Marienfeste


Marienfeste

Marienfeste, 1) w der Katholischen Kirche die zu Ehren der Maria, der Mutter Jesu, angeordneten Feste: A) Große M.: a) Maria Empfängniß (Festum conceptionis Mariae), das Fest zur Erinnerung, wo Maria von ihrer Mutter Anna empfangen wurde, nach Ein. schon seit dem 5. Jahrh. in Spanien, nach And. erst seit dem 11. Jahrh. in England, seit Clemens XI. (1708) von der ganzen Katholischen Kirche, u. zwar am 8. Decbr., bei den Griechen seit dem 10. Jahrh. am 9. Decbr. gefeiert; b) Mariä Geburt (Festum nativitatis Mariae, F. beatae virginis), im Oriente schon im 5. Jahrh., im Occidente aber erst im Anfange des 11. Jahrh. allgemein, fällt auf den 8. Septbr.; c) Mariä Verkündigung (Festum annunciationis Mariae), zum Andenken an die Botschaft des Engels, daß sie die Mutter des Weltheilands werden sollte; seit der ältesten Zeit gefeiert; Tag: 25. März. Wenn aber dasselbe auf einen Fastensonntag fällt, wird es auf den folgenden Tag, wenn in die Charwoche, auf den Montag nach dem ersten Sonntage nach Ostern verlegt; d) Mariä Heimsuchung (Festum visitationis Mariae), dem Andenken des Besuchs der Maria bei der Elisabeth gewidmet; wahrscheinlich erst im 13. Jahrh. entstanden, von Bonifaz IX. u. dem Baseler Concil als allgemeines Fest der Kirche erklärt; fällt auf den 2. Juli; e) Mariä Reinigung od. Lichtmeß (Festum purificationis Mariae), zum Andenken ihrer Erscheinung im Tempel zu Jerusalem nach der Geburt Jesu; Tag: 2. Febr. (s. Lichtmesse): f) Mariä Himmelfahrt (Festum assumtionis Mariae), bereits vor dem 6 Jahrh. unter dem Namen Dormitio, Assumtio, Pausatio beatae virginis gefeiert; dem Andenken an den Tag ihrer Aufnahme in den Himmel gewidmet; Tag: 15. August. B) Kleine M., welche nur in den Kirchen gefeiert werden: a) Mariä Namensfest (Festum nominis Mariae), zuerst in Spanien um 1513, dann 1683 zum Andenken des Sieges der Christen über die Türken bei Wien, durch Papst Innocenz XI. allgemein eingeführt; es wird am Sonntage nach Maria Geburt gefeiert; b) Mariä Opferung (Festum praesentationis Mariae), Aufopferung Mariens im Tempel durch ihre Mutter; im Oriente im 12., im Occidente im 14. Jahrh. bekannt; Tag: 21. Novbr.; c) Mariä Verlöbniß (Vermählung) mit Joseph (Festum desponsationis Mariae), von dem Franciscanerorden unter Paul III. begonnen, wurde dies Fest von Benedict XIII. auf die ganze Kirche ausgedehnt; Tag: 23. Jan.; d) Mariä Erwartung der Geburt Jesu (Festum expectationis partus Mariae), zuerst in Spanien gefeiert u. zwar am 18. Decbr., von Gregor XIII. 1573 approbirt; e) Mariä sieben Schmerzen (Festum septem dolorum), zur Erinnerung an die Schmerzen, welche Maria bei dem Leiden Jesu empfunden, diese sind: Jesu Abschied von ihr; seine Vorstellung mit der Dornenkrone; Kreuzigung; Tränkung am Kreuze; Klageruf an Gott, Tod u. Haltung seiner Leiche in ihrem Schoß. Darauf bezieht sich die Darstellung der Maria mit 7 durch ihre Brust gebohrten Schwertern. Mit diesem Feste steht die Sage in Verbindung, daß Maria beim Anblicke ihres leidenden Sohnes in Ohnmacht gefallen sei (daher auch Festum spasmi Mariae). Die Einführung dieses Festes rührt von dem unter, dem Bischofe Theoderich von Köln 1413 gehaltenen Provinzialconcil, die Ausdehnung auf die ganze Kirche von Benedict XIII. her. Tag: Freitag vor Palmsonntag; f) Mariä Schneefeier (Festum Mariae ad nives), zum Andenken an das unter dem Papste Liberius im 4. Jahrh. geschehene Wunder, wo auf das Gebet eines römischen Patriciers Johannes u. seiner Gemahlin zur Sta. Maria um Rath, was sie mit ihrem Vermögen anfangen sollten, in der Nacht des 5. Aug. Schnee auf den Berg Exquiliä fiel, in Folge dessen dort von jenen eine Kirche gebaut wurde; im 14. Jahrh. wurde dies Fest in ganz Rom gefeiert; Pius V. machte es für die ganze Katholische Kirche gemein; g) Fest Mariä vom Berge Karmel (Festum Mariae de monte Carmelo); es gründet sich auf Erscheinungen, welche der nachmalige Karmelitergeneral Simon Stock gehabt haben wollte; Papst Sixtus V. bewilligte 1587 dem Karmeliterorden dies Fest, Benedict XIII. aber machte es für die ganze Christenheit gemein; den 16. Juli gefeiert; h) Fest Mariä von Erlösung der Gefangenen (Festum Mariae de mercede redemptionis captivorum); es gründet sich auf eine dreifache Erscheinung, in welcher Maria dem Peter von Nolasco, Raymund von Pennaford u. dem Könige Jakob von Aragonien einen Orden zu stiften befahl, welcher die Erlösung gefangener Christen aus der Gefangenschaft der Ungläubigen zum Zweck hätte. Es wurde anfänglich blos vom Orden, welcher 1223 gestiftet wurde, dann von den Kirchen in Spanien u. Frankreich, auf Befehl des Papstes Innocentius XII. in der ganzen Christenheit gefeiert; Tag: 24. Septbr,; i) Mariä Rosenkranz (Festum rosarii beatae virginis); Anfangs ein Fest der Rosenkranzbrüderschaften, wurde es nach dem, von Don Juan von Österreich erfochtenen Siege über die Türken bei Lepanto am 7 Octbr. 1571, an demselben Tage, wo die Rosenkranzbrüderschaften in Rom um Sieg über die Ungläubigen beteten, von Sixtus V. u. Gregor XIII. zu einem eigenen Rosenkranzfeste erhoben; von Clemens X. für ganz Spanien, von Clemens XI. 1716 nach dem Siege Karls VI. bei Temesvar über die Türken für die ganze Kirche angeordnet. Das Fest heißt auch F. Mariae de victoria u. wird am ersten Sonntag im October gefeiert; k) Mariä Schutzfest (Patrocinium B. M. V.); zuerst in Spanien gefeiert, wurde es durch Benedict XIII. 1725 als Dankfest für den Schuh Mariens für die ganze Kirche eingesetzt. Tag der Feier ist ein Sonntag im Novbr.; l) Fest Mariä am Sonnabend (Festum Mariae in sabbatho); ist nicht ein eigenes Kirchenfest, sondern beruht darauf, daß schon im 11. Jahrh. der Sonnabend bes. der Verehrung Maria gewidmet war, indem man an diesem Tage immer die Messe von der seligsten Jungfrau las, wenn es nicht ein Sonnabend in der Fasten war, od. ein anderer Festtag, auf denselben fiel. Auch in der Folge ist hiernach m der Kirche der Sonnabend für einen Tag gehalten worden, welcher der Mutter des Herrn aus Andacht geheiligt sei. In der Protestantischen Kirche sind nur die Feste: Maria Reinigung, Verkündigung u. Heimsuchung als kleine Feste beibehalten, deren Feier auf den nächsten Sonntag verlegt wird.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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