludwig XI. 1475 an, welche Karl VIII. 1495 mit der zu Neapel eroberten vermehrte, Ludwig XII. nach Blois schaffte u. mit daselbst von zwei Herzögen von Orleans angelegten u. mit andern vereinigte. Franz I. ließ sie 1544 nach Fontainebleau bringen u. vereinigte sie mit der neu von ihm angelegten Bibliothek u. mit andern. Heinrich IV. schaffte sie 1595 nach Paris, u. von ihm, so wie 1622 von Ludwig XIII. wurde sie durch Ankauf, in der Folge auch durch Vermächtnisse u. Geschenke, durch Requisition aus aufgehobenen Klöstern u. Bibliotheken französischer Städte bereichert. Jetzt ist sie in einem großen Gebäude in der Rue Richelieu aufgestellt u. hat außer den Druckschriften über 80,000 Manuscripte. Sie enthält im Erdgeschoß den Thierkreis von Denderah (s.d.), in den Räumen des ersten Stockes zunächst die Manuscripte. Die Bibliothek des Arsenals (sonst Biol. de Monsieur), am Bastillenplatz, in zwei Gebäuden (sonst Arsenal), von Paulmy d'Argenson angelegt u. vom Grafen Artois (Karl X.) angekauft, 1787 durch die Bibliothek des Herzogs von Vallière vermehrt, bes. reich an Geschichtswerken, ausländischer Literatur u. italienischen Dichtern. Bibliothek Mazarins (Bibl. des quatre nations), von des Cardinals Mazarin Vermächtniß seiner Bibliothek 1661 gestiftet, im Palast des Instituts (sonst Collége Mazarin); Bibliothek zu Ste. Geneviève (Bibl. du Panthéon), hinter dem Pantheon, im Collége de Henri IV.; Bibliothek des Stadthauses, seit 1797 Bibl. de la Ville, seit 1797 neu gebildet, in einem Gebäude hinter dem Stadthaus; Bibliothek des Jardin des plantes (Jardin du Roi), bes. mit Werken naturhistorischen Inhalts, die seltensten Kupferwerke u. Zeichnungen enthaltend; Universitätsbibliothek in der Sorbonne; Bibliothek der Sternwarte, nur astronomische u. meteorologische Werke; Bibliothek der Arzneischule. Nicht öffentlich sind: die Bibliothek des Instituts, 1797 durch Schenkung der Stadtbibliothek gestiftet, Bibliothek des Cassationshoses, des Tribunals erster Instanz, des Invalidenhauses, der Pairskammer, der Deputirtenkammer, der Polytechnischen Schule, aller Ministerien, öffentlichen Anstalten etc.

Sammlungen wissenschaftlicher u. Kunstgegenstände u.a. öffentlicher wissenschaftlicher Anstalten: Das kaiserliche Museum des Louvre, in der südlichen Gallerie des Louvre; Napoleon bereicherte sie sehr durch Kunstschätze, welche er auf seinen Feldzügen aus Italien, Spanien, Deutschland u. den Hauptstädten von ganz Europa mit nach P. brachte, doch wurden diese fremden Schätze nach dem zweiten Einrücken der Alliirten in P. 1815 größtentheils wieder heim gebracht. Es zerfällt in: das Museum der Antiken (in 16 Sälen); das der Gemälde (in einer 700 Schritte langen Gallerie in neun Abtheilungen); das der griechischen, römischen u. ägyptischen Alterthümer, 1827 eröffnet (in neun Sälen im Louvre selbst, mit Bronzen, Vasen, Gegenständen aus Herculanum, Sammlungen von Champollion, Sammlungen mexicanischer Gegenstände); das Musée naval, eine Sammlung von Schiffsmodellen; Gemäldesammlung der Spanischen Schule (in fünf Sälen, von Ludwig Philipp gestiftet); Sammlung von Gypsabdrücken der schönsten Werke der Welt; Museum der Zeichnungen, eine Sammlung der schönsten Zeichnungen, Miniaturen, Mosaiken, Büsten etc. (in neun Sälen); Gemäldesammlung der Französischen Schule; Sculpturen der Renaissance. Die Gallerie Luxembourg, im Palais Luxembourg, enthält Sculpturen u. Gemälde der neuern Französischen Schule; Gemäldesammlung im Palais [689] Royal, Bilder, bes. aus der Französischen Schule enthaltend; Sammlung von Kupferstichen (Cabinet des estampes), auch bei der Bibliothek in fünf Zimmern; Sammlung der Medaillen u. Antiken bei der Bibliothek, dabei die geschnittenen Steine u. eine Sammlung von Curiositäten des Mittelalters; Münzsammlung im Münzgebäude, enthaltend alle seit dem 15. Jahrh. geprägten französischen Münzen u. Medaillen; Naturhistorisches Museum (od. Museum des kaiserlichen Gartens), bei welchem der Botanische Garten, reich an ausländischen Pflanzen, die Gallerie der Naturgeschichte mit großer Menagerie u. Unterrichtsanstalten in den Naturwissenschaften sind; die Gallerie der Botanik, seit 1840 neu gebaut, mit drei Sälen; das Anatomische Cabinet, von Cuvier eingerichtet, mit Sammlung von Mißgeburten von Geoffroy St. Hilaire u. mit Sammlung von Schädeln u. Skeletten von Menschen u. großen Thieren. Das Mineralogische Cabinet in der Bergwerksschule; Museum der Industrie (Conservatorium der Künste u. Handwerke), mit Modellsammlung; Museum der Artillerie, mit Sammlung alter Waffen; Museum Dupuytren, mit Sammlungen von Nachahmungen osteologischer u. chirurgischer Krankheitsformen; Pathologisch-anatomisches Cabinet der Thierarzneischule zu Alfort, wie das vorige in Krankheiten der Thiere; Cabinet der Arzneischule, bes. Sammlung von chirurgischen Instrumenten etc.; das frühere Museum der französischen Denkmäler, eine Sammlung von Denkmälern aus dem Mittelalter, in dem sonstigen Augustinerkloster, in sieben Sälen, zur Revolutionszeit von le Noir angelegt, wurde nach der Restauration aufgelöst u. die historischen Gegenstände in die Kirchen, Kirchhöfe etc. zurückgebracht. Das Observatorium in der Vorstadt St. Jacques besteht aus einem 86 Fuß hohen Thurm, welcher 1762 erbaut wurde; indessen wird dieser Thurm wenig mehr gebraucht, sondern die eigentliche Sternwarte ist in einem später errichteten Nebengebäude. Von dieser Sternwarte ausgehend, zählen die Franzosen die Grade der Meridiane u. auf sie basirten sieauch andere Messungen.

Man rechnet die Zahl derer, welche in öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten verpflegt werden, auf 60–70,000, mit Einschluß derer, welche in den Häusern Unterstützung erhalten, auf 140,000. In jedem Municipalarrondissement der Stadt ist ein eigenes Wohlthätigkeitsbureau; mehre Wohlthätigkeitsgesellschaften (Charité maternelle, Coq-Héron de la providence, St. Honoré de prévoyance, Philanthropische Gesellschaft, mit 80 Zweigvereinen, Evangelische u. Evangelisch-helvetische Wohlthätigkeitsgesellschaft) sorgen außerdem für Kranke u. Arme. Noch bestehen außer den medicinischen Vereinen (s. oben), der Blatterimpsungsverein, Société pour le soulagement des prisonniers. Eigentliche Wohlthätigkeitsanstalten sind: das große Invalidenhaus (Hôtel des Invalides), als Versorgungshaus für das Militär 1670–74 von Ludwig XIV. erbaut, der Dom jedoch erst 1704 vollendet; es hat Raum für 7000 Invaliden (gegenwärtig bewohnen ungefähr 4000 dasselbe), ist ein großes Viereck mit mehren Höfen, Bibliothek, Küche, Reliefdarstellung der französischen Festungen, mit Dom, welcher die prächtigste Kuppel von P. hat; in ihm wurden bis 1815 die in den Feldzügen der Republik u. Napoleous eroberten Fahnen aufbewahrt, aber den Tag vor dem Einrücken der Alliirten verbrannten die Invaliden dieselben; in ihm das 1853 vollendete Grabmal Napoleons I., Denkmale Vaubans u. Turennes. In den Hospitälern befinden sich durchschnittlich 14,500 Personen, zusammen des Jahres gegen 100,000. Hôtel Dieu, schon im 7. Jahrh. gegründet, auf der Citéinsel, mit 1500 Betten in 23 Sälen; jährlich werden an 11,000 Personen darin verpflegt, den Dienst verrichten 16 Ärzte u. Augustinerinnen, zugleich ist es Clinicum; Hospital St. Louis, von Heinrich IV. 1607 gegründet, enthält 800 Betten, verpflegt jährlich 7000 Personen, bes. Hautkranke; das Hospital der unheilbaren Frauen, mit 522 Betten, von Barmherzigen Schwestern bedient, u. das der unheilbaren Männer; die Charité, mit 500 Betten; das Hospital Pitié, 600 Betten; Hospital für kranke Kinder, 550 Betten; Hospital für Venerische, 650 Betten; das Militärhospital Val de Grâce, vor der Revolution Benedictinerkloster, 1500 Betten; vier Militärhospitäler; Maison de santé, nimmt Kranke, welche zahlen, auf; mehre kleinere Hospitäler, so das Hospital Cochin, Beaujon, St. Antoine, St. Come, Leprince, St. Merry, d'Enghien, klinisches Hospital. Hospize für Alte u. Gebrechliche sind die Salpêtrière, für 5000 alte Frauen (zugleich Irrenhaus für 12–1500 Frauen), meist zu den Hospitälern gerechnet; Hospiz des ménages, für 670 alte Männer u. Frauen; Hospiz de Rochefoucault (Maison de retraite); Institution de St. Perrine; Asyle de la Providence; Infirmerie de Marie Thérèse, für 30 Adelige etc. Die meisten dieser Anstalten erhalten von den darin Aufgenommenen Einkaufsgelder für immer od. Jahrgelder. Blinden- u. Taubstummeninstitute: Das Hospital des Quinze-Vingts (kaiserliche Blindenanstalt), 1260 von Ludwig IX. für 300 Blinde gestiftet, verpflegt seine Blinden u. zahlt 300 derselben noch baares Geld, unterstützt 300 andere mit 150 Francs jährlich jeden; kaiserliches Institut für junge Blinde, von Ludwig XVI. 1791 gestiftet; 90 Freistellen; Pensionäre werden von 10–14 Jahren angenommen; Taubstummeninstitut, vom Abbé de l'Epée gestiftet, vom Abbé Siccard fortgesetzt, 800 Zöglinge von 11–16 Jahren, unter ihnen nur 100 Freistellen. Irrenhäuser: das Gesundheitshaus im nahen Charenton (Maison impériale de Charenton), für 400 Wahnsinnige beiderlei Geschlechts, wovon 60 Freistellen; die Salpêtrière für Frauen, s. oben; Bicêtre (s.d.), 1/2 Stunde von der inneren Ringmauer auf der Straße nach Fontainebleau, zugleich ein Hospital; Entbindungshaus mit Hebammenschule u. 300 Betten; Findelhaus (s.u. Findelhäuser), zahlreiche Crèches für kleine Kinder (s. Krippe 2); Waisenhaus.

Gefängnisse: Die Conciergerie, für schwere Verbrecher, unsern des Justizpalastes, die älteste, zum Theil noch aus dem 13. Jahrh. stammende dieser Anstalten, mit alten Thürmen u. langen Gängen; das Gefängniß der Königin Marie Antoinette ist jetzt zur Kapelle umgewandelt. Das Châtelet, im Mittelalter königliches Schloß, dient jetzt auch zu Gefängnissen; das Gefängniß la Force; die große Force besteht aus acht Hofräumen, ist vier. Stock hoch u. 1782 von Necker eingerichtet; in dem kleinen Force, daneben, sitzen bes. Freudenmädchen. St. Pélagie, bes. Strafort politisch Verfolgter; des Madelonnettes, Strafort für Frauen wegen leichter Vergehen; Gefängniß der Abtei; [690] Prison de la Roquette, für meist jugendliche Gefangene gebaut; Nouveau Bicêtre, gegenüber, für sehr schwere Verbrecher; Schuldgefängniß; das Gefängniß Mazas für Angeschuldigte, politisch Gravirte etc.; Militärgefängniß; Dépôt de la préfecture, für wegen Polizeivergehen Verhaftete. Als Besserungshäuser sind Prison d'Essai, Hôtel de Besancourt, Maison des dames de St. Michelle, letzteres für unordentliche Frauenzimmer, u. die Knaben- u. Mädchenbesserungsanstalten zu bemerken.

Der Gewerbfleiß ist in P. auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit, man bestrebt sich nicht sowohl Massen der Erzeugnisse in die Welt zu werfen, als dahin, das Reizendste, Eleganteste u. Geschmackvollste zu liefern, was der jedesmalige Geschmack in Luxus u. Moden für Kleidung jeder Art, Schmuck, Bijouterien, Quinquaillerien u. Meubles angibt. Die großartigste Anstalt darunter ist die kaiserliche Fabrik der Gobelins- u. Savonnerie tapeten (s.b.); die kaiserliche Spiegelfabrik, 1666 von Colbert gegründet, belegt die bei St. Gobin bei Soissons gegossenen Gläser mit Folie; die kaiserliche Buchdruckerei, besitzt die Typen aus allen Sprachen der ganzen Welt u. beschäftigt über 900 Personen; Fabrik von Mosaiken; in der Münze (Hôtel de monnaie), 1771 von Antoine gebaut, wird das meiste Geld u. fast alle Medaillen für Frankreich geschlagen. Was die Privatfabrikation in P. anlangt, so zählt man im Ganzen nahe an 500 Fabrikanten in Papiertapeten, über 600 in Bijouterien, an 500 in Modewaaren, über 400 in Hüten, nahe an 400 Metallgießereien, eben so viel in Bronzearbeiten, an 300 in Lampen, eben so viel in Knöpfen, eben so viel in musikalischen Instrumenten, über 200 in Tischlerarbeiten, eben so viel in Leder, Destilliranstalten, Fabrikanten in Stickereien, an 200 in Posamentirarbeiten, Kattun- u. Messerfabriken über 100, Blumen- u. Federn-, Porzellan- u. Bürsten-, ferner zahlreiche Zucker-, Blonden-, Shawl-, Strohhutfabriken etc. Außerdem liefert P. noch Krystallglas, verschiedene Zeuge u. Gewebe in Seide (Gaze, Strümpfe), Gold- u. Silberwaaren, Uhren, Nadlerwaaren, Räucherwerk, Gebrannte Wasser, Confituren, mathematische, optische, chirurgische, physikalische Instrumente, Maschinen (für allerlei Künste u. Handwerke), Spielkarten, seine Papiere, Tabak, künstliche Augen u. Zähne, Mineralsäuren, Mineralwasser u.v.a.; außer der kaiserlichen Buchdruckerei gibt es über 80 Buchdruckereien, ferner Schrift-, Stück-, Eisen-, Bleigießereien, zum Theil auf kaiserliche Kosten, in der Umgegend Baumschulen u. Gärten etc. – Der Handel von P. ist sehr bedeutend, sowohl in Staatspapieren ist P. einer der bedeutendsten Plätze der Welt u. Bankiers von allen Nationen Europas haben sich dort angesiedelt u. bewohnen bes. die Paläste nördlich der Boulevarts, als auch im Waarenhandel werden viel Geschäfte gemacht, namentlich in allen Artikeln des Luxus u. der Moden, eben so in großem Speditionshandel. Für den Detailhandel gibt es bes. in der innern Stadt fast unzählige Kaufläden. Die elegantesten Buden waren sonst die schönen Hallen des großen Gartens des Palais Royal, jetzt wetteifern mit denselben mehre Passagen (s. oben) u. Bazars, bes. der Bazar de l'Industrie Française, für Meubles u. Hausgeräthe, der Bazar Bonne Nouvelle, Bazar de la Galerie de fer, Der Handel wird gefördert durch die Seine u. die bedeutende Schifffahrt auf ihr u. dem Kanal de l'Ourcq, so wie durch die von allen Seiten in P. ausmündenden Chausseen u. die Eisenbahnen, welche hier zusammenströmen. P. ist der Centralpunkt des gesammten französischen Eisenbahnnetzes, da von hier aus die sechs großen Hauptbahnen des Landes radienförmig auslaufen (s. Frankreich Geogr. S. 514); von diesen befinden sich vier Bahnhöfe auf dem rechten (nördlichen) Seineufer u. zwar für Rouen-Havre (zugleich für Versailles Linkuferbahn) in der Rue St. Lazare; für die Nordbahn (Brüssel u. Köln) auf dem Platze Roubaix in der Faubourg Poissonnière; für die Ost- od. Strasburger Bahn (der schönste Bahnhof Frankreichs) am Ausgang des Boulevart de Sebastopol in der Faubourg St. Denis; für die Südost- od. Lyoner Bahn am Boulevart Mazas in der Faubourg St. Antoine; zwei Bahnhöfe auf dem linken (südöstlichen) Seineufer u. zwar für die Süd- od. Orleansbahn (zugleich für Corbeil) am Boulevart de l'Hôpital, dem Jardin des Plantes gegenüber u. für die Westbahn (Le Mans u. Rennes) an der Barrière du Maine. Außerdem hat P. noch zwei kleinere Bahnhöfe für Vincennes auf dem rechten u. für Sceaux auf dem linken Seineufer. Sämmtliche Bahnen sind durch eine um die ganze Stadt laufende Gürtelbahn verbunden. Die Börse, 1808–25 gebaut u. zugleich das Handelstribunal enthaltend, bildet einen Vereinigungspunkt der Pariser Kaufmannschaft, eben so die Bank, im ehemaligen Hôtel Penthièvre 1800 gegründet (s. Bank II. Dd); außerdem gibt es noch zahlreiche Assecuranzen (s. Frankreich, Geogr. S. 513, vgl. Assecuranzen II. A)–D). Der Handel mit Lebensmitteln u. somit die Verproviantirung der Stadt steht unter der Verwaltungskasse der Bäcker. Er geschieht bes. in Hallen, bes. in der Halle aux blés et aux farines (Getreide- u. Mehlhalle), einem großen, kreisrunden Gebäude mit Kuppel, 1762–72 erbaut. Zur Reserve dienen dieser Halle der Grenier de réserve, ein 1077 Fuß langes, zwei Etagen hohes Kornhaus; die Halle aux poissons (Fischhalle mit den berüchtigten Fischweibern, den sogenannten Dames de la Halle, s. unten); Halle aux vins, bildet mehre große Gebäude u. diese eigne Straßen (Champagne, Bourgogne etc.); sie liegt neben dem Pflanzengarten u. jeder Pariser Weinhändler hat daselbst sein Comptoir u. Niederlagen. Im Ganzen rechnet man gegen 1500 Weinhandlungen in P. Außerdem gibt es mehre Entrepôts (Niederlagen), eine Kälber-, eine Fleischhalle, mehre Verkaufslocale (Marchés), große, mit langen Gängen durchschnittene Schuppen, in deren jedem eigne Gegenstände verkauft werden; so für Schlachtvieh zu Sceaux u. Poissy für fette Kühe, für Schweine, Schinken, Geflügel u. Wildpret, Fische, Austern, Butter, Eier u. Käse, Obst, Blumen u. auch für andere Bedürfnisse, Fomrage, Brennholz, Holzkohlen, Steinkohlen, Salz; auch für Tuch, Leinwand, Leder etc. gibt es eigne Hallen. Der Verkauf im Kleinen wird betrieben auf dem Marché St. Germain (einem durch vier Flügel gebildeten Hof), Marché des carmes, Marché St. Martin, Marché des Blancs Manteaux etc. In mehren dieser Hallen u. Marchés halten nur Frauen feil, die Dames de la Halle, welche durch ihren derben Ton u. durch die frühere Anhänglichkeit an die königliche Familie, welcher sie bei der Geburt eines Prinzen u. andern[691] festlichen Gelegenheiten feierlich Sträußer überbrachten, während der Revolution aber durch ihre Anführung der Volkshaufen, bes. zur Zeit, als der König von Versailles nach P. gebracht wurde, bekannt sind. Die Marchands de comestibles (Victualienhändler) haben in ihren Localen Fleisch auf wahrhaft ästhetische Weise, lebende Schildkröten, große Seekrebse u. Seefische, Wildpret, alle Arten Obst etc. ausgelegt. Die Schlachthäuser (Abattoirs) ließ größtentheils Napoleon I. errichten, um die Stadt vor ansteckenden Krankheilen zu bewahren; in Reihen von Gebäuden befindet sich eine bestimmte Anzahl Schlachtstätten, welche an die Fleischer einzeln vermiethet werden; meist sind sie in Vorstädten od. in entlegenen Stadttheilen; es sind die Abattoirs du Roule, de Montmartre (Rochechouart), de Ménilmontant (Popincourt), de Ville Juif (Ivry), de Grenelle (Vaugirard). In P. wurden (vor der Vereinigung mit den umliegenden Gemeinden im Jahre 1860) jährlich über 70,000 Ochsen, an 20,000 Kühe, 80,000 Kälber, 460,000 Hammel u. 90,000 Schweine geschlachtet u. außerdem noch für nahe an drei Mill. Francs geschlachtetes Fleisch eingebracht, im Betrag von nahe an 60 Mill. Francs. Verbraucht wird außerdem jährlich: Brod für 40 Mill. Frcs., Butter für 10 Mill., Eier für 51/2 Mill., Wild u. Federvieh für 101/2 Mill., Seefische für 51 Mill., Kaffee für 12 Mill., Zucker für 18 Mill., Gewürze für 10 Mill., Seife für 8 Mill., Papier für 4 Mill., Tuch für 10 Mill., Farbewaaren, Firnisse für 4 Mill., Arzneiwaaren für 3 Mill., Seidenwaaren für 3 Mill., Leinen u. Battiste für 16 Mill., Pelzwerk für 1 Mill., Eisen für 2 Mill., Kupfer, Zinn, Blei für 3 Mill. Frcs, Käse 10 Mill. Kilogramm, Weintrauben 4 Mill. Kilogr., Wein 1,650,000 Hectoliter, Branntwein 48,500, Cyder 8500, Bier 112,300 Hectol., Hopfen 61,483 Kilogr., Gerste 37,448, Essig 17,600 Hectol., Öl 68,295, Wachs 85,221, Salz 4,018,998, Talg 758,697, Tabak 758,299, Steinkohlen 2,780,000, Holzkohlen 2,700,000 Hafer 1,151,473 Kilogr., Heu 9 Mill. Bund, Stroh 13 Mill., Eichenbauholz 44,038 Stères, Tannenbauholz 5000, geschnittenes Eichenholz 3,264,372 Kubikmeter, geschnittenes Tannenholz 4,510,115, hartes Holz 1,000,135 Stères, weiches Holz 174,944, Reisholz 3,940,454 etc. Die so genaue Statistik ergibt sich daraus, daß alle nach der Stadt gebrachten Lebensmittel u. Bedürfnisse an den Barrièren versteuert werden müssen. Buch- u. Kunsthandel bilden einen der wichtigsten Zweige der Pariser Industrie; es gibt über 500 Buchhandlungen, wie sich überhaupt der gesammte französische Buchhandel in P. concentrirt (s. Buchhandel II. b) u. hier wiederum namentlich im Quartier latin u. auf dem Quai Voltaire; Zeitschriften erscheinen über 300, an Büchern jährlich ungefähr 3500.

Unter den Vergnügungen steht das Theater obenan. Während der Revolution zählte man einmal 30 Theater in P., später wurden diese auf 8 reducirt, wuchsen 1823 wieder auf 14, bei welcher Zahl sie eine Zeitlang blieben, obschon sie 1825 auf 10 herabsanken; jetzt gibt es deren 23, darunter 5 größere mit kaiserlicher Unterstützung u. außer ihnen noch 6 Theater vor den Barrièren. Die Theater sind: die Große Oper (Grand Opéra od. Académie impériale de musique), in der Rue Lepelletier, gibt große Opern u. Ballets mit großem Aufwand von Scenerie u. Costumes; das ehemalige Gebäude derselben in der Rue Richelieu wurde wegen der Ermordung des Herzogs von Berry geschlossen u. abgerissen; Théâtre français, in der Rue Richelieu, mit dem Palais Royal zusammenhängend; besteht seit 1718, spielte aber an verschiedenen Orten, seit 1799 in dem jetzigen Local, gibt nur klassische französische Tragödien u. Komödien; war u. ist die Grundlage des ganzen französischen Theaters; Théâtre des Italiens, brannte 1838 ab, wurde 1841 wieder erbaut; die Italienische Oper spielt im Sommer in London; das Théâtre de l'opéra comique (sonst Théâtre Feydeau), auf dem Platze des Saals Favart, 1840 gebaut, auf dem Börsenplatz; die Quelle für Komische Opern für alle Theater Europas; das Odeontheater (Second Théâtre Français), auf dem Odeonplatz, brannte 1799 u. 1818, wo die Catalani die Leitung hatte, ab, gibt meist klassische Stücke u. war eine Zeitlang auch das Haus der Italienischen Oper. Zu den großen Theatern werden häufig noch gezählt Théâtre national am Boulevart du Temple, welches große militärische Spectakelstücke gibt, Hippodrome u. Cirque de l'Impératrice (sonst Circus Franconi), beide sind Schaubühnen von den großartigsten Dimensionen für Vorstellungen der höheren Reitkunst. Theater zweiten Rangs u. ohne Zuschuß der Regierung sind: Théâtre du Vaudeville, in der Straße Chartres; gibt Vaudevillestücke, eben so Théâtre du Palais Royal; Théâtre du Gymnase, am Boulevart Bonne Nouvelle, eins der besuchtesten u. bestgeleiteten Theaters von P, gibt die Schauspiele des Théâtre Français, die Scribeschen Stücke, Lustspiele u. kleine Opern; Théâtre des Variétés, auf den Boulevarts, gibt mehr Witzspiele; Théâtre des folies dramatiques, gibt Dramas, Vaudevilles u. Lustspiele; Théâtre de la Porte St. Martin, 1789 nach dem Brand der Großen Oper in 75 Tagen gebaut; Théâtre des Funambules (Volkstheater mit Polichinells u. Pierrots), Théâtre Lazary, Théâtre Folies Nouvelles; Théâtre de la Porte St. Antoine, de la Gaîté (des mélodrames) u. Ambigu comique, sämmtlich auf den Boulevarts, Melodramen, Pantomimen u. Ballets gebend; Théâtre du Panthéon, du Temple, St. Marcel, du petit Lazari, du Luxembourg, Théâtre Beaumarchais (Kindertheater), Théâtre de Mr. Comte (Théâtre de Magie) ist auch Kindertheater; Café spectale, ein Kaffeehaustheater, wo für das Entrée Erfrischungen gegeben werden Die 6 Vorstadttheater jenseit der Barrièren sind die Theater du Mont-Parnasse, de la barrière Rochechuart, des Thermes, Montmartre, de Grenelle, de Battignoles u. de Belleville. Außer dem Hippodrom u. dem Cirque de l'Impératrice gibt es noch kleinere Circus für Seiltänzer u. für Reiterkünste; die Panoramen, das Peristrophorama, Panorama, wo sich der Zuschauerplatz dreht; das Diorama, das Georama, das Navalorama (Panorama französischer Seehäfen), Experimente mit Gasmikroskopen, Optische, Physikalische u. Wachsfiguren-Cabinete etc. Viele dieser u. ähnliche Theater sind in den Champs Elysées. Von öffentlichen Festlichkeiten hat P den Napoleonstag (15. Aug.), an welchem Volksbelustigungen mit öffentlichen Theatern, Mât de Cocagne, Schifferstechen u. Abends Feuerwerk u. Illumination gegeben[692] werden; die Fahrten nach Longchamp (s.d.); Pferderennen auf dem Marsfeld Ende Augusts u. Anfang Septembers; das Carneval, wo Maskenbälle im Odeon u. der Großen Oper, auch in den Etablissements für die Winterbälle Statt finden u. an den drei letzten Tagen die Cérémonie du boeuf gras, Aufführung eines gemästeten, festlich geputzten Ochsen durch die Fleischer mit Straßenmaskerade vor sich geht; die Sommerbälle im Tivoli, in Belleville, im Garten der Chaumière (Foulart), im Jardin Mabille, den Gärten des Château des Fleurs u. des Château Rouge, wo für niedriges Entrée Tanz für die Studenten, anständigen Handwerker, Grisetten u. dgl. ist, im Salle de Flore, de Mars, d'Isis in den Elyseischen Feldern, in der Chartreuse, im Sommervauxhall; die Winterbälle bes. im Vauxhall, Prado, Salle Musard, Jardin d'Hiver, Kaffeehäusern, Casinos etc. Die untern Stände vergnügen sich in den Guinguettes, welche zugleich Kaffeehäuser, Restaurationen, Ballsäle u. Gärten sind, wo kein Entrée, sondern nur für die Tanzmusik Etwas entrichtet wird. Die anständigsten sind noch: l'Ile d'Amour, Barreaux Verts, Érémitage. Die außerhalb der (frühern) Barrièren gelegnen Volksvergnügungsorte, bes. zu Anteuil, Passy, Montmartre, Belleville, Charonne, Gentilly, Vaugirard etc., sind deshalb mehr besucht als die innerhalb, da hier die Lebensmittel, bes. der Wein, weit wohlfeiler sind. Spaziergänge besitzt P. sehr viele, so nach den Elyseischen Feldern, dem Garten der Tuilerien, den Boulevarts, dem Garten von Luxembourg etc. Außerhalb der Stadt zeichnen sich aus: das Wäldchen von Boulogne (Bois de Boulogne, unweit des Dorfes Boulogne), auf dem Wege nach St. Cloud, Ziel der Spazierritte u. Spazierfahrten der eleganten Herren u. Damen mit mehren Cafés u. Restaurationen (hier werden auch die meisten Duelle ausgemacht); der Wald von Vincennes, so wie verschiedene kaiserliche Luftschlösser u. andere Partien (s. unten).

Von Morgens 9 Uhr an ist das regste Leben auf den Straßen, am bedeutendsten ist dasselbe auf den Boulevarts, den Elyseischen Feldern, auf den Straßen, welche nach den Brücken führen, auf den Quais der Rue Rivoli, Rue Rambutau, Rue Richelieu u. St. Honoré; das rechte Ufer ist mit seinen engern Straßen weit lebhafter, als das linke. Zahlreiche Ausrufer von Waaren u. Lebensmitteln preisen dieselben dem Publikum mit lauter Stimme an, unaufhörlich rollen Wagen umher, deren Zahl man sammt den Karren in P. auf 54,000, welche von 70,000 Pferden gezogen werden, anschlägt, u. unter diesen an 7000 Miethwagen, welche dem Publikum auf 92 öffentlichen Plätzen zu Diensten stehn. Diese sind Fiacres (Voitures de Place), welche wiederum in große Fiacer (zweispännig), zu fünf Personen, kleine Fiacres (od. Coupés, theils ein-, theils zweispännig, zu vier Personen) u. Cabrielets (einspännig mit zwei Rädern) zerfallen. Die Fiacres machen innerhalb der Stadt jede beliebige Fahrt, während die Omnibusse nur für bestimmte Linien dienen; die Omnibusse (insgesammt 350) für die verschiedenen Linien sind seit neuster Zeit in eine einzige Gesellschaft vereinigt, haben gleiche Preise (6 Sous od. 30 Cents für jede Linie) u. zerfallen in Batignollaises, Béarnais, Citadines (zwei verschiedene Linien), Constantines, Dames Réunies (zwei versch. Linien), Diligentes, Excellentes, Favorites (vier versch. Linien), Gauloises, Gazelles, Hirondelles (zwei versch. Linien), Montrougiennes, Omnibus (acht versch. Linien), Orléanaises, Parisiennes (drei versch. Linien), Tricycles. Außer diesen, den öffentlichen Straßendienst besorgenden Miethwagen kann man auch Wagen u. Cabriolets in der Remise zu Touren inner- od. außerhalb P. haben u. dieselben zuvor bestellen; bes. sind für die Landpartien der niedern Klassen die Coucous beliebt, Einspänner mit zwei Sitzen, auf denen aber sechs Personen Platz haben.

Die Wohnungen in P. für Fremde werden weniger in Gasthäusern, sondern mehr in Chambres garnies genommen, welche zahlreich unterhalten werden, wo für die gewöhnlichen Bedürfnisse gesorgt u. für die Sicherheit der Effecten des Miethsmanns gestanden wird, indem ein Portier auf alle Ein- u. Auspassirenden sorgsam ein Auge hat. Den Lebensunterhalt sucht der Fremde meist in Restaurationen, deren man in P. über 5000 zählt, wo man dejeuniren, diniren u. soupiren kann; man bezahlt hier für das Couvert 75 Centimes bis 50 Francs (6 Sgr. bis 134 Thlr.), ißt nach der Charte od. zahlt für das Ganze. Berühmte Restaurationen sind: Frères Provençaux, Café de Paris, Maison Dorée, Café Anglais, Very, Vefour, Douix, Chevet u. Beauvais; außerdem gibt es noch Rôtisseurs, Patisseurs-rôtisseurs u. Gargotiers, bei denen man billiger speist. In mehren Restaurationen findet man auch englische, italienische u. deutsche Kost. Kaffeehäuser gibt es ebenfalls über 5000, zuweilen ist auch das Café mit der Restauration verbunden (Café restaurant). Das Kaffeehaus ist der Ort, wo sich der Pariser am liebsten bewegt, täglich von Morgens früh 10 Uhr bis in die Nacht sind sie besucht, die Gäste lesen hier Zeitungen u. spielen Domino Die berühmtesten Cafés sind das Procope (einst von Voltaire, Rousseau, Fontenelle besucht), Monbury, wegen seines Domino- u. Damenspiels bekannt, de Régence, gleichermaßen wegen des Schachspiels, Café de Foy (im Palais Royal, eins der ältesten von Paris; hier hielt Camille Desmoulins seine Sturmreden), ferner ebenfalls im Palais Royal: das de Rotonde, d'Orléans, de Mille Colonnes, des Aveugles (wo nur Blinde Musik machen dürfen), Café Tortoni, Café Turc etc. Die niedern Stände besuchen statt der Cafés die Estaminets, wo man Bier trinken u. Tabak rauchen kann; letzteres ist jedoch seit einigen Jahren auch anderwärts Mode geworden. Die zahlreichen Lesecabinete im Palais Royal, mit den Boulevarts u. an andern Orten geben neben Zeitungen auch Flugschriften u. Romane; auch Lesebibliotheken gibt es. Die Sitten der untersten Stände sind sehr ausschweifend u. der Luft des Augenblicks ergeben, eben so ist unter der Jugend große Libertinage. Man rechnet in P. 50–60,000 öffentliche Dirnen (Filles soumises od. inscrites) u. 40–60,000 Femmes entretenues, Loretten (s.d.) u. Grisetten (s.d.), welche letztere mit Studenten u. Arbeitern in wilder Ehe auf unbestimmte Zeit leben; jene haben ab-, diese zugenommen, denn jeder Jüngling, kaum dem Knabenalter entwachsen u. irgend als Fabrikarbeiter u. dgl. unabhängig, lebt mit einer solchen. Dabei sind die Ansichten von Moral bei dieser Klasse sehr frei, u. der Zusammenfluß von der Hefe der Nation in P. trägt viel dazu bei, die Grundsätze zu verschlechtern. Indessen[693] lebt der gemeine Pariser die Woche hindurch meist ärmlich, nur um den Sonntag hindurch auf der Guinguette auf dem Montmartre od. anderswo sein angezogen zu tanzen u. sich gut thun zu können. Bei der höhern Klasse tritt die Immoralität nicht so an den Tag, wie bei der niedern; es werden hier feste Ehen geschlossen, doch gehören mit der Zeit gewöhnlich dazu mehr als zwei Personen. Die Religiosität richtet sich, wie die Mode in der Kleidung, nach den höchsten Kreisen, doch findet sich meist mehr Frömmelei u. Scheinheiligkeit als Frömmigkeit u. ehrbares Leben. Diese höhern Stände dejeuniren um 10–12 Uhr u. diniren um 4–7 Uhr. Am besten hält sich noch der Mittelstand von P. Dieser ist meist ehrenwerth, fleißig u. sparsam, er arbeitet in der Woche, macht sich nur Sonn- u. Festtags ein Vergnügen, die Frauen führen in solchen kleinen fabrikähnlichen Wirthschaften u. Krämereien die Bücher sorgsam u. treu u. halten das Ganze in Ordnung. Freimaurerlogen: Großer Orient von Frankreich (in der Rue St. Bénoit) u. mehr denn 60 Logen (sämmtlich in eignen großen Gebäuden); Fremde besuchen vorzüglich die Loge aux Amis réunis. Doch nimmt die Liebhaberei an der Freimaurerei gewaltig ab. Den eigentlichen Charakter des Parisers darzustellen ist schwierig, da die Bevölkerung aus Individuen von allen Provinzen Frankreichs, mit starkem Vorherrschen der nordwestlichen u. mit nicht unbedeutender Beimischung von Briten, Deutschen, Spaniern u. Italienern etc. besteht. Leichtigkeit, Beweglichkeit, Artigkeit sind seine guten Eigenschaften; Eigenliebe, ungemeine Reizbarkeit, bes. in Bezug auf Ehre u. Nationalruhm, Veränderlichkeit, bes. in Beziehung auf politische Verhältnisse, sind seine Kehrseiten.

Eine gute Polizei hält dies Gewirre aus den verschiedensten Elementen in Ordnung. An ihrer Spitze steht ein Polizeipräfect mit 48 Polizeicommissären in den 48 Sectionen. Im Ganzen sind über 600 Beamte durch die Polizei beschäftigt, außer dem Heer Beamter, welche zur geheimen Polizei (Mouchards) gehören u. Schritt u. Tritt jedes nur irgend Verdächtigen bewachen. Eine Municipalgarde der Stadt P., bestehend aus zwei Bataillonen u. zwei Escadronen, zusammen 1443 Mann, wacht mit der Polizei über die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit. Diese hat über die unglaublichen Escroquerien der verschiedensten Arten von Gaunern u. über die öffentlichen Dirnen zu wachen. Die seine Beobachtungsgabe der Franzosen, welche mit Argusaugen jede Kleinigkeit beachtet u. mit schneller Combination alle Umstände berechnend in Verbindung bringt, trägt viel dazu bei, alle Entdeckungen von Spitzbübereien durch die Polizei zu ermöglichen; außerdem gehören zur Polizei noch die Sergeants de ville u. die neuerdings nach dem Londoner Vorbilde eingeführten Polizeimeister (Policemen), welche sich fortwährend an den Straßenecken u. auf den Brücken befinden. Die Feuerlöschanstalten sind vortrefflich, das Corps der Sappeur-Pompiers von vier Compagnien ist in verschiedene Kasernen vertheilt u. versieht den Dienst in den Schauspielhäusern, öffentlichen Vergnügungsörtern; die Organisation derselben ist so vortrefflich, daß in P. unter 500 ausgebrochenen Feuersbrünsten kaum ein Haus ganz abbrennt. Feuerassecuranzen sind daher selten üblich u. 1817 wurde die erste eingerichtet. Zu den Polizeianstalten gehört auch die Morgue, eine Halle auf dem Marché neuf, wo die Leichname Verunglückter, welche irgend wo todt gefunden worden sind, drei Tage lang ausgestellt werden, damit sie erkannt u. von Verwandten abgeholt werden können. Fernere gute Einrichtungen sind: ein Corps de Salubrité, vorzügliche Posteinrichtungen für die Stadt u. das Land, über 300 stündlich geleerte Briefkästen (Boites aux lettres für unfrankirte u. mit Marken frankirte Briefe) in der eigentlichen Stadt; es werden täglich zwischen 70 u. 80,000 Briefe in P. ausgegeben u. 80–90,000 von P. abgesendet. Das Hauptpostamt (Administration des Postes) befindet sich in der Rue J. J. Rousseau; außerdem gibt es noch zahlreiche Hülfsbureaux (Bureaux d'Arrondissement) in verschiedenen Theilen der Stadt; die Post zerfällt in die Grande Poste für Beförderung von Briefen in die Provinz u. das Ausland u. in die Petite Post od. Stadtpost; die Austragung der Briefe findet täglich acht Mal statt; die erste früh 71/2 Uhr, die letzte Abends von 7–9 Uhr. Telegraphenbureaux zur Vermittelung von Privatdepeschen befinden sich im Hôtel de Ville, dem Palais du Luxembourg u. auf den größeren Bahnhöfen; früher eine Telegraphische Anstalt auf dem Montmartre, von welcher verschiedene Telegraphenlinien nach ganz Frankreich ausgingen u. welcher mit dem Telegraphen im Inneren der Stadt auf der Kirche St. Sulpice correspondirten. Die Garnison der Stadt u. der Forts beläuft sich auf 70 bis 80,000 Mann; sie ist außer in den Forts in 30 Kasernen in der Stadt untergebracht. Die Bürgerschaft bildet eigentlich zwölf Legionen (für jedes der früheren Arrondissements eine) Nationalgarden zu Fuß, eine Legion Artillerie u. eine Legion zu Pferde (Lanciers). Jede Legion bildet vier Bataillone, jedes zu fünf Compagnien von 124 Mann. Die Offiziere werden aus den Legionen, die Stabsoffiziere aus den Offizieren gewählt. Die Nationalgarde wurde 1827 durch Villèle aufgehoben, stellte sich aber 1830, in den Tagen vom 26.–29. Juli, durch sich selbst her. Nach den Junitagen von 1848 wurde die 7., 8. u. 12. Legion, welche sich auf die Seite der Arbeiter geschlagen hatte, aufgelöst, ebenso nach dem Staatsstreich vom 2. Dec. 1851 die 5. u. 6. Legion, welche sich ebenfalls zum Volke geschlagen hatte, so daß gegenwärtig nur noch die 1., 2., 3., 4., 10. u. 11. Legion (d.h. die der wohlhabenderen Arrondissements) in Activität sind. Die Banlieue od. die äußeren Vorstädte bilden eigene vier Legionen, mit zusammen 31 Bataillonen. Im Ganzen beträgt sie über 50,000 Mann u. steht unter dem Oberbefehl eines Generals der Armee. Das Budget der Stadt P. für 1860, 61 beträgt 110 Mill. Franken; die bedeutendsten Einnahmezahlen sind der städtische Eingangszoll (Octroi) auf Fleisch, Wein u. andere Lebensmittel, Bedürfnisse etc., die Einkünfte von den Schlachthäusern, den Hallen u. Märkten, die Grund-, Personal- u. Möbelsteuer, Thür- u. Fenstersteuer u. die Patente; die Hauptausgaben sind die Zuschüsse für Hospitäler u. andere Wohlthätigkeitsanstalten, Zinsen u. Abzahlung der städtischen Schuld, Unterhaltungskosten für die Nationalgarde, die Elementarschulen, Kirchhöfe, Polizeipräfectur, öffentliche Bauten etc. Das Wappen der Stadt P. ist ein Schild, dessen oberer, den dritten Theil einnehmender Raum, ein leeres blaues Feld bildet, während das untere (rothe) Feld ein Schiff auf Wellen einnimmt; auf dem Schild eine Mauerkrone. Die Bevölkerung von P., welche 1315 kaum 100,000[694] betrug, belief sich 1788 auf 599,569 Ew., 1821 auf 763,000 Ew., 1836 auf 890,315 Ew., 1852 auf 1,053,262 Ew., 1856 auf 1,178,262 Ew., 1860 (nachdem am 1. Jan. 1860 die benachbarten Gemeinden [s. oben] mit zur Hauptstadt geschlagen worden waren) 1,525,235 Ew.

Umgebungen von P. Nicht nur die Dörfer innerhalb der Ringmauer u. der Befestigung, sondern 2–5 Stunden weit hinaus bilden die Ortschaften mehr Schlösser u. Landhäuser als Bauernhäuser. Fast jedes größere Landgut daselbst hat aber seinen eingefriedigten Park, denn der Pariser, wie fast jeder Franzose, ist leidenschaftlicher Jäger u. Fischer. Folgende Ortschaften sind, außer den oben genannten, die wegen Landhäusern am meisten besuchten u. in der Geschichte Frankreichs, so wie in der Literatur- u. galanten Geschichte berühmtesten: a) nördlich: St. Ouen, Landhaus, früher der Frau von Cayla (s.d.), jetzt der Prinzessin Mathilde gehörig; St. Denis Ecouen St. Leu, Aubervilliers, 1815 mehrmals von den Preußen u. Franzosen genommen; Drancy, mit Schloß; Gonesse, Montmorency, Francaville, Schloß; b) nordöstlich u. östlich: Pantin, Noisy le Sec, mit Landhäusern; Bondy, nahe dabei der Wald von Bondy; Bagnolet, Montreuil, Romainville, besuchter Spaziergang der Pariser; Rosny, Nogent sur Marne, Vincennes, Fontenay aux Roses, mit Rosenanlagen; St. Maur les Fossés, Charenton; c) südlich am linken Marnerechten Seineufer: Noisy le grand, Brie sur Marne, Champigny, Maisons, Alfort; d) am linken Ufer der Seine u. Marne südlich von P.: Ivry, Vitry, Ville juive, mit Schloß; Gentilly, eines der ältesten Dörfer um P; die Könige der ersten Dynastie hatten hier einen Palast, Fabrikort, zwischen ihm u. Ville juive liegt das Bicêtre (s.d.); Sceaux, Sommerbälle; Chattenoy, Bagneux, Antony, Choisy sur Seine, Schl oß, oft Aufenthalt der Pompadour u. Ludwigs XV.; Jouy, mit Fabrik in gedruckten Leinen von Obercamps; Doury la Seine, Arcueil, Montrouge, Chatillon, Orly, Plessis Piquet, Schloß mit schöner Terrasse; Vanvres, Schloß, welches den Zöglingen vom Collège de Louis XIV. als Landhaus dient; Meudon (s.d.), Issy, mit Landhaus des Seminars St. Sulpice, Kirche, sonst Lusthaus Chilperichs; hier Gefecht zwischen Preußen u. Franzosen unter Davoust am 2. u. 3. Juli 1815; e) westlich: Sèvres, Versailles, Boulogne, Malmaison (s.d.a.), Ruel, mit Kasernen, Schloß, Park; Lucjemont, mit Landhaus Lafittes, früher der Dubarry; Marly, St. Germain u. Poissy (s.d.a.), Nanterre, Flecken, Geburtsort der Sta. Genoveva; Surene, Mont Valérien, sonst Wallfahrtsort, jetzt Hauptfort, mit prachtvoller Aussicht über ganz P.; Puteaux, viele Spargel- u. Rosenfelder; Courbevoie, Kaserne, Bandfabrik; Neuilly (s.d.); f) nordwestlich: Clichy la Garenne, Asnières, an der Seine, Schloß, Brücke; Genevillières, mit Landhaus, vormals dem Cardinal Richelieu gehörig; Colombe, Argenteuil, Epinay sur Seine, sonst Schloß Dagoberts; la Briche, Landhaus Gabrielens.

Ein celtischer Stamm, die Parisii, hatte P. noch vor der Römer Zeit auf einer Seineinsel (der jetzigen Cité) gebaut, die Stadt hieß Lutetia (L. Parisiorum, Parisii), bei griechischen Geographen Lukotokia (Lukotekla). P. war schon damals eine wichtige Stadt, sie war der wichtigste Schiffsplatz an der Sequana u. durch Straßen mit Augustodunum, Rotomagus u. Cäsaromagus verbunden. Als die Parisier sich gegen die Römer empört hatten u. die Ankunft des Labienus, des Legaten Cäsars, erfuhren, verbrannten sie die Stadt u. lieferten den Römern im offenen Feld eine Schlacht. Die Römer bauten die Stadt wieder auf u. errichteten warme Bäder, doch war sie lange nur von Schiffern bewohnt, bis Kaiser Julian 360 v. Chr. in P. seine Winterquartiere bezog u. hier zum Kaiser ausgerufen wurde. Eben so hielten sich Constantins u. Constantin hier auf, u. P. hatte damals schon ein Amphitheater u. die Wasserleitung von Acceuil; doch haben sich außer den 1820 restaurirten Bädern Julians sehr wenig Überreste des Alterthums erhalten. 486 eroberten die Franken P., 508 erklärte es Chlodwig zur Hauptstadt seines Königreichs u. begann den Bau der Kirche Ste. Geneviève, welchen seine Gemahlin Chlotilde vollendete. Um 650 stiftete St. Landri das Hôtel Dieu. Nachmals gab P. einem Herzogthum od. Grafschaft den Namen (s. Francien). 845 plünderten die Normannen P. u. brannten 856 u. 672 die Vorstädte ab. 885 kamen die Normannen wieder u. belagerten P. zwei Jahre lang vergebens, als Hugo Capet, Graf von P., 987 König von Frankreich wurde, machte er P. zur königlichen Residenz. Anfangs residirten die Könige im Justizpalast; indessen wuchs P. nach Norden hin, während sich im Süden die Klosterschulen ansiedelten. Um 1150 bildete sich die Universität aus den vorhandenen einzelnen Unterrichtsanstalten. 1190 theilte Philipp August die Stadt, welche bisher nur vier Quartiere gehabt hatte, in acht u. erweiterte sie. 1311 fixirte Philipp der Schöne das Parlament u. später eine Menge Behörden in P. Der Schwarze Tod verheerte in der Mitte des 14. Jahrh. P.; um diese Zeit begann der Bau des Stadthauses auf dem Greveplatze. 1367 wurde P. unter Karl V. zum vierten Mal vergrößert u. in 16 Quartiere getheilt u. zu Ende des 14. Jahrh. eine Mauer um die Stadt geführt, auch zu den zwei Brücken Pont au change u. Petit pont 1364 der Pont St. Michel u. 1414 der Pont notre Dame gefügt. Unter Karl VI. bemächtigten sich 1420 die Engländer der Stadt; 1429 versuchte Jeanne d'Are vergebens einen Sturm; Dunois eroberte aber 1436 P. für Karl VII. Unter Ludwig XI. zählte P. schon 300,000 Ew.; 1470 wurde die erste Druckerei in den Gebäuden der Sorbonne (Universität), auch die Briefpost errichtet. Unter Franz I. wurde P. sehr verschönert u. erhielt eine neue Vergrößerung. P. war der Schauplatz eines Theils der Religionskriege u. der Bluthochzeit (24. Aug. 1572). 1564 wurde der Bau der Tuilerien begonnen, 1578 der des Pont neuf; 1590 belagerte Heinrich IV. die Liguisten in P., u. 1594 ergab sich die Stadt aus Hunger. 1622 wurde P. zum Erzbisthum erhoben, 1615 der Palais Luxemburg, 1629 der Palais royal, 1635 der Botanische Garten u. 1642 ein neues Quartier (Faubourg St. Germain) angelegt. Überhaupt wurde zu dieser Zeit viel gebaut u. mehre Dörfer mit der Vorstadt St. Honoré u. St. Antoine verbunden. Während Ludwigs XIV. Minderjährigkeit fanden die Unruhen der. Fronde statt, u. der Barricadentag 1648 u.a. unruhige Auftritte störten den Frieden der Stadt, weshalb Ludwig 1649 seinen Sitz nach Versailles verlegte. Als Ludwig XIV. mündig geworden war, verschönerte er P. immer mehr, Triumphbogen erhoben sich statt der Thore auf den Boulevarts, welche nach u. nach abgetragen[695] wurden; 1665 wurde die Colonnade des Louvre u. das Invalidenhaus, so wie das Observatorium gebaut, zu derselben Zeit entstand der Tuileriengarten, die Champs Elysées, die Plätze des Victoires u. Vendôme, wurden mehre Brücken umgebaut u. der Pont royal begonnen. Die Quartiere wurden auf 20 vermehrt. Unter Ludwig XV. wurde die Stadt immer mehr vergrößert, 1751 die Militärschule auf dem Champ de Mars gegründet, 1754 der Platz Ludwigs XV. u. die neuen Boulevarts angelegt. Hier am 10. Febr. 1763 Frieden zwischen Frankreich u. Spanien, u. Großbritannien, er bereitete das Ende des Siebenjährigen Krieges vor; am 3. Sept. 1783 Friede Englands mit Frankreich, Spanien u. Nordamerika, u. am 20. Mai 1784 Englands mit Holland, welcher den Nordamerikanischen Freiheitskrieg endigte. Unter Ludwig XVI. wurde 1789, um die Contrebande zu verhüten, eine Mauer um P. aufgeführt. Die Revolution zerstörte u. änderte in P. viel; den 9. Febr. 1795 Friede der Französischen Republik mit Toscana, den 16. Mai der Französischen Republik mit Holland, den 15. Mai 1796 Separatfriede der Französischen Republik mit Sardinien, den 7. Aug. mit Württemberg, 22. Aug. mit Baden, 10. Octbr. mit Neapel, 5. Novbr. mit Parma, den 7. Aug. 1796 mit Württemberg; am 30. April 1803 hier Cessionsvertrag mit den Nordamerikanischen Freistaaten, durch welchen diesen Louisiana abgetreten wurde; 1606, 20. Juli Friede Frankreichs mit Rußland, 1810 u. 6. Jan. mit Schweden. 1814 war P. das Hauptobject der Operationen der Alliirten in Frankreich, am 29. März langten sie in dessen Nähe an, am 30. März lieferten sie die Schlacht von P. u. am 31. März rückten sie in P, welches sich durch Capitulation ergab, ein. 30. Mai 1814 der erste Pariser Frieden zwischen Frankreich u. den Alliirten; die Bourbons wurden wieder zurückgerufen u. herrschten bis zum 20. März 1815, wo Napoleon wieder in P. eintraf. Nach den Hundert Tagen u. der Schlacht von Belle Alliance wurde P. durch die Alliirten am 7. Juli 1815 wieder durch Capitulation genommen. Am 20. Nov. 1816 zweiter Pariser Friede zwischen denselben Mächten; die älteren Bourbons nahmen nun ihre Residenz wieder in P., u. unter ihnen stiegen durch den Gewerbfleiß der Pariser ganze Straßen, bes. auf den Elyseischen Feldern, in der Allée des veuves, ja selbst außerhalb der Barrière nach Montrouge u. Issy hin empor. 28. Juli 1817 Friede zwischen Frankreich u. Portugal; durch die Julirevolution vom 27.–29. Juli 1830 wurde Karl X., nach blutigen Gefechten in den Straßen von P., wieder aus Frankreich vertrieben u. Philipp Ludwig zum König der Franzosen ernannt, dieser ließ u.a. mehre Brücken bauen, mehre Abzugskanäle anlegen, mehr Beleuchtung schaffen u. vor allem die Befestigung beginnen (s. oben). Über die Februarrevolution (1848), die Junitage (1848) u. den Staatsstreich von 1851 s.u. Frankreich (Gesch.) XII. A) u. C); hier 30. März 1856 Friede zwischen Frankreich, England, Sardinien u. der Türkei einer- u. Rußland andrerseits, 4. März 1857 zwischen Großbritannien u. Persien, 26. Mai Vertrag zwischen der Schweiz u. Preußen über die Ordnung der Neuenburger Frage.

In Beziehung auf Topographie, Statistik u. dgl. vgl Sauval, Hist. et recherches des antiquités de la ville de P., 1824; M. Hébert, Dictionnaire pittoresque et historique de la ville de P., 2. Aufl. Par. 1779, 2 Bde.; de Latynna, Dictionnaire topographique, étymologique et historique des rues de P., 2. Aufl. ebd. 1817; de Roquefort, Diction. des Monumens de P., ebd. 1826; Paganiol de la Force, Description de P. et de ses environs, ebd. 1765, 10 Bde.; Renou de Jaillot, Recherches critiques, historiques et topographiques sur la ville de P., ebd. 1772–1775, 6 Bde; Mercier, Tableau de P., ebd. 1781–89, 12 Bde. (deutsch von Walch, Lpz. 1783–84, 8 Bde.); Dessen Nouveau Tableau de P., Par. 1799, 6 Bde. (deutsch von Cramer, Braunschw. 1799, 2 Bde.); Landon, Description de P. et de ses édifices, Par. 1806–9, 2 Bde.; Saint-Victor, Tableau historique et pittoresque de P., ebd. 1807, 2 Bde.; Möller, P. u. seine Bewohner, Gotha 1823; Bornstedt, Pariser Silhouetten, Lpz. 1837, 2 Bde.; P. Gauger, Wegweiser für den Deutschen in P., Stuttg. 1841; Lurine, Les rues de P., Par. 1843; Guide pittoresque de l'étranger dans P. et ses environs, n.A. ebd. 1853; I. I. Weber, Illustrirter Pariser Führer, Lpz. 18557 Derselbe, Paris, ein Blick in die Seinestadt u. ihre Umgebungen, ebd. 1855; Paris u. seine Umgebungen, Münch. 1855; Bädecker, Paris, 3. A. Coblenz 1860 u. den jährlich erscheinenden Annuaire de l'économie politique et de la statistique. Über das Pariser öffentliche Leben vgl. die Schriften von Schulz, Jäck, Raumer, Devrient, Jerrmann, O. L. B. Wolff, Koloff, Gall, Ludwig Börne (Briefe aus P., 1831–33, Par. 1832 ff., 6 Bde.), Gutzkow (Briefe aus P., Lpz. 1842, 2 Bde.), Arn. Ruge, (Zwei Jahre in P., ebd. 1845, 2 Bde.), Ad. Stahr (Zwei Monate in P., Oldenb. 1851, 2 Bde. u. Pariser Studien, ebd. 1857, 2 Bde.); über die Geschichte von P. vgl. Hurtault u. Magny, Dictionnaire historique de la ville de P. et ses environs, Par. 1779, 4 Bde.; Nouvelles annales de la ville de Paris jusqu'au règne des Hugues Capet, ebd. 1753; I. le Beuf, Histoire de la ville et du diocèse de P., ebd., 5 Bde.; Poullain de Sain-Foix, Essais historiques sur P., ebd. 1754–66, 5 Bde. (deutsch Breslau 1796); C. de Coudray, Nouveaux essais histor. sur P., pour servir de suite et de supplément à ceux de M. de Saint-Foix, Par. 1782–86, 6 Bde.; Martinet, Description historique de P., ebd. 1779, 3 Bde.; Beguillet, Histoire de P., ebd. 1780, 3 Bde.; du Castre d'Auvigny, Hist. de P., ebd. 1791, 5 Bde.; Dulaure, Histoire physique; civile et morale de P., neueste Aufl. ebd. 1837, 8 Bde.; G. Touchard-Lafosse, Histoire de P., ebd. 1834, 5 Bde.; Desselben Hist. des environs de P., ebd. 1835, 4 Bde.; M. de Gaulle, Nouvelle histoire de P. et de ses environs, ebd. 1840, 5 Bde.; Belin u. Pujol, Histoire civile, morale et monumentale de P., ebd. 18434 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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