Schottland [1]


Schottland [1]

Schottland, 1) früher ein selbständiges Königreich, jetzt die nördliche Hälfte des vereinigten Königreichs Großbritannien; grenzt südlich u. südwestlich in einer von der Mündung des Tweed bis zu der des Est gezogenen Linie an England (von diesem durch das Cheviotgebirge getrennt), westlich an den Atlantischen Ocean u. ist dort durch den 3 Meilen breiten Nordkanal von Irland getrennt nördlich an den Atlantischen Ocean, östlich an die Nordsee; erstreckt sich von 54°39´ nördl. Br. (Mull of Galloway) bis 58°37´ n. Br. (Cap Wrath) u. von 11°33' östl. L. von Ferro (Cap Ardnamurchan) bis 15°51' (Peterhead) u. es umfaßt, einschließlich der drei dazu gehörigen Inselgruppen: den Hebriden im Westen, den Orkneys (Orkaden) u. den Shetlandinseln im Norden, insgesammt 1478,08 geogr. QM. mit (1861) 3,061,250 Ew. S. ist meist gebirgig, des durch die Grampians (Spitze 3800 Fuß), die Lead-Pentland, Ochillhills find niedriger: Küsten mit tiefen Einschnitten u. Busen, als: Frith of Forth, F. of Tay, F. of Murray, F. of Dornoch, Loch Tongue, L. Inchard, L. Badeal, L. Enard, L. Broom, L. Ewe, L. Terridon, L. Hure, L. Newish, L. Linhe, L. Fine, Frith of Elyde, Solwayfrith u.a.; Vorgebirge: Cap Kinnaird, Tarbet, Duncansby, Wrath, Now-Stoir u. Rue, Mull of Kantyre u. of Galloway u.m.a., u. viele Inseln; Flüsse: östlich Tweed, Forth (beide schiffbar), Tay, Die, Spey u.a., westlich der Clyde; viele Landseen (Lochs), so Loch Lomond, Neß, Shiel, Tau u.a.; Kanäle: Kaledonischer Kanal (selbst für Kriegsschiffe fahrbar) u. Glasgowkanal. S. hat die romantischsten Punkte Europas, Gebirge u. Felsen wechseln mit Flüssen u. Seen, u. Burgen klönen die Höhen. Klima im Allgemeinen rauher als auf dem europäischen Continent unter gleichen Breitengraden; im Süden noch das englische, im Norden kalt; der Sommer ist in den Thälern sehr drückend, obschon zu allen Zeiten es auf dem Gebirg[403] kalt ist; das Hochland ist sehr neblig. Die Berge bringen an Producten Metalle (Silber, Kupfer, Eisen, Blei), Steinkohlen, sie tragen viel Wald mit viel Wild (jedoch wenig Raubwild, doch gibt es Füchse, Fischottern, wilde Katzen, selbst einzelne Wölfe), Wasser- u. Seevögeln; man hat viele u. gute Fische, der Häringsfang ist Hauptbeschäftigung der Küstenbewohner. Auch gibt es mehre Mineralbäder. Schon von Alters her theilt man S. nach der Verschiedenheit der Abstammung, Sprache u. Sitte der Bewohner in die Hochlande (Highlands) u. die Niederlande (Lowlands), von welchen erstere nördlich, letztere südlich von den Grampians liegen; in Beziehung auf seine Bodenbeschaffenheit aber zerfällt es in. a) Südschottland, ein fruchtbares Plateau von 2000 Fuß mittlerer Höhe, mit gut angebauten Fruchtfeldern u. schönen Waldungen, zugleich der gewerbreichste Landstrich; b) Mittelschottland, sehr gebirgig, haidig u. nicht bes. fruchtbar, u. c) Nordschottland, voll wilder Gebirge, wenig der Cultur fähig. Die Bewohner der Hochlande sind die sogenannten Hochschottländer (Bergschotten), s.u. Hochschottland; sie haben eine eigene Sprache (Gaelisch, s. Gaelische Sprache). Die Niederschotten haben zwar nicht die Tracht der Bergschotten, aber doch viel von ihren Eigenheiten; sie sind viel mit Engländern gemischt, sprechen englisch, sind aber lebhafter, gastfreier u. humaner als diese. Bei ihnen herrscht mehr Wohlhabenheit. Die Schotten beschäftigen sich mit Ackerbau, welcher an Getreide Überfluß gibt, obschon nur im Niederlande die fruchtbaren Thäler bebaut werden; ferner treiben sie Viehzucht (die Pferde sind klein, aber im Klettern geübt, die Schafzucht hat sich in neuerer Zeit sehr gehoben), Jagd, Fischerei, verfertigen manche Gewebe u.a. Industriewaaren, doch ist der Kunstfleiß dem von England noch lange nicht gleich. Der Seehandel beschäftigt über 3000 Schiffe. Eisenbahnen besitzt fast ausschließlich der südliche u. mittlere Theil von S.; Knotenpunkte sind Edinburgh, Glasgow u. Perth, von welchem letztern Orte sich auch eine Bahn nordöstlich über Aberdeen nach Kinnairds Head u. Inverneß abzweigt; die Gesammtlänge derselben beträgt über 1000 engl Meilen (ungefähr 220 deutsche Meilen). Münzen, Maße u. Gewichte sind die englischen, s.u. Großbritannien (Geogr.). Die Kirchenverfassung ist die presbyterianische u. der Presbyterianismus in S. seit der Reformation der herrschende u. durch Parlaments- u. Unionsacte von 1707 bestätigt; s. Schottland (Gesch). Die Armenpflege geht unmittelbar von den Kirchenbehörden aus. Außerdem stehen 100,000 Katholiken unter zwei Generalvikarien, welche meist in den Hochlanden u. auf den westlichen Inseln wohnen. Von der Anglikanischen Kirche sind sechs Bischöfe in partibus (ohne Diöcesen) da. Für den Volksunterricht ist in S. besser gesorgt als in England, da in jedem Kirchspiel mindestens eine Schule besteht. An Universitäten besitzt S. vier: Edinburgh, Glasgow, Aberdeen u.St. Andrews. Verfassung: S. war früher selbständiges Königreich, aber seit der Unionsacte vom 16. März 1707 mit England vereinigt unter dem Titel Großbritannien (s.d.) gilt das daselbst über Verfassung, Regierung u. Verwaltung Gesagte ebenfalls von S., jedoch ist noch Folgendes speciell zu bemerken. Zu dem gemeinschaftlichen Parlamente sendet S. 16 aus seinem hohen Adel gewählte Pairs, aber wegen seiner presbyterianischen Verfassung keinen Geistlichen ins Oberhaus, u. seit der Reformbill vom 7. Juni 1832 in das Unterhaus aus den Grafschaften 30, aus den Cities u. Boroughs 23, zusammen 53 Mitglieder. Politische Eintheilung früher in 31 Grafschaften (Shires, Connties) u. 2 Voigteien (Stewarties). von denen 88 Shires u. 1 Stewarty dem südlichen, 8 Shires dem mittlern, u. 5 Shires u. 1 Stewarty, nämlich die Orkneys- u. Shetlandsinseln dem nördlichen Theile angehörten; in neuester Zeit unterscheidet man jedoch nur noch 19 Southern Counties (Dumfries, Kirkendbright, Wigtown, Ayr, Bute Renfrew, Dumbarton, Lanark, Stirling, Linlithgow, Edinburgh [Mid-Lothian], Peebleß, Selkirk, Roxburgh, Berwick, Haddington, Fife, Kinroß u. Clackmannan mit insgesammt 428,03 geogr. QM. u. [1861] 1,975,315 Ew.) u. 13 Nordiren Counties (Perth, Vorfahr, Kincardine, Aberdeen, Banff, Elgin [Murray], Nairn, Inverneß, Argyll, Roß-and-Cromartshire, Sutherland Caithneß u. Orkney and Shetland mit insgesammt 1050,055 geogr. QM. u. [1861] 1,085,936 Ew.). Rechtspflege u. Gerichtsverfassung: Bis zur Vereinigung mit England behielt S. seine eigenen Gesetze u. das bei ihm eigenthümlich ausgebildete Common Law, seitdem gilt das Statute Law auch für S. (s.u. Großbritannien S. 679). Es gibt nur drei oberste Gerichtshöfe (Court of Session, Court of Justiciary u. Court of Exchequer, s.u. Großbritannien S. 678). Die Circuits (s. ebd) finden nur als Circuit-Courts von dem Court of Justiciary u. dem Court of Kingsbench (j. Queensbench) Statt. Das Verdict der Jury (s. ebd.) braucht nur mit einer Mehrheit von 2/3 Stimmen gefaßt zu werden. Wappen: Ein rother Löwe auf goldenem Felde in doppelter Einfassung mit untergelegten Lilien; es nimmt das zweite Feld im großbritannischen Wappen ein. Hauptstadt: Edinburgh. Vgl.: Schottländische Briefe, aus dem Englischen von E. Tope, Hannov. 1760, 2 Bde.; Sinclair, Statistical view of Scotland Edinb. 1791–98, 21 Bde., im Auszuge ebd. 1823, 2 Bde., deutsch von Schmidt, Stuttg. 1823; I. Sinclair, Statistische Nachrichten von S., deutsch von Ebeling. ebd. 1794–96, 2 Bde.; (Emilie Harms), Caledonia, Hamb. 1802–4, 4 Thle.; Playfair, Geographical and statistical description of S., Edinb. 1819, 2 Bde.; Cleland, Statistical view of S, Glasgow 1823; F. W. Spohr, Das Königreich S., Braunschw. 1825; Sack, Die Kirche von S., 1844; Kößlin, Die Schottische Kirche, 1852; Tb. Pennant, Reise durch S., Lpz. 1779–80, 2 Bde; (I. Macdonald), Reise durch S., deutsch von Soltau, Lpz. 1808; Th. Garnett, Reise durch die schottischen Hochlande, übers. von Kosegarten, Lübeck 1802, 2 Bde.; Johanne Schopenhauer, Reise durch England u. S., Lpz. 1825, 2 Bde.; Brandes, Ausflug nach S, Lemgo 1855; Karten: Spehr, Das Königreich S., Braunschw. 1825; Weiland, S., Weim. 1841. 2) District auf der britisch-westindischen Insel Barbadoes, vorzüglich gut bevölkert; 3) so v.w. Shetland.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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